Ukraine und der Krieg: Wo der Feind steht

von Klaus Kunze

Ukraine und der Krieg: Wo der Feind steht

Dem russischen Herrscher Putin ergeht es wie Wallenstein, über den ein Dichter später treffend schrieb: Von der Parteien Haß und Gunst verzerrt schwankt sein Charakterbild in der Geschichte.

Für linksliberale Gutmenschen ist die Sache ausgemacht: Wladimir und Adolf hängen Seit an Seit im Gruselkabinett der Weltgeschichte. Beide verkörpern vorbildlich den Typus des Machtmenschen und Tyrannen, der bedenkenlos über Leichen geht.

Auf der politischen Rechten hingegen herrscht Verwirrung. Da schreibt jemand auf Facebook:

Der russische Präsident Wladimir Putin hat am Mittwoch während eines im nationalen Fernsehen übertragenen Treffens mit seinen Ministern eine strenge Warnung an russische „Verräter“ ausgesprochen. „Das russische Volk wird immer in der Lage sein, wahre Patrioten von Abschaum und Verrätern zu unterscheiden und sie auszuspucken wie eine Mücke, die versehentlich in ihren Mund gelandet ist“, sagte er.

„Ich bin überzeugt, dass diese natürliche und notwendige ‚Selbstreinigung‘ der Gesellschaft unser Land, unsere Solidarität, unseren Zusammenhalt und unsere Fähigkeit, jede Herausforderung zu meistern, nur stärken wird“, schloß er laut Berichten der Nachrichtenagentur Reuters.

Facebook-Beitrag

Solche Töne schmeicheln den Gehörknöchelchen Deutscher, die sich selbst für die einzigen echten Patrioten und alle anderen für Abschaum und Verräter halten. Manche zollen Putin klammheimliche Zustimmung. Schließlich sucht er ein großrussisches Reich neu zu errichten, vielleicht ganz ähnlich dem Großdeutschen Reich. Auch in jenem gab es, was Putin als notwendige Selbstreinigung der Gesellschaft bezeichnet hatte. Wenn Putin seine Großmachtträume noch unter antiliberalen Beschwörungen vorträgt, lauschen ihm manche hingerissen und wünschen sich für Deutschland auch einen kleinen Putin.

Es geht um globale Strategie: Völker haben keine Freunde

Putin ist aber keineswegs unser Freund, ebensowenig wie sein amerikanischer Gegenspieler Biden. Völker haben keine Freunde. Die USA wie auch Rußland benutzen Völker und Volkswirtschaften wie Bauern auf einem Schachbrett. Die USA können nur gewinnen: Sie schoben ihren ukrainischen Bauern auf ein Feld vor, das ihnen eine unmittelbarer Bedrohung der russischen Verteidigungsstellung ermöglichen würde. Diesen Bauern mußte Putin als Gegenspieler unbedingt abtauschen, um seine Stellung nicht – aus seiner Sicht – hoffnungslos eindrücken zu lassen.

Es geht ausschließlich um Strategie. Die westliche Propaganda von der Verteidigung der freien Welt und so weiter bildet das Spiegelbild der östlichen Propaganda, in der das christliche heilige Mütterchen Rußland um seine Existenz ringt. Wie jeder Krieg polarisiert auch dieser die Gemüter. Die meisten fallen auf die eine oder andere Seite der Propaganda herein.

Den Amerikanern auf den Leim gegangen

Wo also steht für uns der Feind? Wir erkennen ihn daran, daß seine Existenzweise mit unserer eigenen nicht koexistieren kann, ohne daß die eine oder andere in ihrem Kern vernichtet wird. Lassen wir uns nicht von “Haß und Gunst” verwirren. Wir Deutsche und an unserer Seite die mit uns historisch eng verbundenen europäischen Völker sind – global betrachtet – nicht von Freunden umgeben. Wir werden von zwei Feinden in die Zange genommen: den USA und Rußland. Wir sind Bauern, die man auch mal ohne zu zögern opfern kann.

