Hervorgehoben

Freiheit bedingt Verantwortung

Bildquelle: »Genosse was hast du mit der roten Fahne gemacht?« Quelle: Sieghard Pohl, »extra muros«. Kurzprosa Grafik Malerei Objekte, erschienen im Verlag Siegfried Bublies, Koblenz 1990.

von Siegmar Faust

Freiheit bedingt Verantwortung

Dreißig Jahre nach dem Gottesgeschenk des Mauerfalls spitzt sich wieder etwas zu, und das nicht nur in Deutschland. Erleben wir eine Wiederkunft des Totalitären? Und das 30 Jahre nach der ersten Revolution, die zumindest den Mitteldeutschen gelungen war, und das sogar in einer völlig unerwarteten und neuen Qualität, nämlich in einer friedlichen Revolution? Waren wir Deutschen denn nicht am Tag nach dem Mauerfall vom 9. November 1989 „das glücklichste Volk der Welt“, wie es der stets rotbeschalte Regierende SPD-Bürgermeister von Berlin-West, Walter Momper, damals in die Mikrofone rief?

Natürlich war das eine dumme Übertreibung, denn wie sollten die ehemaligen Profiteure und deren Handlanger über den Sturz oder Zusammenbruch ihres „ersten Arbeiter-und-Bauer-Staates auf deutschem Boden“ glücklich sein? Und nicht nur das, denn der ganze Ostblock mit der Hauptstadt Moskau brach in sich zusammen. Die linke „Intelligenzija“ des Westens war entsetzt. Wer wollte denn von denen gar noch die Wiedervereinigung? Herr Momper, Oskar Lafontaine, Nobelpreisträger Günter Grass, Willy Brandt und sein ehemaliger Staatssekretär und persönlicher Freund Egon Bahr wollten sie wie die meisten anderen Sozialdemokraten jedenfalls nicht. Noch im Spätherbst 1988 bezeichnete Bahr die Forderungen nach der Wiedervereinigung als „politische Umweltverschmutzung“. Selbst noch fünf Tage nach dem Fall der Mauer nannte er es eine „Lebenslüge, über Wiedervereinigung zu reden“. Brandt sagte im September 1988 in einem Vortrag der Friedrich-Ebert-Stiftung: „Durch den Kalten Krieg und seine Nachwirkungen ist die Hoffnung auf Wiedervereinigung geradezu zu einer spezifischen Lebenslüge der 2. Republik geworden“. Doch nur sein nachträglicher Satz, als die Einheit nicht mehr zu verhindern war, hat sich ins Gedächtnis der Nation eingebrannt: „Es wächst zusammen, was zusammengehört“. In diesem Stil der verwirrenden Widersprüche stolperten die ideologisch zumeist vernagelten Politiker in die ungewollte, aber von den demonstrierenden Massen vor allem in Leipzig, Dresden und Plauen erzwungene Einheit Deutschlands hinein. Wobei auch nicht vergessen werden darf, dass die meisten durchaus mutigen Bürgerrechtler, die später mit Orden und Ehrenzeichen dekoriert wurden, anfangs weder die Wiedervereinigung noch die Abschaffung des Sozialismus anstrebten, den sie lediglich im Sinne Rudolf Bahros oder Robert Havemanns reformieren wollten. Doch solche Halbheiten bilden in brenzligen Situationen oft eine Brücke zwischen den Extremen und können dadurch eine gewaltsame Eskalation verhindern.

Der „Zeit“-Journalist Theo Sommer sekundierte damals, als schon jeder Sensible das Ende der SED-Diktatur erahnen konnte: „Die Bürger des anderen deutschen Staates bringen ihm (Honecker) fast so etwas wie stille Verehrung entgegen“. Diesem Blödsinn von marxistisch verseuchten, doch großbürgerlich prassenden Gesinnungsjournalisten und den jakobinischen Tugendterroristen im „Kampf gegen rechts“ setzte Axel Springer mit Kurt Schumacher die simple Tatsache entgegen, dass Kommunisten überall, wo sie an die Macht gelangten, sich als „rotlackierte Nazis“ entlarvten. Der SED-Staat war demzufolge nicht nur für den Verleger Springer ein Verbrecherregime, sondern besonders für deren Widerständler und vielen Opfer, denen Springer gern Chancen in seinem Verlag einräumte, darunter Günter Zehm, Ulrich Schacht, Lutz-Peter Naumann oder den Perser Hossein Yazdi, der 16 Jahre als politischer Häftling einsaß und dann 36 Jahre für Springer als Journalist arbeitete. Jeder, der dort als Journalist arbeiten wollte, musste folgende vier Punkte unterschreiben:

  1. Das unbedingte Eintreten für die friedliche Wiederherstellung der Deutschen Einheit in Freiheit.
  2. Das Herbeiführen einer Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen, hierzu gehört auch die Unterstützung der Lebensrechte des israelischen Volkes.
  3. Die Ablehnung jeglicher Art von politischem Totalitarismus.
  4. Die Verteidigung der freien sozialen Marktwirtschaft.

In der Springer-Zeitschrift „Kontinent“, in der vor allem die osteuropäischen Dissidenten zu Wort kamen, veröffentlichte Springer 1977 wie ein Prophet das Folgende:

„Wenn es gelingt, die Völker Osteuropas, einschließlich der Sowjetunion, gegen die Lüge der Gewalthaber immun zu machen, indem wir die Wahrheit als Elixier der Freiheit auf allen Wegen über Mauern und durch Zäune schaffen, dann bereiten wir jene Revolution des Geistes vor, die noch immer die Lüge außer Kraft gesetzt und Diktatoren, Gewaltregime und Unterdrücker gestürzt hat. Das klingt heute wie ein Märchen. Ist es nur ein Märchen? Es gab einmal einen Mann namens Theodor Herzl. In scheinbar aussichtsloser Lage versprach er den Juden einen Staat, auf den sie seit 2000 Jahren tagtäglich – vergeblich – hofften. Herzl hämmerte den Juden ein: ,Wenn ihr es wollt, ist es kein Märchen.‘ Das heißt für uns: Wenn wir nur wollen, wenn wir alles wagen, dann ist die Freiheit kein Märchen. In Deutschland nicht. In Polen nicht. In Ungarn, Rumänien, der Tschechoslowakei und den baltischen Staaten nicht. Und nicht in Russland.“

Schade, dass Axel C. Springer, der 1985 verstarb, das nicht mehr auf Erden erleben durfte, was er vorausgesehen hatte. Auch Matthias Walden und Franz Joseph Strauß hätte ich das sehr gegönnt.

In Osteuropa hat der Marxismus in seinen verschiedenen Auslegungen faktisch ausgedient, denn mit den marxistischen Altkadern, die noch überdurchschnittlich in allen möglichen Verwaltungen unterkamen, sogar in der Stasi-Unterlagen-Behörde, stirbt er nun größtenteils ab, weil diese Funktionäre selber wegsterben. Doch in den westeuropäischen und amerikanischen Hochschulen erfreut sich der Marxismus ansteigender Beliebtheit. Das alles dient dazu, die westliche „Wertegemeinschaft“ noch weiter zu spalten, was den nächsten Weltenbeglückern unter dem Ruf „Allahu Akbar!“ nur recht sein kann. Der westliche „Gutmensch“, vor allem in seiner Extremform als „Bessermensch“ verharmlost nicht nur die islamische Gefahr, sondern wird – bewusst oder unbewusst – zu ihrem Werkzeug. Die Grundlage, die sie verbindet, ist die totalitäre Deutungshoheit mit dem anknüpfenden Herrschaftsanspruch.

Doch ich möchte lieber nah an der mich umgebenden Gegenwart bleiben, denn geist- und gefühlsverwirrte Gefälligkeitskünstler und ebensolche Politiker und Wissenschaftler hatten ausgerechnet den SED-Juristen Gregor Gysi mit zum Festredner des 30. Jahrestages der friedlichen Revolution ausgerechnet in der ehemaligen „Heldenstadt“ Leipzig auserkoren, also jenen Mann, der die totalitäre SED und deren Vermögen gerettet hat, obwohl diese Partei verboten gehört hätte, wie 30 Jahre zu spät Theo Waigel, der ehemalige Spitzenfunktionär und spätere Ehrenvorsitzende der CSU, selbstkritisch zugab. Zum Glück haben sich viele ehemalige Bürgerrechtler und Dissidenten zu einem Protestschreiben aufgerafft, mit dem dieser Skandal gerade noch verhindert werden sollte.

Doch warum konnte niemand der Bundeskanzlerin und ihren Lakaien Einhalt gebieten? Würde man allein die völlig gegensätzlichen Aussagen der ersten deutschen Bundeskanzlerin aneinanderreihen, dann käme eine lange Litanei zustande. Hier nur ein Aspekt: Im Oktober 2000 sagte sie deutlich, dass „die multikulturelle Gesellschaft keine lebensfähige Form des Zusammenlebens ist, und das glaube ich auch.“ 2004 tritt sie entschlossen vorm Bundestag für die „Steuerung und Begrenzung von Zuwanderung“ ein. Noch 2010 beteuert sie, dass der „Ansatz Multikulti … absolut gescheitert“ sei. Fünf Jahre später lässt sie gegen sämtliche Vernunft und alle bestehenden Gesetze, natürlich ohne den Willen des Souveräns einzuholen, 1,5 Millionen illegale Einwanderer, überwiegend junge Männer ohne Pass, aber mit modernen Handys ins Land und in die deutschen Sozialsysteme strömen. Schlepperbanden machen riesige Geschäfte, Hunderte ertrinken im Mittelmeer. Plötzlich werden Milliarden Euros locker gemacht, obwohl für die maroden Schulen, Straßen, Brücken, für die Wohnungsnot und Aufstockung erbärmlicher Renten bisher keine Gelder übrig waren.

Merkels politische Linie besteht lediglich darin, sich opportunistisch jedem anzubiedern, möglichst wenig zu ändern, denn eigene Ziele oder Entscheidungen zu vertreten, dazu hat sie kein Talent. Ihr Leitmotiv ist unter Politikern nur allzu bekannt: „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern.“ Aber eins beherrscht sie bestens: in fast jede Aussage eine Einschränkung einzubauen, die es möglich macht, bei Bedarf genau die gegenseitige Position vertreten zu können. Katastrophal wird es, wenn grundsätzliche Entscheidungen verlangt werden, die nicht mit einer pro-forma-Konzession an Gegner in der Koalition zu bewältigen sind. Und für diese katastrophale Politik „verdient“ diese gewählte Frau täglich über 1.100 Euro, die immer weniger Rentner im Monat bekommen.

Zunehmend verstärkt sich bei vielen verantwortlich denkenden Menschen der Eindruck, in Absurdistan zu leben oder gar in einem Irrenhaus, dessen Ärzte sich zudem noch anschicken, sich einem neuen Totalitarismus zu ergeben, der als Religion daherkommt und eine brutale Welteroberungspolitik betreibt, sobald er sein Lehrbuch, den Koran, auch nur halbwegs ernst nimmt. Damit das nicht so auffällt, wird ein CO2-Gespenst aufgeblasen, welches die Welt retten soll und natürlich die Zukunft unserer Kinder, die sich dafür mit einem abnormen Schulmädchen an der Spitze den Freitag zum Schulstreiktag „erkämpft“ haben.

Freilich, diesem Jetztzustand gehen immer unkorrigierte Fehler und fehlgeleitete Ideologien voraus.

Diese alle aufzuzählen übersteigt die Kraft und Zeit eines Einzelnen. Doch es bleibt, um es noch ganz allgemein zu sagen, folgende Beobachtung im Raum: Wenn Menschen, die sich dem Allgemeinwohl verpflichtet fühlen und politische Ämter anstreben, nicht mehr prinzipiell denken und damit auch keinen Überblick über allgemeine Zusammenhänge erlangen können, dann ist es kein Wunder, dass sie Wesentliches nicht mehr von Unwesentlichem unterscheiden können. Sie wollen populär sein, um die mildeste Variante anzunehmen, stempeln zugleich selber jeden Kritiker als Populisten ab.

Unter solchen konturlos-unberechenbaren Regenten bildet sich immer auch eine konturlose Mehrheit von verschiedensten Mitläufern, die sich wie in jeder Diktatur rasch und billig auf Schlag-Worte einigen, mit denen nicht nur drohend herumgefuchtelt, sondern auch durch die Antifa-SA kräftig zugeschlagen wird. Das erhöht das Selbstwertgefühl minderwertiger Kreaturen, die nun im Herdengefühl unter jeder dummen Kuh den Kampf ausrufen, in allererster Linie natürlich „gegen Rechts“, deren Vertreter dadurch wiederum zum Gegenterror aufgerufen werden:

„Gegen Rechts hilft kein Sexismus, unsere Antwort: Feminismus“,

„Ob friedlich oder militant – wichtig ist der Widerstand!“, „Ob Ost, Ob West – nieder mit der Nazipest!“,

„Nazis gibts in jeder Stadt – bildet Banden macht sie platt!“,

„Grenzen von der Karte streichen – Staaten müssen Menschen weichen!“,

„Kein Mensch ist illegal – Bleiberecht überall!“,

„Was kotzt uns so richtig an? Einteilung in ›Frau‹ und ›Mann‹!“,

„Die Bullen üben fleißig für ein neues dreiunddreißig!“,

„Gegen das Konstrukt aus Rasse und Nation – Für die soziale Revolution!“,

„Lasst es krachen, lasst es knallen, Deutschland in den Rücken fallen!“,

„Kapitalismus, scheiße wie noch nie! Für den Kommunismus und die Anarchie!“,

„Alles für alle und zwar umsonst!“,

„Kein Gott, kein Staat, kein Vaterland – Schwarz, Rot, Gold wird abgebrannt!“,

„Ich war, ich bin, ich werde sein – Die Revolution wird die Menschheit befreien!“,

„Erst kommt das Essen, dann kommt die Moral – Wohlstand für alle – Kampf dem Kapital!“…

Nach der Auflösung der Roten Armee Fraktion (RAF) verschob sich die Aufmerksamkeit auf das Gefahrenpotenzial des braunen (NSU-Morde, Politikermord, antisemitischer Anschlagsversuch mit Schusswaffenmorden) und des islamischen Terrors. Brandanschläge auf die Stromversorgung, zerstörte Bahngleise, krankenhausreif geprügelte Politiker, Angriffe auf Polizisten und Rettungskräfte, Ehrenmorde, Messerattacken, Vergewaltigungen, Erpressungen, Sprengungen von Geldautomaten und dergleichen mehr überlasten nicht nur die Polizei sowie das gesamte Justizsystem, während die zunehmenden Übergriffe aus dem linksextremen Spektrum verharmlost werden und demzufolge kaum erforscht sind. Von den sich immer weiter ausbreitenden arabischen und kurdischen Gangster-Clans will ich gar nicht erst zu berichten beginnen.

Immerhin, Prof. Klaus Schroeder, der an FU Berlin über Linksextremismus forscht, weist nach, dass sich im Jahr 2017 1200 Gewalttaten von rechts fast doppelt so vielen Ausschreitungen von links gegenüberstehen. Doch in unseren Erziehungsmedien wird das genau andersherum dargestellt. Eine riesige Lobby-Gruppe mit der ehemaligen Stasi-Mitarbeiterin Anetta Kahane an der Spitze verdient sich dumm und dämlich im bewusst einseitigen und damit totalitären „Kampf gegen rechts“. In einem demokratischen Staat, für den ich mich wie jeder andere Konservative auch einsetze, müsste ein erbarmungsloser Kampf gegen alle Extremisten geführt werden, die kriminell, also revolutionär mit Terror und Gewalt den vernünftigen Ordnungsrahmen unseres Grundgesetzes bewusst zerstören oder außer Kraft setzen wollen.

Natürlich bin ich mir bewusst, dass die Demokratie immer nur eine zum Durchschnitt neigende Diktatur der Mehrheit ist, wenn… Ja, wenn es keinen Verfassungsrahmen gäbe, der den Ordnungsrahmen aller Freiheiten bildet, damit keine Willkür oder Anarchie, also das primitive Recht des Stärkeren herrschen kann. Freiheit ohne Disziplin und Verantwortung führt ins Chaos und bereitet Terror vor. Es lässt sich auch verkürzt sagen: Chaos neigt dem weiblichen Wesen zu, Ordnung dem männlichen. Das provoziert und soll es auch. Es besteht durchaus die berechtigte Frage, ob vielleicht erst das Chaos das Denken nährt.

Wer sich als gemäßigter Linker nicht vom Kulturmarxismus abgrenzt, will die Grundlagen der westlichen Welt, die sich sowohl durch Freiheit als auch durch Wohlstand charakterisiert, unterminieren. Linke Utopisten laufen gegen jedes machbare System an, das irgendetwas mit Kapitalismus oder Marktwirtschaft zu tun hat. Was bleibt davon übrig, wenn die soziale Marktwirtschaft abgeschafft würde? Planwirtschaft, Diktatur der Bürokratie und ideologischer Machtterror. Das heißt Armut, Zerstörung der Umwelt, der Kultur und Tradition. Was blüht stattdessen auf? Angst, Misstrauen, Ideologie und Verlogenheit. Viele in Mitteldeutschland dachten, das hätten sie endlich hinter sich. Die Diktatur der Bürokratie hat hier und heute schon jede Dimension einer Diktatur überflügelt. Der freie Meinungsstreit wird besonders in den Medien, die sich von unseren Zwangsgebühren mästen, so eingeschränkt, dass der Weg zum Meinungsterror schon geebnet ist. Was folgt? Ein Bankencrash? Stromausfälle, überbordende Kriminalität? Das Abrutschen in die 3. Welt? Dorthin, wo unser Bildungssystem im Großen und Ganzen fast schon gelandet ist? Marxismus ist alternativlos. Da hat Frau Dr. Merkel völlig recht. Opportunisten haben immer recht.

Schon jahrelang erlaubte es sich Deutschlands erste Kanzlerin zu machen, was sie will. Doch das Schönste ist ja, sie weiß gar nicht, was sie will. Ideen? Prinzipien? Visionen? Lehren aus der Geschichte? Sie merkelt nur, dass ihr die Basis unter den Füßen wegschmilzt. Da weiß sie plötzlich wieder, was sie will: Macht haben, Recht haben, Ruhm haben. Nicht nur Verfassungsrechtlern der CDU stehen zu diesem Weiberregiment die Haare zu Berge. So dominiert (oder regiert?) heute vor allem eine Walküre-Willkür. Doch wenn sie gar noch wegen der ihr verhassten deutschen Nationalhymne auf- und stillstehen muss und sich nicht selber mit ihrer heiligen Raute präsentieren darf, bekommt sie das große Zittern. Doch fortschrittliche Professoren und Journalisten applaudieren. Der Beamten-Unwirtschaft unter Olaf, dem Steuereintreiber, kann es nur recht sein, den privilegierten Lakaien ohnehin, denn sie müssen ja nicht viel leisten, hauptsächlich zustimmen, abnicken, dann sieht man bald aus wie Peter Altm… Ach, und der süße Heiko Maa…Maa…. passt gut in die Handtasche unserer großen Vorsitzenden und hält deren Lippenstift frisch. Und der kleine verbiesterte Wolfgang Schäu… – schäumt er wieder? Der wird mitleidig in seinem Kinderwagen hin und her geschoben. Schlauheit bleibt dreist im Lande, Intelligenz wandert aus.

Keine Diktatur mit Planwirtschaft konnte bisher wirtschaftlich überleben. Nur die Despotie blüht in verschiedenen Größen wie Unkraut in solchen Ländern, sodass sich dieses sogar an den Klassenfeind exportieren lässt. Doch Individualismus ist jedem Kollektivismus haushoch überlegen. Ausnahmen waren Pinochets Diktatur und neuerdings diejenige Chinas oder die der feudalistischen Ölscheichmilliardäre, die sich mithilfe der besten Ingenieure, Architekten, Künstler und Wissenschaftler aus dem Westen Huxleys „Schöne neue Welt“ in die Wüste bauen lassen. Wer schon einmal Dubai besucht hat, der sieht, wie uns heute undemokratische, totalitär strukturierte Feudalsysteme mit unseren eigenen Waffen schlagen und zeigen, wie wir mit unserer verkommenen Bürokraten-Demokratien immer weiter zurückfallen, gewissermaßen abgehängt werden. Überall wollen bei uns demokratisch gewählte Politiker mit hineinreden, obwohl sie zumeist nur von einem viel verstehen – von nichts! So entstehen in jahrelanger Verspätung die teuersten Philharmonien oder Flugplätze der Welt auf niedrigem Niveau. Die Bundeswehr ist zur Lachnummer verkommen, regiert von einer eingeadelten Frau, die durchaus zur Familienministerin taugen würde. Doch selbst Blödsinn zu befehlen ist einfacher als den neuen „Goldstücken“ aus fremden Kulturkreisen Deutsch beizubringen. Nicht vergessen! Denn es war der ebenfalls wahrnehmungsgestörte SPD-Schulz, der 2016 gesagt hatte: „Was die Flüchtlinge uns bringen, ist wertvoller als Gold. Es ist der unbeirrte Glaube an den Traum von Europa.“ Glaube und Traum sind für mich zwei verschiedene Schuhe. Und was uns die Flüchtlinge bringen? Was könnte denn wertvoller als Gold sein? Platin?

Seit dem Zusammenbruch des Ostblocks vor 30 Jahren kriechen immer mehr Neomarxisten aus ihren universitären Brutstätten und bedrohen mit „political correctness“ die größte Errungenschaft der westlichen Zivilisation: die Gedanken- und Redefreiheit. Sie wollen nicht nur den Studenten ihre marxistischen Geschichtsgesetze beibringen, nein, sie der ganzen Gesellschaft aufdrängen. Ist es schon völlig aus der Mode gekommen, auch Zeitgenossen von Marx/Engels zu lesen?

Friedrich Nietzsche wies nämlich schon 1878 unter der Überschrift „Der Sozialismus in Hinsicht auf seine Mittel“ darauf hin, dass der Sozialismus der jüngere Bruder des fast abgelebten Despotismus sei, den er beerben wolle. Er brauche eine Fülle an Staatsgewalt und strebe die Vernichtung des Individuums an. Der erwünschte Gewaltstaat brauche die untertänigste Niederwerfung aller Bürger und könne sich nur durch äußersten Terrorismus Hoffnung auf Existenz machen. Er bereite sich im Stillen auf eine Schreckensherrschaft vor und verwende missbräuchlich den Begriff der Gerechtigkeit. Der Sozialismus lehre lediglich die Gefahr der Anhäufung von Staatsgewalt und werde den Ruf nach so wenig Staat wie möglich provozieren.

Karl Poppers „offene Gesellschaft“ steht bekanntlich in der Tradition des Liberalismus und ist für Marxisten reaktionär, weil sie die kritischen Fähigkeiten der Bürger freisetzen will. Dazu soll auch noch die Gewalt des Staates geteilt werden, um Machtmissbrauch vorzubeugen. Wo käme man denn da hin, wenn man doch mit den Geschichtsgesetzen von Marx immer weiß, wo es langgeht? Da die Marxisten es zu wissen vorgeben, sollten wir ihre Ersatzreligion durchaus ernst nehmen, aber zugleich wissen, dass die Marx-Exegese und die Fundamentalkritik der „bürgerlicher Wissenschaft“ begleitet war von einem gesellschaftlichen Bedeutungsverlust der Geisteswissenschaften. Gleichheit, Gleichheit über alles, über alles in der Welt. Immer wieder soll am nichtdeutschen Wesen die Welt genesen. Wer kann das so ausdauernd genießen?

Natürlich die deutschen Politiker der sogenannten Altparteien, die in der Regel einfach zu arrogant, ungebildet und ideologisch verblendet, aber auch total überfordert werden, um zur Wiedererweckung der einst vorbildlich funktionierenden Demokratie unter Adenauer und dem Wirtschaftsminister Ludwig Erhard fähig zu sein. Als letzte Hoffnung bleibt nur die neue Oppositionspartei, deren Namen ich, so warnen mich gute Freunde, am liebsten nie wieder in den Mund nehmen sollte, um nicht noch weitere Einschränkungen meines ohnehin bescheidenen Lebensstils hinnehmen zu müssen. Doch wie heißt es im Psalm 18? Auf die heutige Zeit übertragen würde ich es so aussprechen:

„Es ist besser, Gott zu vertrauen als sich auf Menschen zu verlassen. Es ist besser Gott zu trauen als sich auf Politiker zu verlassen. Viele Parteien hatten mich umringt. Im Namen Gottes – ja, ich wehrte sie ab. Sie hatte mich umringt, ja, mich eingeschlossen. Im Namen Gottes – ja, ich wehrte sie ab. Die Stasi-Knechte hatten mich umringt wie Bienen. Sie sind erloschen wie Dornenfeuer. Im Namen Gottes – ja, ich wehrte sie ab. Hart hat man mich gestoßen, um mich zu Fall zu bringen.“

Und? Ich lebe noch – gesund und flexibel. Selbst mein Dreivierteljahrhundert sehen mir nur wenige an. Dass ich selber kein Parteien-Mensch bin, erfuhr ich erst, nachdem ich zweimal in den 80er und 90er Jahren der Berliner FDP beigetreten war, in deren Parteinamen mich vor allem das Attribut „frei“ faszinierte, aber vor allem, um den nationalliberalen Flügel um Alexander von Stahl, Hermann Oxfort, Heiner Kappel, Rainer Zitelmann und Klaus Rainer Röhl zu stärken. Ja, Röhl, der ehemalige linke Journalist und „konkret“-Herausgeber hatte sich ebenfalls gewandelt und publiziert nun selbst als hochbetagter Mann noch in so genannten „rechten“ Zeitungen, um über die „tiefgreifenden, zum Teil verheerenden Folgen der kommunistischen und links-utopischen Aktivitäten“, an denen er selber einst „als Herausgeber und Kommentator beteiligt gewesen war“, aufzuklären.

