Der Ukrainekrieg und die bundesrepublikanische Schafherde
In seltener Einmütigkeit erklären sich lagerübergreifend alle Bundesrepublikaner mit der Ukraine solidarisch. So gut wie niemand ergreift Partei für Rußland. Zwar bringen einige Verständnis für Putins Lage auf, sich der westlicherseits betriebenen Einkreisungspolitik zu entziehen, aber seinen Entschluß zum Einmarsch in die Ukraine billigen sie nicht. Frühere Kriege tangierten nicht grundsätzlich die Befindlichkeit der Bevölkerung. War die BRD in diese Kriege, wie auf dem Balkan oder in Afghanistan, direkt involviert, blieb man dennoch gelassen. Die finanziellen Kosten fielen nicht weiter ins Gewicht; sie verschwanden gewissermaßen im großen Weltbeglückungsbudget, an dessen Finanzierung man sich gewöhnt hatte. Die Todesopfer unter den Soldaten wurden als die zwar bedauerlichen, aber letztlich unvermeidlichen Auswirkungen eines gefährlichen Jobs verbucht. Diese Kriege lagen außerhalb des Horizonts bundesrepublikanischer Weltwahrnehmung. Dagegen ist der Ukrainekrieg sowohl räumlich wie mental in unmittelbare Nähe gerückt. Die Kosten des Solidaritätsengagements sind direkt spürbar – in horrender Inflation, Verknappung zahlreicher Güter und vor allem in der Ankündigung einer drohenden Energierationierung. Zwar mögen diese unerfreulichen Folgen andere Ursachen haben als der Krieg, die katastrophale Geldpolitik der EU, die Energiewende, die selbstverschuldete Abhängigkeit von einem globalistisch eingrenzten Weltmarkt, entscheidend ist freilich, daß sie im Bewußtsein der Bevölkerung mit dem Ukrainekrieg in Verbindung gebracht werden.
Krieg in der Ukraine: Europa ist der große Verlierer, wirtschaftlich und geopolitisch
Anfang Juni veröffentlichte das in Washington ansässige Center for Strategic and International Studies (ein Think-Tank, der dem US-Verteidigungsministerium und der US-Rüstungsindustrie, von der er reichlich finanziert wird, sehr nahe steht) einen Artikel von Antony H. Cordesman mit dem Titel „Die längerfristigen Auswirkungen des Ukraine-Konflikts und die wachsende Bedeutung der zivilen Seite des Krieges“, der den neuen nordamerikanischen Ansatz zum Konflikt in Osteuropa gut beschreibt.
Darin heißt es: „Es scheint nun möglich, dass die Ukraine ihre Gebiete im Osten nicht zurückerobern kann und nicht so schnell die Hilfe erhält, die sie für den Wiederaufbau benötigt“. Eine Hilfe, die sehr optimistisch auf 500 Milliarden Dollar geschätzt wird (eine Zahl, die den territorialen Verlust seiner reichsten Region nicht berücksichtigt). Darüber hinaus muss die Ukraine mit einer anhaltenden russischen Bedrohung rechnen, die ihre Fähigkeit zum Wiederaufbau ihrer Industriegebiete einschränken wird und die, insbesondere angesichts der erwähnten Gebietsverluste, nicht wenige Probleme im Seehandel mit sich bringen wird (das Risiko, dass Russland, sobald die Operationen im Donbass beendet sind, Odessa ansteuert und Kiew vollständig vom Schwarzen Meer ausschließt, bleibt real).
Nein, ich befürchte nicht, daß im Herbst oder Winter hier alles zusammenkrachen wird. Daß die Leute sich in „Wärmestuben“ wärmen werden, daß der Euro implodiert, daß große Teile der Industrie wegen Energieknappheit stillgelegt werden müssen und Millionen Menschen auf der Straße stehen, daß es zu gewaltsamen Aufständen kommen wird, weil die galoppierende Inflation die sprichwörtliche Butter vom Brot nimmt, alles andere sowieso, daß bestimmte Gruppen, die vom Staat leben, Mikro-Bürgerkriege entfesseln werden, weil ihr Geld nicht mehr pünktlich auf das Konto kommt, daß es größere Blackouts geben wird, daß Familien ihre Kinder nicht mehr richtig ernähren werden können und deshalb dann das ganze Scheißsystem schließlich kollabieren wird.