Es waren strategische Entscheidungen der USA, die Ukraine nicht zu lassen, wie sie war, sondern als neue Bastion “des Westens” aufzubauen. Dahinter stehen Interessen, ihren Finanzkapitalismus global durchzusetzen und die Welt mit den sanften Methoden der Geldmacht zu lenken. Indem sie die Ukraine zum Stachel im Fleisch der Russen machten, konnten sie nur gewinnen: Ließ Putin das zu, nahm er eine geostrategische Nischenexistenz Rußlands in Kauf, in allen vier Himmelsrichtungen umgeben von US-Basen oder Vasallen. Griff er aber zu den Waffen, konnte er politisch nur verlieren: Sofort scharten sich die Europäer zusammen wie ein Hühnerhaufen, wenn der Habicht kommt, und unterwarfen sich der US-Führung. Strategisch ging Putins Schuß in vielfacher Weise nach hinten los. Er hat die Lage in Europa und in der Ukraine falsch eingeschätzt. Und die nicht überzeugende Kampfkraft seiner Armeen haben US-Strategen offenbar vorher besser vorausgesehen als Putin selbst. Er hat seine militärische Macht überschätzt, die Entschlossenheit der Ukrainer unterschätzt und ist den USA auf den Leim gegangen.

Rein zufällig brach schon des öfteren plötzlich ein Krieg aus, wenn die USA gerade mit einer Wirtschafts- oder Finanzkrise zu kämpfen hatten. Natürlich waren sie immer die Guten – zumindest aber die besseren: Schachspieler.

Die USA sind keine Freunde der europäischen Völker. Den Machtambitionen ihres global agierenden Finanzkapitalismus stehen alle Völker und Staaten tendenziell im Weg. Ihre angestrebte Weltordnung soll nur noch der Macht des Geldes folgen, also derjenigen Menschen und Menschengruppen, die über dieses Geld verfügen. Finanzoligarchen gibt es nicht nur in der Ukraine und Rußland, sondern in den USA schon viel länger. Während Rußland den Völkern nur ihre Freiheit raubt, rauben sie ihnen die Seele und treiben sie als Völker der Auflösung als multikulturelle Verbrauchermassen entgegen.

Und der Leim der Russen?

Wer sich dagegen Putins Rußland als ideologischem Vorbild oder gar Retter europäischer Traditionen an den Hals werfen möchte, erkennt nicht seine Position als Weizenkorn zwischen zwei Mahlsteinen. Damit ist Putins Rußland auch kein politisches Vorbild für unser Land.

Einem uralten Witz zufolge ist in Deutschland alles erlaubt, was nicht verboten ist, in Frankreich alles erlaubt, selbst wenn es verboten ist, in Rußland aber alles verboten, selbst wenn es erlaubt ist. Dort regierte seit ältester Zeit nur die Knute über ein Volk, das sich diese Knute gefallen ließ, ganz gleich unter welcher Fahne. Unsere Ideen geistiger und politischer Freiheit und Selbstbestimmung sind dort noch nicht flächendeckend gekeimt. Während im Liberalismus “westlicher” Herkunft die Gemeinschaft nichts gilt, das ungehemmte Sichausleben des Individuums aber alles, war es in Rußland immer genau umgekehrt: Du bist ein Nichts, der Staat ist alles!

Beide Extreme entsprechen aber nicht unseren Traditionen und Bedürfnissen. Wir benötigen zwischen den Ansprüchen des Individuums und der Gemeinschaft, in die es hineingeboren wurde, ein ausgewogenes und je nach historischer Lage neu auszutarierendes Verhältnis. Herrschaft der Knute und willigen Kadavergehorsam hat es in Deutschland niemals gegeben.