Ansonsten interessiert mich Macht- und Parteienpolitik kaum. Mir geht es vor allem um Erkenntnisse, die nicht immer leicht zu verdauen sind. Dazu muss der Mut aufgebracht werden, auch mit Menschen, die einem unsympathisch sind, oder mit politischen Gegnern oder sogar Feinden zu diskutieren. Vor dem Entscheiden kommt das Verstehenwollen, das Infragestellen eigener Klischees und Gewohnheiten, das Abwägen gegensätzlicher Auffassungen. Das kann durchaus zu neuen Kompromissen führen, auf alle Fälle zu einer begründeten Positionierung.

Doch Menschen, die unter dem Schild der guten Moral und des überheblichen Bewusstseins, etwas für die Zukunft der Menschheit zu leisten, sich totalitären Systemen und ihren Methoden zur Verfügung stellen, sind es der kurzen, wertvollen Lebenszeit nicht wert, sich mit ihnen einzulassen, bevor sie sich nicht selber ihren Irrtum eingestanden haben. Jeder kennt den August H. H. von Fallersleben zugeschriebenen Spruch „Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant!“ Zu diesen Lumpen gehören auch die Relotius-Decker-Journalisten, die massenhaft herangezüchtet wurden, nachdem Matthias Walden, Heimo Schwilk, Günter Zehm, Ulrich Schacht und andere hervorragende Journalisten mit Charakter, Talent und Scharfsinn das Feld verlassen hatten. Sie konnten Wesentliches mit ihrem Erfahrungswissen durchschauen und wussten deshalb noch, welche Gefahren von der Verharmlosung des Marxismus-Leninismus und den verschiedenen Sozialismus/Kommunismus-Varianten ausgingen. Mit ihnen verband mich auch eine persönliche Freundschaft.

Matthias Walden (1927-1984, eigentlich Otto Baron von Saß) floh als junger Redakteur 1950 aus Dresden in den Westen, nachdem er als Gerichtsreporter mitbekam, wie brutal gegen Oppositionelle in der SBZ/DDR vorgegangen wurde und wie ihn schließlich selber FDJ-Kampfgruppen bedrohten. Sein Lebensziel war die Wiedervereinigung Deutschlands, die er selber nicht mehr erlebte. Ab 1980 war er Mitherausgeber der „Welt“ und war als Nachfolger in der Konzernleitung Springers vorgesehen, doch er starb noch ein Jahr vor Springer.

Günter Zehm (*1933) war Lieblingsschüler des Utopie-Philosophen Ernst Bloch in Leipzig, saß dann drei Jahre in Zuchthäusern, folgte Bloch in den Westen und wurde nach seiner Promotion über Sartre Feuilleton-Redakteur der „Welt“ und stieg bis zum stellvertretenden Chefredakteur auf. Nach dem Zusammenbruch der „DDR“ wurde er Honorarprofessor in Jena und schrieb viele Philosophiebücher und Kolumnen.

Ulrich Schacht (1951-2018) wurde sogar im Frauenzuchthaus Hoheneck geboren. Sein Vater war ein russischer Offizier. Schacht wurde selber wegen „staatsfeindlicher Hetze“ zu sieben Jahren verurteilt, kam 1976 als Freigekaufter in den Westen und wurde Feuilleton-Redakteur und Chefreporter für Kultur der Zeitungen „Die Welt“ und „Welt am Sonntag“; trat auch als erfolgreicher Dichter und Schriftsteller hervor.

Heimo Schwilk (*1952) ist ein waschechter Schwabe und war bis Oktober 2015 Leitender Redakteur der „Welt am Sonntag“. Er lebt heute bei Berlin und schreibt Biografien. 2014 wurde ihm in Treviso/Italien der Premio Comisso für die beste Biografie verliehen. 2019 unterzeichnete er einen Aufruf zur Unterstützung der AfD.

Alle hier aufgezählten Journalisten und Autoren wurden von den ach so fortschrittlichen Linken im Westen diffamiert und zum Teil auch bedroht, jedoch vergebens.

Die Kommunisten, die während der Nazi-Zeit im Moskauer Hotel „Lux“ Quartier nahmen, mussten ihre Genossen, Freunde und Verwandten denunzieren, um selber überleben zu können. Völlig im Gegensatz zu den christlich geprägten Widerständlern der Weißen Rose in München. Solche vom Marxismus geprägten Denunzianten durften dann im Auftrag des Massenmörders Stalin, der mehr führende Kommunisten umbringen ließ als Hitler, die sowjetische Besatzungszone regieren, die sich dann dummfrech Deutsche Demokratische Republik nannte, wo kein Begriff der Wahrheit entsprach. Der Ex-Kommunist Prof. Hermann Weber fasste es exakt zusammen: „Mehr als sechzig Prozent der KPD-Funktionäre, die vor dem Zugriff der Gestapo in die Sowjetunion geflüchtet waren, sind von Stalins Schergen ermordet worden oder im Gulag umgekommen. Von den Mitgliedern des Politbüros der KPD hat Stalin mehr ermorden lassen als Hitler (…) Fünf Namen stehen auf dem Blutkonto der Gestapo, sieben auf dem des Tscheka-Nachfolgers GPU. Von den Familienangehörigen der Ermordeten sind mindestens 31 in der Sowjetunion gewaltsam umgekommen.“

Nur die Springer-Zeitungen setzten im Westen noch dieses stalinistische Gebilde „DDR“ wenigstens in Anführungszeichen, während die SPD sich soweit von ihrem ersten und mutigen SPD-Vorsitzenden nach dem Krieg, Kurt Schumacher, entfernt hatte, dass sie diese „DDR“ 1987 in dem SPD-SED-Papier gar auf Augenhöhe mit der Demokratie zu heben versuchte und Honecker für einen ehrenwerten Mann hielt. Diese Diktatur bestimmte sogar die Politik der Bundesrepublik mehr als es sich viele vorstellen konnten.

1972 wäre der CDU-Politiker Rainer Barzel beinahe Bundeskanzler geworden, nachdem Brandts SPD-FDP-Koalition Abgeordnete an die CDU/CSU-Fraktion verloren hatte. Doch beim entscheidenden Misstrauensvotum fehlten ihm plötzlich zwei Stimmen. Später kam heraus, dass zwei Abgeordnete von der Stasi bestochen worden waren. So blieb der von der SED bevorzugte Willy Brandt an der Macht, der den Zustrom von Jungmarxisten in die SPD zuließ. Auch der Bundespräsident Lübke wurde durch Stasi-Fälschungen zum Rücktritt veranlasst. Oder denken wir an den Ehrenpräsidenten der FDP, William Born, dessen Antrittsrede im neugewählten Deutschen Bundestag direkt aus der Feder des stellvertretenden Stasi-Ministers Markus Wolf stammte! Und wer erinnert sich noch an den „Krefelder Appell“, mitinitiiert von dem mit der Carl-von-Ossietzky-Medaille ausgezeichneten General Gert Bastian, der dann auch mit anderen Generälen die Vereinigung „Generäle für den Frieden“ begründete? Auch dieses Projekt wurde von der Stasi angeregt und mitfinanziert. Dieser Verräter im Generalsrang, der sich 1992 und gleichzeitig seine Lebensgefährtin Petra Kelly erschoss, war von 1983 bis 1987 grünes Mitglied des Bundestages. Man stelle sich nur solch eine Gestalt in der heute einzigen Oppositionspartei vor. Da kämen die Medien überhaupt nicht mehr zur Ruhe.

Siegmar Faust

Siegmar Faust, geboren 1944, studierte Kunsterziehung und Geschichte in Leipzig. Seit Ende der 1980er Jahre ist Faust Mitglied der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), heute als Kuratoriums-Mitglied. Von 1987 bis 1990 war er Chefredakteur der von der IGFM herausgegebenen Zeitschrift „DDR heute“ sowie Mitherausgeber der Zeitschrift des Brüsewitz-Zentrums, „Christen drüben“. Faust war zeitweise Geschäftsführer des Menschenrechtszentrums Cottbus e. V. und arbeitete dort auch als Besucherreferent, ebenso in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Er ist aus dem Vorstand des Menschenrechtszentrums ausgetreten und gehört nur noch der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik und der Wolfgang-Hilbig-Gesellschaft an.

Die Afrikaanse Nation als Superethnos? – Konzept für einen Ausweg aus der Sackgasse

Buchbesprechung von Eberhard Hofmann – zuerst erschienen in der Allgemeinen Zeitung in Windhoek, Namibia/Südwestafrika

Die Afrikaanse Nation als Superethnos? – Konzept für einen Ausweg aus der Sackgasse

Gibt es einen Schulterschluss afrikaanser Gruppen im südlichen Afrika? Wie kommt ein deutscher Völkerkundler und Kulturhistoriker auf die Idee, ein leidenschaftliches, auch hintergründiges Plädoyer für die „Autonomie der afrikaansen Nation“ auszurufen? Umgekehrt scheint es undenkbar, dass ein solches Werk aus einer britischen Feder hätte stammen können. Der Buchumschlag mit dem bekannten Gemälde von Davidson Bell, Jan van Riebeecks Ankunft am Kap, im Hintergrund Devil´s Peak, als Schilderung der ersten Begegnung mit den indigenen Khoi-Khoi könnte auf den ersten Blick irreführend sein, dass es sich um eine nostalgisch-nationalistische Streitschrift für die Buren handelt.

Ist Völkerkunde, Social Anthropology, wie im vorigen Jahrhundert an südafrikanischen Universitäten gelehrt und dosiert, noch ein Bildungsfach, eine aktuelle Disziplin? Es ist still geworden um das Fach, es sei denn frühere Autoren des Fachbereichs werden im Lichte gegenwärtiger Kritik vorgeführt.

Überwölbende Gruppierung

Was auf den über 350 Seiten der Schrift „Autonomie der afrikaansen Nation“ von Christian Böttger folgt, ist einmal eine intensive Auseinandersetzung mit dem Begriff des Superethnos, der bereits als Untertitel auf dem Buchdeckel erscheint und vom russischen Ethnologen und Historiker Lew Gumiljow (1912 – 1992) entlehnt ist. Aufbauend auf Gumiljow schnürt Böttger aus allen afrikaans-sprechenden Gruppen eine afrikanische Nation mit authochtonem, mit bodenständigem Existenzrecht. Superethnos wird hier als eine überwölbende sprachliche Gruppierung bestehend aus verschiedenen Volksgruppen verstanden, die sich dazu eignen, eine Nation zu bilden. Die Gruppierung hat Stufen der Herkunft und Entstehung durchlaufen, was mit dem Begriff Ethnogenese, umschrieben wird,ein Terminus, der vom deutschen Historiker Reinhard Wenskus in Umlauf gebracht wurde.

Der Leser ist gefordert, sich mit mehreren ethnologischen Begriffen der Fachsprache vertraut zu machen. In diesem anthropologischen Rahmen schildert Böttger die Entstehung aller Volksgruppen des südlichen Afrika, die zur holländisch-afrikaansen Herkunft und Kultur gehören, auch wenn sie mit einem Bein in einer anderen Sprache verwurzelt sind und in verschiedenen Hautfarben erscheinen.

Zur sachlichen Schilderung der Herkunft und der Entstehungsgeschichte (Ethnogenese) dieser Gruppen führt Böttger ebenso in die Geographie, Landschaften der Regionen und Kurzgeschichte ein, die diese Gruppen geprägt, bzw. zur Migration, zum Trek bewogen haben. Die Existenz dieser Gruppen als „afrikaanse Nation“ sieht Böttger im Großen und Ganzen vom Superethnos der Bantu als getrennt, die aus dem Nordosten von Südafrika in Richtung Westkap wandern und die Einheimischen zahlenmäßig zu überfluten drohen.

Jan van Riebeeck land in Tafelbaai in April 1652. Gemälde von Charles Davidson Bell (1813-1882)

So fasst der Autor die Khoi-Khoi, die Afrikaner-Buren, Bruinmense vom Kap (Cape Coloureds), Baster und Griqua, Nama und Oorlam, die Korana sowie – an der Peripherie – auch die Kapmalaien in einem überethnischen System zusammen. Um den Begriff zu verfeinern zitiert Böttger noch einen anderen Autoren, Otto Bauer, der die Nation als „die Gesamtheit der durch Schicksalsgemeinschaft zu einer Charaktergemeinschaft verknüpften Menschen“ definiert. Es ist die Sprache, die Kultur vermittelt, nicht die Hautfarbe. Böttger distanziert sich von der Apartheidspolitik: „Den Buren erschien die Apartheid in einer Art Selbstbetrug als konsequenteste Form des Selbstbestimmungsrechtes der Völker. Sie haben in ihrer Geschichte die Schwarzen aber weder ausgerottet noch vor sich hergetrieben wie die Weißen in Nordamerika die Indianer.“

Trennung an der 400-mm-Niederschlagsgrenze

Für die autonome afrikaanse Nation wie oben umrissen, sieht Böttger in Anlehnung an andere Analytiker einen geschlossenen geographischen Raum als Staatsgrund, der sich westlich der (durchschnittlich) 400-Millimeter-Niederschlagsgrenze Südafrikas in zunehmend aridere Gebiete des Westkaps hinein erstreckt, von der Westgrenze des Oranje-Freistaats bis zum Süd-Atlantik und damit auch das Kapsche Boesmanland und Namaqualand einschließt. Im System der ANC-Regierung sieht Böttger „die Idiotie des zentralistischen Ansatzes“, wo Hautfarbe im Neo-Rassismus erneut – wie vormals in der Apartheid – ökonomisiche Relevanz verleiht. Die Autonomie der so definierten afrikaansen Nation könnte die Rettung vor der „Diktatur der Inkompetenz“ sein. Die angesprochene Inkompetenz samt Staat als Beute der regierenden Partei hat just während Böttgers Niederschrift des vorliegenden Buches im korrupten Zuma-Regime, auf das er nicht direkt Bezug nimmt, ihren Höhepunkt gefunden.

Böttger kennt sich in allen afrikaansen Kulturorganisationen und den Interessen-Körperschaften der Bruinmense aus und behandelt die Zielvorgaben – ermüdend für den Leser – detailliert bis in ihre Satzungen hinein. Bei der Niederschrift seines Bandes war vermutlich der aktuelle afrikaanse Band zur ähnlichen ethnisch-kulturellen Existenzfrage Die Pad na selfbestuur noch nicht ershienen. Darin ist exakt und in größerem Detail das Dilemma der Afrikaans-Sprachigen in Südafrika beschrieben, mit Konzepten, wie die Südafrikaner im Rahmen der Staatsverfassung sich vor der „Diktatur der Inkompetenz“ Auswege verschaffen können. Behandelt werden u.A. der Neo-Rassismus, der Mangel an Schutz für die Zivilbevölkerung, darunter Farmer-Morde, der Staatsverfall … : Die Pad na selfbestuur – Anderkant die mislukking van staatsbestuur deur Flip Buys. Kraal Uitgewers, Centurion 2019. ISBN: 978-1-990915-00-0. Eine Publikation der Solidariteit Beweging

Aufteilung als Option

Theoretisch sieht Böttger in einer Aufteilung Südafrikas für die „afrikaanse Nation“, keine politische Schwierigkeit, da es zeitgenössiche Beispiele gibt, wo neue Länder aus größeren Territorien heraus- und abgetrennt wurden: Tschechien und Slowakei, eine Reihe von Balkan-Staaten aus dem früheren Jugoslawien und der Süd-Sudan. Der Autor erwähnt die kleine, völkische afrikaanse Orania-Enklave als „Rückzugsgebiet einer Gesinnungsgemeinschaft“, die er aber nicht als Antwort auf die Herausforderung des ANC-Einheitsstaates sieht, den er als „hinterhältig und zynisch“ betitelt.

Auf den theoretischen Strecken von Böttgers Buch kann sich der Leser von außerhalb der Völkerkunde die Zähne ausbeißen, aber viele brisante und anregende Passagen helfen weiter, mit Parallelen, die – nich nur historisch – Namibia ebenfalls berühren. Ansprechend ist ferner, dass der Autor seine Herangehensweise kritisch definiert und vom so genannten Konstruktivismus abgrenzt, der in den Geisteswissenschaften wiederum mit der postfaktischen Schule verwandt ist, die vielfach wähnt, das dogmatische Deutungsmonopol zu besitzen, nachdem sie sich von grundleglender Basis abgehoben und in die Schwebe begeben hat. Die ausgesprochene Relevanz des Werkes für die afrikaansen Gruppen macht es unerlässlich, dass die Schrift auch in der autochthonen Sprache Afrikaans erscheinen sollte.

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Der Autor des Buches „Autonomie für die Afrikaanse Nation“, Dr. Christian Böttger, geb. 1954, studierte von 1983 – 1988 Ethnographie, deutsche Geschichte und Volkskunde an der Humboldt-Universität, Berlin. Danach wurde er Mitarbeiter im Bereich Kulturgeschichte/Volkskunde am Zentralinstitut für Geschichte/Akademie der Wissenschaften der DDR. 1993 promovierte er zum doctor philosophiae.

Wir danken der Allgemeinen Zeitung in Windhoek, Namibia/Südwestafrika für die Genehmigung, diese Besprechung, die in der AZ am 7. Oktober 2021 erschienen ist, auf auf unserer Seite zu veröffentlichen.

Von Dr. Christian Böttger ist auch das grundlegende Werk „Ethnos. Der Nebel um den Volksbegriff“ im Lindenbaum Verlag erschienen. Sehr zu empfehlen!

Ethnos. Der Nebel um den Volksbegriff von Christian Böttger

Vom Reichswehrleutnant zum Kommunisten – Interview mit Richard Scheringer (1983)

Vom Reichswehrleutnant zum Kommunisten – Interview mit Richard Scheringer (1983)

Anfang Januar 1983 führten sechs Mitarbeiter der Zeitschrift wir selbst ein Gespräch mit Richard Scheringer auf dem Dürrnhof in Kösching bei Ingolstadt. Scheringers Weg vom kämpferischen Antiseparatisten zur Zeit der französischen Besatzung des Rheinlandes nach dem Ersten Weltkrieg über eine nationalrevolutionäre Phase Ende der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts bis zum Mitglied der DKP und des DKP-Parteivorstandes ist nachfolgend dokumentiert. Obwohl unsere Redaktion nie einen Zweifel an unserer antikommunistischen Grundhaltung hat aufkommen lassen und wir den Sowjetimperialismus als Unterdrückungssystem in zahlreichen Artikeln beschrieben hatten, hat uns doch der Werdegang des sozialistischen Patrioten Scheringer interessiert, der als radikaler Nationalist seine Laufbahn begann, vom Gedanken der nationalen und sozialen Befreiung Deutschlands lebenslang getragen wurde und dies auch als Sozialrevolutionär und Kommunist nie verleugnet hat. Sein Interview in unserer Zeitschrift führte 1983 zu einem großen Presserummel und einem Gezeter der linken selbsternannten „Antifaschisten“. Uns schien es wichtig, in dieser Phase der Blockkonfrontation in Europa, in der die Gefahr bestand, daß Deutschland zum atomaren Schlachtfeld der Supermächte hätte werden können, die nationale Frage (also eine Perspektive der Neuvereinigung der beiden deutschen Staaten) als Friedensalternative ins Gespräch zu bringen. Wir denken bis heute mit Dankbarkeit an Richard Scheringer (gestorben im Mai 1986), der dem Druck seiner damaligen Partei nicht nachgegeben und sich der Diffamierungskampagne, die gegen unsere Zeitschrift begonnen wurde, widersetzt hat. Ein aufrechter und verdienstvoller Patriot und Kommunist, dem wir unseren Respekt zollen. Das Interview mit Richard Scheringer aus dem Jahr 1983 halten wir für ein wichtiges Dokument der Zeitgeschichte, weshalb wir es hier noch einmal der Öffentlichkeit zugänglich machen möchten.

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Bedingungsloses Grundeinkommen: unsozial und wider die menschliche Natur

von Dr. Florian Sander

Bedingungsloses Grundeinkommen: unsozial und wider die menschliche Natur

Die Tücken des Bedingungslosen Grundeinkommens

Eine der größten, nicht immer präsentesten, aber dennoch grundlegendsten Streitfragen des linken Spektrums ist die Frage nach dem Bedingungslosen Grundeinkommen (BGE). Seine Befürworter, nicht selten aus dem eher grünen und links- bis schlicht neoliberalen – und weniger aus dem orthodox-linken – Milieu kommend, argumentieren dabei gerne von einem humanitären und zugleich utopistischen Standpunkt aus, demzufolge eine Gesellschaft den Zwang zur Arbeit grundsätzlich ablegen müsse, um echte Humanität zu erreichen. Damit einher geht letztlich die – erstaunliche – Prämisse, dass Arbeit über ihre verbindliche Natur etwas Inhumanes an sich habe. Deutlich wird hierbei, an welchen Stellen die Postmoderne die politische Linke erreicht hat: Der Drang nach Abschaffung von Verbindlichkeiten macht auch vor der Arbeit als solcher nicht halt.

Wie zutiefst unsozial diese Prämisse im Kern ist, scheint dabei, abermals erstaunlicherweise, kontinuierlich ausgeblendet zu werden: Das Zurückweisen der Verbindlichkeit durch den einen bedeutet immerhin doppelte Verbindlichkeit für den anderen, der das Fehlen von Arbeitskraft wird kompensieren müssen. Doch dieser Gedanke läuft auf eine eher makrosoziologische – wenn nicht gar volkswirtschaftliche – Betrachtung des Themas hinaus, um die es in diesem Rahmen nicht gehen soll – und die für eine konsequente Ablehnung des BGE auch gar nicht notwendig ist.

„Trägheit“ – Kupferstich, 1558, von Pieter van der Heyden nach einer Zeichnung von Pieter Bruegel dem Älteren.

Weg in die Apathie

Entscheidende Argumente gegen das BGE lassen sich viel früher finden. Eine sorgfältige und wissenschaftshistorisch informierte soziologische Perspektive auf die Mikro-Ebene liefert bereits Hinweise darauf, wie unsozial und zugleich inhuman die Zurückweisung der Arbeit als solcher, die in der politischen Befürwortung des BGE letztendlich zum Ausdruck kommt, wirklich ist.

Bereits in der legendären Studie über „Die Arbeitslosen von Marienthal“ von Marie Jahoda, Paul Lazarsfeld und Hans Zeisel (1933), die quasi den Beginn der empirischen Sozialforschung darstellte, wurde in beeindruckender Präzision festgehalten, wohin lang andauernde Arbeitslosigkeit führt: Resignation, Passivität, Lethargie. Zustände also, die, psychologisch weitergedacht, mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Depression enden, sofern es nicht durch maßgebliche andere, „psychohygienische“ Faktoren kompensiert werden kann.

Nun gibt es – dieses absehbare Gegenargument nehmen wir an dieser Stelle vorweg – natürlich einen massiven Unterschied zwischen finanziell kritischer Langzeitarbeitslosigkeit in einem österreichischen Dorf Anfang der 30er Jahre einerseits und einem utopischen Zustand bezahlten Nicht-Arbeitens im Mitteleuropa des 21. Jahrhunderts andererseits. Finanzielle, sozioökonomische Nöte treiben Menschen in der Tat zunächst in die Apathie, da sie es ihnen ermöglicht, in einem Zustand möglichst geringer emotionaler Involvierung einfach zu „ertragen“ – gewissermaßen innere Mauern zu errichten, die sowohl die absehbaren Ängste fernhalten als aber eben auch positive Gefühle. Wut und Aggression, also die tragenden Emotionen jeder Revolution, erwachsen eben erst aus der Wahrnehmung einer „relativen Benachteiligung“. Will heißen: Wütend wird man erst, wenn man in sozioökonomischen Nöten ist und zugleich beobachten muss, wie andere es nicht sind, wie andere im Wohlstand leben, man selbst aber nicht. Die Relation, der Vergleich kreiert die Beobachtbarkeit und damit erst die Benachteiligungswahrnehmung.

Wir wollen gebracht werden

Wer jedoch meint, Apathie, Lethargie und Depression infolge von Langzeitarbeitslosigkeit ergäben sich einzig und allein aus der damit – auch heute noch – verbundenen sozioökonomischen Not, der gibt sich einer Illusion hin, die jeder sozialpsychologischen Erkenntnis zuwiderläuft. Denn: Die Wahrnehmung, gebraucht zu werden, in seiner sozialen Existenz einen Zweck zu erfüllen, eine soziale Funktion für die Gemeinschaft einzunehmen, ist immer noch und auch weiterhin ein unauslöschliches Grundbedürfnis eines jeden Menschen – Eremiten und „Aussteiger“ vielleicht einmal ausgenommen.

Arbeitslose beim Stempeln, ca. 1929

Das, was wir gemeinhin als „Selbstwertgefühl“ bezeichnen, hat stets mehrere Dimensionen. So ist dieses natürlich primär abhängig von erlebten Gefühlen wie Liebe, Zuneigung, Freundschaft etc., die über die Familie, Liebesbeziehungen und Freundschaften kommuniziert werden. Doch auch diese werden stets nur dadurch erlebt, dass der Eindruck gespiegelt wird, dem anderen etwas „gegeben“ zu haben. Menschen sind deswegen soziale Wesen, weil sie dadurch spüren, dass sie jemandem etwas wert sind, dass sie in ihrer Existenz für andere unverzichtbar sind. Diese Wahrnehmung wird zwar primär in den oben genannten sozialen Systemen des Privatlebens vermittelt, aber bereits direkt danach über das soziale System „Arbeitsplatz“.

