Der autoritäre Bevormundungsstaat: die Linke an den Schalthebeln der Macht

von Klaus Kunze

Der autoritäre Bevormundungsstaat: die Linke an den Schalthebeln der Macht

Demokratie ist die typische Form politischer Willensbildung in Massengesellschaften. Sie besagt, daß nach dem Willen der Mehrheit regiert werden soll.

Frühere Staatsformen wie Monarchie und Oligarchie sind außer Kurs. Der geistige Konkurrenzkampf der Systeme scheint zuende. Alle wollen jetzt Demokraten sein. Wenn sich ein Begriff allgemein durchgesetzt hat, setzt aber der Konkurrenzkampf sofort wieder ein, und zwar um seine „richtige“ Auslegung. Man zeigt wechselseitig mit dem Finger aufeinander und schmäht: „Ihr seid mir schöne Demokraten – gar keine nämlich!“

In unseren halbamtlichen Regierungsmedien nimmt diese Methode absurde Züge an, wenn der „Kampf gegen Rechts“ geführt wird. Dann grenzen sich, unserem Fernsehen zufolge, „die demokratischen Parteien“ durch eine „Brandmauer“ ab gegen die AfD, der sie das Demokratische rundweg absprechen. Als Beleg zaubern sie im gleichen Atemzug die immer gleichen Worthülsen des Verfassungsschutzes hervor, die „populistische“ AfD sei „in Teilen rechtsextremistisch“.

Tatsächlich behauptet aber Haldenwangs Behörde auf Weisung ihrer vorgesetzten SPD-Ministerin Faeser überhaupt nicht, die AfD sei nicht demokratisch. Sie behauptet vielmehr, Teile der Partei strebten den Fortbestand des ethnisch deutschen Volkes an, was angeblich gegen die Menschenwürde nicht ethnisch Deutscher verstoßen und darum verfassungsfeindlich soll. Diese VS-Rabulistik ist Nichtverfassungsrechtlern zu hoch, und auch die halbstaatlichen Medienleute verstehen sie nicht. Darum verbreiten sie nichts als verbale Seifenblasen über Populismus und fragliche Demokratietauglichkeit.

Dabei pochen sie auf den hinreichende Schmäheffekt des Populismus-Vorwurfs. Irgendwas wird schon hängenbleiben. Schließlich haben immer weniger Bürger Lateinkenntnisse und wissen noch, daß populus schlicht „Volk“ bedeutet, und zwar ursprünglich m Gegensatz auch zu seinen oligarchischen Politikern und Machthabern: SPQR heißt Senatus Populusque Romanus  (Senat und Volk von Rom).

Senatus Populusque Romanus

Wer gegen die AfD hetzt, diese sei “populistisch”, hat selbst oligarchische Gelüste. Mit der Demokratie hat er es hingegen nicht so.

In der Demokratie darf die Mehrheit alles

Das Wesen der Demokratie besteht darin, daß alle politischen Entscheidungen mit Mehrheit getroffen werden und daß diese Mehrheit alles entscheiden darf, was immer sie will. Sie darf auch Verbrecherisches beschließen. Darum ist unser Staat zwar auch demokratisch, aber eben keine Demokratie. Die Macht der Mehrheit ist durch einen Rechtsstaat eingeschränkt, der auch über dem Willen der Mehrheit enthobene Grundrechte wacht.

Auch eine Monarchie oder Oligarchie kann ein Rechtsstaat sein. Unser Kaiserreich war einer. Absolute Demokratie ohne Rechtsstaat kann aber so fürchterlich wirken, wie jede aufgehetzte Mehrheit gegen innere Gegner ebenso wüten kann wie gegen äußere Feinde. Die Athener Volksversammlung verurteilte den Philosophen Sokrates zum Tod durch den Giftbecher, sie beschloß den Angriffskrieg gegen Syrakus und andere Städte auf Sizilien, und als die Insel Melos sich nicht Athen unterwerfen wollte, beschloß sie, alle Männer der Insel zu töten und ihre Frauen und Kinder in die Sklaverei zu verkaufen.