Weder die russische Tyrannei noch Putin persönlich eignen sich als Vorbild für Deutschland. Wer befürchtet, schachmatt gesetzt zu werden, muß darum nicht zwangsläufig über ein Nachbarland herfallen und auch Frauen und Kinder mit Raketen beschießen. 1945, 1953, 1956, 1968 und immer wieder: Ich habe von russischen Panzerketten die Nase voll. Mir fällt dazu nichts Entschuldigendes ein. “Heute entnazifizieren wir die Ukraine” – und “morgen die ganze Welt”? Bevor Putin auf dumme Gedanken kommt, unsere überall Nazis sehende linke Regierung beim Wort nimmt und Deutschland mal eben mit seinen Panzern “entnazifizieren” kommt, hält ihn vielleicht die Ukraine noch auf.

Sind die Ukrainer ein Volk?

Zu unseren Traditionen zählt auch, das Recht der Völker auf nationale Selbstbestimmung anzuerkennen. Wir haben es für uns schließlich auch immer reklamiert und Deutschlands Wiedervereinigung gefordert. Putin-Versteher wenden heute ein, die Ukrainer seien gar kein Volk, sondern Russen. Sie greifen dabei historisch gern zurück bis auf die Kiewer Rus. Ihre Argumente ähneln panslawistischen Positionen.

Doch wodurch wird ein Volk zum Volk? Die gemeinsame Sprache allein verhindert nicht die Entstehung eines eigenständigen neuen Volks. Ich bedauere heute noch die Abspaltung der Niederlande, besiegelt 1648, von Deutschland. Das Reich und die anderen Deutschen hatten die von Spanien besetzten niederen Lande im Stich gelassen. So setzten sich erst die niederländische Schriftsprache und das Bewußtsein durch, ein eigenes Volk zu sein.

Sprachlich ist das Ukrainische vom Russischen so weit entfernt wie das Niederländische vom Hochdeutschen. Die Volksabstimmung über die ukranische Unabhängigkeit erbrachte 1991 selbst in den Gebieten eine große Mehrheit dafür, in der zu Stalins Zeiten flächendeckend Russen angesiedelt worden waren. Auf diese Neugeburt ukrainischen Eigenbewußtseins folgte seit dem 24. Februar 2022 die zweite. Die russischen Angriffe nehmen keine Rücksicht darauf, welche Sprache die Bewohner zerbombter Häuser wohl sprechen. Not schmiedet zusammen.

Durch gemeinsam erlittenes Schicksal formen sich Bevölkerungen zu Nationen. Auch der deutsche Nationalismus entstand, als erst die Truppen der französischen Revolutionäre, später Napoleons, ein deutsches Gebiet nach dem anderen eroberten. Schon seit Jahrhunderten waren sich die Deutschen darüber klar, als Deutsche ein Volk zu sein. Das hatte aber in Zeiten des Heiligen Römischen Reiches keine politische Relevanz besessen. Erst die Not ließ den Gedanken aufblühen, eine Nation zu bilden und im Schicksal vereint zu sein.

Der russische Angriff schmiedete die Ukrainer zu einer Nation zusammen, in der nicht mehr nach Sprache oder Dialekt gefragt wird. Sicherlich wird das Geschehen langfristig dazu führen, sich vom Russentum innerlich abzuwenden und abzugrenzen, selbst wo russisch geredet wird. Der entstehende Mythos des gemeinsamen Kampfes wird das vergessen lassen. Die Funktion des neuen ukrainischen Nationalismus besteht in seiner Befreiung vom russischen Joch, den einrollenden Panzern und der drohenden Knute. Er ist ein Befreiungsnationalismus.

Damit erweisen sich die Ukrainer den Deutschen als wesensverwandt, die sich noch als Patrioten verstehen. Hat man für sein eigenes Volk die Entscheidung getroffen, ihm Unabhängigkeit und Selbstbestimmung zu wünschen, kann man niemals innerlich unbeteiligt bleiben, wenn ein Nachbarvolk das auch möchte. Es gilt darum in Europa einen Großraum zu schaffen, in dem freie Völker Seite an Seite in freier Selbstbestimmung leben können. Er wird langfristig die Ukrainer einschließen, die großen Schachspieler in West und Ost aber ausschließen müssen.