Rast bei der Feldarbeit vor weiter Landschaft, 19. Jahrhundert, Künstler unbekannt

Dessen Macht ergibt sich dabei über seine Mehrdimensionalität: Wer arbeitet, erlebt Zufriedenheit idealerweise in gleich mehreren Hinsichten. Man arbeitet in dem Wissen, der Gesellschaft etwas gegeben zu haben wie auch in jenem, mit den Kollegen mitgehalten zu haben, auch kleineren sozialen Einheiten, also etwa dem Betrieb, einen unverzichtbaren Dienst erwiesen zu haben, den dieser nicht ohne Grund ent- und dadurch belohnt. Irgendwann kommt womöglich das Wissen hinzu, damit sogar zur Ernährung seiner Familie und damit zur Aufrechterhaltung eines weiteren sozialen Systems beigetragen zu haben.

Sicherlich gilt: Wir reden hier über Idealformen, die längst nicht immer erfüllt und auf diese, positive Art und Weise gelebt werden können. Wenn dies der Fall ist, so resultiert dies aber nicht aus der Arbeit als solcher, sondern vielmehr aus der Entfremdung der Arbeit, die aus neoliberalen Strukturen herrührt, die die Prioritäten verschiebt – vom Arbeitenden weg und hin zum Kapital. Das beschriebene Grundbedürfnis des Menschen nach Selbstwertgefühl durch Arbeit negiert dies jedoch ganz gewiss nicht. Arbeit als sozialer Vorgang ist in diesem Zusammenhang schlicht unersetzlich.

Wer diesen Zusammenhang negiert – sei es nun nur für sich persönlich oder gar gesamtgesellschaftlich – der hat entweder gute temporäre Kompensationsmechanismen gefunden (wie bspw. ehrenamtliche Tätigkeiten, die in psychologischer Hinsicht zeitweilige Substitute bilden können, aber schwerlich eine gesellschaftsweite Lösung für die Problematik bieten) oder reduziert kognitive Dissonanzen (anders gesagt: macht sich etwas vor). Es bleibt jedoch dabei: Das BGE als politisches Instrument würde den psychosozialen Grundbedürfnissen des Menschen zutiefst zuwiderlaufen.

Kapitalformen nach Bourdieu

Dies gilt umso mehr, als dass wir mit der oben beschriebenen Problematik nur die primäre Dimension dessen berührt haben, was die widernatürlichen Aspekte des BGE ausmacht. Wer seinen Bourdieu richtig gelesen hat, der stößt schnell auch auf die sekundäre, aber durch ihre Macht nicht weniger relevante Dimension. So dient Arbeit nämlich nicht nur der Spiegelung des eigenen Selbstwerts neben den Instanzen Familie, Liebesbeziehung und Freundeskreis, sondern ist oft genug auch jener soziale Raum, aus dem diese drei letztgenannten Instanzen „rekrutiert“ werden! Wo es an Arbeit fehlt, da kommt es in der Regel auch allzu häufig zu sozialer Isolation, Einsamkeit und dadurch – wiederum – Depression. Eine Entwicklung, die mit dem BGE abermals weiter forciert würde.

Denn – und hier tritt die immer wieder äußerst instruktive Unterscheidung der Kapitalformen nach Pierre Bourdieu zutage – ökonomisches Kapital (welches das BGE über den Geldfluss stärken würde) ersetzt eben weder das soziale noch das kulturelle oder das symbolische Kapital. Im Gegenteil: Das BGE würde diese für die menschliche Bedürfnisbefriedigung voneinander untrennbaren Kapitalformen sogar künstlich auseinanderdividieren, indem es ökonomisches Kapital fließen ließe, aber durch die Entkopplung von der Arbeit die übrigen Kapitalformen gezielt davon trennt, was letzten Endes dann eben auch für den Einzelnen darin münden würde, dass seine Chancen auf Vermehrung seines sozialen, kulturellen und symbolischen Kapitals sinken. Anders gesagt: Das BGE läuft nicht nur der menschlichen Natur und ihren Grundbedürfnissen zuwider, sondern schadet dem Menschen und dem sozialen Miteinander, indem es soziale Ungleichheit verstärkt.

Zur Erläuterung des Bourdieu-Modells: Unter sozialem Kapital verstehen wir den Wert sozialer Beziehungen, über die Menschen verfügen, und über die sie die Möglichkeit erlangen, sozial aufzusteigen bzw. sozialen Abstieg zu verhindern. Beginnend mit der Familie, die über die Sozialisation die entscheidenden Prämissen für die soziale Position eines Menschen setzt (etwa auch, indem sie dem Kind überhaupt erst vor Augen führt, welche Relevanz diese eigentlich hat, was dann wiederum seinen Ehrgeiz formt, diese zu erhalten oder zu stärken) bis hin zu sozialen Netzwerken – Freunden und Bekannten – welche einem „Connections“ / „Vitamin B“ verschaffen, Vorbildwirkung über das „richtige Umfeld“ usw. usf. Das soziale Kapital ist ein entscheidender Faktor für das Wohlergehen eines Menschen, sowohl in psychosozialer als auch letztlich in sozioökonomischer Hinsicht. Das BGE würde es vom ökonomischen Kapital trennen, indem über das Wegfallen der Verbindlichkeit „Arbeit“ die Rekrutierung des sozialen Kapitals massiv leiden würde. Die möglichen Folgen dessen wurden oben hinreichend beschrieben.

Das Elend der Faulheit, Georg Morland, 1780

Weiter geht es beim kulturellen Kapital, worunter nicht zuletzt Aspekte der Bildung zu verstehen sind: Bildungstitel genauso wie auch „Skills“, welche man über Bildung erlangt hat, sowie Fähigkeiten, die über die Sozialisation erworben wurden. Nun würde das BGE zwar nicht zwingend die Institutionen Schule, Hochschule und berufliche Bildung aushebeln, wohl aber das Motiv, im Rahmen dieser etwas zu erreichen, um hinterher davon auf dem Arbeitsmarkt zu profitieren. Denkt man ferner das BGE über mehrere Generationen weiter, würde unweigerlich ein negativer Effekt auch in Sachen Sozialisation eintreten, denn wo kein Bedarf nach Arbeit mehr ist, da ist auch keine Notwendigkeit, nach Fähigkeiten für diese zu streben und seinem Kind diese zu vermitteln. Heißt: Das BGE würde den sozialen Graben zwischen jenen, die arbeiten und jenen, die es nicht tun, auch über Generationen hinweg massiv verschärfen und die Kinder der letzteren gegenüber den Kindern der ersteren buchstäblich unaufhebbar benachteiligen, indem es Sozialisationsunterschiede über Generationen zementiert. Die soziale Ungleichheit würde verfestigt; die ohnehin schon große Wirkungsmacht des sozialen Kapitals („In welche Familie wurde man hineingeboren?“) würde nochmal verstärkt werden.

Leiden würde auch das symbolische Kapital, unter das man die Wirkungsmacht von Prestige und sozialer Ankerkennung fassen kann, die sich mal mehr, mal weniger subtil, etwa auch über den Habitus, auf den sozialen Auf- und Abstieg von Menschen auswirken (man denke hier etwa an Bewerbungsgespräche für eine Stelle mit Repräsentationsfunktion, mit zwei formal gleich qualifizierten Bewerbern, von denen aber einer der beiden reines Hochdeutsch spricht, der andere dagegen mit dem Dialekt eines sozialen Brennpunktviertels – man muss nicht lange überlegen bei der Frage, wer am Ende beim Personalchef besser ankommt). Sogar hier schlüge das BGE negativ zu, indem es jene, die nicht gearbeitet haben, prestigemäßig stets hinter jene anderen zurückfallen lassen würde, die sich für ein Leben mit Arbeit entschieden haben.

Faktische Zwei-Klassen-Gesellschaft

Gewiss: Schon heute bedeutet Arbeitslosigkeit einen massiven Ansehensverlust in vielen Milieus. Es ist aber ein Unterschied, ob man versucht, dem politisch entgegenzuwirken, indem man Menschen in Arbeit bringt, oder ob man auf eine faktische Zwei-Klassen-Gesellschaft hinarbeiten will, in der die eine Klasse arbeitet und die andere nicht, und in der dieser sie prägende Zustand sogar noch über Generationen weiter verfestigt wird (bis hin zu dann denkbaren „Schulen für BGE-Kinder“, in denen Schüler nur die Mindestbildungsziele vermittelt bekommen, weil sie nicht-arbeitenden Elternhäusern entstammen und sie somit – Stichwort: soziales Kapital! – nie gelernt haben, warum Arbeit auch ein positiver Wert sein kann und sollte, weswegen sie ohnehin nicht dorthin streben und daher auch nicht dafür ausgebildet werden müssen).

Am Ende dieser „Vision“ steht eine Dystopie: Eine Gesellschaft, die in zwei verfestigte Klassen gespalten ist, die zu durchbrechen mit dem steigenden Alter der BGE-Einführung immer schwieriger wird. Begleitet von absehbaren sozialen Konflikten, die aus Sozialneid und Unzufriedenheit darüber resultieren, dass man selbst zur arbeitenden Klasse gehört, damit eine nicht-arbeitende ernährt, deren Kinder sich ihrerseits gar nicht mehr vorstellen können, zu der anderen zu gehören, weil sie vom sozialen, kulturellen und symbolischen Kapitalzufluss der arbeitenden Klasse abgeschnitten wurde.

Nicht umsonst entstammt das BGE als Idee der Big-Tech-Zentrale Silicon Valley, wo nicht nur die postmoderne Zensur-Dystopie des 21. Jahrhunderts geplant und umgesetzt wird, sondern wo man auch gezielt und durchweg fatalistisch-schulterzuckend damit kalkuliert, dass die „Abgehängten“ dauerhaft nicht mehr beruflich qualifizierbar seien, weswegen man sie mit dem BGE schließlich abspeisen möchte. Bezahlen soll das natürlich der Staat – die Wirtschaft wäre fein raus, hätte zugleich noch den Vorteil, dass mit dem Verweis auf das BGE klassische sozialstaatliche Institutionen, für die sie mit einzustehen hat (Sozialversicherung, Mindestlohn etc.), ja angeblich wegfallen könnten. In den Planungen manch liberaler BGE-Befürworter bleibt das Grundeinkommen dabei dann auf einem Niveau, das das von Hartz IV unterschreitet, und das bei gleichzeitigem Wegbrechen des Sozialstaates – während es in der öffentlichen Kommunikation zugleich von einem Nimbus eines neuen sozialen Paradieses verziert würde, dem weniger informierte zunächst auf den Leim gehen. Bezahlen würde all das derweil der Steuerzahler. So treibt man Heuchelei auf die Spitze. Und doch passt es eben allzu gut zur passenderweise mit Corona begründbaren, weiteren Schein-Utopie des voll-digitalisierten, global konsumierenden, in seiner Identität entfremdeten Stubenhocker-Arbeitnehmers der „Great-Reset“-Verfechter.

Ausblick

Wer visionäre Politik betreiben will – was ja an sich nicht falsch ist –, der kann und darf nicht darauf verzichten, seine Positionen möglichst soziologisch informiert weiterzudenken und aus ihnen Konsequenzen abzuleiten. Anders kann und darf man Utopien nicht verfolgen, wenn sie nicht zu Dystopien werden sollen. Die Befürworter des BGE lassen es an diesem Grundsatz fehlen, was es umso erstaunlicher macht, dass ihr Konzept mit einer solchen Beharrlichkeit weiter durch die sozialpolitischen Debatten geistert. Weniger erstaunlich dabei ist freilich, dass es auch von der links- bis neoliberalen Seite immer häufiger bereitwillig aufgegriffen wird.

Wahrhaft soziale Politik muss Menschen dort abholen, wo sie stehen. Dass dies nicht als Floskel gemeint ist, sollte die vorangegangene Argumentation deutlich gemacht haben: Menschen sind soziale Wesen, die einer Vielzahl an Kapitalformen bedürfen, um zu Wohlstand zu kommen. Ein wirklich sozialer Staat – was ein Staat, der das BGE verwirklichen würde, genauso wenig ist wie die grenzoffene, alle Welt versorgende, LGTBIQ- und Gender-affine, aber den eigenen Bürgern gegenüber skrupellos autokratisch vorgehende Bundesrepublik – müsste darauf hinwirken, soziale Ungleichheit zu beseitigen, indem er Menschen ermöglicht, besser an ökonomisches, an soziales, an kulturelles und an symbolisches Kapital zu gelangen. Das BGE, das das erstere zu Ungunsten der drei anderen Kapitalformen stärkt und dadurch sogar den Zugang zum ersteren durch die Hintertür wieder schwächt, ist hierbei rundweg kontraproduktiv.

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Dr. Florian Sander

Florian Sander

Dr. Florian Sander ist Soziologe und Politikwissenschaftler. Er ist Mitglied der Landesprogrammkommission und des Landesfachausschusses Außen- und Sicherheitspolitik der AfD in NRW sowie Kreisvorsitzender der AfD Bielefeld und Mitglied des Rates der Stadt Bielefeld. Er schrieb u. a. für ‚Le Bohémien‘, ‚Rubikon‘, ‚Linke Zeitung‘, den ‚Jungeuropa‘-Blog und ‚PI News‘ und ´Arcadi`, ist inzwischen Autor für ‚Sezession‘, ‚Glauben und Wirken‘, ‚Wir selbst‘ und ‚Konflikt‘ und betreibt den Theorieblog ‚konservative revolution‘.

„Institut für Staatspolitik“ als geistiges Gravitationszentrum und die Repression des Verfassungsschutzes

Interview mit Dr. Erik Lehnert (Geschäftsführer des IfS)

„Institut für Staatspolitik“ als geistiges Gravitationszentrum und die Repression des Verfassungsschutzes

Der Verfassungsschutz von Sachsen-Anhalt stuft das „Institut für Staatspolitik“ (IfS) als „gesichert rechtsextrem“ ein. Im TAGESSTIMME-Interview spricht IfS-Leiter Erik Lehnert über die neue Einstufung, die Vorwürfe des Verfassungsschutzes und was aus seiner Sicht dahintersteckt.

TAGESSTIMME: Gestern brachten allen großen Zeitungen die Meldung, dass das „Institut für Staatspolitik“ nun vom Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt als „gesichert rechtsextrem“ eingestuft wurde. Was heißt das zunächst einmal?

Erik Lehnert: Die Meldung bezieht sich auf den noch unveröffentlichten Verfassungsschutzbericht des Landesamtes für 2020. Wir haben von der Einstufung auch erst aus der Presse erfahren. Zum jetzigen Zeitpunkt bedeutet diese Einstufung zunächst einmal viele Presseanfragen von den üblichen Verdächtigen, die sich die Hände reiben. Kritische Berichterstattung findet nicht statt, weil die Presse mit dem Parteienstaat an einem Strang zieht und zu einem Verlautbarungsorgan der Behörden verkommen ist.

Ihr Institut ist wie alle oppositionellen Gruppen und Denker schon länger im Visier der Repressionsorgane. Haben Sie die „Heraufstufung“ bereits erwartet oder kommt diese nach nunmehr 20 Jahren erfolgte Einschätzung überraschend?

Wir mussten damit rechnen, dass irgendwann aus dem Verdachtsfall ein Beobachtungsfall wird. Allerdings würde uns schon interessieren, welche neuen Erkenntnisse die Behörde hat, um zu dieser Einstufung zu kommen. Ich kann nicht finden, dass sich unsere Arbeit in den letzten Jahren so verändert hat, dass diese Verschärfung gerechtfertigt wäre. Es drängt sich ja förmlich der Verdacht auf, dass man das Jahr zwischen Verdachtsfall und Beobachtungsfall nur aus formalen Gründen verstreichen ließ, die Einstufung aber längst beschlossene Sache war. Die Landesämter müssen offensichtlich Munition für das Großvorhaben „Beobachtungsfall AfD“ liefern, da die von den Konkurrenzparteien geführten Innenministerien realisiert haben, dass die AfD nicht von allein wieder verschwindet.

Die AfD ist nur ein Beispiel für Organisationen, die in den letzten Jahren ins Visier des Verfassungsschutzes geraten sind, hinzu kommen beispielsweise auch das Bürgernetzwerk „Ein Prozent“ und die Zeitschrift „Compact“. Was steckt dahinter?

Dabei handelt es sich um eine konzertierte Aktion gegen die „Neue Rechte“, zu der Thomas Haldenwang, der Präsident des Bundesamtes, im letzten Jahr den Startschuss gegeben hat. Er konnte dabei allerdings auf die Arbeit seines Vorgängers aufbauen, der für die Beobachtung der Identitären Bewegung gesorgt hatte. Ziel ist es, Kritiker mundtot zu machen. Das eigentliche Ziel ist zweifellos die AfD, bei der sich der Angriff aber aufgrund ihres Parteienstatus‘ und dem hohen Zuspruch, den sie in einigen Bundesländern genießt, schwieriger gestaltet. Wenn der Verfassungsschutz es in dieser Richtung übertreibt, droht die schon geringe Akzeptanz für diese Einrichtung weiter zu schwinden. Also nimmt man sich erst einmal alles vor, was kleiner ist und über irgendeinen Bezug zur AfD verfügt. Mit diesem Vorgehen erhöht man den Druck auf das Milieu insgesamt und hofft vermutlich weiterhin, dass sich dadurch Distanzierungen und womöglich die Parteispaltung provozieren lassen. Es handelt sich um ein Spiel über Bande.

Das IfS vertrete „rassistische und biologistische Sichtweisen“ und sei ein „geistiges Gravitationszentrum“ für die ganze deutsche Neue Rechte, wird Ihnen vom Verfassungsschutz vorgeworfen. Was sagen Sie dazu?

Natürlich erheben wir den Anspruch ein geistiges Gravitationszentrum zu sein, wenn man darunter einen zentralen Anziehungspunkt des freien Geistes versteht. Dass das den Mächtigen nicht schmeckt, darf einen nicht wundern. Die Macht ist ihren Kritikern nie wohlgesonnen. Was an diesem Vorgang heute so abstoßend wirkt, ist weniger die Tatsache als solche, sondern vielmehr die moralische Verbrämung des Machterhalts. Dem Kritiker wird die Satisfaktionsfähigkeit abgesprochen, um sich mit seinen Argumenten nicht auseinandersetzen zu müssen. Der Vorwurf, wir würden „rassistische und biologistische Sichtweisen“ vertreten, ist Blödsinn. Da würden mich mal die Belege interessieren.

Weiter wird ihnen vorgeworfen, eine „vermeintliche linke Hegemonie in Gesellschaft und Politik aufbrechen“ zu wollen und eine „Diskursverschiebung nach ,rechts’“ anzustreben.

Das ist das normale Geschäft einer oppositionellen Denkrichtung, dass sie den politischen Gegner angreift. Dass es eine linke Hegemonie gibt, wird niemand ernsthaft bestreiten. Schon das gemeinsame Vorgehen von Politik und Presse in unserem Fall beweist das doch zur Genüge. Wenn es diese Hegemonie nicht gäbe, wären irgendwo wenigstens Zwischentöne in der Berichterstattung zu hören, oder ein Politiker würde zur Mäßigung aufrufen. Insofern ist auch dieser Vorwurf absurd und entlarvt diejenigen, die ihn erheben.

Mutmaßlich um den Einsatz von nachrichtendienstlichen Mitteln als angemessen und notwendig erscheinen zu lassen, wird die mangelnde Transparenz des IfS kritisch vermerkt. Das Institut habe bisher weder Ideologie noch Struktur offengelegt, heißt es.

Das ist etwas merkwürdig, weil es ja gleichzeitig heißt: „Stärker als viele andere rechtsextremistische Gruppierungen setzt das IfS auf die Schrift als Mittel zur Verbreitung der eigenen Ideologie.“ Dass wir nicht sagen, was wir meinen, kann man uns daher eigentlich nicht vorwerfen. Alles, was wir tun, ist öffentlich, sei es als gedrucktes oder gesprochenes Wort. Aber ein Geheimdienst braucht natürlich irgendeine Begründung für seine Arbeit. Wenn es da nichts Verborgenes gibt, das zu erschnüffeln wäre, behauptet er einfach, es gäbe etwas. Da ausgerechnet beim Verfassungsschutz die Beweislastumkehr gilt, muss der Verfassungsschutz seine Behauptungen nicht belegen. Und das Gegenteil zu beweisen, ist beim Vorwurf der mangelnden Transparenz unmöglich solange es keine vollends gläsernen Menschen gibt und Gedanken nicht lesbar sind.

Inwieweit sind Ihrerseits Gegenmaßnahmen geplant, beispielsweise eine Klage gegen die Einstufung?

Nun, wir prüfen das, allerdings sind die Aussichten nicht besonders gut. Seitdem die Verfassungsschutzbehörden den Joker „Menschenwürde“ entdeckt haben, und die Gerichte ihnen darin folgen, ist jede Aussage, die sich beispielsweise positiv auf den Fortbestand des deutschen Volkes bezieht, ein potentieller Verstoß gegen diese Menschenwürde. Das klingt im ersten Moment absurd, denn auch Deutsche sind ja Menschen, aber das Prinzip „Menschenwürde“ wird so ausgelegt, dass jede Differenzierung innerhalb der Menschheit als Exklusion von anderen Menschen interpretiert wird. Normalerweise wäre das eine philosophischen und keine juristische Auseinandersetzung.

Die Einstufung ermöglicht sowohl weitere Maßnahmen gegen Sie, wie nachrichtendienstliche Überwachung, als auch gegen Unterstützer und Besucher von Veranstaltungen. Was heißt das konkret für eine Person die beispielsweise eine der Akademien in Schnellroda besuchen will?

Wie der Presseberichterstattung zu entnehmen war, werden wohl schon seit zwei Jahren nachrichtendienstliche Mittel gegen uns eingesetzt. Insofern wird sich an der Praxis nicht viel ändern, nur dass manch einer die anderen Teilnehmer mit etwas Argwohn betrachten wird. Genau das will der Verfassungsschutz erreichen. Wer nach einem historischen Vorbild für dieses Vorgehen sucht, wird bei der Staatsicherheit der DDR fündig, Stichwort „Zersetzung“. Auch damals haben sich Leute, die ernsthaft an Veränderungen interessiert waren, davon nicht abschrecken lassen. Es erfordert Mut zu seinen Überzeugungen zu stehen, auch im offiziell „freiesten Staat der deutschen Geschichte“.


Zur Person:

Dr. Erik Lehnert: geboren 1975 in Berlin, studierte Philosophie, Geschichte sowie Ur- und Frühgeschichte. Er war anschließend DFG-Stipendiat in Bamberg und wurde 2006 über Karl Jaspers und die Philosophische Anthropologie zum Dr. phil. promoviert. Anschließend Lektor bei Antaios und Redakteur der Sezession, seit 2008 Geschäftsführer des Instituts für Staatspolitik (IfS), seit 2015 Wissenschaftlicher Leiter. Mitbegründer des Netz-Tagebuchs der Sezession.

Wir bedanken uns bei der Redaktion des Nachrichtenportals TAGESSTIMME für die Genehmigung, dieses Interview mit Dr. Erik Lehnert, das dort am 06.10.2021 veröffentlich wurde, auch auf unserer Seite veröffentlichen zu dürfen.

Die TAGESSTIMME ist ein österreichisches Nachrichtenportal für den gesamten deutschsprachigen Raum, das den unabhängigen und kritischen Journalismus sowie die freie und demokratische Meinungsbildung fördert. Besonderen Wert legen die Redakteure auf die Darstellung differenzierter Sichtweisen und Positionen. Sehr empfehlenswert!

Lohnend ist auch ein Besuch der Internetseite des Magazins Freilich

Weltrevolution gegen die Globalisierung

von Jens Woitas

Weltrevolution gegen die Globalisierung

Alain de Benoist gilt wegen seines Standardwerkes Kulturrevolution von rechts (1985) als Altmeister nicht nur der französischen nouvelle droite, sondern auch der politischen Rechten in Deutschland. Es ist daher verwunderlich, dass viele seiner jüngeren Publikationen keine deutsche Übersetzung erfahren haben und deshalb in den politischen Diskussionen unserer Tage praktisch keine Rolle spielen, obwohl sie uns aus meiner Sicht in der verworrenen Problematik unserer Gegenwart erhellende Erkenntnisse liefern könnten. Ich denke hier vor allem an Le moment populiste – Gauche-droit, c’est fini („Der populistische Moment – Rechts-links, das ist vorbei“, 2017) und Contre le liberalisme („Gegen den Liberalismus“, 2018). Die zentrale Aussage dieser Bücher ist, dass der klassische politische Links-rechts-Gegensatz in unserer Zeit durch einen Konflikt zwischen globalistischen Eliten einerseits und Globalisierungsverlierern und –gegnern andererseits abgelöst worden ist, wobei letztere durch einen Populismus politisch repräsentiert werden, der seinem Wesen nach weder „links“ noch „rechts“ ist. Gemeinsamer Gegner von „Linken“ und „Rechten“ ist in diesem Bild der globalistische Liberalismus. In dessen Bewertung kann es keine Differenzierung zwischen Wirtschaftsliberalismus („Neoliberalismus“) und Gesellschaftsliberalismus (Gender, diversity, Menschenrechtsideologie, Auflösung gewachsener Identitäten und Bindungen) geben, weil beide Spielarten des Liberalismus untrennbar miteinander verbunden sind. Dazu kommt eine Erkenntnis, die Alain de Benoist schon im April 2020, also unmittelbar nach dem Ausbruch der Corona-Krise, in seinem Aufsatz After Covid bei Telospress publizierte: Die Globalisierung ist Geschichte!

