Der letzte Puritaner von George Santayana (1935) – große Weltliteratur, die vergessen scheint
Bei all dem Schrott an Literatur, den man im herrschenden Mainstream nach 1945 und in verstärkter Form nach 1990 angeboten bekommen hat und täglich bekommt, habe ich entschieden, mich primär mit Literatur zu beschäftigen, deren Entstehung vor diesen zeitlichen Kulturbrüchen liegt. Dabei bin ich auf grandiose Fundstücke gestoßen.
Das wohl beeindruckendste Stück dabei war der Roman „Der vergessene Puritaner“ von George Santayana. Er gehört zu den fünf besten Romanen, die ich jemals gelesen habe. In meiner 60jährigen Lesezeit werden das wohl 1.000 Romane gewesen sein.
Ethnopluralismus – eine antikoloniale Begriffsgeschichte: Völker, hört die Signale …
Um 1970 nahm die soziale Unruhe in verschiedenenTeilen der Welt die Gestalt ethnisch-nationaler Konflikte und Abkoppelungsversuche an. Solidaritatsbewegungen entstanden in den Metropolen und prägten die neue linke Bewegung. Aufmerksamkeit richtete sich auf so unterschiedliche Sezessionsbewegungen wie Black Power in den USA, Biafra in Nigeria, Flamen in Belgien, Bretonen in Frankreich, Basken in Spanien, Waliser und Schotten, die irischen Republikaner im britischen Ulster/Nordirland, Palästinenser, Kroaten, Ukrainer, Kurden, Eriträer und American Indian Movement. Es entstanden Solidaritatskomitees, die Informationen über die spezifischen Situationen verbreiteten, und im Anschluss daran breiter angelegte Menschenrechtsbewegungen wie die „Gesellschaft für bedrohte Volker“. Die meisten dieser Solidaritätsbewegungen hatten ein überwiegend linkes Profil und bewegten sich im Bereich des neuen Antikolonialismus. Einige Sezessionsbewegungen – Black Panthers und American Indian Movement, die irischen Republikaner (IRA) und die baskische ETA – bildeten Netzwerke mit der Linken anderer Länder. Nur einzelne Themen – wie Kroatien und Ukraine – waren eher rechts besetzt. In dieser Situation tauchte der Begriff des Ethnopluralismus auf. In der wörtlichen Bedeutung „Völker-Vielfalt“ drückte er einen übergeordneten Zusammenhang zwischen allen diesen Phänomenen von Identitätssuche, Selbstbestimmung und Abkoppelung aus – eine neue Vielfalt und ihre gesellschaftliche Herausforderung. Sein politischer Inhalt war die Anerkennung der „Anderen“, wer immer die Anderen auch sein mögen.
Der Ukraine-Krieg des Finanzimperialismus gegen die alte Landmacht
Die Kriege der Angelsachsen sind Handelskriege. Sie wollen keine fernen Länder und Territorien erobern und besetzen, annektieren oder sich einverleiben. Nur die Bodenschätze und Kapitalerträge sollen aus allen Himmelsrichtungen in ihre Kassen fließen, dann ist alles gut.
Rußland führt unter Putin dagegen einen klassischen territorialen Eroberungskrieg. Putin ist Imperialist alter Schule. Er scheut kein Verbrechen und geht notfalls über Leichen. Die USA hingegen haben ein Finanzimperium aufgebaut, das sie zu globaler Größe führen wollen, zur One World. Ihrer One World. Darum ist für sie evident, daß der Krieg gegen Rußland ihre Sache ist.
Globalismus gegen Partikularismus – ein Konflikt bis hin zum Dritten Weltkrieg?