Gleiches Schicksal

Wir teilen mit den ukrainischen Flüchtlingen ein Schicksal, wie es die Generation unserer Eltern und Großeltern 1945 auch erfahren hatten. Festung Breslau – Festung Mariupol, flieht, oder laßt euch massakrieren, wie sich die Bilder ähneln!

Von den Bleibenden nehme eine Waffe in die Hand, wer immer eine zu tragen vermag. Der nackte Überlebenskampf hat in Deutschland ganze Generationen traumatisiert. Nachgeborene Generationen haben mit sekundärer Traumatisierung zu kämpfen. Es gibt kollektive Wunden, die in hundert Jahren nicht heilen wollen.

Die einen Traumatisierten drifteten nach links außen, erklärten aller Welt offiziell die Freundschaft, ließen Friedenstauben aufsteigen, bilden Lichterketten und Stuhlkreise. 2022 hat die Wirklichkeit sie ein- und die verdrängte Realität hervorgeholt. Andere Traumatisierte zogen aus den Schrecknissen von 1945 den Schluß, niemals mehr wehrlos dastehen zu wollen, manche sehnten sich gar zu ihrem Schutz nach einem besonders starken, beschützenden Staat. Die Rechte wie die Linke und ihre Polarisierung bildet auch eine Spätfolge traumatischer Ereignisse.

Siegt Putin, wird einst in den Geschichtsbüchern ukrainischer Kinder stehen, ihre Väter und Mütter seien Verbrecher gewesen, und er habe sie vom Faschismus befreit. Selenski, wird es dann heißen, habe selbst Jugendliche “sinnlos verheizt”. Siegt aber die Ukraine, wird ein Heldenmythos entstehen, der Jahrhunderte anhalten und ganz Europa emotional und geistig beeinflussen kann.

Dieser Artikel erschien auch auf der stets lesenswerten Internetseite von Klaus Kunze: http://klauskunze.com/blog/2022/03/18/wo-der-feind-steht/

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Klaus Kunze



Klaus Kunze, seit 1984 selbständiger Rechtsanwalt in Uslar, von 1970-71 Herausgeber eines Science-Fiction-Fanmagazins, von 1977 bis 1979 Korrespondent der Zeitung student in Köln, seit 1978 diverse Beiträge in genealogischen und heimatkundlichen Fachzeitschriften, seit 1989 Beiträge für politische Zeitschriften wie u. a. die Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT

Autor der Bücher:

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6 Kommentare zu „Ukraine und der Krieg: Wo der Feind steht

