Ukraine und der Krieg: Wo der Feind steht

von Klaus Kunze

Ukraine und der Krieg: Wo der Feind steht

Dem russischen Herrscher Putin ergeht es wie Wallenstein, über den ein Dichter später treffend schrieb: Von der Parteien Haß und Gunst verzerrt schwankt sein Charakterbild in der Geschichte.

Für linksliberale Gutmenschen ist die Sache ausgemacht: Wladimir und Adolf hängen Seit an Seit im Gruselkabinett der Weltgeschichte. Beide verkörpern vorbildlich den Typus des Machtmenschen und Tyrannen, der bedenkenlos über Leichen geht.

Auf der politischen Rechten hingegen herrscht Verwirrung. Da schreibt jemand auf Facebook:

Der russische Präsident Wladimir Putin hat am Mittwoch während eines im nationalen Fernsehen übertragenen Treffens mit seinen Ministern eine strenge Warnung an russische „Verräter“ ausgesprochen. „Das russische Volk wird immer in der Lage sein, wahre Patrioten von Abschaum und Verrätern zu unterscheiden und sie auszuspucken wie eine Mücke, die versehentlich in ihren Mund gelandet ist“, sagte er.

„Ich bin überzeugt, dass diese natürliche und notwendige ‚Selbstreinigung‘ der Gesellschaft unser Land, unsere Solidarität, unseren Zusammenhalt und unsere Fähigkeit, jede Herausforderung zu meistern, nur stärken wird“, schloß er laut Berichten der Nachrichtenagentur Reuters.

Facebook-Beitrag

Solche Töne schmeicheln den Gehörknöchelchen Deutscher, die sich selbst für die einzigen echten Patrioten und alle anderen für Abschaum und Verräter halten. Manche zollen Putin klammheimliche Zustimmung. Schließlich sucht er ein großrussisches Reich neu zu errichten, vielleicht ganz ähnlich dem Großdeutschen Reich. Auch in jenem gab es, was Putin als notwendige Selbstreinigung der Gesellschaft bezeichnet hatte. Wenn Putin seine Großmachtträume noch unter antiliberalen Beschwörungen vorträgt, lauschen ihm manche hingerissen und wünschen sich für Deutschland auch einen kleinen Putin.

Es geht um globale Strategie: Völker haben keine Freunde

Putin ist aber keineswegs unser Freund, ebensowenig wie sein amerikanischer Gegenspieler Biden. Völker haben keine Freunde. Die USA wie auch Rußland benutzen Völker und Volkswirtschaften wie Bauern auf einem Schachbrett. Die USA können nur gewinnen: Sie schoben ihren ukrainischen Bauern auf ein Feld vor, das ihnen eine unmittelbarer Bedrohung der russischen Verteidigungsstellung ermöglichen würde. Diesen Bauern mußte Putin als Gegenspieler unbedingt abtauschen, um seine Stellung nicht – aus seiner Sicht – hoffnungslos eindrücken zu lassen.

Es geht ausschließlich um Strategie. Die westliche Propaganda von der Verteidigung der freien Welt und so weiter bildet das Spiegelbild der östlichen Propaganda, in der das christliche heilige Mütterchen Rußland um seine Existenz ringt. Wie jeder Krieg polarisiert auch dieser die Gemüter. Die meisten fallen auf die eine oder andere Seite der Propaganda herein.

„Ukraine und der Krieg: Wo der Feind steht“ weiterlesen

Wir stehen blank da – was zu tun ist

von Oberstleutnant Uwe Wappler

Wir stehen blank da – was zu tun ist

Kurswechsel

Über Nacht hat in der deutschen Parteien- und Medienlandschaft ein Kurswechsel stattgefunden. Man übt sich in Zerknirschung. Daß ein Moderator des Deutschlandfunks heute früh Clausewitz zitierte, ist symptomatisch. Gestern hatte der Inspekteur unseres Heeres erneut geklagt, daß wir blank dastehen. Was zu tun ist, sagt uns Uwe Wappler als Gastautor. Er fordert eine Erneuerung der Bundeswehr von Grund auf:

Der Inspekteur des Heeres hat am Tag Eins des russischen Angriffs auf die Ukraine erklärt:

„[…] und die Bundeswehr, das Heer, das ich führen darf, steht mehr oder weniger blank da. […] Die Optionen, die wir der Politik zur Unterstützung des Bündnisses anbieten können, sind extrem limitiert. […] Wir haben es alle kommen sehen und waren nicht in der Lage, mit unseren Argumenten durchzudringen.