Diese theoretischen Versatzstücke liefern uns ein Werkzeug, mit dessen Hilfe eine Vielzahl scheinbar widersprüchlicher Entwicklungen unserer politischen Gegenwart in ein geschlossenes Bild gebracht werden können. Die Bundestagswahl hat ein Ergebnis mit sich gebracht, in welchem die AfD bei einer letztlich unbefriedigenden Stimmenzahl verharrt, gleichzeitig meine frühere Partei DIE LINKE eine katastrophale Niederlage erleidet und auch die Grünen trotz der Allgegenwart des Klima-Themas weit hinter den Erwartungen zurückbleiben. Trotz einer allgemein verbreiteten Unzufriedenheit steht am Ende dieser Wahl eine klare Mehrheit für ein „Weiter so!“ einer unbestimmten liberalen „Mitte“. Entweder führt dies zu einer in sich widersprüchlichen und damit kaum handlungsfähigen Dreierkoalition oder sogar zu einer „Zombifizierung“ der Merkel-Regierung, die angesichts fruchtloser Bemühungen um eine Regierungsbildung noch für lange Zeit geschäftsführend im Amt bleiben könnte. Angesichts der oben erwähnten Erkenntnisse Alain de Benoists ist ziemlich klar, warum alle Ansätze zu einer deutlichen politischen Veränderung bei der Wahl gescheitert sind: Die Linken versteifen sich in ihrem phantomhaften „Kampf gegen rechts“ darauf, die menschliche Sehnsucht nach gewachsenen Bindungen und Identitäten zu verteufeln. Diese Dinge widersprechen aber bei näherer Betrachtung dem Ziel einer sozialen Gesellschaft nicht, sondern befördern sogar diese Zielsetzung. Die Rechten übersehen in ihrem durchaus berechtigten Eintreten für Volk und Nation, dass man dabei nicht gleichzeitig an einer globalisierten Weltwirtschaft festhalten kann, weil die Zersetzung der Nationalstaaten und auch die Massenmigration in hohem Maße das Ergebnis von Sachzwängen des globalen Kapitalismus sind. Zumindest der „westliche“ Teil der AfD denkt und handelt noch immer noch wirtschaftsliberal und somit automatisch auch globalistisch, während im „östlichen“ Teil zwar inzwischen von „Sozialpatriotismus“ (Benedikt Kaiser) gesprochen wird, aber ohne damit wirklich konkrete Ideen zur Lösung drängender wirtschaftlicher Probleme, vor allem der beständigen Instabilität des Finanz- und Eurosystems, zu verbinden. Die Grünen haben sich schließlich die falsche Vorstellung zu Eigen gemacht, dass man die Klimaproblematik durch „grünes Wirtschaftswachstum“ im Einklang mit Globalisierung und Kapitalismus lösen könnte. Dies ist aus rein physikalischen Gründen ein Irrweg: Wirtschaftswachstum bedingt immer einen höheren Energieumsatz, und damit auch eine stetige Erwärmung des thermodynamischen Systems „Planet Erde“.

Man könnte fast alle diese Widersprüche vermeiden und so zu sehr viel besseren Politikansätzen kommen, wenn man begreifen würde, dass für alle drei genannten politischen Richtungen der Liberalismus ein gemeinsamer Gegner ist, und zwar in seiner unauflösbaren Kombination aus Wirtschafts- und Gesellschaftsliberalismus. Es scheint mir aber so zu sein, dass an diesem Punkt ein großer Teil der Menschen schon weiter ist als die Politik und ihre Organisationen. Parallel zu der Verzweiflung, die sich in unserer Gegenwart gleichermaßen bei „Rechten“, „Linken“ und „Grünen“ breitmacht, gibt es eine mächtige, praktisch weltweite, Bewegung gegen den globalen Liberalismus, die sich Woche für Woche in stetig wachsenden Demonstrationen von Australien bis Europa äußert. Man muss wahrscheinlich bis 1968 zurückgehen, um eine Protestbewegung von ähnlich globalem Ausmaß zu finden. Der Begriff „global“ führt hier nicht zu einem Widerspruch in sich, denn er bezieht sich nur auf den Wunsch praktisch aller Völker dieser Welt nach nationaler und demokratischer Selbstbestimmung. Der Widerstand gegen die repressive Corona-Politik ist dabei aus meiner Sicht nur ein gemeinsamer Ansatzpunkt für eine Opposition gegen die gesamte Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik der letzten 30 bis 40 Jahre. Man mag aus einer eigenen ideologischen Verortung – sei sie links oder rechts – skeptisch auf solche Proteste blicken, die offensichtlich noch nicht wirklich Form und Inhalt gefunden haben. Aber werden hier nicht – in marxistischer Sprechweise ausgedrückt – die Globalisierungsverlierer und –gegner, Hillary Clintons basket of deplorables, von einer „Klasse an sich“ zu einer revolutionären „Klasse für sich“, indem sie den Mechanismus ihrer Unterdrückung erkennen, um sich dann erfolgreich gegen diese Unterdrückung wehren zu können? Dazu kommt, dass der gegenwärtige Zustand von Weltwirtschaft und Weltfinanzsystem tatsächlich in hohem Maße an Karl Marx‘ Beschreibung des an seinen eigenen Widersprüchen scheiternden Spätkapitalismus aus dem Kapital erinnert. Mit der Entleihung dieser marxistischen Begrifflichkeiten rede ich keineswegs einer Rückkehr zum spätestens 1991 katastrophal gescheiterten Staatssozialismus das Wort. Den geistigen Bezugsrahmen für die heutige Weltrevolution liefert nicht Lenin, sondern Julius Evola mit seiner Revolte gegen die moderne Welt. Die Zielvorstellung ist also nicht irgendeine Form von „Kommunismus“, sondern eine Überwindung des Kapitalismus in einer Synthese, welche die traditionelle, vorkapitalistische Gesellschaft der gewachsenen Bindungen und Identitäten mit den materiellen Errungenschaften des Industriezeitalters vereinigt.

Alain de Benoist: der Anfang vom Ende der Globalisierung

Ist dies nicht allzu utopisch? An dieser Stelle kommt die letzte der eingangs zitierten Erkenntnisse von Alain de Benoist ins Spiel, nämlich dass das Ende der Globalisierung unter Umständen bereits stattgefunden hat, ohne dass uns dies bewusst ist. Bei der praktisch weltweiten Panikreaktion auf „Corona“ wurde im Frühjahr 2020 faktisch der „Aus“-Schalter des globalen Wirtschafts- und Gesellschaftssystems gedrückt ohne sich bewusst zu sein, dass für solche – im Liberalismus immer nur informellen – Ordnungen nicht ohne weiteres ein „Ein“-Schalter existiert (Gertrud Höhler: „Die Corona-Bilanz“). Die Folgen zeigen sich mit etwas Verspätung in diesen Tagen: Der Abbruch von internationalen Lieferketten und die krisenbedingte Entlassung von Transportarbeitern führen bereits jetzt zu merklichen Engpässen bei der Güterversorgung, die sich aller Voraussicht nach noch dramatisch verschärfen werden. Zusätzlich zu den dadurch verursachten Preissteigerungen treten inflationäre Tendenzen auf, deren Ursache eine kaum wieder zu bereinigende Verzerrung des Geldwertes durch die Injektion von Billionen nicht wertgedeckten Zentralbankgeldes in die Finanzmärkte während der Corona-Krise ist. Zumindest auf dem Gebiet der Wirtschaft könnte es also selbst nach einer Aufhebung der Corona-Maßnahmen keine Rückkehr zum global-liberalen status quo vor der Krise geben. Die Untrennbarkeit von Wirtschafts- und Gesellschaftsliberalismus stellt aber dann automatisch auch letzteren infrage.

Man kann dies auch als Globalisierungsgegner nicht bejubeln, weil die unvermeidliche Folge davon spürbare Wohlstandsverluste sind, und wahrscheinlich sogar Mangelerscheinungen wie sie jüngere oder mittelalte Deutsche nie erlebt haben. In ärmeren Weltregionen führen diese Kollateralschäden der Corona-Politik schon heute zu einer fünfstelligen Zahl von Hungertoten pro Tag und zur Paralysierung ganzer Staaten wie etwa des Libanon, was wiederum unberechenbare Kriegsrisiken mit sich bringt. In der bundesdeutschen Wohlstands- und Migrationsgesellschaft drohen zudem bislang unbekannte Gewaltausbrüche, sobald der Sozialstaat angesichts einer zunehmenden Wertlosigkeit des Geldes die ohnehin schon bestehenden inneren Konflikte nicht mehr mit materiellen Gaben zuschmieren kann. Trotzdem ist es gut, dass wir einem Punkt nahe gekommen sind, an dem eine Politik des „Weiter so!“ ganz einfach krachend an der Realität scheitern muss. Nur über einen solchen Tiefpunkt hinweg kann nämlich ein sehr viel besserer, post-globalistischer, Zustand erreicht werden. Die notwendige Rückkehr von Nationalstaaten und Regionen als hauptsächlicher Bezugsrahmen von Politik und Wirtschaft und die erlebte Bedeutung von Familie und Nachbarschaft in einer Krise führen nämlich nicht nur zu einer Renaissance gewachsener Bindungen und Identitäten. Sie erzeugen darüber hinaus quasi von selbst eine soziale und auch nachhaltige Gesellschaft. Wer sich Gemeinschaften zugehörig führt, die schon lange vor der eigenen Geburt existiert haben und noch lange nach dem eigenen Tod weiterexistieren werden, der wird von selbst darauf achten, dass er den folgenden Generationen dieselbe lebenswerte Umwelt hinterlässt, die er in seiner Kindheit vorgefunden hat. Zusammen mit dem Wegfall vieler unnötiger Reisen und Transporte durch die De-Globalisierung könnten auf diese Weise Umwelt und Klima wirksam geschützt werden, ohne dass es dazu die Verbiesterung und die Verbote der heutigen „Klima-Bewegung“ bräuchte.

Auch das aus „rechter“ Sicht zentrale Problem des schleichenden Verschwindens der europäischen Völker im Zuge der Massenmigration könnte durch die anti-globale Weltrevolution eine unkonventionelle, überraschende Lösung finden. Ich lasse keinen Zweifel daran, dass auch für mich der ethno-kulturelle Volksbegriff eine hohe Bedeutung besitzt. Ohne ethnos gibt es nämlich auch keinen demos, und die sichtbaren Folgen der globalistischen Verneinung des ethno-kulturellen Volkes sind heute schon Re-Tribalisierung und Staatszerfall. Trotzdem ist der ethnos nicht allein durch seine schiere Existenz schon ein demos, also ein demokratisches Staatsvolk.Ein politisches „Volk“ ist nicht gleichsam automatisch immer schon vorhanden, es entsteht erst dadurch, dass es sich in einem politischen Willensakt selbst als ein solches begreift. Die Franzosen wurden erst durch die Revolution von 1789 zu einem selbstbestimmten Volk, die Polen wurden es erst nach dem gewaltsamen Ende ihres Königreiches (1795) durch den zähen inneren Widerstand gegen die Auslöschung ihrer Staatlichkeit, und auch ein politischer Begriff von „Deutschland“ entstand erst im 19. Jahrhundert durch Befreiungskriege, Vormärz und die – leider unvollendete – Revolution von 1848. Die Folgerung daraus ist, dass die anti-globale Revolution auch ein erneuertes politisches Bewusstsein von einem demokratisch selbstbestimmten deutschen Volk hervorbringen könnte. Dieses politische Bewusstsein wäre aber weitgehend von der ethnischen Abstammung unabhängig und könnte so meiner Ansicht nach ohne weiteres von einer nennenswerten Zahl von Migranten geteilt werden. So würde den heutigen ethno-kulturellen Spaltungstendenzen auf einer politischen Ebene entgegengewirkt, ohne damit Begriffe wie „Volk“ und „Nation“ irgendwie in ihrer Bedeutung zu schmälern. Mir erscheint ein solcher Ansatz sehr viel aussichtsreicher als die aus schierer Verzweiflung geborenen Diskussionen um „Reconquista oder Sezession“ (Martin Sellner), wie sie zurzeit unter rechten Dissidenten geführt werden.

Zusammenfassend möchte ich feststellen, dass es auch und gerade in der finster und hoffnungslos erscheinenden Gegenwart unserer Tage deutliche Vorzeichen einer besseren Zukunft gibt. Man muss sie nur wahrnehmen und in der Lage sein, sie richtig zu deuten. Das Spätwerk von Alain de Benoist kann dabei auch für uns Deutsche ein wichtiger Wegweiser sein.

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Dr. Jens Woitas

Dr. Jens Woitas

Jens Woitas, geboren 1968 in Wittingen (Niedersachsen), verheiratet, lebt (mit einigen Unterbrechungen) seit 1970 in Wolfsburg. Abitur 1988, dann Zivildienst und Tätigkeit als Gartenarbeiter. Studium der Physik in Clausthal-Zellerfeld und Tübingen, dann Promotion zum Doktor der Naturwissenschaften in Heidelberg (1999). Wissenschaftlicher Mitarbeiter an astronomischen Forschungsinstituten in Tübingen, Heidelberg und Tautenburg (1995-2005), dann Unternehmensberater. Seit 2011 Erwerbsunfähigkeitsrentner. Von Kindheit an lebhaft an Politik, Geschichte, Literatur und Religion interessiert, Mitglied der evangelisch-lutherischen Kirche und von 2017 bis 2020 Mitglied der Partei DIE LINKE. Neben einer Reihe von Artikeln in astronomischen Fachzeitschriften auch Autor einer autobiographischen Erzählung (Schattenwelten, Mauer Verlag, Rottenburg am Neckar 2009). In den letzten Jahren intensive Beschäftigung mit dem Denken des Neomarxismus und der „Neuen Rechten“ unter Einbeziehung französischer Originaltexte, insbesondere von Alain de Benoist und Jean-Claude Michéa.

Im Lindenbaum Verlag ist soeben das Buch „Revolutionärer Populismus. Das Erwachen der Völker Europas“ von Dr. Jens Woitas erschienen.

Linksnationalismus – Traumgebilde und historische Realität

von Dr. Winfried Knörzer

Linksnationalismus – Traumgebilde und historische Realität

Seit Gründung der Zeitschrift wir selbst im Jahre 1979 haben sich die Macher der Zeitschrift (die Gründungsmannschaft rekrutierte sich ausschließlich aus rechten politischen Gruppierungen) darum bemüht, die Lagerkonfrontation zwischen links und rechts aufzulockern. Mit dem Aufkommen der GRÜNEN schien ohnehin die alte Gesäßgeographie der Vergangenheit anzugehören. Wertkonservative, Natur- und Heimatschützer, ehemalige Kommunisten, unorthodoxe Sozialisten und Nationalpazifisten fanden zusammen, denn die ökologische Frage (Kampf gegen AKW, die Maßlosigkeiten einer Konsum- und Wegwerfgesellschaft, zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft, Umweltzerstörungen einer profitorientierten Gesellschaft) ließ die alten ideologischen Gegensätze als nebensächlich erscheinen. Auch die NATO-Nachrüstungspolitik zwang zu neuen Allianzen. Die nationale Frage wurde nun auch von Linken als Frage nach der fehlenden staatlichen Souveränität wahrgenommen und die fehlende Einheit der deutschen Nation als „Wunde namens Deutschland“ (Walser) von manchen Linken mit einer patriotischen Sensibilität schmerzhaft empfunden. Im Gegensatz zu vielen anderen Linken war auch für Rudi Dutschke die „Nationale Frage“ ein Thema. Dies wurde spätestens mit seinen Diskussionsbeiträgen in Klaus-Rainer Röhls Zeitschrift „dasda/Avanti“ 1977/78 klar, wo er beispielsweise fragte: „Wer hat Angst vor der Wiedervereinigung?“ oder „Warum denken deutsche Linke nicht national?“ In dieser kurzen Zeitspanne (von 1978 bis zur Wiedervereinigung) gab es ein kleine Chance, linksnationale und rechtspatriotische Positionen miteinander zu versöhnen. Die Autorenliste unserer Zeitschrift gibt darüber beredt Auskunft. Armin Mohler nannte in einer WELT-Besprechung unsere blauäugigen Versuche, die ideologischen Gräben zu überwinden, eine „politische Topographie des Hufeisens“ (das linke und rechte Ende sind sich recht nah, weit entfernt von beiden das verachtete politische Establishment der Mitte). Uns das Etikett „linksnationalistisch“ anzuheften, wie es von medialen Beobachtern der „linken Leute von rechts“ (z. B. Hans-Gerd Jaschke) damals zuweilen geschah, war auch vor 30 Jahren schon fragwürdig, allenfalls eine bescheidene Anerkennung unseres Abschieds aus dem altrechten, erneuerungsunfähigen Milieu.

Wir möchten mit dem Artikel von Dr. Winfried Knörzer die Debatte über die Vereinbarkeit von links und national neu entfachen und bitten um rege Beteiligung! (wir selbst-Redaktion)

Linksnationalismus ist kein theoretisches Konstrukt, sonder ein reales politisches Phänomen. Darum kann man auf diesen Begriff nicht Wunschvorstellungen projizieren, wie idealerweise die Verbindung einer nationalen mit einer solidarischen bzw. sozialen Orientierung aussehen sollte. Man muß sich an das halten, was es in der historischen Wirklichkeit an Bewegungen gegeben hat oder gibt, die nach dem Selbstverständnis ihrer Protagonisten bzw. nach dem Urteil von Fachleuten mit einiger Berechtigung als linksnationalistisch bezeichnet werden können. Wie jedes politische Phänomen antwortet auch der Linksnationalismus auf eine konkrete historische Lage, woraus sich Sinn und Funktion einer politischen Positionsbestimmung ergeben. Nur indem eine politische Bewegung reale und für die Allgemeinheit bedeutsame politische Probleme aufgreift, kann sie wirkmächtig werden; andernfalls verbleibt sie im Abseits sektiererischer Theoriezirkel.

Erstürmung der indischen Stadt Shrirangapattana durch britische Truppen im Jahr 1799. Die Stadt war Hauptstadt des unabhängigen indischen Staates Myosore, der sich gegen die britischen Kolonialbestrebungen wehrte. Im dargestellten vierten „Myosore-Krieg“ verlor der Staat seine Unabhängigkeit, der Herrscher Tipu Sultan wurde getötet. Ausschnitt aus einem Gemälde von Henry Singleton, ca. 1800.

Die große Stunde des Linksnationalismus schlägt immer dann, wenn eine Konstellation auftritt, in der die Mehrheit eines Volkes gleichermaßen sozialer wie nationaler Benachteiligung/Unterdrückung ausgesetzt ist. Dies ist regelmäßig dann der Fall, wenn die herrschende Schicht sich entweder aus Angehörigen eines fremden Volkes zusammensetzt oder im Dienste eines solchen steht, und die Mehrheit des Volkes wirtschaftlich ausbeutet, sowie bestrebt ist, dessen Widerstandswillen durch Zerstörung der nationalen Eigentümlichkeiten wie Sprache, Kultur, Traditionen zu brechen. Die herrschende Schicht ist darum für die Mehrheit des Volkes sowohl in sozialer wie nationaler Hinsicht der Feind. Typische Beispiele sind hierfür Kolonien, wo die Kolonialherren einem fremden Volk angehören und denen Teile der autochthonen Bourgeoisie zuarbeiten oder Länder mit großen und räumlich konzentrierten nationalen Minderheiten (in Europa: Basken, Korsen, die Iren Nordirlands innerhalb des Vereinigen Königreiches). Der Kampf um nationale Unabhängigkeit geht daher mit dem Kampf gegen wirtschaftliche Ausbeutung Hand in Hand. Man kann daher gleichermaßen sagen, daß der nationale Befreiungskampf eine sozialistische Komponente enthält, wie daß der soziale Klassenkampf eine nationale Färbung besitzt. Ein Linksnationalismus ist darum für alle, die unter der beschriebenen Konstellation leiden, die naheliegendste politische Bewegung.

Baskenland und Freiheit: Abertzale-Linke und Mitglieder der Partei Batasuna demonstrieren 2008 gegen die Internierung von ETA-Gefangenen in Bilbao

Diese Konstellation ist die Ausgangslage. Aber dabei bleibt es nicht – die Lage entwickelt sich weiter. Die weitere Entwicklung kann langfristig im Grunde nur in folgender Alternative münden: der Linksnationalismus ist entweder erfolgreich oder er ist es nicht.

Betrachten wir zunächst den Erfolgsfall: die Kolonialherren wurden vertrieben, die Kollaborateure entmachtet und die nationale Unabhängigkeit wurde erreicht, oder ein Volk hat sich aus dem Zusammenhang eines Vielvölkerstaates gelöst und einen eigenen Staat gegründet. Was passiert dann? Im schlimmsten Fall, der häufig in Afrika und Arabien anzutreffen ist, versteht die siegreiche Befreiungsbewegung unter Sozialismus: Beutemachen für die eigene Clique (Junta, Clan, Volksstamm) und unter Nationalismus: ein Territorium zur freien Verfügung erhalten zu haben, in dem Beute gemacht werden kann. Auch wenn eine solche Entwicklung faktisch am häufigsten eintritt, möchte ich es mir nicht einfach machen und möchte daher die Idee des Linksnationalismus nicht durch den Verweis auf dieses worst case Szenario diskreditieren, sondern gestehe zu, daß auch Besseres möglich ist. Als Beispiel wähle ich Vietnam. Nach der Vertreibung der Besatzer und der Wiedervereinigung des Landes wurde ein kommunistisches Regime errichtet. Auch wenn die Kommunistische Partei eine privilegierte herrschende „neue Klasse“ (Dijalas) darstellt, unterscheidet sich dieses Regime doch grundlegend von den eben erwähnten Tyrannis-Regimes Afrikas und Arabiens. Tyrannis sei hier im klassisch-griechischen Sinne verstanden als Diktatur zum nahezu ausschließlichen Zweck der rein egoistischen Chancenmaximierung (vor allem Bereicherung) des Herrschers. Das kommunistische Regime Vietnams ist ein echter, am Gemeinwohl orientierter Staat – allerdings im Rahmen dessen, was Kommunismus unter Gemeinwohl versteht. Durch den erfolgreichen Abschluß des nationalen Befreiungskampfes hat sich allerdings die nationale Komponente des Linksnationalismus gewissermaßen von selbst erledigt. Sie hat kein Ziel mehr für konkretes, auf bestimmte Punkte bezogenes politisches Handeln. Vom ursprünglichen Linksnationalismus ist nur die sozialistische Komponente übriggeblieben. Die nationalistische Komponente hat ihren kämpferischen, aktivistischen Elan verloren und sich zu einem gewöhnlichen „Normalpatriotismus“ verdünnt, der mittels Symbolpolitik (z.B. durch permanentes Erinnern an die ruhmreiche Vergangenheit) das nationale Selbstbewußtsein stärkt.

An dieser Stelle berühren wir ein grundlegendes Dilemma des Nationalismus. Jede politische Bewegung hat ein bestimmtes, sie charakterisierendes Zentralthema, bzw. zentrales Ziel und einen konkreten Feind. Ich möchte dies schlagwortartig verdeutlichen, wobei ich mir im Klaren bin, daß Schlagworte einen Sachverhalt nur grob umreißen können und nicht den Ansprüchen einer wissenschaftlichen Definition, die hier aus Platzgründen nicht geleistet werden kann, genügen.

Sozialismus: Zentralthema: die wirtschaftliche, soziale und rechtliche Besserstellung der Arbeiterklasse, Feind: die besitzende Klasse

Liberalismus: Zentralthema: Freiheits- und Bürgerrechte, wirtschaftlicher Fortschritt; Feind: die ein Machtmonopol beanspruchende staatliche Obrigkeit

Konservativismus: Bewahrung der überlieferten Sitten, Werte und Gesellschaftsordnung; Feind: alle Akteure, welche die Modernisierung weiter vorantreiben (Beispiele: der bürokratische, ständische Ordnungen beseitigende Zentralstaat, progressive Intellektuelle).

Nationalismus: die machtgestützte Selbständigkeit einer Nation, die es einem Volk ermöglicht, ihrer Eigenart gemäß zu leben und diese weiterzuentwickeln; Feind: Fremdherrschaft (Besatzer), konkurrierende Nationen.

Liberalismus und Konservativismus kommen nie zur Ruhe. Da jeder Staat bestrebt ist, seine Macht zuungunsten bürgerlicher Freiheiten auszudehnen, gibt es für Liberale immer etwas zu tun. Ebenso entsteht allein durch die wirtschaftlich-technische Dynamik ein „Fortschrittsdruck“, der in bestimmten Personenkreisen sich in eine entsprechende politische Programmatik umsetzt, gegen den sich der Konservative zur Wehr setzt. Die Problematik, von der das politischen Streben des Konservativismus und Liberalismus seine Berechtigung erhält, entsteht gewissermaßen immer wieder von Neuem. Das heißt nicht zwingend, daß deren Programmatik allgemeines Interesse erweckt. Sobald ein gewisses Maß garantierter Bürgerrechtlichkeit vorhanden ist, wird das Verlangen nach mehr Freiheit gedämpft, vor allem wenn dieses durch Angebote von mehr Wohlstand oder mehr Sicherheit überlagert wird. Wenn sich das Tempo des Fortschritts so weit gesteigert hat, daß alles Bestehende in seinem Lauf mitgerissen wird, wird das auf dem inneren Wert des Überlieferten beruhende Bewahrenwollen zunehmend unverständlich. Nichtsdestotrotz bleiben die Zentralthemen von Liberalismus und Konservativismus relevant, weil die entsprechende Problematik fortexistiert.