  1. Es tut mir schrecklich leid, aber Rußland ist keinesweg über ein Nachbarland „hergefallen“ und die arme Ukraine ist auch nicht das Opfer, dem mit allen Mitteln, auch militärischen(Waffen und Freiwilligen) geholfen werden muß, und das banale Schema (Westen und Ukraine gut – Rußlandund Putin böse“ sollten wir doch bitteschön unserer Lückenpresse überlassen. Was mir auffällt und mich gewaltig stört, ist, daß Herr Kunze kein einziges Mal die Frage stellt, warum Rußland einmarschiert ist, aber wenn man nicht versteht, wie ein Krieg entsteht, dann kann man auch keine Lösung finden.
    Tatsächlich liefert Rußland immer noch Gas in die Ukraine, die Elektrizitäts- und Wasserkraftwerke wurden nicht zerstört, wie in den völkerrechtswidrigen Angriffskriegen der USA und der Nato gegen Serbien, Irak und Libyen. Wenn man es genau nimmt, ist Putin dem sauberen Herrn Selenskyi nur zuvorgekommen, denn dieser erließ vor einem Jahr ein Dekret, daß die Rückeroberung der Krim zum Ziel hatte und verschob seine im übrigen ziemlich unfähige Armee in Richtung Süden und Südosten zum Donbas. Daß die Russen einen Abstand zwischen Nato und Rußland ist angesichts des Aggressionspotentials der Nato höchst verständlich Nicht zu vergessen die Offensive der ukrainischen Armee gegen die beiden Republiken im Donbas, in deren Folge über 100.000 Menschen nach Rußland flüchten mußten. Putins Anerkennung der beiden Republiken inklusive eines Abkommens über Freundschaft und Zusammenarbeit schuf die rechtliche Grundlage, ihnen mit militärischen Mitteln zu Hilfe zu kommen. Inzwischen haben die Russen die ukrainische Armee im Bereich Donbas und Mariupol eingekesselt und damit neutralisiert.
    Bleibt noch die Entnazifizierung: Das für seine Brutalität berüchtigte Asow-Regiment steht zwar unterukrainischem Kommando, besteht jedoch aus 19 Nationalitäten, ist also eine Fremdenlegion aus Franzosen, Schweizern, Deutschen, Amerikanern, islamischen Dschihadisten und jeder Menge russophober, fanatischer Rechtsextremisten. Inzwischen kehren die ersten freiwilligen „Helden“ in ihre Heimatländer zurück, nachdem sie gemerkt haben, daß sie von der ukrainischen Führung als billiges und williges Kanonenfutter mißbraucht werden. Übrigens hatte die Ukraine im WK II eine eigene 14.SS-Panzergreandierdivision „Galizien“, die sich besonders bei Massakern an Polen und Juden hervortat.
    Ganz abgesehen davon haben sowohl der Westen als auch die Ukrainejeden Vertrag verletzt, der mit Rußland geschlossen wurde. und schließlich den Krieg immer mehr provoziert. All diese kleinen Details gehören eben dazu, sonst versteht man nicht, was sich dort abspielt. Ob Putin gut oder schlecht ist, steht überhaupt nicht zur Debatte, aber so, wie er im „freien Westen“ beurteilt wird, ist es schlicht falsch. Im übrigen verletzt Russophobie den Artikel 20 des Uno-Paktes über bürgerliche und politische Rechte, der sowohl Kriegspropaganda als auch hetze gegen andere Völker verbietet. In diesem Sinne muß man sich fragen, ob die Nato eigentlich eine „defensive Allianz“ oder nicht eher ein Instrument der Aggression ist. Auf jeden Fall ist ihre Expansion bis an die Grenze Rußlands reine Androhung, brachiale Machtpolitik und imperiale Arroganz. Genau dieses Bedrohungsszenario hat Putin veranlaßt die Reißleine zu ziehen und die systematische Einkreisung durch die „Westliche Wertegemeinschaft“ ein für allemal zu beenden. Die Ukraine müßte einsehen, daß sie von den USA und der Nato instrumentalisiert wird und sich stattdessen unilateral als neutral erklären. Falls dies nicht erfolgt, dürfte Europa zum atomaren Schlachtfeld werden werden . Was wir in Deutschland jedoch brauchen ist eine differenzierte Analyse dieses Konflikts, wozu auch gehört, zu verstehen, daß es schon immer die Politik der USA war eine enge Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Rußland zu verhindern, die allein den Frieden garantieren könnte. Und als letztes Schmankerl: Das lächerlich schwache Europa braucht nichts dringender als einen starken Hegemon, und wenn man dem westlichen Narrativ nicht blind folgt, kann dies nach Lage der Dinge nur Rußland sein. Oder wollen wir die Russen endgültig in die Arme Chinas treiben und uns von einem senilen Greis in Washington oder dem Kriegstreiber Selenskyi vorschreiben lassen, woher wir unser Gas beziehen?

