von Hanno Borchert
Die Romantik des Untergangs: Wenn die Sehnsucht nach Stille zum Wunsch nach Stillstand wird.
Eine Antwort auf Götz Kubitscheks Artikel „Das Eigene“
Götz Kubitschek, Herausgeber des Verlags „Antaios“ und des seit gut 23 Jahren erscheinenden Magazins „Sezession“, hat auf dessen Webseite kürzlich den Artikel „Das Eigentliche“ veröffentlicht. ( https://sezession.de/71236/das-eigentliche) Darin beschreibt er seine Reaktion auf eine Kunstinstallation, die offenbar die Qualen, den Schmutz und den Lärm moderner Maschinen und des Stadtlebens darstellen soll.
Der Text zeichnet ein rauschhaftes, düsteres Bild: die Sehnsucht nach totalem Stillstand, das Verstummen der eigenen Sinne und schließlich das Ende einer modernen Welt, die als unerträgliche Zumutung erscheint. Was der Autor als „einzig wahre Revolution“ bezeichnet, ist bei näherem Hinsehen aber keine politische Befreiung. Es ist die ästhetische Kapitulation vor einer Wirklichkeit, die er nur noch als Zumutung wahrnimmt. Ein Kulturpessimismus, der die Ruhe des Friedhofs mit Erlösung verwechselt.
So radikal sich der Text gibt: Neu ist diese Haltung nicht. Der Autor greift auf einen alten kulturkritischen Fundus zurück. Seine Tradition reicht im deutschen Sprachraum mehr als hundert Jahre zurück und war schon immer von tiefem Mißtrauen gegenüber dem zivilisatorischen Fortschritt geprägt.