Dagegen erlahmt die geschichtliche Kraft von Sozialismus und Nationalismus, wenn sie ihr selbstgestecktes Ziel erreicht haben. Nach dem Sieg der sozialistischen Revolution, wenn die Besitzenden enteignet und alles sozialisiert wurde, gibt es nichts mehr zu sozialisieren. An die Stelle des Kampfes um die Macht im Namen eines politischen Prinzips tritt Verwaltung, die zwar den bestehenden Sozialismus noch sozialistischer machen will, aber das Bestehende nicht mehr grundsätzlich ändern möchte. Auch wenn objektiv immer noch unwürdige Lebens- und Arbeitsverhältnisse und vor allem ungleiche Machtverhältnisse vorhanden sein mögen, ist mit der Überführung der Produktionsmittel in Gemeineigentum das eigentliche Ziel des Sozialismus erreicht. Etwas anderes zu wollen, etwa gar im Sinne individualistischer Freiheits- und Glückschancen, kann sich darum nicht auf die Idee des Sozialismus berufen, sondern gilt als Konterrevolution. Ebenso gelangt das nationalistische Streben an ein (vorläufiges) Ende, wenn die nationale Einheit und Unabhängigkeit hergestellt sind. Entweder gibt man sich mit diesem Erfolg zufrieden, wodurch der Nationalismus, wie am Beispiel Vietnams gezeigt, sich zu einem Normalpatriotismus abmildert, der keine geschichtsbildende Kraft mehr besitzt, oder die nationale Leidenschaft steigert sich zum Chauvinismus, der sich neue Feinde sucht und neue, über die Grenzen der Nation hinausgreifende Ziele setzt. Falls eine solche Entwicklung ihren Ursprung in einem wie auch immer gearteten Linksnationalismus hatte, tritt die soziale Komponente in den Hintergrund, da alle politischen Energien sich im Streben nach nationaler Machtausdehnung konzentrieren. Dies trifft auf die Französische Revolution, den italienischen Faschismus und das heutige China zu.

Kommen wir nun zu den historischen Konstellationen, in denen der Linksnationalismus scheiterte. Diese betreffen vornehmlich die regionalistischen Unabhängigkeitsnationalismen Europas in Nordirland, Korsika, in der Bretagne und im Baskenland. Man kann hier sehr genau den engen Zusammenhang von nationaler und sozialer Problematik beobachten. Wirtschaftliche und nationale Diskriminierung greifen ineinander. Der Engländer, Franzose, Spanier ist nicht nur der (ethnisch-kulturell) Fremde, sondern zugleich auch der Ausbeuter. Ein im Sinne des Sozialismus sans phrase vorgetragene, auf soziale und wirtschaftliche Themen bezogene Politik, kann hier nicht funktionieren, weil die ethnische Kluft zu groß ist, um ein gemeinsames Klassenbewußtsein zu ermöglichen. Der wirtschaftliche Klassengenosse wird primär als ethnischer Volksfeind wahrgenommen. Darum ist die sozialistische Politik der ursprünglichen IRA gescheitert, die in den 50er Jahren begonnen hatte, auf eine Aktionseinheit zwischen irischstämmigen und britischstämmigen Arbeitern zu setzen. Sie wurde bald von der Provisional IRA überflügelt, die einen klaren linksnationalistischen Kurs einschlug. Genauso wenig kann eine rein nationalistische Politik reüssieren, da der mit den Besatzern paktierende Bourgeois, der aus Opportunismus oder des ökonomischen Vorteils wegen mit diesen Handel treibt und für ihn Bütteldienste verrichtet, sich als Volksgenosse disqualifiziert hat.

Warum ist trotz dieser stimmigen Ausgangslage und des Rückhalts einer soliden Massenbasis den regionalistischen Unabhängigkeitsnationalismen nicht das gelungen, was nahezu alle Befreiungsnationalismen der 3. Welt zuwege brachten? Entscheidend ist das quantitative Ausmaß der Differenz zwischen den Kontrahenten. Der Kolonialherr ist gegenüber dem kolonisierten Volk der sich in wirklich jeder Hinsicht unterscheidende, total Andere. Dagegen sehen die Briten und Iren gleich aus, sprechen dieselbe Sprache, teilen eine ähnliche Lebenswelt. Der gemeinsame europäische Hintergrund reduziert die Spannweite des Abstands. Das ist ein Faktor, der konfliktmindernd wirken kann, aber nicht muß. Schon geringe Differenzen können bekanntlich tiefgehende Feindschaften bewirken, wenn der Wille da ist, diese Differenz zu etwas Bedeutsamen zu machen. Dieser Faktor führt aber auf eine Fährte, der es nachzuspüren gilt. Es sind daher weitere abstandsreduzierende Faktoren zu suchen.

1. Mit einiger Verspätung erreichte der Wirtschaftsaufschwung der Nachkriegszeit auch die Randregionen, wodurch sich eine Egalisierung der wirtschaftlichen Verhältnisse einstellte.

2. Der Staat war bereit, Abstriche an seinem Konzept des Zentralismus zu machen und den Regionen eine gewisse Eigenständigkeit zuzugestehen. Im härtesten Konflikt dieser Art, dem nordirischen Bürgerkrieg, verzichtete die britische Regierung wohlweislich auf massive militärische Vergeltung und nahm lieber höhere Opferzahlen unter den britischen Soldaten als unter den IRA-Kämpfern in Kauf, als die irischstämmige Bevölkerung vollends gegen sich aufzubringen.

Diese beiden Faktoren waren noch nicht entscheidend, aber sie verschoben die Waagschale der Bereitschaft zum separatistischen Engagement doch ein Stück weit in Richtung Stillhalten. Gerade weil der separatistische Kampf den vollen Einsatz verlangt, wird er nicht leichtfertig eingegangen. Je geringer der Leidensdruck der nationalen und sozial-ökonomischen Diskriminierung durch politische Zugeständnisse und spürbare Verbesserung der Lebensverhältnisse wird, desto geringer wird auch die Bereitschaft, das eigene Leben aufs Spiel zu setzen. Das Kosten/Nutzenverhältnis zwischen dem – auch persönlichen – Nutzen nationaler Unabhängigkeit und dem Risiko, zu langen Gefängnisstrafen verurteilt oder getötet zu werden, hat sich gegenüber der Ausgangslage verändert, wodurch die Bereitschaft, alles für die nationale Sache zu wagen, zunehmend schwindet.

Am wichtigsten freilich ist ein Faktor, den ich die Globalisierung auf nationaler Ebene nennen möchte. Ein eigenständiger und sich vom übrigen nationalen Umfeld scharf absondernder lebensweltlicher Zusammenhang, der die mentale Basis für eine separatistische Politik bildet, kann sich nur bei langandauernder relativer Abgeschlossenheit herausbilden. Auch in der Tier- und Pflanzenwelt führt räumliche Abgeschlossenheit zur Herausbildung neuer Arten. Diese Abschließung wurde in Spanien und Frankreich durch die natürliche Randlage und in Nordirland durch die unsichtbaren Grenzen zwischen britischen und irischen Wohnvierteln bewirkt. Diese Grenzziehungen wurden durch die sich immer schneller vollziehende Globalisierung auf nationaler Ebene eingeebnet. Hierbei verstärkten sich zwei von verschiedenen Seiten her eingreifende Prozesse gegenseitig. Zum einen rückte die gesamte Nation durch Automobilisierung und vor allem den Medienkonsum in den normalen Erfahrungshorizont hinein. Der Fernsehkrimi, die Quizsendung, die Fußballspiele der nationalen Liga machten die Belange der Gesamtnation ganz zwanglos viel interessanter und attraktiver als dies irgendeine staatliche Propaganda je hätte leisten können. Die separatismusgeneigte Region wird somit immer stärker in den Kommunikationszusammenhang der Gesamtnation integriert, wodurch sich der kulturell-lebensweltliche Abstand der Region zur übrigen Nation reduziert. Des weiteren werden die Region und die übrige Nation gleichermaßen ins Netz der weltumspannenden „Coca-Cola-Kultur“ hineingewoben, wodurch von beiden Seiten her die kulturellen Differenzen abgeschliffen werden. Verstärkt wird dieser Effekt durch die „Verfreizeitlichung“ der heutigen Lebensweise. Man definiert sich nicht primär durch Arbeit oder Herkunft, sondern über den freizeitzentrierten Lebensstil. Die Lebensstile in vergleichbaren sozialen Lagen gleichen sich in allen westlichen Ländern immer weiter an. Die Freizeitaktivitäten werden wiederum in großem Umfang von den Inhalten der globalen Populärkultur (Hollywood, Popmusik) bestimmt, die gegenüber den kulturellen Eigenheiten sowohl der Gesamtnation wie der der Region neutral sind.

Zusammenfassend läßt sich feststellen: In dem lebensweltlichen Erfahrungsraum treten immer weniger Elemente hervor, die als Ansatzpunkte zur Manifestation eines nationalen Gegensatzes dienen könnte. Dadurch schwindet die Bedeutung des nationalen Aspekts. So wie ein Angehöriger der Gesamtnation (der typische Franzose) aufgrund des Bedeutungsschwunds des nationalen Faktors keinen Anlaß mehr sieht, auf den seltsamen, rückständigen Randregionenbewohner herabzublicken, so hat auch dieser keinen Anlaß mehr, sich von der der Gesamtnation abzugrenzen. Nachdem die nationalkulturellen Eigentümlichkeiten beider Seiten gleichermaßen abgeschliffen sind, schwimmen nun die einstigen Kontrahenten als friedlich vereinte Bröckchen im Brei der One-World-Kultur.

Man wird nun vielleicht einwenden, daß nach dem Abklingen der „klassischen“ europäischen Unabhängigkeitsnationalismen gegen Ende des 20. Jahrhunderts zwei neue Separatismen beträchtlichen Zulauf erhalten haben – nämlich die Schottlands und Kataloniens. Beiden ist gemeinsam, daß sie es nie wagten, den Rubikon zu überschreiten. Zum Ausgang des schottischen Unabhängigkeitsreferendums hatte ich seinerzeit vermerkt: Das schottische Unabhängigkeitsreferendum war zum Scheitern verurteilt, weil es ein Ding der Unmöglichkeit anstrebte: ein nationalistisches Projekt ganz ohne Nationalismus durchführen zu wollen. Zwar ist in beiden Fällen eine historisch bedingte Animosität gegenüber der Titularnation vorhanden, die sich an der Erinnerung an die frühere Selbständigkeit und an den Kampf um deren Bewahrung festmacht, doch wird dieser Gesichtspunkt in der offiziellen Separatismuspolitik nicht thematisiert. Das hat seinen Grund darin, daß das allzu ostentative Hervorkehren einer dezidiert nationalistischen Politik wegen der nachhaltigen Diskreditierung des Nationalismus als solchem durch die historischen Faschismen kein gangbarer Weg ist. Darum hat man sich aufs Wirtschaftliche verlegt und den nationalen Gegensatz in den unverfänglicheren wirtschaftlichen Gegensatz umgemünzt. Aber eine hauptsächlich an wirtschaftlichen Belangen orientierte Politik muß es sich gefallen lassen, auch ausschließlich nach wirtschaftlichen Kriterien bewertet zu werden. Es wird das rationale Kalkül angestellt: wird sich meine wirtschaftliche Lage durch die Unabhängigkeit gegenüber der jetzigen deutlich verbessern? Denn nur ein deutlicher Unterschied rechtfertigt es, die unwägbaren Risiken nationaler Eigenständigkeit in Kauf zu nehmen. Da sich die wirtschaftliche Entwicklung nicht voraussehen läßt, werden viele ängstlichere Naturen vor einem „Ja“ zur Unabhängigkeit zurückschrecken. Mit dem Taschenrechner läßt sich keine nationale Politik machen. Natürlich spielt unterschwellig das nationale Ressentiment eine gewisse Rolle. Da es sich aber nicht in expliziter Form manifestieren kann, trägt es nicht dazu bei, dem Willen zur Loslösung den zusätzlichen, entscheidenden Impuls zu verleihen. Diesem Wohlstandsseparatismus fehlen die beiden zentralen Komponenten des eigentlichen Linksnationalismus: die echte, spürbare und intentional betriebene Unterdrückung durch eine Fremdherrschaft und die dadurch bewirkte wirtschaftliche Not.

Nach diesem Überblick über die verschiedenen, in der historischen Wirklichkeit realisierten Formen des Linksnationalismus sollen nun die Chancen einer linksnationalistischen Programmatik in der BRD beleuchtet werden. Entscheidend für meine Argumentation ist die Tatsache, daß der Linksnationalismus nicht aus dem Nichts heraus entstanden ist, nicht etwas vollkommen Neues war. Seine Neuheit bestand vielmehr in der neuartigen Kombination bereits vorhandener Strömung: der nationalen Orientierung und des Sozialismus.

Nationale Orientierung: der positive Bezug zur eigenen Nation und der Wille, das Eigene zu verteidigen waren bis vor Kurzem etwas Selbstverständliches. Das eigene Herrschaftsgebiet zu schützen und, wenn möglich, auszudehnen, war lange Zeit über das zentrale Anliegen politischen Handelns. Mit der Durchsetzung des Absolutismus beschränkte sich die Kompetenz zu politischem Handeln auf die Person des Fürsten; das Volk war nicht Subjekt, sondern bloßes Objekt des politischen Handelns. Dies änderte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts, als immer mehr soziale Gruppen mit dem Anspruch auf politische Partizipation auf den Plan traten. Der Nationalismus war gewissermaßen das Vehikel, um diesen Anspruch zu legitimieren, indem die Wortführer der Volksmassen bekundeten, die Idee des Nationalen besser, radikaler und umfassender zu verwirklichen, als es die bislang herrschenden Eliten getan hatten. Aber diese Idee war bereits vorhanden. Dieser neue Nationalismus von unten konnte deshalb im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts zu einer wirkungsmächtigen Bewegung emporwachsen, weil er sich auf ein legitimes, allgemein anerkanntes Prinzip, nämlich das Ziel, Größe, Ruhm, Macht und Stärke der eigenen Nation zu fördern, stützen konnte.

Sozialismus: Ebenso konnte der neue Nationalismus von unten an den bereits existierenden Sozialismus anknüpfen. Eine irgendwie sozialistische Orientierung ist dem Nationalismus inhärent: Wenn das Ziel des Nationalismus in der Herstellung einer Volksgemeinschaft als Träger des politischen Willens der Nation besteht, dann muß auch die Arbeiterklasse in diese Volksgemeinschaft integriert werden. Da angenommen wurde, daß das Bürgertum die egoistischen Interessen wirtschaftlicher Vorteile im Zweifelsfalle dem nationalen Interesse vorziehe und da dessen zögerlicher, phlegmatisch-saturierter Habitus nicht dem schwungvoll-kämpferischen Elan eines echten Patrioten entsprach, gab es keinen Grund, sich mit den herrschenden Schichten zu solidarisieren. In dem Bestreben, alle mit dem herrschenden System Unzufriedenen zu sammeln, mußte man sich zwangsläufig nach links hin öffnen und in gewissem Umfang Programmpunkte des Sozialismus zu übernehmen. Nur so konnte eine über das Segment der national Radikalisierten innerhalb der bürgerlichen Klasse hinausgehende Massenbewegung geschaffen werden. Voraussetzung für den Erfolg einer durch sozialistische Elemente angereicherten nationalistischen Programmatik aber war, daß der Sozialismus bereits sich als allgemein anerkanntes und angestrebtes Prinzip in den anvisierten Zielgruppen etabliert hatte.

Zusammengefaßt: Nationalismus und Sozialismus sind weithin, wenn auch in unterschiedlichen sozialen Segmenten, anerkannt. Sie sind darum nicht eigens begründungsbedürftig. Man muß einen Arbeiter genauso wenig dazu überreden, mehr Lohn, mehr Rechte und mehr Anerkennung gut zu finden, wie einen durchschnittlichen Bürger, die eigene Nation gut zu finden.

Diese Voraussetzungen sind in der heutigen BRD nicht gegeben. Ebenso fehlen eine klar als solche erkennbare Fremdherrschaft und die durch diese bewirkte soziale Not. Wenn es den separatistischen Bewegungen in Katalonien und Schottland nicht opportun erscheint, eine deutlich nationalistische Position zu beziehen, so ist eine derartige Positionsbestimmung in einer historisch „vorbelasteten“ Nation wie Deutschland erst recht problematisch. Alle nationalen Belange, die über reine ökonomische Interesen innerhalb des „Wirtschaftsstandorts“ hinausgehen, gelten als Anathema. Das ist der wesentliche Unterschied zur Lage in der Vergangenheit, wo eine dezidiert nationalistische Bewegung auf der generell positiven Wertschätzung des Nationalen aufsetzen konnte. Das ist bekannt und muß daher nicht weiter erörtert werden.

Interessanter ist die Beziehung zum Komplex Links/Sozialismus. Für die heutige Lage ist charakteristisch, daß die Linke sich weitgehend vom Sozialismus klassischer Prägung verabschiedet hat und sich der sogenannten Identitätspolitik, also der politischen Interessenvertretung nicht ökonomisch, sondern irgendwie biologisch bestimmter Minderheiten, zugewandt hat. Die Adressaten dieser Politik sind nicht mehr die Arbeiter oder allgemeiner: die „kleinen Leute“, sondern Frauen, Homosexuelle, Einwanderer usw. Primär artikuliert wird diese Politik von Angehörigen der akademisch gebildeten Mittel- und Oberschicht. Da auch Großkonzerne in dieser Strömung mitschwimmen, gilt Kapitalismuskritik paradoxerweise mittlerweile als rechts. Ein sich irgendwie links verstehender Nationalismus kann daher nicht mehr an eine breite sozialistische Bewegung anknüpfen, die ihm eine Massenbasis verschaffen könnte. Das, was heute als links firmiert, ist die Kombination des Klassenfeindes mit dem Volksfeind. Diese veränderte Lage kann freilich auch positiv gesehen werden. Durch die Preisgabe einer originär sozialistischen Orientierung von seiten der Linken ist die Interessensvertretung der „kleinen Leute“ verwaist. In diese Lücke sind auch alle nationalen Parteien der BRD hineingestoßen und haben in diesem sozialen Segment auch ihre größten Erfolge erzielt. Sofern Nationalismus aber mehr war als der Stammtischpatriotismus von Honoratioren oder Vehikel zur Gewinnmaximierung der Rüstungsindustrie hat er sich immer als Interessensvertretung der Volksmassen unterhalb der herrschenden Schichten verstanden. Dazu bedurfte er nicht der Anbiederung an die parteiförmig organisierte Linke.

Daher stellt sich für mich die Frage, welchen Zweck die Bezugnahme auf den Komplex Linksnationalismus heutzutage noch haben kann. Die heutige Linke ist nahezu durch und durch antinational. Wo dies nicht der Fall ist, wo sie die kapitalismusförderlichen Konsequenzen der Ideologie des universalistischen Humanismus durchschaut, wo sie erkennt, daß die Identitätspolitik die Verteilungskämpfe von der gegen das Kapital gerichteten Stoßrichtung abzieht und ins Innere der Gesellschaft hineinverlagert, dann beschränkt sich diese Einsicht auf kleine Studierzirkel der letzten aufrechten Marxisten. Mit solchen Leuten zu diskutieren, mag spannend und erkenntnisfördernd sein, bringt beide Seiten aber nicht aus den Hinterzimmern heraus.

Ich muß es noch einmal betonen: Linksnationalismus ist dort sinnvoll, wo – wie im Falle einer Fremdherrschaft – der Zusammenhang von nationaler und sozialer Problematik für die breite Masse qua tagtäglichen Erlebens unmittelbar evident ist. In einem solchen Fall haben die nationalistische und die sozialistische Bewegung einen gemeinsamen Feind, weshalb es für beide Seiten von Vorteil ist, sich zusammenzutun. Linksnationalismus ist darum der Ausdruck einer Linksbewegung der nationalistischen Bewegung, um in einem Aktionsbündnis auf den sozialistischen Partner zuzugehen. Voraussetzung dafür aber ist, daß beide Seiten gleich stark sind, denn nur so können die Partner voneinander profitieren. Der Linksnationalismus der bundesrepublikanischen „Neuen Rechten“ der 70er und 80er Jahre war deshalb zum Scheitern verurteilt, weil die Linke – nicht zu Unrecht – fürchten mußte, daß diese marginalen Gruppen sich parasitär von der weit überlegenen Stärke der Gesamtlinken nähren wollten. Daher trat genau das ein, was ich in meinem ersten Aufsatz zum Linksnationalismus beschrieben hatte: die einen gaben das Buhlen um die Gunst der Linken wieder auf und kehrten zu einem „reinen“, wenn auch theoretisch modernisierten Nationalismus zurück, während die anderen sich immer weiter nach links bewegten, bis sie selbst Linke geworden waren.

Heute aber gilt es einzusehen, daß es keinen Anknüpfungspunkt für eine Aktionsgemeinschaft mit linken Gruppierungen gibt. Die nationale Bewegung tut das, was sie tun muß: die – auch sozialen und ökonomischen – Sorgen und Nöte der vom herrschenden juste milieu vernachlässigten Schichten des Volkes ansprechen. Das kann man, wenn man will, links oder sozialistisch nennen, ist aber nichts anderes als das, was schon von jeher Anliegen des reinen Nationalismus war. Bei diesem Vorhaben kann aber nichts schädlicher und dem eigentlichem Adressaten, dem Durchschnittsdeutschen, unwillkommener und unverständlicher sein, als sich mit Phrasen aus der Mottenkiste (mehr staatliche Regulierung, Kollektivierung, Konsumaskese, geschlossener Handelsstaat) sich als Gralshüter eines wahrhaft verstandenen Sozialismus zu profilieren. Die Sorgen und Nöte der normalen Deutschen aufzugreifen – das genau ist das dicke Brett, das ein nationaler Politiker zu bohren hat. Mit welchen Namen man dieses Dickbrettbohren bezeichnen will, ist völlig belanglos.

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Dr. Winfried Knörzer

Dr. Winfried Knörzer

Dr. Winfried Knörzer, geboren 1958 in Leipzig, studierte in Tübingen Philosophie, Germanistik, Medienwissenschaften, Japanologie und promovierte über ein Thema aus der Geschichte der Psychoanalyse. Berufliche Tätigkeiten: Verlagslektor, EDV-Fachmann. Seit Anfang der 90er Jahre ist er mit Unterbrechungen publizistisch aktiv.

Die Neuerscheinung im Juni2021: „Farben der Macht“ von Dr. Winfried Knörzer im Lindenbaum Verlag. Sie können dieses Buch direkt beim Verlag versandkostenfrei bestellen.

Interview mit Alain de Benoist: Drieu la Rochelle und Ernst Jünger – revolutionäre Konservative und die Bewahrung ewiger Werte

Interview von Benjamin Fayet mit Alain de Benoist

Interview mit Alain de Benoist: Drieu la Rochelle und Ernst Jünger – revolutionäre Konservative und die Bewahrung ewiger Werte

Alain de Benoist ist Schriftsteller und Journalist. Als Theoretiker der „Neuen Rechten“ war er an der Gründung der Zeitschriften Elements, Nouvelle École und Krisis beteiligt. Die Kritik an der Moderne, dem Ethnozentrismus und die Verteidigung regionaler und ethnischer Autonomien stehen im Mittelpunkt seines produktiven Werks (mehr als 50 Bücher und 3.000 veröffentlichte Artikel). Vor kurzem veröffentlichte er Ernst Jünger, entre les dieux et les titans (Via Romana), in dem er die Verbindungen zwischen den Werken des Autors von „In Stahlgewittern“ und Drieu la Rochelle erörtert.

PHILITT: Ernst Jünger und Drieu la Rochelle, beide Veteranen, die 1914 an die Front gingen, können nicht ohne eine Analyse ihrer Beziehung zum Krieg untersucht werden. Diese einschneidende Erfahrung hatte einen tiefen Einfluss auf ihre Sicht der Welt und ihr Verhältnis zur Technologie. Haben die beiden Männer, die sich an der Front gegenüberstanden, dennoch eine gemeinsame Vision des Krieges entwickelt?

Alain de Benoist: Zweifellos hat der Erste Weltkrieg bei Drieu und Jünger unauslöschliche Spuren hinterlassen: für Drieu eine eher existenzielle Erfahrung, für Jünger eine eher innere Erfahrung. In „In Stahlgewittern“ schrieb Jünger: „Von allen erregenden Momenten, die man im Krieg erlebt, ist keiner so stark wie der der Konfrontation zwischen zwei Sturmtrupps in der Enge der Kampfstellungen“. Unvergessen bleibt die Feuerprobe von Drieu in der Ebene von Charleroi am 23. August 1914, bei der er selbst mehrere seiner Kameraden anführte. Es war, wie er immer wieder sagte, die stärkste Erfahrung seines Lebens. „In diesem Moment spürte ich die Einheit des Lebens. Dieselbe Geste, um zu essen und zu lieben, um zu handeln und zu denken, um zu leben und zu sterben„. Mit anderen Worten, er fühlte sich plötzlich in der Lage, für einen kurzen Moment die widersprüchlichen Impulse, die er immer in sich gespürt hatte, in Einklang zu bringen. Hinzu kommt, dass Drieu und Jünger manchmal am selben Ort, auf beiden Seiten der Frontlinie (aber nicht gleichzeitig) kämpften. Und als sie in den Krieg zogen, hatten sie offenbar beide ein Exemplar von Nietzsches Zarathustra in ihrem Tornister.