Es ist relativ einfach, bei Bedarf in den Krieg zu ziehen. Die Soldaten werden abtelefoniert, in den Dienst befohlen und reisen innerhalb von 24 Stunden an. Die Gefechtsfahrzeuge sind technisch einsatzbereit und werden durch die bereits vor Ort befindlichen Soldaten mit scharfer Munition aufmunitioniert (betankt sind sie schon). Der Bataillonskommandeur wurde durch den Brigadekommandeur in seinen Auftrag eingewiesen und hat an seine Kompanie­chefs den Vorbefehl für die Verlegung in einen Verfügungsraum in der Nähe der zu erwartenden Kampfhandlungen gegeben.

Die Eisenbahnverwaltung stellt bereits die Transportzüge zusammen und macht für den Transportzeitraum die benötigten Transportstrecken frei von zivilem Verkehr. Das ist alles deswegen kein Problem, weil es dutzende Male geübt worden ist.

Am nächsten Tag ist die Panzerbrigade verladen und auf dem Weg, um unseren NATO-Verbündeten beizustehen. Die Kompaniefeldwebel fahren mit Radfahrzeugen den Transport-kolonnen voraus und stellen sicher, dass die Ausgabe von Warmverpflegung und Heiß­getränken längs der Strecke, sowohl in Deutschland als auch in Polen oder Litauen genauso reibungslos funktioniert, wie zuvor in den Übungen.

Am Ausladebahnhof lädt die Brigade unter militärischer Sicherung des Vorauskommandos aus, marschiert in den vorgesehenen Verfügungsraum und meldet dem bereits ungeduldig wartenden Divisions­kommandeur ihre Einsatzbereitschaft für alle Gefechtsarten. Jetzt noch eine Mütze Schlaf für die Soldaten, während die Offiziere die Unteroffiziere in den Kampfauftrag einweisen. Am nächsten Tag beginnt für die Brigade der Krieg.

Dies alles kann doch gar nicht so schwer sein, oder?

„Wir stehen blank da – was zu tun ist“ weiterlesen

Oswald Spenglers Cäsarismus – Die Staatsform des 21. Jahrhunderts?

von Dr. Jens Woitas

Oswald Spenglers Cäsarismus – Die Staatsform des 21. Jahrhunderts?

Die gegenwärtige verworrene Krisenlage lässt sich in der Sichtweise des russischen Politologen Alexander Dugin, aber auch des französischen Schriftstellers Michel Houellebecq, als ein absehbares Scheitern der westlichen, liberalen Moderne an ihren eigenen Widersprüchen interpretieren: Corona-Politik und praktisch unbegrenzte Einwanderung fordern letzten Endes das Opfer der staatlichen Gemeinschaft für das Überleben Einzelner. Damit wird die liberale Idee vom Vorrang des selbstbestimmten Individuums zu einer völlig destruktiven Haltung pervertiert. Die zum Exzess getriebene Moderne verliert angesichts von Viren-Bastelei und Bio-Informatik, aber auch durch eine globale Umweltkatastrophe, sichtbar die Kontrolle über ihr eigenes Wirtschaften und ihre eigene Technologie. Die finanzmarktorientierte Globalwirtschaft nimmt typische Formen von Karl Marx‘ ruinösem Spätkapitalismus an. Schließlich werden Gegner des Anspruches auf die Universalität westlicher Werte immer stärker: China, Russland und Indien, die auf ihren eigenen Traditionen basierende Staats- und Gesellschaftsmodelle vertreten, aber auch der politische Islam, der sich seit mehr als 40 Jahren im Zustand einer durchaus erfolgreichen, traditionalistischen Weltrevolution befindet.

„Oswald Spenglers Cäsarismus – Die Staatsform des 21. Jahrhunderts?“ weiterlesen

Europas andere Sklaverei-Vergangenheit: Sklavenhandel in Osteuropa

von Bruno de Cordier

Europas andere Sklaverei-Vergangenheit: Sklavenhandel in Osteuropa

Wenn Afrika zweifellos der Kontinent ist, der im Laufe der Geschichte am meisten unter der Sklavenjagd und dem Sklavenhandel gelitten hat, steht Osteuropa wahrscheinlich an zweiter Stelle. Das Gebiet von der Donau bis zum Kaukasus war jahrhundertelang das Jagdgebiet von Sklavenjägern aus der Steppe. Die Hauptzielgruppen waren die Slawen, die Walachen, die Ungarn und die Kaukasier. Dies ist ein Einblick in einen Teil der Geschichte, den wir nicht kennen und der deutlich macht, dass auch weiße Europäer lange Zeit und in großem Umfang versklavt waren.

