Ukraine-Krieg und Star-Wars-Dualismus

von Dr. Florian Sander

Ukraine-Krieg und Star-Wars-Dualismus

Seit dem 24. Februar dominieren sie wieder das Bild in den sozialen Netzwerken: die Flaggen auf Profilbildern. Dieses Mal: Blau und Gelb. Sie zieren verschiedenste Fotos, die es meist vorher schon gab. Schnell wurde dann eines – vermutlich bereitgestellt durch irgendeine App – hinzugefügt, was das gleiche Motiv, jedoch ergänzt durch die blau-gelbe Flagge enthält. Volle Solidarität durch Mausklick oder wenige Berührungen eines Touchscreens. Zugleich: Lob und Wohlwollen durch das ähnlich tickende soziale Umfeld, das umgehend liked und positiv kommentiert.

Die Restmotive auf dem Bild sind dabei erstaunlich vielfältig. Menschen, die im Schlabbershirt auf einem Campingstuhl sitzen, Jahre zuvor aufgenommen, vermutlich zu einer Zeit, zu der der Abgebildete nicht hätte sagen können, ob „Mariupol“ eine Stadt ist, ein Computerspiel oder eine Metal-Band. Das Bierchen in der Hand, die Sonnenbrille auf, und nachträglich die Solidarität erklärt. Mal eben so. Vom Campingstuhl aus, Jahre zuvor. Aha.

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Günter Maschke: eine Hommage an Ernst Jünger, den Anarchen, den Waldgänger, den Ästheten des Schreckens

von Günter Maschke

Günter Maschke: eine Hommage an Ernst Jünger, den Anarchen, den Waldgänger, den Ästheten des Schreckens

Die folgende Rede wurde 1982 anläßlich der Verleihung des Goethe-Preises für Hilmar Hoffmann, einen führenden Kulturfunktionär der Stadt Frankfurt am Main geschrieben, der der Verleihung des Goethe-Preises an Ernst Jünger zugestimmt hatte und sich danach scharfer Kritik aus den Reihen seiner Parteifreunde konfrontiert sah. Die von Anfang an geringe Chance, daß diese Rede auch gehalten würde, konnte nicht genutzt werden. Hätte der damalige Ghost-Writer Günter Maschke sie in eigener Regie gehalten, wäre sie hier und da wohl deutlicher und weniger um Verständnis werbend ausgefallen. Der heutige Leser soll also den Anlaß ebenso bedenken wie den alten Satz Georg Lukacs‘: „Eine Rede ist keine Schreibe.” Erstveröffentlicht wurde diese Hommage an Ernst Jünger aus der Feder von Günter Maschke in der sehr zu empfehlenden Zeitschrift „Etappe – Magazin für drakonisches Denken”.

Günter Maschke (* 15. Januar 1943 in Erfurt; † 7. Februar 2022 in Frankfurt am Main)

Mit der Verleihung des Goethe-Preises an Ernst Jünger ehrt die Stadt Frankfurt am Main den letzten großen Überlebenden aus der Generation von Gottfried Benn und Bertold Brecht, von Alfred Döblin und Hans Henny Jahnn, von Heinrich und Thomas Mann. Das literarische und geistige Leben der Gegenwart ist kaum so fruchtbar, kaum an Talenten so überquellend, als daß man an einem der bedeutendsten Repräsentanten der heroischen Epoche unserer Literatur acht- und respektlos vorbeigehen kann. Dies gilt auch dann, wenn viele der Gedanken Jüngers nicht nachvollziehbar sind oder uns unerträglich scheinen. Wir sollten uns bewußt vor Augen führen, daß der angebliche „Vorläufer des Nationalsozialismus” und „Verherrlicher des Krieges” in dem von uns zweimal angegriffenen Frankreich – beide Male war der Soldat Jünger beteiligt – gelassen als der „plus grand écrivain allemand” unserer Tage bezeichnet wird. „In Stahlgewittern – aus dem Tagebuch eines Stoßtruppführers” erschien 1920, und seither ist Ernst Jünger ein umstrittener, immer wieder zu Polemiken und Kontroversen zwingender Autor.