Pierre Drieu la Rochelle (geb. 3. Januar 1893, Selbsttötung am 16. März 1945)

Der Vergleich ihrer Gemeinsamkeiten zeigt aber auch am besten, was sie unterscheidet. Während Drieu als Wehrpflichtiger an die Front geht, meldet sich Jünger im August 1914 freiwillig. Zwei Jahre zuvor hatte er bereits versucht, der Fremdenlegion beizutreten. Es ist bekannt, dass sein Engagement und sein Mut ihm vierzehn Verwundungen und das Verdienstkreuz einbrachten. Dennoch blieb er bis zum Schluss an der Spitze einer Angriffsabteilung, die er nie verließ. Drieu nahm nur sporadisch an den Kämpfen teil. In Verdun wurde er am 26. Februar 1916, nach nur einem Tag Kampf, verwundet und musste evakuiert werden. Das Gleiche geschah in Charleroi, wo er im Dezember in den Hilfsdienst versetzt wurde, bevor er erneut evakuiert wurde. Das Croix de Guerre erhielt er erst nach dem Waffenstillstand. In einem der Texte in Sur les écrivains („Überlegungen zu seinem Werk“) räumt er selbst ein, dass im Gegensatz zu Erich Maria Remarque, dem Autor von À l’Ouest rien de nouveau, „weder ich noch Montherlant jemals lange an der Front waren, und das macht den Unterschied aus„. Das ist in der Tat ein großer Unterschied.

Wir wissen, dass Jüngers erste Bücher von seinen Kriegstagebüchern inspiriert wurden. In Stahlgewittern, das 1920 erstmals im Selbstverlag veröffentlicht wurde und ab der zweiten Auflage 1922 immer erfolgreicher wurde, zeigt deutlich, dass der Erste Weltkrieg, den er fast noch im Eifer des Gefechts beschrieb, der Ursprung seiner schriftstellerischen Berufung war. Drieu seinerseits hat, mit Ausnahme seiner ersten beiden Gedichtbände, Interrogation und Fond de cantine, kaum über den Krieg geschrieben. Er wartete zwanzig Jahre, um die sechs Kurzgeschichten zu schreiben, aus denen die Komödie von Charleroi besteht (außerdem nahm er nicht am Zweiten Weltkrieg teil, da er 1939 aus der Armee entlassen wurde).

Drieus Erfahrung mit dem Krieg war eine sehr persönliche: Der Krieg gab ihm die Möglichkeit, Situationen zu erleben, die er nie vergessen würde. Jünger, der dem Mut eine viel größere Bedeutung beimaß als Drieu, sah in ihm ein Mittel zur Auswahl eines Menschentyps. Außerdem vertrat er zu dieser Zeit eine kriegerische Auffassung des Daseins („es ist das Leben, unter dem schrecklichsten Aspekt, den der Schöpfer ihm je gegeben hat„), ja sogar eine Mystik des Krieges, was bei Drieu (der in den 1920er Jahren sogar zum Pazifismus neigte) keineswegs der Fall war. Für ihn ist der Krieg eine Tatsache der Natur, vor allem der menschlichen Natur: „Der Krieg ist nicht vom Menschen gemacht, ebenso wenig wie der Sexualtrieb; er ist ein Naturgesetz, und deshalb können wir uns seiner Herrschaft nicht entziehen.“ Man könnte sagen, dass der Mensch paradoxerweise gerade im Krieg die Bedingungen findet, um seine volle Menschlichkeit zu verwirklichen – einschließlich der Führung eines Krieges ohne Hass auf den Feind (der wahre Krieger führt den Krieg für sich selbst, bevor er ihn gegen seine Gegner führt). „Eine Zivilisation kann so überlegen sein, wie sie will, wenn der menschliche Nerv nachlässt, ist sie nicht mehr als ein Koloss auf tönernen Füßen.“

Ernst Jünger (geb. 29. März 1895 in Heidelberg; † 17. Februar 1998 in Riedlingen)

Beide Autoren waren sich jedoch bewusst, wie sehr sich der Große Krieg, der 1914 als klassischer Krieg begann, allmählich in einen völlig neuen Kriegstypus verwandelte: ein Aufmarsch gigantischer unpersönlicher Kräfte, ein „Duell von Maschinen, die so gewaltig sind, dass der Mensch sozusagen nicht mehr existiert„, wie Jünger es ausdrückte. Doch das Aufkommen des „technischen Krieges“ – „dieser Krieg des Eisens und nicht der Muskeln“ – rief bei Drieu Entsetzen hervor, der darin eine „böse Revolte der vom Menschen versklavten Materie„, ein wahrhaftiges „industrielles Gemetzel“ sah, während bei Jünger, der klar erkannte, dass dieser Krieg einer vulkanischen Schmiede glich, in der die Elemente in titanischer Weise entfesselt wurden, die Intuition eines neuen Menschentyps entstand, der dem des Bourgeois völlig entgegengesetzt war: Der Arbeiter, dessen „heroischer Realismus“ in der Lage wäre, die Welt in Bewegung zu setzen (Mobilmachung). Während Drieu sich darauf beschränkt, die „Armeen der Maschinen“ zu beklagen, kündigen für Jünger die „Bataillone der Arbeiter“ an, die Erfahrung des Krieges, die dem Menschen eine Bereitschaft zur „totalen Mobilisierung„, d.h. einen Willen zur Herrschaft, der sich in den Mitteln der Technik ausdrückt, zu realisieren. Auch wenn Drieu schrieb, dass „der Mensch jetzt lernen muss, die Maschine zu beherrschen, die ihn im Krieg überholt hat“, teilte er nicht diese optimistische und zugleich voluntaristische Vision, die der deutsche Schriftsteller 1932 in seinem berühmten Buch „Der Arbeiter“ entwickelte, indem er diese Technologie lobte, deren „titanische“ Natur er später unter dem Einfluss seines Bruders Friedrich Georg verurteilte.

Natürlich stimmen Drieu und Jünger auch darin überein, dass der Erste Weltkrieg dem Krieg „in der Form“ (Vattel) ein Ende setzte, der noch eine gewisse Verwandtschaft mit dem ritterlichen Krieg hatte. Jünger versteht aber auch, dass der Krieg jetzt ein „totaler Krieg“ ist, ein Ausdruck, dessen Bedeutung geklärt werden muss. Der totale Krieg ist nicht der „absolute Krieg“, von dem Clausewitz gesprochen hat und der nur das Ergebnis einer Übersteigerung ist, die schließlich zum „Vernichtungskrieg“ führen kann, bei dem der Feind, auch wenn er nicht völlig vernichtet wird, unfähig wird, den Kampf fortzusetzen. Der wichtigste Gedanke, den konservative und reaktionäre Kreise im Allgemeinen noch nicht verstanden haben, ist vielmehr der, dass der Krieg nicht mehr ausschließlich eine militärische Angelegenheit ist und dass die klassische zwischenstaatliche Kriegsführung einer wirtschaftlichen und imperialistischen Kriegsführung weicht. Dies hatte Léon Daudet bereits 1918 in seinem bahnbrechenden Buch „Der totale Krieg“ vorausgesehen: „Er ist die Ausweitung des Kampfes auf die Bereiche Politik, Wirtschaft, Handel, Industrie, Recht und Finanzen.“

PHILITT: Beide Schriftsteller haben den utopischen Roman – Jünger mit Auf den Marmorklippen oder Heliopolis und Drieu mit Beloukia oder Der Mann zu Pferde – zu einer Zeit verwendet, als dieses Genre noch recht selten war. Gibt es über diese Ähnlichkeit hinaus noch andere Gemeinsamkeiten in den literarischen Werken der beiden Autoren?

Alain de Benoist: Ich bin nicht genug Literaturkritiker, um diese Frage richtig zu beantworten. Was mir beim Schreiben an Drieu auffällt, ist seine Neigung zu einer bestimmten Form der Beichte, in der er sich ohne Umwege und Nachsicht verrät. Dies zeigt sich in den Texten, die nach seinem Tod veröffentlicht wurden, sei es der Geheime Bericht oder das Tagebuch 1939-1945 (das den vorherigen Bericht wiederholt). Wenn ich mich nicht irre, hat sich Jünger nie auf diese Weise verraten und hatte offensichtlich auch nicht das Bedürfnis, dies zu tun. Alle Notizbücher, die er führte, wurden noch zu seinen Lebzeiten veröffentlicht.

PHILITT: Wie Julien Hervier in seinem Buch Deux individus contre l’histoire: Drieu et Jünger feststellt, „ist das Auffällige an Drieu und Jünger die explosive Mischung, die sich bei beiden zwischen einem unbestreitbaren reaktionären Geist und einem revolutionären Willen ergibt.“ So stand Jünger am Ende des Ersten Weltkriegs Ernst Niekisch, dem Vordenker des Nationalbolschewismus, nahe, und Drieu wandte sich dem Faschismus zu. Wie waren ihre jeweiligen politischen Versuche, einen Dritten Weg jenseits von rechts und links in der Zwischenkriegszeit zu finden, gekennzeichnet?

Alain de Benoist: Beide waren zweifellos revolutionäre Konservative, die die Werte, die sie für ewig hielten, bewahren wollten, sich aber gleichzeitig bewusst waren, dass das Aufkommen der modernen Welt Brüche verursacht hatte, die nicht mehr rückgängig gemacht werden konnten. Aber meiner Meinung nach geht die Ähnlichkeit nicht viel weiter. Jüngers politisches Engagement ist eine direkte Folge seiner Erfahrungen an der Front: Nach dem verlorenen Krieg muss der Soldat an der Front „die Nation gewinnen“. Aus dieser Sicht kann die deutsche Niederlage sogar zu einem Gewinn werden: „Deutschland wurde besiegt, aber diese Niederlage war heilsam, weil sie zum Verschwinden des alten Deutschlands beitrug […] Es war notwendig, den Krieg zu verlieren, um die Nation zu gewinnen.“ Nichts dergleichen geschah mit Drieu, der sich erst mit der Abkehr Jüngers von der Politik wirklich engagierte.

Gleich zu Beginn der 1920er Jahre galt Ernst Jünger schnell als der brillanteste Schriftsteller der Frontgeneration. Nach seinem Ausscheiden aus der Reichswehr ließ er sich ab 1923 in Leipzig nieder, wo er sich in den Freikorpsorganisationen (Ehrhardt-Brigade, Organisation Rossbach) und in einigen bündischen Verbänden der Jugendbewegung engagierte, zahlreiche nationalistische Zirkel und Gruppen besuchte und sich mit seinem Bruder Friedrich Georg mit ganzem Herzen der Politik widmete. Dieses glühende Engagement in einer nicht minder glühenden Zeit führte dazu, dass er für eine ganze Reihe von Zeitschriften (Arminius, Vormarsch, Die Kommenden, Widerstand) rund 140 Artikel schrieb, in denen er für einen „neuen Nationalismus“ soldatischer und nationalrevolutionärer Inspiration eintrat. (Diese frühen Schriften, die vor einigen Jahren in Deutschland neu aufgelegt und dann ins Italienische übersetzt wurden, sind bis heute nicht auf Französisch veröffentlicht worden). „Wenn wir das Programm, das Niekisch im Widerstand entwickelt hat, in die Form einer trockenen Alternative bringen wollen„, schrieb er, „dann lautet es etwa: gegen die Bourgeoisie, für den Arbeiter, gegen die westliche Welt, für den Osten.“

Die wichtigsten politischen Aufsätze erschienen ab 1929. Zuerst kam die erste Fassung von Das abenteuerliche Herz (1929), dann die Totale Mobilmachung (1931) und schließlich Der Arbeiter, der 1932 in der Hanseatischen Verlagsanstalt in Hamburg erschien und bei dem Benno Ziegler Regie führte. In seiner Jugend sah Jünger, zweifellos gerade unter dem Einfluss von Niekisch, in den Kommunisten mitunter die besten Wegbereiter für die „Revolution ohne Phrasen“, die er dann in Der Arbeiter feiern wird. Später jedoch, und aus einer ganz anderen Perspektive, betonte er, wie sehr Kommunismus und Nationalsozialismus in ähnlicher Weise die Technik in das politische Leben eingeführt hatten und damit dasselbe Festhalten an der Moderne unter dem Horizont eines Willens zur Macht demonstrierten, den Heidegger als bloßen „Willen zum Willen“ zu entlarven vermochte. Ähnliche Überlegungen finden sich in Genf oder Moskau (1928), wo Drieu betont, dass Kapitalismus und Kommunismus beide Erben der Maschine sind: „Beide sind die glühenden und dunklen Kinder der Industrie„.

Vielleicht schon besorgt über den Aufstieg des Nationalsozialismus, distanziert sich Jünger radikal von der Politik, ebenso wie Drieu sich ihr ebenso entschlossen widmet. 1934 veröffentlichte er Socialisme fasciste und schloss sich drei Jahre später der PPF von Jacques Doriot an, von der er sich 1938 distanzierte, indem er ihm vorwarf, kein „wahrer Revolutionär“ zu sein (sein endgültiger Austritt aus der PPF datiert von 1939). Er hatte sich jedoch 1933 der linken Strömung um Gaston Bergery angenähert, als dieser eine „Gemeinsame Front gegen den Faschismus“ ins Leben rief! In der Zwischenzeit hatte ihn das Spektakel der Demonstrationen vom 6. Februar begeistert.

In Socialisme fasciste stellt Drieu Nietzsche Marx gegenüber: „Nietzsche gegen Marx, Nietzsche in der Nachfolge von Marx, Nietzsche der wahre Prophet und die Inspiration der Nachkriegsrevolutionen.“ Aber es wäre ein großer Fehler zu glauben, dass Drieu Politik als eine Domäne der Ideen in Aktion sieht. Im Gegenteil, er sieht sie als reines Handeln, im Gegensatz zu jeglichem Intellektualismus, als Mittel, um sich von den Ideen, d.h. von der abstrakten Intelligenz zu verabschieden. Doch während er den Intellektualismus anprangert, ist er sich selbst nicht bewusst, dass er ein Intellektueller ist. In der „Peroration“ seines Exordiums (das erst 1961, zeitgleich mit der Geheimen Erzählung, veröffentlicht wurde) heißt es: „Ich habe mich in vollem Bewußtsein verhalten, gemäß der Vorstellung, die ich mir von den Pflichten des Intellektuellen gemacht habe. Der Intellektuelle, der Kleriker, der Künstler, ist kein Bürger wie die anderen. Er hat Pflichten und Rechte, die über denen der anderen stehen.“

Wie Julien Hervier feststellte, ist das Bedürfnis nach Engagement für Drieu also eine Ethik des Handelns um des Handelns willen. Er engagierte sich nicht aus Provokation, sondern weil es feige wäre, sich nicht zu engagieren: Im Leben muss man sich zwingen, sich die Hände schmutzig zu machen. Und vor allem, um es noch einmal zu sagen, sucht er in der Politik das, was er schon immer gesucht hat, ohne jemals Erfolg zu haben: nicht so sehr einen „Dritten Weg“, sondern eine Art absolute Synthese, dank derer es ihm gelingen würde, seine Widersprüche miteinander zu versöhnen. Er war bald enttäuscht, aber er wollte es nicht zugeben. Aus demselben Grund blieb er während der Besatzungszeit auf seinen Positionen, obwohl er von der deutschen Niederlage überzeugt war.

In seinen Romanen verwendet Drieu Figuren, die die Eitelkeit des politischen Engagements anprangern oder offenbaren. In Beloukia wird Felsan als „einer jener Mittelmäßigen, die sich in den politischen Fanatismus stürzen, um sich für die miserablen Ergebnisse zu rächen, die die übermäßige Mittelmäßigkeit ihrer Temperamente bei ihrer normalen Arbeit hervorbringt„, vorgestellt. Auch in Der Mann auf dem Pferd macht sich Felipe keine Illusionen über die Politik. Ist dies eine Selbstkritik – eine weitere?

Der von Niekisch und einigen anderen vertretene Nationalbolschewismus sah die Oktoberrevolution als eine eminent nationale Revolution an. Sie plädierte für eine „Ostorientierung“, um das besiegte Deutschland aus dem doppelten Einfluss des sich auflösenden Westens und des katholischen Südens zu befreien. Niekisch sah im sowjetischen System auch eine Verwandtschaft mit dem preußischen Geist sowie mit jenem „deutschen Sozialismus“, den auch Spengler und Sombart behaupteten. Drieu seinerseits schrieb, dass „die einzige tiefgreifende Ressource des deutschen Imperialismus ein deutscher Kommunismus wäre„, aber er stellte sich nicht in dieselbe Perspektive. Erst 1943, nachdem er begriffen hatte, dass Hitler mit seiner „sozialistischen Revolution“ gescheitert und der Hitlerismus eine Sackgasse war, lobte er offen den russischen Kommunismus: „Wir müssen eher auf den Sieg der Russen als auf den der Amerikaner hoffen […] Die Russen haben eine Form, die Amerikaner nicht […] Nichts trennt mich vom Kommunismus, nichts hat mich je von ihm getrennt, außer meiner atavistischen kleinbürgerlichen Starrheit.“

Diese letzten Worte sind aufschlussreich. Im Kommunistischen Manifest (1847) sagte Marx, dass „die moderne Regierung nur ein Ausschuss ist, der die gemeinsamen Angelegenheiten der gesamten Bourgeoisie verwaltet„. Er fügte hinzu, dass „die bürgerlichen Produktions- und Tauschbedingungen, die bürgerliche Eigentumsordnung, die moderne bürgerliche Gesellschaft […] dem Zauberer gleichen, der die von ihm heraufbeschworenen höllischen Kräfte nicht mehr zu beherrschen weiß„. Jünger hätte dieser Aussage zustimmen können, denn für ihn ist die Figur des Arbeiters das genaue Gegenteil des verhassten Bourgeois. Drieu ist viel ambivalenter. Schon seine erste Ehe mit Colette Jéramec hatte ihm ein bürgerliches Leben ermöglicht, das er nach eigener Aussage verabscheute. Sein 1937 veröffentlichter Roman Rêveuse bourgeoisie beschreibt die Geschichte einer bürgerlichen Familie vor und nach dem Ersten Weltkrieg, enthält aber nur wenige politische Überlegungen. Drieu weiß sehr wohl, dass der bürgerliche Individualismus, den er scharf verurteilt, auch Teil seines Wesens ist. Er verflucht die Dekadenz umso mehr, als er merkt, dass auch in ihm selbst etwas Dekadentes steckt.

Das Verhör enthält diese Zeile: „Und der Traum und die Handlung„. Diese Worte wurden oft zitiert, weil ihre Gegenüberstellung genau das wiedergibt, was Drieu sein ganzes Leben lang versucht hat, unter einen Hut zu bringen. Die Suche nach einem „Dritten Weg“ mag für jemanden, der immer versucht hat, Gegensätze miteinander zu versöhnen, ganz natürlich erscheinen: Träume und Taten, Schrift und Krieg, Tinte und Blut. Aber das ist ihm nie gelungen. Auch die Politik ist die Suche nach einem Absoluten, das alle Gegensätze versöhnen kann. Wie der Held von Der Mann auf dem Pferd träumte auch Drieu von „etwas Tieferem als der Politik, oder vielmehr von jener tiefen und seltenen Politik, die der Poesie, der Musik und, wer weiß, vielleicht der hohen Religion gleicht„. Aber er war nicht in der Lage, den Weg zu bestimmen, der ihn in diese Richtung führen würde. In vielerlei Hinsicht war er immer ein Dilettant. In seinem Tagebuch der Jahre 1939-1945 kann man sogar von seiner „Gleichgültigkeit gegenüber jeder tiefen ideologischen Überzeugung„, von seiner „Vielseitigkeit“ (Julien Hervier) sprechen. Im Grunde genommen verfügte er nicht über die theoretischen Mittel, um die Ideen, die er zu haben behauptete, wirklich zu verstehen.

Drieu ist einer von denen, die das schätzen, was ihnen am meisten fehlt. Er ist umso leidenschaftlicher in der Politik, weil sie ihn anwidert und enttäuscht. Das Gleiche gilt für Frauen und auch für den Körper. Drieu war ein Mann des Zögerns, des Hin und Her, des Schwankens, der widersprüchlichen Begeisterung, der Unentschlossenheit und vor allem der stets enttäuschten Impulse. Im Vergleich zu Jünger war er ein Frontsoldat, manchmal ein Rebell (Waldgänger), jedoch nie ein Anarch.

PHILITT: Beiden Männern ist gemeinsam, dass sie es für notwendig hielten, dass die europäischen Völker den nationalen Rahmen überschreiten. Wie sahen beide die Nation, über die sie nach dem Ersten Weltkrieg viel schrieben?

Alain de Benoist: In den 1920er Jahren, beginnend mit Mesure de la France (1922), setzte sich Drieu am nachdrücklichsten für einen großen kontinentaleuropäischen Block ein. Die Idee wurde 1927 in Le jeune Européen, 1928 in Genève ou Moscou und 1931 in L’Europe contre les patries wieder aufgegriffen. In La comédie de Charleroi heißt es 1934 erneut: „Heute ist Frankreich oder Deutschland zu klein„. Gleichzeitig glaubte Drieu, im Völkerbund die Umrisse dessen gefunden zu haben, was er wollte (Genf oder Moskau), was heute etwas seltsam anmutet. Noch bizarrer ist, dass er dem „europäischen Kapitalismus“ die Aufgabe zuweist, den lokalen Patriotismus zugunsten eines europäischen Patriotismus zu zerstören.

Die Idee eines „Dritten Weges“ beruht auf der offensichtlichen Notwendigkeit für Europa, sich sowohl vom amerikanischen als auch vom sowjetischen Modell zu distanzieren, zwei Kräften, die er, wie bereits erwähnt, als eng miteinander verbunden ansieht: „In den Vereinigten Staaten von Amerika tun diejenigen, die man Kapitalisten nennt, und in der UdSSR Russlands diejenigen, die man Kommunisten nennt, dasselbe.“ In seinen Romanen erklärt Boutros, die Hauptfigur von Eine Frau am Fenster, dass er, obwohl er Kommunist ist, „kein Vertrauen mehr in die Amerikaner oder die Russen“ hat.Menschen in Europa, reduziert und erschöpft, wir befinden uns zwischen zwei Massen: Amerika und Russland. Europa, das zwischen Imperien kontinentalen Ausmaßes liegt, beginnt darunter zu leiden, dass es auf fünfundzwanzig Staaten aufgeteilt ist, von denen keiner so groß ist, dass er alle anderen beherrschen oder in dem unverhältnismäßigen Wettbewerb, der sich zwischen riesigen Teilen Asiens und Amerikas auftut, würdig vertreten könnte“ (Maßnahme Frankreichs). Sein allgemeiner Gedanke ist, dass die Zukunft Europas von seiner Fähigkeit abhängt, sich zu vereinen, um den beiden konkurrierenden Imperialismen, die es gleichermaßen bedrohen, zu begegnen. Die „kleinen Nationen“, die eng gewordenen Nationalismen, sind dazu nicht in der Lage. Um Europa aufzubauen, ist es notwendig, den „kleinen Nationen“ den Kampf anzusagen, die so viele Hindernisse für seinen Aufstieg auf der Weltbühne darstellen. „Europa wird sich fusionieren oder es wird verschlungen„, heißt es in Mesure de la France. Nebenbei lobte Drieu das Kaiserreich: „Das Vaterland ist bitter für den, der vom Kaiserreich geträumt hat. Was ist ein Vaterland für uns, wenn es nicht das Versprechen eines Imperiums ist? (Der Mann zu Pferd). Europa muss auf „imperiale“ Art und Weise föderiert werden, was bedeutet, dass er es nicht auf „napoleonische“ Art und Weise als eine vergrößerte Nation begreift. Das ist etwas, was Hitler, der in seinem Nationalismus und seinem Pangermanismus gefangen war, nie verstanden hat. Drieu wiederholte es nach 1942 ständig: „Hitler ist ein deutscher Revolutionär, aber kein europäischer„.

In L’Europe des patries schrieb er: „Zunächst einmal seid ihr keine Deutschen, genug der Witze. Genauso wenig, wie wir Gallier oder Lateiner sind oder die Italiener Römer sind. Von der Poesie skizzierte Figuren, die von nostalgischen Kleinbürgern in den Tiefen der Bibliotheken des 19. Jahrhunderts zu politischen Ungeheuern verdichtet wurden […] Jetzt braucht es mehr als die Abrundung eines Nationalstaates in einer Zeit, in der man nichts ist, wenn man nicht ein Kontinent ist.“ Es ist anzumerken, dass Drieu auch den Gegensatz zwischen „jungen Völkern“ und „alten Völkern“ aufgreift, der sich bei Moeller van den Bruck findet. Dieses Thema eines mächtigen und sozialistischen Europas wird auf unterschiedliche Weise eine Konstante in seinem Werk bleiben.

Auch Jünger konnte sich von engen nationalen Bindungen lösen. Auch er war ein „guter Europäer“, aber nicht in dem Sinne, den Drieu ihm gab. Der Arbeiter wirft bereits ein globales Problem auf, das sich nach dem Krieg in seinem Essay über den Universalstaat wiederfinden wird. In Der Frieden plädiert Jünger lediglich für die Wiedergeburt eines geistig geeinten und re-christianisierten Europas. Drieu hingegen träumt nur von Regeneration. Wie Nietzsche glaubt er, dass das, was zusammenbricht, nicht gerettet, sondern eher beschleunigt werden sollte. Deshalb erklärt er in seinem Tagebuch, dass er sich die Zerstörung des Westens wünscht, und ruft zu einer barbarischen Invasion auf, die diese sterbende Zivilisation hinwegfegen wird: „Mit Freude begrüße ich die Ankunft Russlands und des Kommunismus. Es wird schrecklich sein, furchtbar zerstörerisch„.