Von der Kulturrevolution zum Kulturkampf: Linksextremisten an der Macht
Nach der linken Machtergreifung
Die Kulturrevolution der 1968er Linksextremisten hat rund 50 Jahre später zu ihrer Machtergreifung geführt. Zahlenmäßig in der Minderheit, zwingen sie der Mehrheitsgesellschaft einen Kulturkampf auf, der alle hergebrachten Werte zerstören und die verwurzelten Einstellungen der Deutschen umkrempeln soll. Er wird mit den Mitteln der Massenmedien, der moralisierenden Einschüchterung und jetzt auch der Regierung und Gesetzgebung geführt.
Vorbild der Kulturkämpfer war Mao Tse Tung:
„Die Große Proletarische Kulturrevolution ist eine Revolution, die die Seelen der Menschen erfaßt hat. Sie trifft die grundsätzliche Position der Menschen, bestimmt ihre Weltanschauung, bestimmt den Weg, den sie bereits gegangen sind oder noch gehen werden und erfaßt die gesamte Revolutiongeschichte Chinas. Dies ist die größte, in der Geschichte der Menschheit noch nie dagewesene, Umwälzung der Gesellschaft. Sie wird eine ganze Generation von standhaften Kommunisten heranbilden.“
Mao Tse Tung, zit nach Changshan Li: Die chinesische Kulturrevolution (1966–1976) im Spiegel der deutschen und chinesischen wissenschaftlichen Literatur (1966–2008). Diss. Bonn 2010, urn:nbn:de:hbz:5-19812. S. 99 (Wikipedia).
In meiner Schülerzeit kursierten kleine, lila „Mao-Bibeln“, von Agitatoren kostenlos verteilt. Sie hetzten die junge Generation gegen die alte und ihre Wertvorstellungen auf. Die Aussaat war fruchtbar. Sie erfaßte „die Seelen“, wie Mao forderte.
Die „Seelen“ verstand der Atheist Mao nicht wörtlich und nicht im religiösen Sinn, sondern als Metapher. Sie steht für die tiefsten, nicht weiter hinterfragten Grundanschauungen der Menschen von gutem und richtigem Zusammenleben. Sie werden überliefert und wie Wahrheiten geglaubt. Traditionell legen Gesellschaften sie ihren Göttern und deren Geboten in den Mund. Wer gegen die heiligsten Tabus oder göttliche Gebote verstößt, verläßt den gesellschaftlich akzeptierten Rahmen.
Ein alter Hut – „Konzertierte Aktion“: Olaf Scholz, Arbeitgeber und Gewerkschaften stimmen Bürger auf Krise ein
Bundesregierung, Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften wollen im Schulterschluss einen drohenden Abschwung in Deutschland verhindern. „Die aktuelle Krise wird nicht in wenigen Monaten vorübergehen“, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) nach dem Auftakt der „Konzertierten Aktion“ im Kanzleramt in Berlin. Unterstützung erhält er dabei sofort von Arbeitgeberpräsident Dulger: „Vor uns liegen schwierige Jahre“! Sein Counterpart, die DGB Chefin Yasmin Fahimin, fällt zustimmend in den gemeinsamen Tenor ein: „Es geht darum, eine Rezession zu verhindern.“
Als Begründung müssen Russlands Krieg in der Ukraine und die Corona-Pandemie herhalten. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass sich diese Lage auf absehbare Zeit nicht ändern wird. Wir stehen vor einer historischen Herausforderung“, so Scholz.
Auf den ersten Blick will eine derartige Rhetorik weismachen, dass es hierbei um gemeinsames Interesse gehe und dass die Beschäftigten die unangenehmen Entscheidungen mittragen sollen. In Wirklichkeit handelt es sich bei der sogenannten „Konzertierten Aktion“ aus sozialpatriotischer Sicht um einen weiteren Sündenfall deutscher Lohnpolitik zulasten der Arbeitnehmer und Beschäftigten. Die Älteren unter uns wissen, dass der Vorstoß nicht neu ist und in der Vergangenheit mit ähnlicher Zielsetzung versucht wurde.
Ein 9-jähriger Junge mit Zahnlücke und Kassengestell steht an einem heißen Sommertag in einem Mannheimer Arbeiterviertel an einer Ladenkasse und kauft sich aus seinem Angesparten – ein paar Münzen Deutsche Mark – eine Kassette.