„Es gibt heute wenig Denker, zu deren Werk man auf Jahre hinaus in einem Verhältnis steht, das zwischen spontaner Zustimmung und entschiedener Ablehnung ununterbrochen wechselt… Wir brauchen Ernst Jünger. Wir sind dahin gelangt, daß ein Irrtum, wenn er begreiflich ist und ehrlich dem Leben abgewonnen, uns eher zu helfen vermag als die Feststellung einer Wahrheit, der die Überzeugungsmacht fehlt” schrieb Eugen Gottlob Winkler. „Der Streit um Ernst Jünger”, so könnte man getrost eine mehrbändige Dokumentation betiteln, und zu diesem Streit gehört ja nun auch der Protest der Grünen und der SPD gegen die Verleihung des Goethe-Preises an Ernst Jünger. Schien in den sechziger Jahren der Autor in ein ungefährliches Pantheon einzuziehen, schien dieser Streit zu Ende zu gehen, so entbrennt er jetzt aufs Neue. Diese nun mehr als ein halbes Jahrhundert währenden Intervalle in der Auseinandersetzung, scheinen mir ein sicheres Indiz für den Rang dieses Mannes zu sein.

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Ist der „populistische Moment“ schon Vergangenheit?

von Dr. Jens Woitas

Ist der „populistische Moment“ schon Vergangenheit?

Alain de Benoist zeichnete in seinem 2017 erschienen Buch „Der populistische Moment“ ein neues Bild politischer Auseinandersetzungen auf, die das klassische „Rechts-links-Schema“ überwinden. Da eine deutsche Übersetzung dieses Werkes erst seit einigen Monaten vorliegt, war es auch ein Ziel meiner eigenen Buchveröffentlichung „Revolutionärer Populismus“ (Lindenbaum Verlag, 2021), diese aus meiner Sicht für deutsche Oppositionelle wegweisenden Erkenntnisse zu popularisieren. De Benoists Meinung nach tritt im Zeitalter der Globalisierung ein neuartiger Konflikt in das Zentrum des Geschehens, der sich nicht mehr mit herkömmlichen, teils noch aus dem 19. Jahrhundert stammenden Begriffen beschreiben lässt. Die eine Partei bilden dabei Globalisierungsbefürworter und Globalisierungsgewinner, die sich weitgehend aus traditionellen Identitäten wie Nation, Religion, Familie und Geschlecht gelöst haben und zumindest teilweise eine internationale Elite bilden. Ihnen gegenüber steht eine zwar zahlenmäßig größere, aber deutlich weniger einflussreiche Gruppe von Menschen, die an den genannten Identitäten festhalten wollen und daher der Globalisierung skeptisch bis feindlich gegenüberstehen. Da in dieser Auseinandersetzung ein Begriff von „Heimat“ – sowohl im wörtlichen als auch übertragenen Sinne – eine große Rolle spielt, kann man in den Worten des britischen Journalisten und Autors David Goodhart auch von anywheres und somewheres sprechen. Die globalistische Elite wird durch die etablierten Parteien und Medien politisch repräsentiert, die Globalisierungsgegner durch populistische Parteien, Alternativmedien und zunehmend auch durch Proteste im öffentlichen Raum. Im Establishment verschwindet der alte Rechts-links-Gegensatz mehr und mehr zugunsten einer Art Einheitsmeinung, die sich auf die vorgebliche Alternativlosigkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse stützt. Der oppositionelle Populismus wird zwar meistens als „rechts“ bezeichnet und nimmt sich oft auch selbst so wahr. In Wirklichkeit muss er aber, de Benoist zufolge, eine „als unmöglich erscheinende Synthese“ aus den herkömmlichen politischen Haltungen gewinnen, um tatsächlich zu einer dem 21. Jahrhundert angemessenen und vor allem mehrheitsfähigen Politikform zu werden. „Querfront“ ist aus meiner Sicht kein angemessener Begriff für diese Synthese, weil dieser Begriff viel zu sehr mit der alten Rechts-links-Begrifflichkeit beladen ist.

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Die Wikinger im weiß-nationalistischen Film und die Metapolitik

von Klaus Kunze

Die Wikinger im weiß-nationalistischen Film und die Metapolitik

Alles nur Konstrukt?

