von Dr. Florian Sander
Der kulturelle Genozid an den Tibetern
Chinas „Gesetz zur Förderung der ethnischen Einheit und des Fortschritts“
Am 1. Juli ist in der Volksrepublik China ein Gesetz in Kraft getreten, das das Leben und Zusammenleben von Millionen von Menschen auf deren Territorium gravierend beeinflussen wird. Das „Gesetz zur Förderung der ethnischen Einheit und des Fortschritts“ formalisiert Zustände, die (unter anderem) in Tibet schon seit längerem zu beobachten waren und immer wieder von exiltibetischen NGOs thematisiert und problematisiert worden sind, und verschärft bereits vorhandene Repressionen deutlich.
Zwangsinternate, Umerziehung und Siniserung
Nach den Verheerungen von Maos Kulturrevolution und den Reformen und Liberalisierungen unter Deng Xiaoping wurden die Zügel unter Xi Jinping nun wieder mächtig angezogen. Ein wesentliches Element dieser Entwicklung ist das Zwangsinternatssystem, das mittlerweile schätzungsweise eine Million tibetische Kinder vereinnahmt hat und systematisch chinesisch umerzieht (sog. Sinisierung). Es wird Mandarin gesprochen, es werden chinesische Lieder gesungen und chinesische Bücher gelesen. Die tibetische Kultur und Sprache wird den Kindern gezielt „aberzogen“. Die Verehrung des Dalai Lama ist verboten und unter Strafe gestellt. Wer tibetische Kultur unterrichtet oder verbreitet, riskiert, verhaftet zu werden und mindestens für längere Zeit zu „verschwinden“.
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