„Europas andere Sklaverei-Vergangenheit: Sklavenhandel in Osteuropa“ weiterlesen

Günter Maschke ist tot – Nachruf auf einen Freund!

von Werner Olles

Günter Maschke ist tot – Nachruf auf einen Freund!

Es gibt einige wenige Menschen, deren Existenz allein bereits tröstlich ist. So jemand war mein lieber Freund Günter Maschke, der am 7. Februar, nur drei Wochen nach seinem 79. Geburtstag, unerwartet verstorben ist. Eine Woche zuvor hatten wir noch miteinander telefoniert, er war guter Dinge, arbeitete an seinem Anekdotenbüchlein über Carl Schmitt und freute sich auf den Frühling, weil wir dann wieder gemeinsam zum Italiener essen gehen könnten. Und dann sah ich am Mittwoch auf Michael Klonovskys Blog „acta diurna“ sein Bild und las die Nachricht von seinem Tod, wollte es zuerst nicht glauben und kann es bis heute nicht fassen.

Kennengelernt hatten wir uns Mitte der 1980er Jahre, als Alain de Benoist in einem Bürgerhaus irgendwo im Taunus über die „Nouvelle Droite“ sprechen sollte. Als wir ankamen standen dort vier, fünf Figuren herum, die ich als Mitglieder des Kommunistischen Bundes (KB) erkannte – mit dem ich zehn Jahre zuvor noch sympathisiert hatte -, worauf der Veranstalter, ein Frankfurter Rechtsanwalt, das Treffen absagte. Maschke schäumte vor Wut und schrieb dem Herrn einen bitterbösen Brief mit dem Tenor: Wenn wir schon vor so ein paar KB-Hanseln den Schwanz einziehen, wie wollen wir dann jemals an die Macht kommen? Das war mir als ehemaligem Linksradikalen aus dem Herzen gesprochen, und als wir dann noch viele Gemeinsamkeiten entdeckten, er hatte z.B. wie ich auch Versicherungskaufmann gelernt, war SDS-Mitglied gewesen, später auch in der SPD, hatte aber nach seinem Asyl auf der Zuckerinsel Kuba dem Kommunismus abgeschworen, während bei mir einige Jahre später schon die triste linke Realität an meiner Dienststelle reichte, um meine sozialistischen Utopien zu zerstören.

„Günter Maschke ist tot – Nachruf auf einen Freund!“ weiterlesen

Der falsche Traum vom wahren Konservativen

von Dr. Jens Woitas

Der falsche Traum vom wahren Konservativen

Auf der gesamten rechten Hälfte des Spielfeldes der bundesdeutschen Politik findet sich an vielen Orten die Sehnsucht nach einer Rückkehr zu einem „echten“ Konservatismus, bei der gleichzeitig eine klare Abgrenzung zu radikalen oder gar extremistischen Haltungen gewahrt werden soll. Ein Beispiel dafür sind gerade in diesen Tagen Erwartungen an eine Renaissance der klassischen CDU unter Friedrich Merz. Aber auch Hans-Georg Maaßen und der westdeutsche Meuthen-Flügel der AfD stehen für das Bild eines solchen Konservatismus. Ähnliche Einstellungen finden sich auch unter den Corona-Demonstranten, die häufig ein bürgerliches Selbstbild besitzen, in ihrer eigenen Vorstellung nichts anderes wollen als eine Rückkehr zum Grundgesetz und sich deshalb fragen, warum sie die Staatsmacht eigentlich zu Feinden erklärt. In diesem Essay möchte ich aufzeigen, warum dieser Traum vom wahren, guten Konservativen weder realistisch noch praktikabel ist und im Interesse wirklicher Verbesserungen der politischen Gesamtsituation dringend aufgegeben werden sollte.