Aus dem Film „Farm der Tiere“ (Orwell) – die schlauen Schweine haben die Macht an sich gerissen. Ihr Motto: „Alle Tiere sind gleich, aber einige Tiere sind gleicher als die anderen.“

Die französische Nationalversammlung verhielt sich in der Revolutionszeit ähnlich und beschloß demokratisch, alle Männer, Frauen und Kinder in der ihr widerspenstigen Vendee umzubringen. Am meisten zeigt sich aber die Ambivalenz der reinen Demokratie, wenn die Mehrheit ihre Beherrscher wählen soll. Jede freie Entscheidung hat zwei Seiten, das liegt in der Natur der menschlichen Freiheit. Das Volk kann sich einen Alleinherrscher als König wählen oder ein ganzes Parlament voller kleiner „Könige“, eine Partei, ein Politbüro, zwei Konsuln oder wen immer es will. Jede Entscheidung ist gleich demokratisch, wenn die Mehrheit sie trifft.

Nachträglich kann eine solche Wahl schrecklich schiefgehen. So hatte das nach 1933 der in seiner Jugend nationalrevolutionäre Schriftsteller Ernst von Salomon empfunden. Ihm schwebte ein autoritärer Rechtsstaat vor, kein sozialistischer Totalitarismus.

Ich habe das Wort „Demokratie“ immer nur sehr selten und sehr ungern benützt. Ich weiß nicht, was das ist, und ich habe auch noch niemanden gefunden, der es mir einleuchtend zu erklären wußte. Aber ich fürchte, Hitlers Behauptung, seine ideologische Konzeption sei die Konzeption der Demokratie, wird schwer zu widerlegen sein. Das Erklären der Welt aus einem Zentralpunkt heraus, das Gewinnen der Massen durch Überreden, die Legitimation des Weges zur Macht durch Wahlen, die Legitimation der Macht selbst durch das Volk, – ich fürchte, es wird schwer zu widerlegen sein, daß dies demokratische Stigmen sind, vielleicht sehr späte und überhitzte Formen der Demokratie anzeigend, aber Formen der Demokratie.ERNST VON SALOMON, DER FRAGEBOGEN, 1951.

Dagegen setzte Ernst von Salomon die Idee eines hierarchisch gegliederten Machtstaates, der durch Rechtsstaatlichkeit die potentiell schrankenlose Willkürherrschaft begrenzt:

Der totalitäre Staat ist das genaue Gegenteil des autoritären Staates, und diesem freilich haften keine demokratischen Stigmen an, sondern hierarchische.ERNST VON SALOMON, DER FRAGEBOGEN, 1951.

Indem die Parteigänger der heutigen Linken die AfD allzugern als „populistisch“ schmähen, verraten sie ihren eigenen Standort. Die AfD besteht aus Kindern des herkömmlichen Systems der Bundesrepublik. Sie glauben an die Segnungen der Demokratie, an die freiheitliche demokratische Grundordnung und daß das Volk es schon mit Mehrheit richten werde, ließe man es nur selbst entscheiden.

Die in den Medien und in Parlamenten herrschenden linken Ideologen dagegen wollten seit Jahrzehnten nichts anderes als die Zerschlagung dieser bürgerlichen Gesellschaft und ihrer ökonomischen Grundlagen. Daß der Mehrheitswille unseres Volkes dem entgegensteht, interessiert sie nicht. Meinungsumfragen zeigen allenfalls an, daß der Mehrheit noch das „richtige Bewußtsein“ fehlt. Aber das wollen sie mit autoritären Sprachregelungen und Umerziehung auch noch hinkriegen. Notfalls wechselt man das Volk einfach aus und läßt andere einwandern.