Drieu ist ein Anglomane und hat den Ruf eines Germanophilen, aber im Grunde weiß er wenig über die germanische Welt. Jünger gilt als frankophil, was nicht falsch ist, aber allzu oft vergessen lässt, vor allem die Franzosen, wie sehr er auch zum Deutschtum gehört. Drieu ist zuweilen von seiner Anglomanie geblendet: Er schrieb zunächst, dass sich die Europäer die Angelsachsen zum Vorbild nehmen sollten, deren Schönheit, Körperkult und Vornehmheit er als guter Dandy hervorhob. Erst später scheint er erkannt zu haben, dass die angelsächsischen Länder auch die Brutstätte des Kapitalismus, des Utilitarismus und der materialistischen Uniformität sind und dass es „die beiden großen angelsächsischen Mächte sind, die die Ozeane halten„. Schließlich sind die Länder des Südens, die in seinen Romanen eine große Rolle spielen, in seinen eher theoretischen Betrachtungen über Europa auffallend wenig vertreten.

PHILITT: Beide legten großen Wert auf Transzendenz und entwickelten ein Interesse an Religionen und dem Christentum – man denke an die zahlreichen Verweise auf das Alte und Neue Testament in Jüngers „Kriegstagebuch“ – und entwickelten gleichzeitig eine nietzscheanische und kritische Sicht darauf. Wie sahen sie die moderne Welt, die vom Göttlichen verlassen worden war?

Alain de Benoist: Jünger las biblische und christliche Schriften vor allem seit dem Ende des Krieges, als er den Frieden schrieb, und auch in den 1950er Jahren, in der Zeit, die mit seinem Essay über den Universalstaat (1960) endete – eine Entwicklung, die seinen damaligen Sekretär Armin Mohler sehr enttäuschte! Jünger zog eine Parallele zwischen dem Aufstieg des Totalitarismus (der „nackten Bestialität„) und dem Zerfall des Christentums.

In seinen Briefen an die Surrealisten schrieb Drieu, der auch davon geträumt hatte, Priester oder Mönch zu werden, dass „die wesentliche Funktion, die menschliche Funktion schlechthin, die sich Männern wie euch, die kühn und schwierig sind, bietet, darin besteht, Gott zu suchen und zu finden„. Aber bei ihm ist der Bezug auf Gott eher selten, und in diesem Punkt unterscheidet er sich kaum von Jünger. Mehr als die Religion selbst ist es die Spiritualität – um einen modisch gewordenen und daher überstrapazierten Begriff zu verwenden – die ihn anzieht. Daher auch sein Interesse an orientalischen Weisheiten und sogar an der Esoterik. Im Vorwort zu Gilles (1939) schreibt er, dass er, wenn er sein Leben noch einmal leben müsste, es der Geschichte der Religionen widmen würde. Wie Jünger, der Mircea Eliade sehr nahe stand (gemeinsam gaben sie die Zeitschrift Antaios heraus), interessierte er sich leidenschaftlich für Mythen und bezog sich immer wieder auf das Heilige, ohne jedoch jemals zu versuchen, es mit einer bestimmten Religion in Verbindung zu bringen. Für ihn ist das Heilige gleichbedeutend mit dem Göttlichen, und dieses Göttliche ist eher immanent als transzendent: „Gott„, sagt er, stellt vor allem die „Tiefe der Welt“ dar. Aus Nietzsches Aussage „Gott ist tot“ zieht Jünger die Überzeugung, dass „Gott neu gedacht werden muss„. Das, was man gewöhnlich als Glauben bezeichnet, ist hier kaum zu finden. Man denkt eher an Heideggers berühmten Satz: „Nur ein Gott kann uns retten„.

PHILITT: Sehen Sie in ihrer künstlerischen Anziehungskraft, die bei Drieu la Rochelle vom Surrealismus und bei Ernst Jünger vom Klassizismus geprägt ist, eine Verbindung zu ihrem politischen Engagement?

Alain de Benoist: Ich weiß nicht, ob man bei Jünger wirklich von einer künstlerischen Anziehungskraft des Klassizismus sprechen kann. In der „goetheanischen“ Periode seines Lebens hörte er zwar nicht auf, im klassischen Stil zu schreiben, was ihn aber nicht daran hinderte, sich für Maler, Graveure oder Zeichner ganz anderer Richtungen zu interessieren (Alfred Döblin, A. Paul Weber und viele andere).

Drieu seinerseits hatte schon immer eine äußerst ästhetische Vision des Lebens im Allgemeinen und der Politik im Besonderen. Er wollte ein großer Künstler sein, genauso wie er ein großer Dichter, ein großer Liebhaber, ein großer Politiker sein wollte, aber es ist schwer zu erkennen, was genau sein künstlerischer Geschmack war. In drei bekannten Hetzbriefen vollzog er schnell den Bruch mit den Surrealisten, die ihn ebenfalls enttäuschten. In einem dieser Briefe vertraute er an, dass er „das Leben als ein Gebet und die Kunst als die Art und Weise, dieses Gebet zu artikulieren“ betrachte, aber seine Aussage bezog sich nur auf die „Kunst“ im Allgemeinen, nicht auf einen bestimmten Stil. Später verteidigte er Maler wie Fernand Léger, Georges Braque, Matisse und Picasso, aber das reicht nicht aus, um uns viel über seine künstlerischen Neigungen zu erzählen.

In seinem Artikel „Künstler und Propheten“, der 1939 in Buenos Aires in der Zeitung „La Nación“ veröffentlicht wurde, stellt Drieu fest, dass die „hitlerischen Inquisitoren“ in ihrem Kampf gegen die „entartete Malerei“ „den gesamten konvulsiven Aspekt der Kunst der letzten Zeitalter zerstören wollen„. Und doch sind sie selbst, in ihrer revolutionären Bewegung, der sicherste Ausdruck des konvulsiven Charakters des Jahrhundertgeistes. Und er fügt hinzu: „Die Hitlerianer haben das Werk von Vincent Van Gogh aus den deutschen Museen verbannt. Dennoch scheint mir dieser gewalttätige und verzweifelte Maler einer der Vorläufer Hitlers zu sein.“ Eine Idee, die noch nicht erforscht wurde!

Dieses Interview mit Alain de Benoist wurde in französischer Sprache zuerst veröffentlicht auf der Internetseite von Philitt:

Wir danken für die Erlaubnis zur Veröffentlichung auf unserer Seite!

Im Jungeuropa Verlag ist in einer Neuauflage das Werk von Alain de Benoist „Kulturrevolution von rechts“ erschienen und kann dort direkt bestellt werden.

Über Wahlhelfende, freiwillige Gleichschaltung und Hannah Arendt

von Matthias Matussek

Über Wahlhelfende, freiwillige Gleichschaltung und Hannah Arendt

In diesen Tagen hat der Bundeswahlleiter Briefe an die Wahlhelfer, Quatsch, die Wahlhelfenden (aller möglichen und unmöglichen Geschlechter) verschickt mit der frohen Botschaft, dass sie eventuell für die Vorzugsbehandlung einer Corona-Impfung in Betracht kämen sowie in den Genuss einer „Erfrischungspauschale“ von 25 Euro.

Dass hier nun von „Wahlhelfenden“ die Rede ist, liegt nicht unbedingt an dem Gebot einer geschlechtsneutralen Anrede. Sie ist einfach richtiger, weil sie auch Institutionen wie die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten mit einschließen, die ja durch durchaus helfen auf den letzten Metern hin zu Wahlkabine, indem sie Orientierung geben im verwirrenden demokratischen Dschungel so vieler Parteien.

Gerade wir älteren Mitbürger sind da oft überfordert. Sollen wir die V-Partei wählen (Veganer und Vegetarier) oder die MLPD (Marxisten/Leninisten Deutschlands), die Gartenpartei oder die Pinken (Bündnis 21)? Fest steht nur, wen wir nicht wählen sollten, obwohl sie, ihrem Gewicht bei der letzten Wahl entsprechend, an dritter Stelle wohl oder übel auf dem Wahlzettel aufgeführt werden musste: die AfD.

Aber unsere Medien, auch die Zeitungen und Magazine, sind sich einig, dass die Wahl der AfD einen bedenklichen Mangel an demokratischem Bewusstsein der Wählenden verraten würde. Kurz: die AfD gilt als rechtsextrem und darf eigentlich nicht gewählt werden. Deshalb wurde sie bisher auch nie zu irgendwelchen irgendwie bedeutsamen TV-Auftritten gebeten.

Bisher galt es in den „Nachrichten“-Sendungen für durchaus möglich, dass eine nonchalant so genannte „Mitte-Links-Regierung“ gebildet werden könne aus linksradikalen Antifa-SPDLern (Esken), Linken, Grünen – eine „Mitte-Rechts“-Regierung aber des Teufels wäre, denn die wäre ein bürgerliches Bündnis aus CDU, AfD und FDP, und selbst die Bezeichnung als „bürgerlich“ dafür kostete einst einer Moderatorin nach der Landtagswahl in Sachsen fast den Kopf.

Für die AfD gilt im öffentlichen politischen Diskurs ein schon alttestamentarisches  Bilderverbot – man sollte sie nicht nennen bei Strafe der allgemeinen Ächtung.

Dafür beeilen sich die öffentlich-rechtlichen Anstalten – sicher ist sicher – auf diesen letzten Metern noch einmal drastisch vor Augen zu führen, was passieren könnte, sollten wir doch das Kreuz an verbotener Stelle setzen – wie nun die Science Fiction Serie im ZDF mit dem Titel „Deutscher“ vorführt, die drastisch und mit blutig geschlagenen Schädeln und himmelschreiend Antifa-konform erzählt, was in Deutschland passiert, wenn “plötzlich eine rechtspopulistische Partei die Regierung in Deutschland übernehmen würde“.

Als hätten Saskia Esken (SPD) und Janine Wissler (Linke) bereits jetzt eine volkspädagogische Produktion einer künftigen rotgrünlinken Regierung in Auftrag gegeben. Dass die Wahlstände der AfD in diesem gesteuerten und gleichgeschalteten Überzeugungseifer derzeit regelmäßig zu Kleinholz verarbeitet werden, gilt als, nun, demokratisches Kavaliersdelikt.

Es geht aber auch positiver! Letzte Woche zum Beispiel setzt das ZDF seine Wahlhilfe fort mit „Eure Wut, Euer Mut“, eine Motivationsstunde für Wähler der Grünen, besser: für die Wahl der Grünen.

So einig sind sich alle in unserer Republik, dass die AfD unwählbar ist, dass es einen gruseln könnte. Denn gleichzeitig, das ist ermittelt, haben drei Viertel der Bürger Angst in diesem Lande, ihre Meinung zu sagen. Ja, sie fühlen sich „gegängelt“.

Durch wen? Durch knallende Stiefelhacken? Nein, durch die Drohung, geächtet zu sein, und die wird durch diejenigen wach gehalten, die man in England als „chattering class“ bezeichnet, die Meinungsmacher in den Salons und Redaktionstuben und TV-Programmabteilungen, die Meinungsmacher aus Medien und Politik.

Das wohl beeindruckendste Interview, das ich in letzter Zeit gesehen habe, ist ein uraltes aus den sechziger Jahren, als das Fernsehen noch schwarzweiß war, ein Gespräch von zwei Kettenrauchern, mit Günther Gaus mit Hannah Arendt, der klugen deutschjüdischen Emigrantin, die sich erinnert an den schlimmsten Freundschafts-Verrat, den sie in den 30er Jahren zu erdulden hatte – er wurde von den gleichgeschalteten Intellektuellen verübt.

Die Gleichschaltung, und das ist die historische Paradoxie, wird heute von links ausgeübt, unter dem Vorwand, eine rechte Machtübernahme zu vereiteln. Eine angesichts der Verhältnisse absurde Annahme und durchaus ein Vorwand, jede regierungskritische Haltung zu unterdrücken. Dieses Verfahren wird erspürt von der Bevölkerung („Gängelei“), aber nicht zum Ausdruck gebracht, aus Angst vor – genau, Repressalien oder Jobverlust.

Noch einmal zu Hannah Arendt, die die opportunistische Beweglichkeit der Intellektuellen unter der Bedingung der begeisterten Gleichschaltung erlebte.

„Sie glauben gar nicht, wie interessant sie diesen Hitler plötzlich fanden – sie sind in die Falle ihrer eigenen interessanten Überlegungen gerannt!“

Also hoffen wir, dass die Wahlhelfenden am Wahlabend in ihrem gleichgeschalteten „demokratischen“ Eifer nicht aus Versehen die Stimmen für jene Unaussprechlichen dahin sortieren, wohin sie offizieller Meinung nach gehören – in den Müll.

Dieser Kommentar zur bevorstehenden Bundestagswahl erschien zuerst auf der stets lesenswerten Internetseite von Matthias Matussek.

Wir danken Matthias Matussek für die Genehmigung zur Veröffentlichung auf unserer Seite.

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist matussek.jpg.

Matthias Matussek

Matthias Matussek, geboren 1954, wollte Missionar oder Bundesliga-Spieler werden. Er schloss einen Kompromiss und wurde Maoist. (Paul Breitner!) Nach dem Abitur trieb er sich ziellos in der Welt herum (Griechenland, Balkanstaaten, Indien). Ein ebenso zielloses Studium (Theaterwissenschaften, Amerikanistik, Komparatistik, Publizistik, Schauspiel) wurde erstaunlicherweise relativ zügig mit einem Zwischendiplom in Anglistik und Germanistik beendet. Danach wechselte er auf die Journalistenschule in München, wo es Zuspruch von erfahrenen Journalisten gab, sowie eine Abmahnung seitens der Schulleitung aufgrund mangelnder Disziplin. Nach Praktika beim Bayrischen Fernsehen und der Münchner tz wechselte er zum Berliner Abend, danach zum TIP. Die Zeit: RAF-Wahnsinn, besetzte Häuser, Herointote.

Als er 1983 zum STERN nach Hamburg wechselte, hatte er das Gefühl, endlich in der Bundesliga angekommen zu sein. Allerdings purzelte ein paar Monate später das gesamte Staresemble des STERN über die gefälschten Hitlertagebücher und war fortan stark abstiegsgefährdet. Dennoch lernte Matussek – gemeinsam mit den großen STERN-Fotografen (Bob Lebeck) – die Kunst der Reportage, die zu einem nicht geringen Teil auf der Kunst besteht, im entscheidenden Moment unverschämt zu sein. Weshalb Disziplinlosigkeit durchaus Teil des Berufes sein kann.

1987 machte ihm der SPIEGEL ein Angebot, das er nicht zurückweisen konnte. Chefredakteure und Ressortleiter gingen und kamen. 1989 konnte er seine theoretischen Kenntnisse des Maoismus nutzbringend anwenden, als er in die kollabierende DDR zog und dort ins Palasthotel. Die Lehre: kein Umweg, den wir nehmen ist unbrauchbar.Schriftsteller Thomas Brussig, der im Palast-Hotel als Etagenkellner arbeitete, und Matussek zur Hauptfigur seines Romans „Wie es leuchtet“ machte, schrieb:“ Für Matthias Matussek hatte ich die meiste Bewunderung. Er schrieb eine glänzende Reportage nach der anderen. Sie lasen sich wie Rezensionen des laufenden Geschehens…Zum Reporter muss man geboren sein – und Matthias Matussek ist es“. (Natürlich hatte er Brussig dafür ganz groß in eine Pizzeria ausgeführt.) Für eine seiner Ost-Reportagen erhielt Matussek 1991 den Kisch-Preis.

Seine Frau lernte Matussek 1990 im Roten Rathaus kennen, wo sie, von Sprachstudien aus Moskau kommend, ein Praktikum absolvierte. Zwei Jahre später zogen sie um nach New York, was damals in etwa gleich weit von Ost- wie West-Berlin lag, also durchaus neutraler Boden war. In New York entstanden nicht nur der gemeinsame Sohn sondern auch ausgedehnte Reportagen und Artikel für amerikanische Zeitungen, sowie Kurzgeschichten und ein Roman. Harold Brodkey nannte Matussek „den besten seiner Generation“.

Zurück in Deutschland zog Matussek kreuz und quer durch die Nation und schrieb eine zweiteilige Bestandsaufnahme der deutschen Einheit, die wiederum für den Kischpreis nominiert wurde. Dann nahm er Stellung im Geschlechterkampf. Mit seinem Buch „Die Vaterlose Gesellschaft“ verärgerte er den Großteil deutscher Frauen und wurde von der Zeitschrift „Emma“ zum „Pascha des Monats“ ernannt. Aus seinem Buch entstand das Spielfilm-Projekt „Väter“ (Regie: Dany Levi), zu dem Matussek das Drehbuch schrieb. Mittlerweile, hat er den Eindruck, hat man ihm beides verziehen.

Im Jahr 1999 trat Matussek die Korrespondentenstelle in Rio de Janeiro an. Er bereiste den Kontinent, erlebte Putschversuche und Katastrophen, recherchierte in Favelas, unter Drogenbanden und unter den Eliten der Länder. Für eine 2-teilige Serie zog er wochenlang durch den Amazonas, und veröffentliche das Ergebnis in Buchform unter dem Titel „Im magischen Dickicht des Regenwaldes“.

Im Jahr 2003 übernahm er die Korrespondentenstelle des SPIEGEL in London, wo er sich ehrenhafte Kämpfe mit der blutrünstigen, Deutschen-hassenden Fleetstreet lieferte, was in seinem Buch „Wir Deutschen – warum uns die anderen gerne haben können“, auf das schönste dokumentiert ist. Das Buch war 13 Wochen lang auf der SPIEGEL-Bestsellerliste, und lieferte den Beleg dafür, dass man patriotische Gefühle nicht den Knallköpfen von rechts überlassen muss.

2003 übernahm er das Kulturressort in der Hamburger Spiegel-Zentrale. Die Presse meinte, dort sei nun „Rock n Roll im Laden“. Gleichzeitig hatte er für den SWR das TV-Format „Matusseks Reisen“ entwickelt und einen wöchentlichen Video-Blog etabliert, der 2007 mit dem Goldenen Prometheus ausgezeichnet wurde. Im gleichen Jahr entstand sein Buch „Als wir jung und schön waren“ (Fischer-Verlag).

Schon 2007 hatte Matussek seine Funktion als Ressortchef wieder abgegeben und widmete sich den Sachen, die er am besten kann: dem Schreiben und der Disziplinlosigkeit. „Matusseks Reisen“ wurde unter dem Titel „Matussek trifft“ noch ein paar Folgen fortgesetzt und fiel dann dem Sparzwang zum Opfer. Seinen wöchentlichen Videoblog betrieb er weiter und publizierte mit „Das Katholische Abenteuer“ eine „Provokation“, die es ebenfalls in die Bestellerliste schaffte.

Nach mehr als 25 Jahren beendete er seine Zeit beim Spiegel und stellte sich als Kolumnist für den Springer-Konzern zur Verfügung, eine Zusammenarbeit, die bereits nach erfüllten und produktiven 17 Monaten beendet wurde.

Fortan arbeitet er als freier Autor für die „Weltwoche“ und den „Focus“ und andere und widmet sich erneut seinen Stärken: dem Schreiben und der Disziplinlosigkeit.

Corona als politisches Phänomen – der verzögerte „Weltsystemcrash“ und die Horrorpropaganda der Herrschenden

von Dr. Jens Woitas

Corona als politisches Phänomen – der verzögerte „Weltsystemcrash“ und die Horrorpropaganda der Herrschenden

Die erstmalige Verhängung von Anti-Corona-Maßnahmen im März 2020 hatte, wahrscheinlich nicht nur für mich, den Anschein eines Putsches, mit welchem die Regierungen von Bund und Ländern jegliche politische Auseinandersetzung zugunsten einer von ihnen vorgegebenen Einheitsposition beenden wollten. Plötzlich gab es – analog zum Beginn des Ersten Weltkrieges im August 1914 – keine Parteien mehr, sondern nur noch einen gemeinsamen „Kampf gegen das Virus“, der auf eigenartige Weise auch den „Kampf gegen rechts“ einzuschließen schien. Genau daran scheiterte in den folgenden Wochen und Monaten der schnelle Sprung in eine „Corona-Diktatur“. Zwar ließ sich der bisherige Hauptfeind des Establishments, die AfD, viel zu lange von „Corona“ paralysieren, aber es verblieben einige neurechte Widerstandsnester, die von Anfang an die inhaltliche Begründung der Corona-Politik, und damit auch die Zwangsmaßnahmen selbst offen infrage stellten. Dazu gesellten sich eine winzige Minderheit aufrechter Linker und diffuse Gruppen, die man – auch ohne entsprechende Diffamierungen durch den Mainstream zu übernehmen – tatsächlich nur als „Spinner“ bezeichnen kann. All diesen Akteuren ist es zu verdanken, dass die Meinungsfreiheit in Deutschland überhaupt den März 2020 überlebte und in der Folgezeit eine – sowohl in der Zahl der „Sender“ als auch jener der „Empfänger“ – stetig wachsende demokratische Gegenöffentlichkeit hervorbrachte, die heute zu einer Gegenmacht angewachsen ist, welche der herrschende polit-mediale Machtkomplex sehr ernst nehmen muss.

Da ich mich selbst schon seit dem „Vor-Corona-Zeitalter“ dieser Gegenöffentlichkeit zuordnen kann, sei hier eines angemerkt: „Wir“ sind weder klüger noch moralisch besser als die anderen. Unser Vorteil besteht lediglich in zwei Punkten: Erstens war uns schon vor „Corona“ bewusst, dass die bundesdeutsche Demokratie hochgradig gefährdet war (etwa durch die Ereignisse in Thüringen unmittelbar vor dem Beginn der Corona-Maßnahmen), und vor allem, dass die Politiker und Parteien des polit-medialen Machtkomplexes nicht mit Notwendigkeit im Interesse des deutschen Staatsvolkes handeln (etwa bei der unkontrollierten Masseneinwanderung nach Deutschland 2015ff.). Zweitens besaßen gerade die erwähnten „Spinner“ die richtige Erkenntnis, dass in der Welt des Jahres 2020 die Science-Fiction mehr und mehr die Realität eingeholt, ja teilweise sogar überholt hatte. (Die Begründung dafür kann u.a. dem durchaus Mainstream-kompatiblen Buch „21 Lektionen für das 21. Jahrhundert“ des israelischen Historikers Yuval Noah Harari entnommen werden.)

Meine persönliche Herangehensweise ist es, die Corona-Krise als ein vor allem politisches Phänomen zu betrachten, in welchem Haltungen und Interessen der Beteiligten den Gang der Dinge sehr viel stärker bestimmen als Medizin und Virologie. Die Frage nach diesen Haltungen und Interessen ist somit eine Möglichkeit der Annäherung an eine „wahre“ Erklärung der Ereignisse und ihres Zusammenhanges. „Verschwörungstheoretisch“ wird diese Methode aus meiner Sicht erst dann, wenn über Haltungen und Interessen der Verantwortlichen unbegründete und spekulative Annahmen gemacht werden.

Nach diesen notwendigen Vorbemerkungen komme ich nun zum eigentlichen Thema dieses Essays. Die Corona-Maßnahmen bestimmen nunmehr seit fast 18 Monate unser Leben (Allein dies ist übrigens Anlass genug, die Warnungen und Vorhersagen der Gegenöffentlichkeit nicht von Vornherein abzuwerten.), und in dieser Zeit hat sich die Vernebelung schon teilweise gelichtet, die noch im Frühjahr 2020 unsere Wahrnehmung der Lage bestimmte. Es ist nunmehr Zeit für eine Zwischenbilanz, mit der ich einige wahrscheinliche Motive der politisch Handelnden herausarbeiten und für diese Motivlagen auch stichhaltige Begründungen liefern möchte.

Zunächst einmal ist anzumerken, dass schon die politischen Entscheidungen des März 2020 alles andere als „alternativlos“ waren. Schweden, Brasilien, Weißrussland, Tansania und eine Reihe von US-Bundesstaaten gingen von Anfang an anders mit „Corona“ um als etwa Deutschland und Frankreich. Es hat in den genannten Ländern sicherlich mehr Erkrankte und Todesfälle gegeben als bei uns, aber es fanden auch dort nicht jene apokalyptischen Katastrophen statt, die unser polit-medialer Machtkomplex immer noch ankündigt, sollte seine Maßnahmenpolitik nicht befolgt werden. Die bundesdeutschen Corona-Politiker trafen also im Frühjahr 2020 eine eindeutig politische Entscheidung mit der Konsequenz, für den Seuchenschutz notfalls die Selbstzerstörung von Staat, Wirtschaft und Demokratie in Kauf zu nehmen. Diese Selbstzerstörung ist in nunmehr fast 18 Monaten „Corona-Krise“ bereits weit vorangeschritten, aber selbst dies dient nicht als Anlass dazu, den Pandemie-Zustand durch eine gleichfalls politische Entscheidung zu beenden. Der Grund dafür kann eigentlich nur sein, dass man den Zustand von Staat, Wirtschaft und Demokratie schon Anfang 2020 als derart katastrophal bezeichnen musste, dass die Inkaufnahme von Infektionsrisiken als Preis für die Erhaltung des status quo schlichtweg ethisch nicht gerechtfertigt werden konnten. Diese Einschätzung der verantwortlichen Politiker deckt sich übrigens sehr wahrscheinlich mit derjenigen der großen Mehrzahl der deutschen Bevölkerung. Das erklärt wiederum, warum die Proteste etwa der „Querdenker“, welche auf die Rettung von Staat, Wirtschaft und Demokratie vor den Corona-Maßnahmen abzielen, trotz einiger Achtungserfolge niemals zu einem wirklichen Massenphänomen werden konnten.