„Der falsche Traum vom wahren Konservativen“ weiterlesen

Meuthens Rücktritt

von Dr. Winfried Knörzer

Meuthens Rücktritt

Am 28. Januar, gegen Mittag, schlug eine Bombe ein: Jörg Meuthen ist vom Parteivorsitz zurückgetreten und hat die AfD verlassen. Daß ein Mensch sein Amt niederlegt, wenn er sich außerstande sieht, den damit verbundenen Aufgaben gerecht zu werden, oder wenn er nicht Verantwortung für eine Sache übernehmen will, die er ablehnt, ist nachvollziehbar. Nicht nachvollziehbar ist aber der Stil, in dem dieser Rücktritt erfolgt ist. Nicht nachvollziehbar ist es, den Austritt aus der Partei in der Sprache der Gegner dieser Partei zu begründen und damit bewußt die Partei, für die man selbst Verantwortung getragen hatte, zu schädigen. Das nennt man Nachtreten, und das gilt gemeinhin als unwürdig. Die AfD ist weder erst in den letzten Monaten dramatisch nach rechts (was auch immer das konkret heißen mag) gewandert, noch haben sich plötzlich die Flügelkämpfe zwischen Moderaten und Fundamentalisten verschärft. Die AfD ist vielmehr nach ihrer Transformation von einer eurokritischen, rechtsliberalen zu einer nationalkonservativ-populistischen Partei, die nach dem Abgang der Gründergeneration um Lucke erfolgt ist, im Kern dieselbe geblieben. Daß der Vorsitz einer Partei, die permanent in Flügelkämpfe verstrickt ist und die vom gesamten politischen System, vom Bundespräsidenten bis hinab zum Antifa-Schläger, mit allen nur erdenklichen Mitteln bekämpft wird, kein Zuckerschlecken sein wird, müßte jedem klar gewesen sein. Sich empört zu zeigen, wenn eine Partei, die bereits im Namen bekundet, eine Alternative zum herrschenden Parteienkartell zu sein, tatsächlich anders ist als die anderen Parteien, muß erstaunen. Trotz all dieser seit langem offensichtlichen Umstände den Parteivorsitz übernommen zu haben, muß Zweifel an der politischen Kompetenz Meuthens hervorrufen.

„Meuthens Rücktritt“ weiterlesen

„Und altes Leben blüht aus den Ruinen.“ Rekonstruktion in Architektur und Kunst seit 1990

Buchbesprechung von Werner Olles

„Und altes Leben blüht aus den Ruinen.“ Rekonstruktion in Architektur und Kunst seit 1990

Der Politikwissenschaftler und Kunsthistoriker Dr. Claus-M. Wolfschlag hat gemeinsam mit dem in Architektur-Bürgerinitiativen engagierten Daniel Hoffmann ein Buch vorgelegt, das sich mit den Architektur-Rekonstruktionen zwischen 1990 und 2020 beschäftigt. Zwar gehört Deutschland trotz der durch den alliierten Luftkrieg und Nachkriegsverschandelungen zerstörten Innenstädte zu den europäischen Ländern mit den meisten Altbauten. Vor allem in Mitteldeutschland findet der Besucher noch zahlreiche Klein- und Mittelstädte, die architektonische Örtlichkeiten aufweisen, die er als schön empfindet.

Doch besonders von jungen Leuten hört man immer wieder, daß viele deutsche Innenstädte ein Defizit an historischer Architektur und somit an urbaner Ästhetik aufweisen. Dies alles ist keineswegs nur die Folge der Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs, sondern auch der modernistischen Stadtplanungen in Jahren des Wiederaufbaus.

Tatsächlich ziehen Touristen, Immobilienkäufer oder Mieter historische oder zumindest historisierende Architektur, die sich in gepflegten Zustand präsentiert, modernistischen Neubauten vor. An diesem Punkt setzt die aktuelle Rekonstruktionsbewegung an, indem sie versucht, historische Bauten neu zu errichten. Es ist der Versuch, schöne Orte zu erschaffen und die von mißlungenen Planungen zerstörten Stadtbilder zu heilen.

Johann Wolfgang von Goethe, Geburtshaus Frankfurt am Main –
Alte Ansichtskarte

Die erste Welle der Rekonstruktionsbewegung fand in der unmittelbaren Wiederaufbau-Phase der Nachkriegszeit statt. Doch bereits bei der 1951 fertiggestellten Rekonstruktion des Goethe-Hauses in Frankfurt am Main kam es zum ideologischen Streit. So argumentierte der Links-Katholik Walter Dirks: „Es war kein Versehen, keine Panne der Geschichte, sondern es hat seine Richtigkeit mit diesem Untergang. Deshalb sollte man ihn anerkennen.“ Für den Wiederaufbau sprachen sich hingegen der Philosoph Karl Jaspers und der Nobelpreisträger und Schriftsteller Hermann Hesse aus. Letzterer erinnerte an den vitalen Verlust, „als welch trauriger Krankheitsherd sich die Zerstörung der historischen Städte erweisen wird. Es ist damit nicht nur ein großes, edles Gut vernichtet, eine Menge hoher Werte an Tradition, an Schönheit, an Objekten der Liebe und Pietät zerstört: es ist auch die bildende und durch Bilder erziehende Umwelt der künftigen Geschlechter und damit die Seelenwelt dieser Nachkommen eines unersetzlichen Erziehungs- und Stärkungsmittels, einer Substanz beraubt …“