Nicht nur irgendeine Kassette, sondern die erste Kassette seines noch jungen Lebens. Nicht, dass er bereits einen bewussten Musikgeschmack hätte, nein. Er ist musikalisch ja noch nicht im geringsten sozialisiert. Aber diese Kassette hat es ihm irgendwie angetan. Diese kontrastreiche Farbgebung, die merkwürdigen, geheimnisvoll-gefährlich, aber auch irgendwie anziehend aussehenden Maskengestalten, die aufregende Schrift, dieser kurze, prägnante Name… KISS!
Zu Hause in seinem kleinen Dachzimmerchen schiebt der Dreikäsehoch die Kassette in seinen brandneuen roten Nordmende Kassettenrekorder. Gespannt drückt er auf „Start“ – und es ertönen die ersten Takte einer komplett neuen Welt, die sein Leben verändern sollte: „I’m a legend tonight“.
„I’m a legend tonight“
Er kann die Worte dieser fremden Sprache noch nicht verstehen, aber der Klang des Gesangs und der Musik resoniert und fasziniert. Sofort ist der Junge Feuer und Flamme für diese neue Sinnes- und Gefühlserfahrung. Ohne es zu verstehen, transportiert diese Musik Selbstvertrauen, Kraft und Rebellion in ihn, diesem Gastarbeiterkind, das nicht wenig unter der cholerischen Fuchtel seines dominanten und narzisstischen Balkanvaters steckt.
Und so war KISS der Zündfunke der Entwicklung zur nach und nach jugendlichen Persönlichkeit, die rebellierte, sich selbst behauptete, die Masse mied und hinterfragte, sich an stupiden Regeln und Ungerechtigkeiten rieb, sich in Musik und Bücher stürzte und sie verschlang, und mit jedem Familienurlaub die fremden Welten im Balkan, in Österreich, Frankreich und Italien mit großen Augen aufsog.
So war das also, Anfang der 1980er Jahre.
KISS-Abschiedstournee
Heute, genau 40 Jahre nach dem Kauf dieser Kassette, sah ich KISS zum ersten und zum letzten Mal in meinem Leben live. Es ist ihre Abschiedstournee, nach über einem halben Jahrhundert im Musikbusiness, die Masterminds Gene Simmons (mein damaliges Idol) und Paul Stanley gut in ihren 70ern. Natürlich gab es Feuer und Explosionen, Blut wurde gespuckt, jeder bekam sein Solo und die Gitarren wurden ständig gewechselt, wie es sich für richtige Rockstars gehört.
Für mich war es aber eher ein nostalgischer Akt, eine Art Reverenz erweisen und Abschied nehmen, denn eine bierselige Party zum Abrocken. Man merkt der Band ihr Alter an, die vielen Jahre mit den immer gleichen Songs und Bühnenbewegungen. Im Grunde stehen da vier geschminkte Opis in 20 Kilogramm schweren Stiefeln im heißen Scheinwerferlicht und werden von rechts und links mit Flammen traktiert während sie versuchen, die jüngere Version ihrer selbst wiederzukauen. Es sah… müde aus. Und ich meine sogar hier und da Backing-Track support gemerkt zu haben, z.B. wenn der Gitarrensound sich nicht veränderte obwohl Paul kurz aussetzte.
Aber darum geht es ja auch nicht. KISS ist eine Legende und ein DNA-Bestandteil des 20. Jahrhunderts, und sie verabschieden sich nun. Ehrensache, dabei zu sein und den Kreis zu schließen.
Die Kassette gibt es noch, den kleinen Jungen nicht mehr, der ist jetzt fast 50, bekommt graue Haare und hat selbst seit langem Kinder. Der 6-jährige Junge mit Zahnlücke, aber ohne Kassengestell fand KISS interessant, aber auch „gruselig“, als ich ihm gestern ein paar Konzertausschnitte auf Youtube gezeigt habe. Immerhin. Aber er wird schon selbst zu seinem eigenen Musikgeschmack und seiner eigenen Rebellion finden.