Der Hauptgrund für diesen – zunächst unverständlich erscheinenden – Selbstzerstörungstrieb liegt meiner Ansicht nach schon in der Weltfinanzkrise von 2007ff. und der daraus resultierenden Eurokrise. Diese Krisen zwangen Wirtschaft und Politik schon vor mehr als zehn Jahren in einen Ausnahmezustand, der seitdem nicht aufgehört hat, weil offensichtlich die politische Handlungsfähigkeit Deutschlands, der EU und sogar der G20-Staaten nicht zu einer wirklichen Lösung der zugrunde liegenden Problematik ausreicht. Die Corona-Krise lieferte dann einen willkommenen Anlass dazu, die Staatsverschuldung und die Flutung der Finanzmärkte mit Zentralbank-Geld nochmals gewaltig auszuweiten und damit den „Weltsystemcrash“ (Max Otte) weiter hinauszuzögern, der ohne „Corona“ höchstwahrscheinlich schon im Laufe des Jahres 2020 eingetreten wäre. Diese Strategie stößt aber in diesen Tagen endgültig an ihre Grenzen, weil die stetig zunehmende (und für den Verbraucher bereits deutlich spürbare) Inflation in einen unauflösbaren Widerspruch mit der, durch die Überschuldung von Staaten, Unternehmen und Privathaushalten bedingten, Notwendigkeit von Null- und Minuszinsen tritt. Das Ende könnte in einem – politisch durchaus gewollten – Verdampfen der globalen Schulden durch Inflation bestehen, das gleichzeitig praktisch die gesamten weltweiten Privatvermögen vernichten würde. Wahrscheinlicher ist eine mildere, aber gleichwohl schmerzhafte Variante, welche das Weltfinanz- und Eurosystem noch kurz vor dem Crash mit Vermögensschnitten in ein neues Gleichgewicht bringen und auf diese Weise wenigstens das Geld der ganz großen Spieler des globalen Kapitalismus zum größten Teil erhalten könnte. Das politische Vorgehen in der Corona-Krise wäre somit als eine Strategie zu verstehen, welche bewusst ein finanzpolitisches Ende mit Schrecken herbeiführt, das sich ohne „das Virus“ und die realwirtschaftlichen Folgen der Corona-Politik weder vermitteln noch rechtfertigen ließe.

Die geschlossene Bank, Gemälde von Eduardo Matania, 1870er Jahre: Der „Weltsystemcrash“ ist nur aufgeschoben!

Es gibt noch mindestens ein zweites nachvollziehbares Motiv für die Corona-Politik: Ich spreche hier zwar nicht von einer „Plandemie“, also von einer bloßen Vortäuschung einer Viruspandemie zum Zwecke einer autoritären Maßnahmen-Politik. Trotzdem ist es eine Tatsache, dass die gesamte Corona-Strategie (zumindest die bundesdeutsche) vorgefertigten Pandemie-Plänen folgt, die schon im Laufe des letzten Jahrzehnts auf der Ebene von Regierungen, internationalen Organisationen und privaten „Sponsoren“ auf einer Reihe von Konferenzen beschlossen wurden (zuletzt übrigens im Oktober 2019 ausgerechnet im chinesischen Wuhan, wo einige Wochen später die reale Pandemie ihren Anfang nahm). Es fällt auf, dass in diesen Plänen von Anfang an die mRNA-Impfungen einen wesentlichen Baustein darstellten, sodass man durchaus zu dem Schluss kommen kann, dass diese Impfungen in den Augen der Verantwortlichen, zumindest teilweise, ein Selbstzweck sind. Dafür spricht vor allem, dass die Forschung an medizinischen Therapien, die auf eine Heilung von Covid-19 abzielen, von Anfang an auf eigenartige Weise vernachlässigt und sogar durch die Verweigerung von Forschungsmitteln für solche Vorhaben unterdrückt wurde. Auch dass die ersten mRNA-Impfstoffe schon wenige Monate nach dem Auftreten der ersten Covid-19-Fälle für klinische Tests zur Verfügung standen, ist ein zumindest eigenartiger Umstand. Es erscheint zunächst als unangemessen „verschwörungstheoretisch“, dass Profite der Pharmaindustrie von „nur“ einigen zehn Milliarden Dollar mit einer veritablen Weltkrise erkauft werden sollten. Das Ganze ergibt aber auf der Grundlage jüngerer Erkenntnisse durchaus Sinn, welche darauf hinweisen, dass zum einen die Impfstoffe nur unter der Bedingung regelmäßiger Auffrischungen (alle sechs Monate oder sogar weniger) wirklich gegen Covid-19 schützen und dass sie zum anderen negative Auswirkungen auf das natürliche menschliche Immunsystem mit sich bringen könnten. Die globale Pharmaindustrie und ihre politischen Verbündeten hätte also mit den Impfungen die Menschheit gleichsam „angefixt“ und auf diese Weise deren Überleben von immer weiteren Spritzen abhängig gemacht, die dann wirklich Profite in Größenordnungen erzeugen, welche ein solches Vorgehen lohnend erscheinen lassen. Gleichzeitig würde ein immenser Druck im Sinne politisch korrekten Verhaltens entstehen, weil die Politik missliebigen Personen ohne weiteres die lebensnotwendigen Injektionen verweigern könnte. Der homo sapiens wäre gleichsam auf die Rolle von Kreaturen der industriellen Massentierhaltung reduziert, die ohne ständige Medikamentengabe sehr schnell massenhaft an Seuchen verenden würden, und eine solche Entwicklung läge durchaus im Sinne der Strategie des Great Reset. Es liegt eine bittere Ironie darin, dass sich unter den medizinisch Verantwortlichen für die Corona-Politik überdurchschnittlich viele Tierärzte(!) befinden, etwa Lothar H. Wieler, der Präsident des Robert-Koch-Institutes.

Ein drittes Motiv ist weniger plausibel, verdient es allerdings doch, hier erwähnt zu werden: Die Corona-Politik versetzt seit 18 Monaten mittels einer unrealistischen Horrorpropaganda den Großteil der deutschen Bevölkerung in eine Angststarre, die sich natürlich auf jede Form von Konflikten dämpfend auswirkt. Es könnte sein, dass die sich aufschaukelnde innenpolitische Gewaltspirale aus Islamismus, Klima-Apokalyptik, Links- und Rechtsextremismus in den Augen der Verantwortlichen schon im Frühjahr 2020 eine solche Dynamik erreicht hatte, dass – unter dem Vorwand von „Corona“ – gleichsam die Notbremse gezogen werden musste. Gerade im Hinblick auf den politischen Islam erscheint mir diese These als gerechtfertigt: Es ist offensichtlich, dass auf diesem Feld Eskalationen durch religiöse Gewalt und Kriminalität nur noch durch eine Appeasement-Strategie vermieden werden können, welche der islamischen Forderung nach religiös-kultureller Hegemonie immer weiter nachgibt und gleichzeitig jeden „rechten“ Widerstand dagegen mit drakonischen Maßnahmen der Staatsgewalt bekämpft. Dies wurde besonders im Frühjahr 2020 augenfällig, als die durch den „Lockdown“ ausgestorbenen deutschen Städte auf Anweisung der Regierung flächendeckend mit Muezzin-Rufen beschallt wurden, gleichzeitig christliche Ostergottesdienste verboten waren und zusätzlich die Zahl der Prozesse wegen „Volksverhetzung“ gegen Kritiker dieser Zustände, u.a. auf Geheiß des niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil drastisch zunahm. Zu diesem innenpolitischen Islam-Appeasement kommt noch die beständige Appeasement-Politik gegenüber dem türkischen Erdogan-Regime hinzu, von welchem sich die Bundesregierung durch den „Türkei-Deal“ von 2016 in der Flüchtlingspolitik völlig abhängig gemacht hat. Es war unter Umständen kein Zufall, dass im März 2020 praktisch parallel zum Absturz in die Corona-Krise Erdogans Türkei die EU mit kriegsähnlichen Handlungen bedrohte, indem sie wochenlang am Evros-Fluss syrische Dschihadisten gegen die griechische Grenze anrennen ließ.

Trotz aller Plausibilität darf jedoch dieses dritte Motiv, also innen- und außenpolitische Beruhigung durch erzwungene Angststarre, in seiner Bedeutung nicht übertrieben werden. Auch den verantwortlichen Politikern musste klar sein, dass eine solche Beruhigung die Gewaltrisiken nur kurzzeitig stoppen konnte, und dass sich danach die Gewaltspirale unvermindert weiterdrehen würde. Die Corona-Politik hat sogar neue Gewaltrisiken erzeugt, weil zum einen die Dialogunfähigkeit der Staates den bislang friedlichen Widerstand der „Querdenker“-Bewegung immer weiter radikalisiert, zum anderen weil gegenwärtig der Konflikt um eine indirekte oder sogar unmittelbare Impfpflicht den schon vorhandenen Spaltungen der Gesellschaft eine weitere hinzufügt, die sogar noch viel tiefgreifender sein könnte als jene.

Hausbemalung einer deutschen Patriotenfamilie: Widerstand ist möglich!

Aus dem bisher Gesagten ergibt sich eine erschreckende Konsequenz: Ein Erfolg der nationalkonservativen, radikaldemokratischen und „esoterischen“ Widerstandskräfte gegen den in der Corona-Krise endgültig zur Antidemokratie erstarrten Merkelismus würde unvermeidlich dazu führen, dass das Ergebnis einer solchen demokratischen Revolution zunächst nicht nur eine allgemeine Befreiung wäre. Das Volk würde sich nämlich im Moment seines Erfolges sofort einer riesengroßen wirtschaftlichen, medizinischen und innenpolitischen Problematik gegenübersehen, die sich gegenwärtig noch unter der Decke der Corona-Propaganda verbirgt. Die Gegenöffentlichkeit und der demokratische Widerstand müssen dieser Tatsache ins Auge sehen, ohne sich dadurch von ihrem notwendigen Kampf für eine bessere Bundesrepublik und ein besseres Europa abbringen zu lassen.

Unser Titelbild zeigt: „Triumph des Todes“, Gemälde, das der flämische Maler Pieter Bruegel um 1562 schuf.

Dr. Jens Woitas

Jens Woitas, geboren 1968 in Wittingen (Niedersachsen), verheiratet, lebt (mit einigen Unterbrechungen) seit 1970 in Wolfsburg. Abitur 1988, dann Zivildienst und Tätigkeit als Gartenarbeiter. Studium der Physik in Clausthal-Zellerfeld und Tübingen, dann Promotion zum Doktor der Naturwissenschaften in Heidelberg (1999). Wissenschaftlicher Mitarbeiter an astronomischen Forschungsinstituten in Tübingen, Heidelberg und Tautenburg (1995-2005), dann Unternehmensberater. Seit 2011 Erwerbsunfähigkeitsrentner. Von Kindheit an lebhaft an Politik, Geschichte, Literatur und Religion interessiert, Mitglied der evangelisch-lutherischen Kirche und von 2017 bis 2020 Mitglied der Partei DIE LINKE. Neben einer Reihe von Artikeln in astronomischen Fachzeitschriften auch Autor einer autobiographischen Erzählung (Schattenwelten, Mauer Verlag, Rottenburg am Neckar 2009). In den letzten Jahren intensive Beschäftigung mit dem Denken des Neomarxismus und der „Neuen Rechten“ unter Einbeziehung französischer Originaltexte, insbesondere von Alain de Benoist und Jean-Claude Michéa.

Im Lindenbaum Verlag ist soeben das Buch „Revolutionärer Populismus. Das Erwachen der Völker Europas“ von Dr. Jens Woitas erschienen und kann hier bestellt werden: https://lindenbaum-verlag.de/produkt/revolutionaerer-populismus/

Was schulden wir den Ortskräften unserer Regierung?

von Klaus Kunze

Um von ihrem vollständigen Desaster abzulenken, malen unsere Regierenden das Schicksal der Afghanen jetzt in den düstersten Farben. Für sie und ihre Propagandamedien sind alle Taliban üble Terroristen. Bald würden sie dazu übergehen, alle Frauen in komische Säcke mit Gucklöckern zu stecken, allen Dieben die Hände abzuhacken und alle Schwule von Häusern zu stürzen. Die „Ortskräfte“ der bisherigen deutschen Besatzung stehen scheinbar unmittelbar davor, massakriert zu werden.

Ob die jetzt gemäßigt auftretenden Taliban nur Wölfe sind, die Kreide gefressen haben, oder ob sie begriffen haben, daß sich auf Racheorgien und Unterdrückung kein stabiler Staat bauen läßt, werden wir bald wissen. Unsere Regierung übt sich bereits in der Kunst der Prophetie und leitet aus ihrer schwarzen Prognose ihre „moralische Pflicht“ ab, ins Flugzeug zu packen, wer eben kommt, und ihn nach Deutschland zu verfrachten. Zugleich sind wir weiter denn je entfernt von Abschiebungen verurteilter afghanischer Verbrecher oder abgelehnter Asylbewerber.

Heim ins Reich der Menschenrechte möchte unsere Regierung jetzt möglichst viele “Ortskräfte” und “Vertreter der Zivilgesellschaft” holen. Das sind zwei verschiedenartige Gruppen. Ortskräfte hatten sich als Vertragsarbeiter in deutsche Dienste gestellt, zum Beispiel als Schneider oder Putzhilfen in Unterkünften. Vermutlich tut ihnen jetzt niemand etwas. Für ihr bekanntes Risiko hervorragend bezahlt wurden Sprachmittler, die gewöhnlich weit weg von ihrem Herkunftsort eingesetzt wurden. Wo niemand sie kannte, begleiteten sie die Spitze militärischer Konvois, um bei Bedarf nach dem Weg zu fragen oder mit örtlichen Stammesführern Verbindung aufzunehmen.

Nicht unmittelbar in unseren Regierungsdiensten stand eine schmale Bildungsschicht in Kabul, die westlichen Lebensstil adaptiert hat und ihn als Professor, Fernsehansagerin oder dergleichen propagierte. Aber was schulden wir jenen „Ortskräften“ und den Kabuler Verfechtern westlichen Lebensstils wirklich?

Es gibt kein moralisches Dilemma

Moralphilosophisch liegt nahe, zu halten, was man versprochen hat. Hat aber irgend jemand irgend einem afghanischen Dolmetscher oder Hilfswilligen eine Option zur Auswanderung versprochen? Ich nehme nicht an, so etwas stünde in irgend einem der mit deutscher Gründlichkeit geschlossenen Arbeitsverträge. Also schulden wir es auch nicht.

Der britisch-indische Krieg 1857: Damals wie heute geht es um Selbstbestimmung der Völker und Kulturen. Kollaborateure mit Kolonialisten und Besatzern haben immer einen schweren Stand!

Zwanzig Jahre hat Deutschland sich in Afghanistan als Besatzungsmacht aufgespielt. Einheimische Kollaborateure, die das für einen Dauerzustand gehalten haben mochten, haben auf das falsche Pferd gesetzt. Sie haben objektiv gegen die Selbstbestimmung ihrer eigenen Stämme gehandelt und dafür Geld genommen. Falls jemandem jetzt wirklich der Tod drohen würde, könnte man ihn aus Barmherzigkeit aufnehmen, aber nicht aus moralischer Pflicht. Wir sind nicht verpflichtet, jedem Todgeweihten dieser Erde beizustehen.

Das eigene „moralische“ Verhalten jener Ortskräfte war höchst zweifelhaft. Sie dienten nicht ihrem Vaterland, sondern Besatzungsmächten. Diese wollten, Deutschland vorneweg, die Afghanen umerziehen – “denn heute, da hört uns Deutschland, und morgen die ganze Welt!” Höre, oh Welt, den globalen Weckruf aus Berlin: “Brüder, zur Sonne, zur Freiheit, Brüder zum Lichte empor!” Das Licht unseres Gutmenschentums sollte über dem ganzen Erdball erstrahlen, und Afghanistan schien ein guter Anfang.

Aus erbitterten Kämpfern für ihre Unabhängigkeit – erst gegen Rußland, dann die USA, wollte man ideologische Gefolgsleute „des Westens“ machen. Sie sollten ihre – uns so fremden – angestammten Sitten, Bräuche, Hoffnungen, Werte und religiöse Gebote ablegen. Statt dessen sollten sie an „die Demokratie“ glauben, „den Humanismus“, an „die Gerechtigkeit“, den Pluralismus, den Genderismus und all die vielen bunten Blümchen auf Gutmenschens Himmelswiese.

Präferenzen “deutscher” Außenpolitik

Die geplante Umerziehung der Afghanen mit allen volkspädagogischen Instrumenten war die Fortsetzung ihrer militärischen Unterwerfung mit anderen Mitteln. Einer mehrheitlich archaischen, patriarchalischen Gesellschaft sollte die Ideologie der westlichen Massengesellschaft übergestülpt werden.

Die Methoden der Umerziehung

Das revolutionäre Frankreich hatte seit 1796 einen deutschen Staat nach dem anderen unterworfen und sich einverleibt. Zugleich verbreitete es seine republikanische Ideologie. Sie behauptete, unter französischer Herrschaft seien die Deutschen jetzt freier als zuvor. Überall wurden Freiheitsbäume errichtet, während in Köln der Dom von Franzosen geplündert und ein Pferdestall aus ihm gemacht wurde. Die umerzogenen neuen deutschen Republikaner schritten bald mit ihren geliebten französischen Besatzern zur Befreiung ganz Europas, bis ihre Überlebenden, dezimiert, verfroren und zerlumpt, aus Rußland zurückwankten.

Die  Umerziehung unterworfener Staaten gehört auch zum Standardrepertoire der USA. Die Phrase „to make the world safe for democracy“ wurde zufälligerweise immer dann angewandt, wenn eine geostrategische Intervention der ideologischen Verbrämung bedurfte. Für Weltmacht, Handelsvorteile oder Bodenschätze wären auch amerikanische Soldaten ungern gestorben. Unter der Fahne eines demokratischen Kreuzzugs hatten sie wenigstens beim Bombardieren ein gutes Gewissen.

Die Mehrheit der Deutschen ist so sehr Produkt der amerikanischen Umerziehung der Nachkriegszeit, daß sie das gar nicht mehr bemerkt. Man hat einen Krieg erst dann gewonnen, wenn in den Schulbüchern der Besiegten steht, wie dankbar die Kinder der Siegermacht sein müssen. Heute lautet unsere übliche Propaganda, Deutschland sei am 8. Mai 1945 befreit worden. So fand man wenig dabei, auch Afghanistan zu „befreien“ und „safe for democracy“ zu machen.

Allerdings waren alle „westlichen Werte“ unserer Umerziehung nach 1945 im Ansatz in Deutschland schon vorhanden, nur nicht mehrheitsfähig. Wir haben uns gern umerziehen lassen, weil die amerikanische Umerziehung nichts importierte, was nicht vor 1933 an geistigen Strömungen auch schon vorhanden war und weil unsere Gesellschaft mit ihrer Massenzivilisation der amerikanischen strukturell glich.

Patriarchalische Stammeskrieger

Völlig anders war und ist die Lage in Afghanistan. Viele der westlich akkulturalisierten oder umerzogenen Hauptstädter sind heute enttäuscht. Anders die Mehrheit:

Es ist wichtig, in die Köpfe und Herzen der Paschtunen vorzudringen: Die Taliban-Bewegung ist in der Tat eine politisch-religiöse Manifestation, die weitgehend zum paschtunischen Universum gehört, wie die ethnische Identität, die Werte, das Organisationssystem und der Glaube ihrer Mitglieder zeigen und beweisen. Da die Taliban wie die Paschtunen an den Paschtunwali (den paschtunischen Weg, auch bekannt als Lebenskodex) glauben – auch wenn sie ihn für ihre eigene Agenda verzerrt und instrumentalisiert haben – versammeln sie sich in Jirga (Versammlung der Ältesten), respektieren Stammesführer (Khans) und praktizieren eine besondere und heterodoxe Form des Islam (Deobandi).

Emanuel Piebroton, La vera ideologia che muove i talebani, 18.8.2021

Die deutschen Medien verkürzen die Weltanschauung der Afghanen auf ihre Schriftreligion. Diese bildet aber nicht die Ursache und Quelle viel tiefer liegender, archaischer Werte:

Die anderen zehn Säulen, die im Laufe der Zeit ebenso wichtig geworden sind wie die ersten drei, sind die Pflicht zur Tapferkeit gegenüber Eindringlingen (turah), die Loyalität gegenüber Familie, Freunden und Stamm (wapa), der Respekt vor dem Nächsten und der Schöpfung (khegara), Respekt vor sich selbst und seiner Familie (pat aw Wyar), Verteidigung der Ehre der Frauen (namus) und der Schwachen (nang), Ritterlichkeit (merana), Verteidigung der Sitten und Gebräuche (hewad), Konfliktlösung durch Schlichtung (jirga) und unerschütterliche Loyalität gegenüber Gott (groh). Der Groh zum Beispiel erklärt, warum die Taliban gegen jede Form der Säkularisierung und den Ausschluß des Heiligen aus dem öffentlichen Leben sind. Nanawatai hingegen erklärt, warum Korangelehrte Polizisten, Soldaten und Regierungsbeamten verzeihen, die bei der ersten (und einzigen) Warnung ihre Waffen niederlegen und die Farbe wechseln. Und die Turah ist die Säule, die die Paschtunen seit der Zeit Alexanders des Großen dazu gebracht hat, ihr Land mit einem Sinn für Selbstaufopferung zu verteidigen, der eher einzigartig als selten ist.

Emanuel Piebroton, La vera ideologia che muove i talebani, 18.8.2021

Es ist der typische Wertekanon einer agrarischen Stammesgesellschaft, wie er vor tausend Jahren auch in Deutschland galt. Der Islam und die Scharia sind nicht der Grund einer solchen Weltanschauung, sondern nur ihre Hülle.

Wer sich unterwirft, der wird geschont. Das stellte in der Mehrzahl der historischen Staaten islamischen Glaubens die Regel dar. Dann muß er freilich kuschen und sich den althergebrachten Gesetzen beugen.

Das schreckliche nyaw aw Badal hingegen ist das Scharnier, das all die Grausamkeiten legitimiert, die die Taliban gegen Feinde begehen, die sich nicht ergeben oder ihren Glauben verleugnen: von der Steinigung bis zum Hängen, von der Folter bis zur Vergewaltigung. Nyaw aw Badal ist der Grund dafür, daß der letzte Präsident der Demokratischen Republik Afghanistan bei lebendigem Leibe gehäutet und anschließend im Zentrum von Kabul erhängt wurde. Nyaw aw Badal erklärt, warum Horden von Afghanen versuchen, das Land zu verlassen, und warum viele andere auf Befehl von Taliban-Gerichten hingerichtet werden, wo es weder Kameras noch Zeugen gibt.

Emanuel Piebroton, La vera ideologia che muove i talebani, 18.8.2021

Kein moralisches Bonbon für unmoralisches Handeln

Die Propaganda, in Afghanistan habe „der Westen“ für „westliche Werte“ gekämpft, war von Anfang an für unsere Innenpolitik bestimmt. Das schließt nicht aus, daß ein paar weltfremde Narren tatsächlich glaubten, mit deutschen Steuermillionen den Afghanen ihren Genderismus beibringen zu können. Aber das strategische, operative Ziel war immer die geostrategische Macht der USA.

Es bildete von Anfang an eine Propagandalüge, der Krieg in Afghanistan hätte einen „Kampf gegen den Terrorismus“ dargestellt. Spätestens nach der Vernichtung der al-Khaida war er das nicht mehr. Der Krieg und die auch deutsche Besatzung war so unmoralisch wie ein Angriffskrieg auf fremden Territorium mit Umerziehung eines Volkes nur sein kann.

In Nibelungentreue schlossen die deutschen Vasallen sich ihm an. Auch von Deutschland ging Krieg aus. Unsere herrschenden Parteien haben uns alle in diesen Krieg hineingezogen. Offenbar wird sie niemand dafür zur Rechenschaft ziehen.

Ob ihre afghanischen Hilfswilligen von ihren Landsleuten jetzt zur Rechenschaft gezogen werden, geht uns nichts an.

Es gibt keine moralische Verpflichtung, unmoralische Handlungen zu belohnen.

Und es gibt nach Kriegsende erst recht keinen Grund mehr, die nach Zigtausenden zählenden Afghanen ohne Asylanspruch in Deutschland zu behalten. Es ist höchste Zeit für einen operativen Schlußstrich unter die düstere Kapitel deutscher Geschichte.

Dieser Artikel erschien auch auf der stets sehr informativen Seite von Klaus Kunze:

Was schulden wir den Ortskräften unserer Regierung?

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Klaus Kunze



Klaus Kunze, seit 1984 selbständiger Rechtsanwalt in Uslar, von 1970-71 Herausgeber eines Science-Fiction-Fanmagazins, von 1977 bis 1979 Korrespondent der Zeitung student in Köln, seit 1978 diverse Beiträge in genealogischen und heimatkundlichen Fachzeitschriften, seit 1989 Beiträge für politische Zeitschriften wie u. a. die Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT

Autor der Bücher:

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