Das unerträgliche menschliche Leid und die Zerstörungen in der Ukraine machen es schwer, überhaupt noch über die Vorgeschichte des russisch-ukrainischen Krieges nachzudenken. Dennoch ist eine solche Perspektive notwendig, weil sich hier noch am ehesten Ansätze für eine friedliche Lösung jenseits der gefährlichen (und leider beidseitigen) Phantasien eines vollständigen Sieges erkennen lassen. In diesem Essay soll eine Frage diskutiert werden, die bislang nur selten gestellt worden ist, aber bei näherer Betrachtung als höchst interessant erscheint. Warum konnte eigentlich nach dem Umbruch von 1989/90 und dem damit verbundenen Ende des Kalten Krieges ein neuer Ost-West-Konflikt entstehen, der sich in unseren Tagen als eine noch schwerere Bedrohung des Friedens in Europa erweist als der alte?
wir selbst – Zeitschrift für nationale Identität als Druckausgabe
In unserer aktuellen „wir selbst“-Ausgabe (erscheint am 15. Mai 2022) haben wir nun erstmals seit 20 Jahren wieder in einer Druckausgabe (Format: DIN A4, 146 Seiten, Preis: 15,00 Euro + Versandkosten) den Versuch unternommen, einige grundsätzliche Fragen, die sich angesichts der aktuellen Lage in Deutschland und im Osten Europas mit Nachdruck stellen, sachlich und von kompetenten Autoren zu untersuchen. Ob wir wirklich vor einer „Zeitenwende“ stehen, die einige Auguren des polit-medialen Herrschaftskomplexes zu erkennen glauben, ist noch längst nicht sicher. Zu prägend war in den zurückliegenden Jahrzehnten die Verleugnung nationaler Interessen in der etablierten Politik, zu stark die Hypermoralisierung in allen Gesellschaftsbereichen, zu gering die Beachtung der solidarisierenden und stabilisierenden Wirkung von nationalen Identitäten in ganz Europa. Diesen Fragen wollen wir in Zukunft unsere besondere Aufmerksamkeit schenken. Unsere Leser können uns dabei unterstützen: durch den Kauf von Einzelheften, Abonnements, durch inhaltliche Beiträge, eigene Werbemaßnahmen… Wir sind für jede Hilfe dankbar!
Seit dem 24. Februar dominieren sie wieder das Bild in den sozialen Netzwerken: die Flaggen auf Profilbildern. Dieses Mal: Blau und Gelb. Sie zieren verschiedenste Fotos, die es meist vorher schon gab. Schnell wurde dann eines – vermutlich bereitgestellt durch irgendeine App – hinzugefügt, was das gleiche Motiv, jedoch ergänzt durch die blau-gelbe Flagge enthält. Volle Solidarität durch Mausklick oder wenige Berührungen eines Touchscreens. Zugleich: Lob und Wohlwollen durch das ähnlich tickende soziale Umfeld, das umgehend liked und positiv kommentiert.
Die Restmotive auf dem Bild sind dabei erstaunlich vielfältig. Menschen, die im Schlabbershirt auf einem Campingstuhl sitzen, Jahre zuvor aufgenommen, vermutlich zu einer Zeit, zu der der Abgebildete nicht hätte sagen können, ob „Mariupol“ eine Stadt ist, ein Computerspiel oder eine Metal-Band. Das Bierchen in der Hand, die Sonnenbrille auf, und nachträglich die Solidarität erklärt. Mal eben so. Vom Campingstuhl aus, Jahre zuvor. Aha.
Günter Maschke: eine Hommage an Ernst Jünger, den Anarchen, den Waldgänger, den Ästheten des Schreckens
Die folgende Rede wurde 1982 anläßlich der Verleihung des Goethe-Preises für Hilmar Hoffmann, einen führenden Kulturfunktionär der Stadt Frankfurt am Main geschrieben, der der Verleihung des Goethe-Preises an Ernst Jünger zugestimmt hatte und sich danach scharfer Kritik aus den Reihen seiner Parteifreunde konfrontiert sah. Die von Anfang an geringe Chance, daß diese Rede auch gehalten würde, konnte nicht genutzt werden. Hätte der damalige Ghost-Writer Günter Maschke sie in eigener Regie gehalten, wäre sie hier und da wohl deutlicher und weniger um Verständnis werbend ausgefallen. Der heutige Leser soll also den Anlaß ebenso bedenken wie den alten Satz Georg Lukacs‘: „Eine Rede ist keine Schreibe.” Erstveröffentlicht wurde diese Hommage an Ernst Jünger aus der Feder von Günter Maschke in der sehr zu empfehlenden Zeitschrift „Etappe – Magazin für drakonisches Denken”.