    Werner Olles

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  2. „Ukraine und der Krieg: Wo der Feind steht“

    Herr Kunze, nach zweimaligen Lesen Ihres Beitrages, weiß ich immer noch nicht was sie damit sagen wollen. Wenn Ihrer Überschrift eine Frage ist, so haben sie diese nirgends und zu keinem Zeitpunkt beantwortet. Wenn er eine Erklärung zu den Positionen des Feindes sein soll und wo er zu finden ist, so sucht man auch hier vergebens. Russland jedenfalls ist es nicht, auch wenn sie immer wieder versuchen eine jahrhundertelange Feindschaft zwischen Deutschland und Russland zu konstruieren. Für die überwiegende Zeit ist das Gegenteil richtig. Die von Ihnen vorgebrachten Beispiele sind unhistorisch. In Ihrer konstruierten Schicksalsgemeinschaft von Ukrainern und Deutsche bezüglich Flucht, die „sich ähneln“, bringen Sie Dinge zusammen, die einfach nicht zusammengehören.

    Nach 1945 fand an der deutschen Bevölkerung eine millionenfache Vertreibung statt, damals für die Menschen mit ungewissem Ausgang. Jederzeit hatten sie auf Ihren Märschen nach Westen mit ihrer Ermordung zu rechnen, ungewiss war auch, was sie erwarten konnten und wo sie eine neue Heimat werden finden können. Hilfen konnten sie nur vereinzelt erhalten. Angekommen im Westen, mussten sie in Lagern hausen und erst nach schwerer Arbeit, stellte sich in den 50er eine langsame Verbesserung ihrer Lage ein. Vertreibung ist aber etwas anderes als Flucht. Diesem Schicksal sind viele Ukrainer tatsächlich ausgesetzt, allerdings erhalten sie erfreulicher Weise dabei vielfältiger Unterstützung aus dem Westen. Bus- und LKW-Konvois holen die Menschen teilweise direkt in der Ukraine ab. Die Versorgung mit Medikamenten und Lebensmittel ist in der Regel gewährleistet. Bei der Ankunft in Europa erleben sie eine Welle großer Hilfsbereitschaft, was wir alle begrüßen und teilweise unterstützen. Es bleibt die Frage, wann und wo unsere Großeltern derartige Mitmenschlichkeit erlebt haben? Tut mir echt leid, aber Ihre Vergleiche zeugen doch von erheblichen Verwirrungen.

    Auch vom Schachspiel haben sich nicht gerade die größten Kenntnisse. Die USA haben für dieses Spiel tatsächlich viele Figuren, wo aber sind die Bauern und Offiziere von Russland? Allenfalls könnte man Russland als einen Bauer im Schachspiel der Kommunistischen Partei Chinas sehen. Der einzige Spieler der hier ernsthaft antreten könnte.

    Kein Wort von Ihnen zur Politik Chinas. Kein Wort über langfristige Strategien der KPCH. Dazu muss man aber etwas sagen, wenn man erklären will „wo der Feind steht“. Peking interessiert sich für die russische Militärtechnologie, einschließlich den russischen Atomwaffen. Weiter sind sie am Energie- und Rohstoffreichtum Russlands interessiert, wie auch kriegstreiberische Falken in Washington und Brüssel.
    Erwähnung müsste auch die angestrebte militärische Zusammenarbeit finden. Peking hat in den vergangenen Monaten Russland massiv dabei unterstützt, einer geplanten NATO-Osterweiterung entgegen zu wirken. Wenn Sie von „globalen Strategien“ reden wollen, müssen Sie zur Rolle Chinas und seinem Steben nach Hegemonie zwingend etwas sagen. Gerade der Ukraine Krieg spielt China in die eignen Hände.

    Zur beschriebenen Knute die Russland über sein Volk und die angrenzenden Völker schwingt, wogegen unsere „Ansprüche des Individuums und der Gemeinschaft stehen“, die darin gipfeln, dass es „in Deutschland, niemals willigen Kadavergehorsam gegeben hat“, kann ich nur lachen. Seit 2 Jahren erlebe ich gerade das Gegenteil.