Vorbild China: neuer Totalitarismus, Menschen ohne Eigenschaften und technokratischer Funktionalismus
Nach dem Tode Maos hatte unter Teng Hsiao Ping und Hua Guofeng eine Entideologisierung und relative Liberalisierung eingesetzt. Nicht nur wurde durch die Einführung marktwirtschaftlicher Prinzipien ein echtes Wirtschaftswunder ermöglicht, sondern es wurden auch in gewissem Umfang bürgerliche Freiheitsrechte zugelassen. Insbesondere konnten die Chinesen sich in der Privatsphäre nahezu ungehindert frei entfalten, sofern damit nicht unmittelbar politsch relevante Sachverhalte berührt wurden. Eine ähnliche Entwicklung fand auch in Rußland statt.
Nach diesem Tauwetter ist das Klima unter Xi Jinping wieder eisiger geworden. Auch wenn sich hinsichtlich der Wirtschaft und im Bereich des privaten hedonistischen Konsums nichts geändert hat, so hat sich das Ausmaß sozialer Kontrolle beträchtlich verschärft. Paradigmatisch hierfür steht das geplante und in Teilen bereits realisierte bigbrotherartige elektronische Kontrollsystem. Sieht man von den Details der technischem Umsetzung ab, so besteht es inhaltlich in einem Kanon erwünschten Verhaltens, der eingehalten werden muß, um sozial akzeptiert zu werden. So neutral formuliert, hört sich dies nicht besonders bedenklich an, da ja auch formale Gesetze im Grunde nichts anders sind als ein Kanon erwünschten Verhaltens. Der Unterschied besteht in folgendem:
1. Die Regulierungen betreffen nicht nur nach allgemeinem Verständnis strafwürdiges Verhalten, sondern greifen weit in den vorjustiziellen Bereich des Sittlichen hinein. Mit anderen Worten: es werden Verhaltensweisen sanktioniert, die üblicherweise als unschicklich aber nicht strafwürdig gelten. An die Stelle informeller sozialer Ächtung durch die unmittelbar persönliche Umwelt tritt formelle Bestrafung.
2. Strafwürdiges Verhalten wird im nachhinein sanktioniert. Durch das System einer umfassenden Überwachung soll dagegen bereits der Ansatz zu strafwürdigem Verhalten beseitigt werden. Es soll also präventiv verhindert werden, daß es überhaupt zu sozial unerwünschtem Verhalten kommt.
Auch unter Putin in Rußland ist die ursprünglich im Rahmen von Perestroika erfolgte Ausdehnung des Freiheitsspielraums sukzessive zurückgenommen worden. Die Parallele zur Lage in der BRD drängt sich auf. In allen drei Ländern, China, Rußland, BRD, läßt sich eine Zunahme sozialer Kontrolle und damit einhergehend von Freiheitsverlusten beobachten.
Hannes Wader, der „nationalrevolutionäre“ Liedermacher, der fast 15 Jahre der DKP angehörte, sich dann aber Mitte bis Ende der achtziger Jahre vom „real existierenden Sozialismus“ entfremdete und schließlich abwandte, ist für mich seit den siebziger Jahren einer der großartigsten Musiker in diesem Lande. Kaum ein anderer hat soviel für das traditionelle deutsche und plattdeutsche Volksliedgut, die 48er-Revolutionslieder und die Arbeiterlieder getan wie er. Was von vielen Konservativen und Rechten leider nicht erkannt wird. Aber bis heute haben weder Konservative noch Rechte aller Couleur es vermocht, einen entsprechenden Liedermacher, ein Duo oder eine Band hervorzubringen, die Wader auch nur ansatzweise das Wasser reichen können.
Die Gruppe Ougenweide – Tanderadei, tanderadei, schon sang die Nachtigall
Mint + Die alternative Scheibenschau
In dieser Rubrik werden Tonträger sowohl aus meiner eigenen, umfangreichen Schallplattensammlung als auch Neuerscheinungen vorgestellt.
Die in der Überschrift verwandte Bezeichnung „Mint“ stammt aus dem Englischen und ist international unter Sammlern ein anerkanntes Qualitäts- und Gütesiegel
zum Zustand der Platte und der dazugehörigen Hülle bzw. Verpackung. Wenn Sie hinter einem Angebot die Bemerkung m/m lesen, dann können Sie davon ausgehen, dass der angegebene Titel im einwandfreien Zustand ist. Mit einem angehängten Minus- oder Pluszeichen lässt sich das Ganze noch ein wenig ausdifferenzieren.