Günter Maschke (* 15. Januar 1943 in Erfurt; † 7. Februar 2022 in Frankfurt am Main)
Mit der Verleihung des Goethe-Preises an Ernst Jünger ehrt die Stadt Frankfurt am Main den letzten großen Überlebenden aus der Generation von Gottfried Benn und Bertold Brecht, von Alfred Döblin und Hans Henny Jahnn, von Heinrich und Thomas Mann. Das literarische und geistige Leben der Gegenwart ist kaum so fruchtbar, kaum an Talenten so überquellend, als daß man an einem der bedeutendsten Repräsentanten der heroischen Epoche unserer Literatur acht- und respektlos vorbeigehen kann. Dies gilt auch dann, wenn viele der Gedanken Jüngers nicht nachvollziehbar sind oder uns unerträglich scheinen. Wir sollten uns bewußt vor Augen führen, daß der angebliche „Vorläufer des Nationalsozialismus” und „Verherrlicher des Krieges” in dem von uns zweimal angegriffenen Frankreich – beide Male war der Soldat Jünger beteiligt – gelassen als der „plus grand écrivain allemand” unserer Tage bezeichnet wird. „In Stahlgewittern – aus dem Tagebuch eines Stoßtruppführers” erschien 1920, und seither ist Ernst Jünger ein umstrittener, immer wieder zu Polemiken und Kontroversen zwingender Autor.
„Es gibt heute wenig Denker, zu deren Werk man auf Jahre hinaus in einem Verhältnis steht, das zwischen spontaner Zustimmung und entschiedener Ablehnung ununterbrochen wechselt… Wir brauchen Ernst Jünger. Wir sind dahin gelangt, daß ein Irrtum, wenn er begreiflich ist und ehrlich dem Leben abgewonnen, uns eher zu helfen vermag als die Feststellung einer Wahrheit, der die Überzeugungsmacht fehlt” schrieb Eugen Gottlob Winkler. „Der Streit um Ernst Jünger”, so könnte man getrost eine mehrbändige Dokumentation betiteln, und zu diesem Streit gehört ja nun auch der Protest der Grünen und der SPD gegen die Verleihung des Goethe-Preises an Ernst Jünger. Schien in den sechziger Jahren der Autor in ein ungefährliches Pantheon einzuziehen, schien dieser Streit zu Ende zu gehen, so entbrennt er jetzt aufs Neue. Diese nun mehr als ein halbes Jahrhundert währenden Intervalle in der Auseinandersetzung, scheinen mir ein sicheres Indiz für den Rang dieses Mannes zu sein.
Ist der „populistische Moment“ schon Vergangenheit?