Eine zweite Welle der Rekonstruktionsbewegung erfolgte nach dem Ende der Wiederaufbauphase ab Mitte der 1970er Jahre, als der immer stärker angewachsene Modernismus bereits überwunden schien. In Frankfurt am Main entstanden bis in die Mitte der 1980er Jahre die postmodernen Giebelhäuser der Saalgasse, die postmoderne Schirn-Kunsthalle und kaum einen Steinwurf entfernt die Fachwerkhäuser der Römerberg-Ostzeile.

Römerberg mit Gerechtigkeitsbrunnen von Joh. Hocheisen und Ostzeile. Die Ostzeile des Platzes wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und in den 1980er Jahren nach alten Vorlagen wieder aufgebaut.

Die dritte große Welle der Rekonstruktionsbewegung setzte dann nach der Wiedervereinigung von 1990 ein. So kam die deutsche Einheit gerade noch rechtzeitig vor dem drohenden Verlust zahlreicher historischer Stadtlandschaften in Mitteldeutschland. Es entwickelten sich von dort aus Impulse zu Rekonstruktionen bedeutender Bauwerke und Ensembles wie beispielsweise durch die „Gesellschaft historischer Neumarkt Dresden“ die sich für eine weitgehende Rekonstruierung des historischen Stadtzentrum des im Zweiten Weltkrieg grausam zerstörten Elbflorenz einsetzte. Die wiederaufgebaute Dresdner Frauenkirche und das vom SED-System gesprengte Berliner Stadtschloß sind Beispiele für den Erfolg von Rekonstruktions-Projekten in den mitteldeutschen Bundesländern.

Frauenkirche am Neumarkt von Südwesten, nachkoloriert, vor 1930

Diese drei Jahrzehnte der sogenannten dritten Welle der Rekonstruktionsgewegung ab 1990 werden im Buch mit einer Fülle an vorgestellten Bauwerken behandelt und auch bildlich dargestellt. Das Buch wendet sich dabei nicht nur an das Fachpublikum, sondern an alle interessierten Bürger, denen damit das Thema der Rekonstruktionen in Deutschland in seiner ganzen Bandbreite nahegebracht wird.

Zwar dominiert bis heute in den Neubausiedlungen „die ornamentlose Gleichförmigkeit“ (Claus-M. Wolfschlag), doch meldete sich Kritik an der modernistischen Architektur und Stadtplanung bereits in den 1960er Jahren, als Wolf Jobst Siedler seine Schrift „Die gemordete Stadt“ veröffentlichte und 1998 schließlich Léon Kriers Werk „Freiheit oder Fatalismus“ auf dem deutschen Buchmarkt erschien. Hinzu kamen viele weitere Bücher, Essays, und Artikel, die mahnende Worte gegen die monströsen Straßenbilder und modernistischen Tendenzen in der Architektur richtete. Wolfschlag ist jedenfalls optimistisch, daß die Dominanz des Modernismus zukünftig keinesfalls so deutlich bleiben muß. Irgendwann werde es zu einer Rebellion der jungen Generation des Hochschul- und Architektenapparates kommen und dadurch eine neue Baukultur entstehen. Eine geistige Revolution der Architektenschaft könne eine neue große Baukultur aus dem Geist der Historie schaffen, um Raum zu schaffen für die Schönheit, „die auch eine spirituelle Huldigung des Lebens ist“ (Wolfschlag). So lautet auch ein Zitat des großen Architekten Léon Krier: „Das Ideal einer schönen Stadt, eines schönen Hauses, von schöner Architektur ist nicht utopisch; Wir alle haben es in der Realität erfahren, und es lebt stark in uns fort. Wir haben dort ein Gefühl von Frieden gefunden, eine Möglichkeit, glücklich zu sein, den Traum von Wohlbefinden. Aus dieser Sicht sind Aufbau und Pflege unserer Heimat die höchsten Ziele menschlichen Strebens. Ein schönes Dorf, ein schönes Haus, eine schöne Stadt kann für uns alle ein Zuhause werden, eine universale Heimat. Wenn wir dieses Ziel aus den Augen verlieren, schaffen wir unser eigenes Exil auf Erden.“