Wem die Gegenwart gehören soll, muß sich der Vergangenheit bemächtigen. Die metapolitische Deutung der Geschichte hat mit objektiver Geschichtsforschung nichts zu tun. Sie sucht vielmehr Belege, um eigene Macht- und Herrschaftsansprüche an der Vergangenheit zu legitimieren.

Welches filmische Bild von ihr gezeichnet wird, hängt auch davon ab, welche gesellschaftspolitischen Ambitionen es stützen soll. Vor allem die neue Linke weigert sich notorisch, eine objektive Geschichtsschreibung anzuerkennen. Wie in unserer Gegenwart auch hätte es einst nur “Konstrukte” gegeben: Völker, Stämme, Reiche, Sippen, Hierarchien, Wirtschaftsformen – für einen radikalen Dekonstruktivisten spielte und spielt sich das alles nur in den Köpfen ab. Aber auch die frühere Geschichtsschreibung hatte dazu geneigt, die ferne Vergangenheit in die Schubladen ihrer zeitgenössischen Lebensverhältnisse einzuordnen und zu deuten.

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Die Ukraine und die Klärung deutscher Interessen

Ein Meinungsbeitrag von Hanno Borchert

Die Ukraine und die Klärung deutscher Interessen

Große Teile der politisch-medialen Klasse in diesem Land haben offensichtlich den Bezug zur Realität verloren und möchten ein nicht wehrfähiges Deutschland, dessen Nicht-Wehrfähigkeit gerade diese politisch-mediale Klasse mehrerer Generationen maßgeblich zu verantworten hat, nicht nur mittelbar wie bislang, sondern nun unbedingt unmittelbar an dem Krieg in der Ukraine beteiligt sehen. Schwere Waffen zu liefern wäre unsere sittlich-moralische Pflicht, wird auf allen Kanälen in schrillsten Tönen mit zunehmender Intensität deklamiert. Quasi nach dem Motto „Es walte Gerechtigkeit, und wenn die Welt zugrunde geht“, scheint hier eine Kriegslüsternheit sich Bahn zu brechen. Jedes Augenmaß geht wohl verloren. Wer zur Besonnenheit mahnt, wird einfach in übelst-dreister Weise der Kriegsunterstützung Putins bezichtigt oder als dummer Pazifist verunglimpft.

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CATO – Schwerpunktthema „Krieg und Frieden“: eine Zeitschriftenkritik

von Werner Olles

CATO – Schwerpunktthema „Krieg und Frieden“: eine Zeitschriftenkritik

Die aktuelle Ausgabe (Nr. 3, April/Mai 2022) von CATO, dem „Magazin für Sachlichkeit“ hat Schwerpunktthema „Krieg und Frieden“ gewählt. Mit dem Text „Am 4. August 1914“ des am 7. Februar verstorbenen Frankfurter Privatgelehrten und Carl Schmitt-Exegeten Günter Maschke, den er kurz vor seinem Tod exklusiv für CATO geschrieben hatte, präsentiert die Zeitschrift ihren Lesern einen Einblick in das Denken dieses außergewöhnlichen Intellektuellen. Maschke bezeichnet den Ersten Weltkrieg als „Ur-Katastrophe des 20. Jahrhunderts“, die sich speziell in den Folgen und den aus dem Krieg gezogenen Folgerungen äußerte: „die Auflösung der bürgerlichen Sekurität und die Diskriminierung des Krieges, die den Unterlegenen zum Verbrecher machte, so daß der Frieden unauffindbar wurde.“

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China-Protokolle: Menschenrechtsverletzungen und Welteroberungspläne einer mörderischen Diktatur

von Werner Olles

China-Protokolle: Menschenrechtsverletzungen und Welteroberungspläne einer mörderischen Diktatur