Wenn ich, lieber Leser, Scheiben älteren Datums vorstelle, empfehle ich, falls sie den Titel käuflich erwerben wollen, vorher ein wenig im Netz zu recherchieren. Meist findet man ihn für schmales Geld im oft sehr guten Zustand. Bei Neuheiten empfiehlt es sich sowieso, ein halbes Jahr zu warten, dann purzeln die Preise wie von selbst. Die Veröffentlichungsflut lässt aus ökonomischen Gründen gar nichts anderes zu.
Die GruppeOugenweide: Tanderadei, tanderadei, schon sang die Nachtigall
„Tanderadei, tanderadei, schon sang die Nachtigall“. Diese Textzeile ist mir immer noch im Ohr, wenn ich an die legendäre Volksmusikgruppe „Ougenweide“ denke. Obwohl sich die Gruppe vor über 30 Jahren aufgelöst hat, gilt sie immer noch als „Erfinderin“ des Minne-Rock und damit als Vorreiterin des heute üblichen Pagan-/ Mittelalterrocks von Bands wie etwa „In Extremo“ oder „Feuerschwanz“.
Die kriegerischen Pazifisten: linke Lebenslügen und der entfesselte Bellizismus
Obwohl ich durchschnittliche Filme schon nach wenigen Monaten völlig vergessen habe, was auch dazu führt, daß ich sie ein zweites Mal anschaue, was ich leider erst nach einiger Zeit mitbekomme, ist mir ein eher schlechter Kriegsfilm wegen seines ideologischen Hintergrunds in Erinnerung geblieben. In diesem spielt Robert Mitchum einen pazifizistischen Kriegsberichterstatter, der sich standhaft weigert, eine Waffe in die Hand zu nehmen. Obwohl er dadurch öfters Konflikte heraufbeschwört, bleibt er seiner Gesinnung treu. Eines Tages gerät die Einheit, der er sich zum Zwecke seiner Reportagetätigkeit angeschlossen hat, unter den Beschuß zweier deutscher Scharfschützen, die sich in einem Kirchturm verschanzt haben, was, nebenbei bemerkt, wirkliche Scharfschützen niemals tun würden, da sie sich in einer solchen Stellung exponieren und sich von einer Rückzugsmöglichkeit abschneiden. Nachdem einige Kameraden getroffen wurden, schnappt er sich eine MPi, schleicht sich an den Kirchturm heran und tötet die beiden Deutschen.
Robert Mitchum: von pazifistischer Gewaltlosigkeit zu heldenhaftem Kampfeswillen – oder: die Parabel von den bundesrepublikanischen Grünen
Bemerkenswert ist nicht nur der abrupte Wandel von pazifistischer Gewaltlosigkeit zu heldenhaftem Kampfeswillen, sondern auch die erstaunliche Emanation einer militärischen Befähigung, dank derer ein des Kampfes ungewohnter Zivilist zwei Elitesoldaten auszuschalten vermag. Mitchum verkörpert den typischen guten Amerikaner, der den Krieg verabscheut, weil er sich an humanistischen und demokratischen Idealen orientiert. Der gute Amerikaner will keinen Krieg, aber zuweilen wird er durch die Bosheit des Feindes dazu gezwungen, zu den Waffen zu greifen. Weil er nur sich und seine Werte verteidigt, ist sein Kampf gut und gerecht. Anscheinend korreliert nun auch militärisches Können mit sittlichem Wollen, denn anders ist es nicht zu erklären, wie des Waffenhandwerks ungeübte Menschen plötzlich zu Meistern des Kampfes mutieren. Der an sich Friedfertige ist aufgrund seiner sittlichen Größe zum Kampf nicht nur bereit, sondern auch befähigt. Man kann es sich leisten, sich friedfertig zu zeigen, weil man die im Inneren verborgene Kampfesfähigkeit jederzeit, wenn es erforderlich ist, abrufen kann. Ist die Gesinnung gut, wird sich alles Weitere fügen.
Vermutlich wird man bereits erahnen, was die parabelhafte Einleitung zeigen will. Der von Mitchum dargestellte Reporter gleicht den bundesrepublikanischen Grünen, die anläßlich des Ukrainekrieges ihren Pazifismus über Bord geworfen haben und nun vehement den Widerstand der Ukrainer unterstützen, ja sogar bedenkenlos nicht vor einer Eskalation zum Weltkrieg zurückschrecken. Was ist von einem Pazifismus zu halten, der, sobald die Probe aufs Exempel gemacht wird, fallengelassen wird wie ein nasses Handtuch?