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist olles-werner.jpg.
Werner Olles

Werner Olles

Werner Olles, Jahrgang 1942, war bis Anfang der 1980er Jahre in verschiedenen Organisationen der Neuen Linken (SDS, Rote Panther, Jusos) politisch aktiv. Nach grundsätzlichen Differenzen mit der Linken Konversion zum Konservativismus und traditionalistischen Katholizismus sowie rege publizistische Tätigkeit in Zeitungen und Zeitschriften dieses Spektrums. Bis zu seiner Pensionierung Angestellter in der Bibliothek einer Fachhochschule, seither freier Publizist.

Autor der Bücher:

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist 9783938176726.jpg.

Grenzgänger des Geistes. Vergessene, verkannte und verfemte Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist 9783938176863.jpg.

Feindberührungen – Wider den linken Totalitarismus!

Der Corona-Protest und die politische Rechte: eine staats- und systemkritische Bewegung

von Dr. Jens Woitas

Der Corona-Protest und die politische Rechte: eine staats- und systemkritische Bewegung

Das unerwartete Auftreten einer breiten Protestbewegung gegen die Corona-Politik hat – wahrscheinlich nicht nur für mich – den Eindruck einer Wiederauferstehung des deutschen Volkes als einer politischen Kraft hervorgerufen. Mehr als tausend Demonstrationen pro Woche, in einigen Großstädten mit fünfstelligen Teilnehmerzahlen, aber auch mit einer deutlich sichtbaren Präsenz in vielen Klein- und Mittelstädten und sogar in Dörfern, das hat es seit der Novemberrevolution von 1918 in der deutschen Geschichte allenfalls in Gestalt gelenkter Kundgebungen in Diktaturen gegeben. Die Breite und Tiefe der Corona-Proteste übertreffen, auch wenn man diesen Vergleich nicht überziehen darf, sogar den Herbst 1989 in der DDR. Obwohl Corona-Maßnahmen und Impfpflicht als Aufhänger für die Proteste dienen, handelt es sich, wie ich später noch ausführen werde, im Kern um eine staats- und systemkritische Bewegung. Es ist deshalb aus meiner Sicht wichtig, aus einer „rechten“ politischen Perspektive heraus zu untersuchen, in welcher Beziehung die Corona-Proteste zur vorhandenen rechten Opposition stehen und vor allem, wie sich dieses Verhältnis zum beiderseitigen Nutzen fortentwickeln kann.

„Der Corona-Protest und die politische Rechte: eine staats- und systemkritische Bewegung“ weiterlesen

Heimat ist Geographie, Kultur, Vertrautheit und Kindheit

von Wolfgang Dvorak-Stocker

Heimat ist Geographie, Kultur, Vertrautheit und Kindheit

Heimat – eine Grundvoraussetzung menschlicher Entfaltung

Die Identität eines Menschen setzt sich aus verschiedenen Quellen zusammen, aus familiären und beruflichen, ganz wesentlich auch aus seinen Hobbys, Interessen und Überzeugungen. Der Jäger, der zu jeder Jahreszeit und bei jeder Witterung im Revier ist, der regelmäßige Besucher der Sonntagsmesse, der Aktivist, der keinen Maiaufmarsch und keine Aktion seiner politischen Ortsgruppe ausläßt, der Fußballfreund, der die Sonntage im Stadion verbringt, oder der Sammler alter Orden, der mit Spezialisten im ganzen deutschen Sprachraum und in der halben Welt korrespondiert, sie alle teilen mit einer ganz spezifischen Gruppe besondere Erlebnisse und Erfahrungen, die Außenstehenden weitgehend verborgen bleiben, die aber doch ihre Identität in entscheidender Weise prägen. Doch alle diese Bestandteile der Identität sind selbstgewählt.

Natürlich gibt es auch andere Quellen unserer Identität, die wir nicht oder nur in besonderen Ausnahmefällen selbst wählen können, etwa die der Zugehörigkeit zu einem bestimmten Volk, einem Staat oder einem Geschlecht. Dieser Artikel soll aber ausschließlich dem Heimatbegriff gewidmet sein. In verschiedenen deutschen Bundesländern ist die Erziehung der Jugend zur „Liebe zu Volk und Heimat“ immerhin sogar als Verfassungsziel festgeschrieben!1

„Heimat ist Geographie, Kultur, Vertrautheit und Kindheit“ weiterlesen