    In den Ausführungen zur Bildung einer Nation und des ukrainischen Nationalismus sehen sie „eine Wesensverwandtschaft von Ukrainern und Deutschen“. Ist echt starker Toback! Auch hier werden historische Ereignisse miteinander verknüpft, die nicht zusammengehören. Die Abspaltung der Niederlanden 1648, wird in einen egalitären Zusammenhang mit der „Neugeburt ukrainischen Eigenbewusstseins“ gestellt, welche mehr als 3 Jahrhunderte später stattfand. Angeführt wird eine vermeintliche sprachliche Verwandtschaft von niederländisch und deutsch, sowie ukrainisch und russisch. Konstruktionen die erneut nicht passen und historisch wie lingistisch falsch sind. Ich habe 2002 bis 2004 in der Ukraine gearbeitet. Die ukrainische Sprache, wenn man davon überhaupt reden kann, ist weit mehr mit dem Russischen verwandt als das Niederländische mit dem Deutschen. Übrigen hat im genannten Zeitraum 2002-2004, niemand den Begriff „ukrainische Sprache“ benutzt. Jedenfalls hat mein russischsprachiger Kollege, immer mit den Ukrainern Russisch gesprochen. Hierzu gab es nie einen Widerspruch. Ist doch eigenartig, wenn doch die Sprache ein Merkmal der Nationenbildung sein soll?

    Abschließend zur Frage wo sind die Ursachen des Krieges zu sehen. Das konservative US-Magazine Chronicles stellt in seiner Ausgabe vom 10.03.2022 dazu genau die richtige Frage (Autor Patrick Buchanen)
    „Hat das Trollen der Ukraine um die Mitgliedschaft in der NATO Putins Krieg ausgelöst?“ Es zitiert das Wall Street Journal vom Freitag, 04.03.22 welches schreibt: „Die russische Invasion in der Ukraine resultierte aus zwei immensen strategischen Fehlern, sagt (der russische Historiker) Robert Service. Der erste geschah am 10. November 2021, als die USA und die Ukraine eine Charta zur strategischen Partnerschaft unterzeichneten, die Amerikas Unterstützung bestätigte und für Kiews Recht auf Mitgliedschaft in der Organisation des Nordatlantikvertrags in Aussicht stellt. Dieser Pakt machte es wahrscheinlicher denn je, dass die Ukraine schließlich der NATO beitreten würde – eine unerträgliche Aussicht für Wladimir Putin. „Das war der letzte Strohhalm“, sagt Mr. Service. Danach begannen sofort die Vorbereitungen der sogenannten militärischen Spezialoperation Russlands in der Ukraine.“

    Was wird in diesem perfiden Spiel der USA deutlich? Für Deutschland kann das nur heißen sich von allen aktuellen Konfliktparteien fernzuhalten. Ein Thema das hier gesondert zu behandeln wäre.

    Peter Backfisch

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  3. Ich kann Werner Olles‘ Kommentar hier nur zustimmen. Ich bin wirklich negativ überrascht, wie viele Rechte den westlichen Narrativen auf den Leim geben, dies sogar noch als „nationalen Befreiungskampf“ oder als „Verteidigung Europas“ etc. feiern. Das ist in höchster Form kurzsichtig. Die westliche Einmischung zeigt, dass es gerade nicht darum geht, sondern dass hier ein liberal-globalistischer Staat im (bisherigen) Entstehen gegen eine anti-globalistische Macht kämpft. Es geht nicht um imaginierte Völkerfreundschaften, die Herr Kunze unterstellt. Es geht eher um einen globalen Kulturkampf. Wer sich heute aus kurzsichtigen Affekten heraus einseitig pro-ukrainisch positioniert, der redet denen das Wort, die morgen LGBT-Paraden in Kiew veranstalten wollen. Es geht um Verwestlichung, um Hegemonie und um Kulturimperialismus, denen auch wir unterworfen sind. Wer Selenskyj & Co feiert, der feiert genau diese Unterwerfung mit.