Alain de Benoist zeichnete in seinem 2017 erschienen Buch „Der populistische Moment“ ein neues Bild politischer Auseinandersetzungen auf, die das klassische „Rechts-links-Schema“ überwinden. Da eine deutsche Übersetzung dieses Werkes erst seit einigen Monaten vorliegt, war es auch ein Ziel meiner eigenen Buchveröffentlichung „Revolutionärer Populismus“ (Lindenbaum Verlag, 2021), diese aus meiner Sicht für deutsche Oppositionelle wegweisenden Erkenntnisse zu popularisieren. De Benoists Meinung nach tritt im Zeitalter der Globalisierung ein neuartiger Konflikt in das Zentrum des Geschehens, der sich nicht mehr mit herkömmlichen, teils noch aus dem 19. Jahrhundert stammenden Begriffen beschreiben lässt. Die eine Partei bilden dabei Globalisierungsbefürworter und Globalisierungsgewinner, die sich weitgehend aus traditionellen Identitäten wie Nation, Religion, Familie und Geschlecht gelöst haben und zumindest teilweise eine internationale Elite bilden. Ihnen gegenüber steht eine zwar zahlenmäßig größere, aber deutlich weniger einflussreiche Gruppe von Menschen, die an den genannten Identitäten festhalten wollen und daher der Globalisierung skeptisch bis feindlich gegenüberstehen. Da in dieser Auseinandersetzung ein Begriff von „Heimat“ – sowohl im wörtlichen als auch übertragenen Sinne – eine große Rolle spielt, kann man in den Worten des britischen Journalisten und Autors David Goodhart auch von anywheres und somewheres sprechen. Die globalistische Elite wird durch die etablierten Parteien und Medien politisch repräsentiert, die Globalisierungsgegner durch populistische Parteien, Alternativmedien und zunehmend auch durch Proteste im öffentlichen Raum. Im Establishment verschwindet der alte Rechts-links-Gegensatz mehr und mehr zugunsten einer Art Einheitsmeinung, die sich auf die vorgebliche Alternativlosigkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse stützt. Der oppositionelle Populismus wird zwar meistens als „rechts“ bezeichnet und nimmt sich oft auch selbst so wahr. In Wirklichkeit muss er aber, de Benoist zufolge, eine „als unmöglich erscheinende Synthese“ aus den herkömmlichen politischen Haltungen gewinnen, um tatsächlich zu einer dem 21. Jahrhundert angemessenen und vor allem mehrheitsfähigen Politikform zu werden. „Querfront“ ist aus meiner Sicht kein angemessener Begriff für diese Synthese, weil dieser Begriff viel zu sehr mit der alten Rechts-links-Begrifflichkeit beladen ist.
Die Wikinger im weiß-nationalistischen Film und die Metapolitik
Alles nur Konstrukt?
Wem die Gegenwart gehören soll, muß sich der Vergangenheit bemächtigen. Die metapolitische Deutung der Geschichte hat mit objektiver Geschichtsforschung nichts zu tun. Sie sucht vielmehr Belege, um eigene Macht- und Herrschaftsansprüche an der Vergangenheit zu legitimieren.
Welches filmische Bild von ihr gezeichnet wird, hängt auch davon ab, welche gesellschaftspolitischen Ambitionen es stützen soll. Vor allem die neue Linke weigert sich notorisch, eine objektive Geschichtsschreibung anzuerkennen. Wie in unserer Gegenwart auch hätte es einst nur “Konstrukte” gegeben: Völker, Stämme, Reiche, Sippen, Hierarchien, Wirtschaftsformen – für einen radikalen Dekonstruktivisten spielte und spielt sich das alles nur in den Köpfen ab. Aber auch die frühere Geschichtsschreibung hatte dazu geneigt, die ferne Vergangenheit in die Schubladen ihrer zeitgenössischen Lebensverhältnisse einzuordnen und zu deuten.
Große Teile der politisch-medialen Klasse in diesem Land haben offensichtlich den Bezug zur Realität verloren und möchten ein nicht wehrfähiges Deutschland, dessen Nicht-Wehrfähigkeit gerade diese politisch-mediale Klasse mehrerer Generationen maßgeblich zu verantworten hat, nicht nur mittelbar wie bislang, sondern nun unbedingt unmittelbar an dem Krieg in der Ukraine beteiligt sehen. Schwere Waffen zu liefern wäre unsere sittlich-moralische Pflicht, wird auf allen Kanälen in schrillsten Tönen mit zunehmender Intensität deklamiert. Quasi nach dem Motto „Es walte Gerechtigkeit, und wenn die Welt zugrunde geht“, scheint hier eine Kriegslüsternheit sich Bahn zu brechen. Jedes Augenmaß geht wohl verloren. Wer zur Besonnenheit mahnt, wird einfach in übelst-dreister Weise der Kriegsunterstützung Putins bezichtigt oder als dummer Pazifist verunglimpft.