Es gehört Mut dazu, sich mit der mörderischsten Diktatur der Welt anzulegen und die zahllosen Verbrechen der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) offen beim Namen zu nennen, denn der geheimdienstlich-terroristische Arm des totalitären Regimes reicht weit. Die Autorin und Journalistin Alexandra Cavelius und die kasachische Medizinerin, Schuldirektorin und ehemalige KPCh-Funktionärin Sayragul Sauytbay legen mit „China-Protokolle“ ein Buch vor, das nicht nur die politische und wirtschaftliche Einflussnahme Chinas in Europa, Ostasien und Afrika vorwirft, die von Aggressivität, äußerster Rücksichtslosigkeit und systematischer Ausbeutung geprägt ist, sie vertiefen auch ihre bemerkenswerte Analyse, indem sie Pekings perfide Politik der letzten sieben Jahrzehnte aufzeigen, die von der völkerrechtswidrigen Okkupation Tibets, der Unterdrückung und Vertreibung der Tibeter und ihre Ersetzung durch Chinesen, der ständigen militärischen Bedrohung der von der im Bürgerkrieg unterlegenen national-chinesischen Kuomintang gegründeten unabhängigen Insel-Republik Taiwan, dem früheren Formosa, der permanenten Bespitzelung und Repression der Bürger Hongkongs bis zum Völkermord an den muslimischen Uiguren in Ostturkestan, der Auslöschung der Anhänger der buddhistischen Meditationsschule Falun Gong und der Zerschlagung der romtreuen Katholischen Kirche reicht.

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Nach der Wahl Viktor Orbáns in Ungarn: „Der unsinkbare Orbán“

von Peter Backfisch

Nach der Wahl Viktor Orbáns in Ungarn: „Der unsinkbare Orbán“

Mit diesen Worten umschrieb die New York Times Viktor Orbáns Wahlsieg am 03.04.2022.

Orbán und sein Bündnis Fidesz-KDNP haben am Sonntag „die Angriffe der ungarischen LGBTQ-Gemeinschaft abgewehrt und damit das Land vor vermeintlichen Veränderungen bewahrt“, so die NYT am Montag wörtlich.

Er hat mit diesem großartigen Wahlergebnis eine vierte Amtszeit mit großer parlamentarischer Mehrheit erreicht und bewiesen, dass mit nationalkonservativen Themen in einem westlichen Land durchaus Wahlen gewonnen werden können. Dies ist unbedingt positiv zu bewerten, weil wochenlange Propaganda der EU sowie auch die der US-Institutionen und der Einsatz des US-ungarischen Milliardärs George Soros und seiner von ihm finanzierten NGOs mit aller Macht einen umfassenden Wechsel herbeiführen wollten. Es ist ein großer Sieg der Demokratie und eine Ohrfeige für die Akteure der „liberalen Demokratie“ in Brüssel und Washington, die Wahlen so verstehen, dass sich die zu wählenden Kandidaten politisch nicht zu unterscheiden und sich dem Mainstream bereitwillig zu unterwerfen haben. Die ungarische Justizministerin Varga warnte deshalb EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen: „Die Kommission muss die Entscheidung des ungarischen Volkes akzeptieren. Sie darf Ungarn nicht bestrafen, weil die Mehrheit am 3. April nicht nach den Wünschen Brüssels abgestimmt hat.“

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Der Ukraine-Krieg: Emotionen über dem Siedepunkt

Ein Meinungsbeitrag von Hanno Borchert

Der Ukraine-Krieg: Emotionen über dem Siedepunkt

Die aktuellen Ereignisse in der Ukraine emotionalisieren die Gemüter derzeit bis weit über den Siedepunkt. Das ist nur zutiefst verständlich.

In Erinnerung an die umfangreichen russischen Kriegsverbrechen in den beiden Tschetschenienkriegen halte ich es überhaupt nicht für ausgeschlossen, daß die behaupteten Vorkommnisse in Butscha auf das Konto Rußlands gehen. Allerdings sind auch ganz andere Szenarien denkbar! Wir alle, die wir nicht vor Ort sind und waren, müssen aufpassen, nicht zu sehr einer polarisierten Berichterstattung und damit auch politischer Instrumentalisierung der beiden Kriegsparteien samt ihrer Zuträger und jeweiligen Symphatisanten zu folgen und eventuell aufzusitzen. Das zumindest sollte uns die Erfahrung nicht nur aus den beiden Kriegen in Tschetschenien, dem Jugoslawienkrieg oder dem Irakkrieg lehren. Stichworte nur für den Irak wären hier die Brutkastenlüge und die Lüge von den Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins. Für den Jugoslawienkrieg das so genannte Massaker von Racak am 15.1.1999 mit 45 Toten. Wie die Opfer zu Tode gekommen sind und wer die Verantwortung dafür trägt, ist bis heute nicht restlos aufgeklärt.