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  4. „Auf der politischen Rechten hingegen herrscht Verwirrung.“ Schreibt Klaus Kunze. Sein eigener Beitrag hat aber auch nicht unbedingt zur Klarheit beigetragen. „Völker haben keine Freunde.“ Wußte schon Bismarck. Kunze erklärt uns dies noch einmal. Und welche Schlußfolgerungen zieht er daraus? Völker haben keine Freunde, sondern Interessen? Die sie mit anderen politischen Mächten gemeinsam verfolgen. Deutschland und Rußland haben nicht nur, aber vor allem energiepolitisch gemeinsame Interessen, was nicht heißt, daß sich Deutschland nicht auch nach anderen Kohle-, Erdgas- und Erdöl-Anbietern umsehen kann. Auch geopolitisch ließen sich in Osteuropa deutsche und russische Interessen friedlich ausgleichen, etwa durch eine Neutralisierung der Ukraine, indem führende europäische Staaten, vor allem Deutschland und Frankreich, aus der NATO austreten, eine eigene europäische Verteidigungsgemeinschaft schaffen. Indem wir die Amis aus Europa rausdrängen, gäbe es weniger Spannungen zwischen uns und den Russen.
    Dies alles ist nicht das Themenfeld, das Kunze bespricht. Ihm geht es um „Menschliches, Allzumenschliches“ (Nietzsche). Ja, ich bin privat auch ein einfach gestrickter Moralapostel: Die Russen sind schon immer grob gewesen, behandeln Oppositionelle schlecht. Als politischer Denker halte ich es mehr mit Machiavelli, Carl Schmitt, Hegel, Niekisch, Lenin und Marx. Das heißt, was in Rußland innenpolitisch geschieht, mag für uns als eingefleischte Morralapostel interessant sein, aber nicht für die Frage außenpolitischer, geopolitischer und energiepolitischer Interessen. Die Moralschwurbler haben bei dieser Frage einfach mal zu schweigen. Oder, mit Hegel, gesagt: „Ein Staat soll sich nicht in der inneren Angelegenheiten des anderen mischen.“. Insofern ist Kunzes Behauptung, Putin sei „kein politisches Vorbild für unser Land“, gegenstandslos.

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  5. Lieber Werner Olles,

    Sie hauen aber auch Klopse heraus! „Das lächerlich schwache Europa braucht nichts dringender als einen starken Hegemon, und wenn man dem westlichen Narrativ nicht blind folgt, kann dies nach Lage der Dinge nur Rußland sein. Oder wollen wir die Russen endgültig in die Arme Chinas treiben und uns von einem senilen Greis in Washington oder dem Kriegstreiber Selenskyi vorschreiben lassen, woher wir unser Gas beziehen?“ Das tut richtig weh. Was hat Sie da nur geritten? Ich will weder von einem „senilen“ Biden noch von einem knallharten Putin gegängelt werden. „Das lächerlich schwache Europa“ braucht nichts weniger als irgendeinen Hegemon, es braucht endlich den Mut, keinen Hegemon auf seinem Gebiet mehr zu dulden, sich auf sich selbst zu besinnen, sich selbst anzunehmen und – die verfluchte EU und NATO hinter sich lassend – eine Eidgenossenschaft freier Völker (auch der Ukrainer, die haben ebenfalls ein Recht auf Selbstbestimmung, selbstverständlich!) – das de Gaulle’sche „Europa der Vaterländer“ – zu gründen! So ein Europa wäre ebenso stark als reich, könnte auf Augenhöhe mit Rußland kooperieren, ohne es zu bedrohen. Alle würden dabei gewinnen und die Russen nicht in die Arme Chinas getrieben werden. Und die Amis? Sollen endlich heim- und in sich gehen, ihre eigenen Felder bestellen, den Indianern Wiedergutmachung leisten und den Rest der Welt in Ruhe lassen.

    Mit trotzdem freundlichem Gruß („Grenzgänger des Geistes“ ist klasse!)

    Jupp Koschinsky

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