Es bräuchte halt zur Verifizierung der Vorkommnisse in Butscha wirklich eine unabhängige, glaubwürdige Institution. Oder unabhängige, engagierte und investigativ arbeitende Journalisten von Format.

Guter Journalismus wäre, die Propaganda beider Seiten zu hinterfragen und selbst zu recherchieren und nicht nur irgendwelche Meldungen aus den Nachrichtenagenturen abzutippen.

Butscha: Satellitenbilder zeigen Tote vor Abzug russischer Truppen

Während des Tschetschenienkrieges legten die Russen die Hauptstadt Grosny und die meistem Dörfer in Schutt und Asche. Sie bombardierten Wohnviertel und Krankenhäuser sowie Schulen.
Heute sehen wir fast die gleichen Bilder von vollkommen zerstörten Städten, Stadtteilen und Häuserblocks, aber auch Gehöfte irgendwo in der Pampa. Wochenlang saßen damals in Grosny die Menschen ohne Licht und Wasser in Deckung. Auch das wiederholt sich jetzt, nicht nur in Mariupol.
Die Geschichte, die uns von russischer Seite versucht wird zu verkaufen und auf die auch viele “Rußlandfreunde” von rechts und links aufspringen, Rußland wäre sehr darauf bedacht, zivile Opfer zu vermeiden und sich primär auf militärisch-strategische Ziele zu konzentrieren, kann meines Erachtens angesichts der Millionen von Flüchtlingen und der Bilder von den zerbombten Städten nicht so ohne weiteres aufrechterhalten werden.
Rußlands Vorgehen in der Ukraine scheint mir mit dem Vorgehen in den Tschetschenienkriegen doch in vielerlei Hinsicht identisch zu sein.

Und mag dieser Krieg auch viele Väter und Gründe haben, so wie es Generalmajor a.D. Gerd Schultze-Rhonhof in seinem Artikel “Ist Putin wirklich ein Kriegsverbrecher?” hier auf der “wir-selbst”-Seite dargelegt hat, so rechtfertigt er doch in keiner Weise massenhafte gezielte Angriffe auf die Zivilbevölkerung, auf Frauen, auf Kinder.
Allein, um das festzustellen, braucht es kein Butscha.

Und nein, der Zweck heiligt nicht immer die Mittel.

Generalmajor Gerd Schultze-Rhonhof: Ist Putin wirklich ein Kriegsverbrecher?

von Generalmajor a.D. Gerd Schultze-Rhonhof

Generalmajor Gerd Schultze-Rhonhof: Ist Putin wirklich ein Kriegsverbrecher?

Vorwort

Als ich meine erste Abhandlung über das Ukraine-Desaster geschrieben habe, habe ich nicht angenommen, dass der russische Staatspräsident Putin sein Bemühen, die NATO von der Schwelle Russlands fernzuhalten, bis zum Kriege gegen die Ukraine treiben würde. Ich wollte aber auch nicht glauben, dass die USA und mit ihnen die NATO und Staatspräsident Selenskyj so hoch und lange pokern würden, bis sie gemeinsam vor einem Scherbenhaufen stehen würden.
Ich habe das Ukraine-Desaster seit etwa drei Jahren von den deutschen Medien fast ausschließlich aus ukrainischer Perspektive vermittelt bekommen. So habe ich keine „Erste-Hand-Information“ über die Befindlichkeiten der russisch-sprachigen Bevölkerungsanteile im Osten der Ukraine. Ich kenne auch keine Berichte über den mittlerweile acht Jahre andauernden Separationskrieg im Donbass-Gebiet. War die Kriegführung der ukrainischen Armee gegen die Separatisten/Freiheitskämpfer dort fair oder brutal? Wie haben die zerstörten Städte ausgesehen? Gab es Flüchtlingselend? Die vielen „Spezials“ und „Brennpunkte“ der deutschen Fernsehanstalten über den Krieg in der Ukraine haben auf mich als altem Soldat mehr wie ukrainische Propaganda als wie deutsche Nachrichten gewirkt. Ihr Informationswert war nahezu gleich Null. Ihr antirussischer Motivationswert dagegen hoch. So fällt es mir inzwischen schwer, nicht auch russophob zu urteilen.

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