Der autoritäre Bevormundungsstaat

Diese Linke benutzt die Schalthebel der Macht unseres Staates, aber nicht demokratisch nach dem Willen der Mehrheit, sondern verwandelt ihn in einen autoritären Bevormundungsstaat. Sie begannen als außerparlamentarische Opposition und krakeelten gegen „Reste verfaulender Macht, die mit rattenhafter Wut verteidigt werden” (sp Heinrich Böll). Doch nach Ergreifung dieser Macht wurden sie noch autoritärer, als die von ihnen verlästerte Honoratiorenrepublik der 1950er und 1960er Jahre jemals war. Sie sehnen sich heute nach einem autoritären, starken Staat, der den etwas zurückgebliebenen Deutschen schon zeigen wird, was eine linke Harke ist. Dabei scheuen sie noch nicht einmal davor zurück, eine umfassendes Denuziations- und Bespitzelungsregime wie einst im nationalen und danach im DDR-Sozialismus zu installieren.

Ihr Staat entbehrt auch der demokratischen Gleichheit, in der alle Bürger auf Augenhöhe miteinander umgehen können. Nach Ernst von Salomon kennzeichnet der Gedanke der Hierarchie den autoritären Staat. Der linke Bevormundungsstaat gliedert sich von den führenden ideologisch besserwissenden Kadern bis – ganz unten – zu den „Nazis“ ohne Rechte. Die einen nehmen für sich in Anspruch, als Gutmenschen die Welt zu retten, und die nicht spuren, gelten als Nazis. Sie lauern überall, das können wir jeden Tag in den Propagandasendungen des Staatsfernsehens erfahren.

Die Formen und die Inhalte

Die totalitären Parteistaaten – braun oder rot – hatten sich als Sozialismen und damit zugleich als Verkörperungen des demokratischen Grundgedankens verstanden. Autoritäre Staaten setzten dagegen immer auf Hierarchien, nach welchem Auslesesystem auch immer. Beides sind modellhafte Vorstellungen, wie Staatswesen sich formieren können.

Eine ganz andere Frage als die Form ist der jeweilige Inhalt. Ein autoritärer Staat kann ebensogut als Monarchie wie als Parlamentarismus auftreten, sich sogar selbst Demokratie nennen. Er kann ebensogut alte bürgerliche Werte verkörpern wie woke Seifenblasen. Darum hätte ein Ernst von Salomon als Vertreter autoritärer Staatlichkeit am neulinken Autoritarismus unserer Tage wenig Freude.

Die Staatsform und ihr ideologischer Inhalt sind immer zwei paar Schuhe. So kann auch ein totalitärer Staat mit braunen Kolonnen ebenso auftreten wie mit roten Fahnen, mit grünen des Islam oder in Regenbogenfarben.

Wahrscheinlich kann ein Staat auch autoritär sein und weiter zum Totalitarismus driften. Das dürfte unseren heutigen Zustand am besten beschreiben. ´

Der Bürger, der mit allem solchen Spuk nichts zu tun haben will, hat es schwer.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf der stets lesenswerten Seite von Klaus Kunze:

Unsere populistische Demokratie

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Klaus Kunze, Staatsfeind Liberalismus

Soeben erschienen: die Generalabrechnung mit der Ideologie des Liberalismus von Klaus Kunze. Hier findet man die Inhaltsangabe und die Bestellmöglichkeit.

Klaus Kunze

Klaus Kunze, seit 1984 selbständiger Rechtsanwalt in Uslar, von 1970-71 Herausgeber eines Science-Fiction-Fanmagazins, von 1977 bis 1979 Korrespondent der Zeitung student in Köln, seit 1978 diverse Beiträge in genealogischen und heimatkundlichen Fachzeitschriften, seit 1989 Beiträge für politische Zeitschriften wie u. a. die Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT

Autor der Bücher:

Klaus Kunze, Die solidarische Nation

Klaus Kunze: Die solidarische Nation. Wie Soziales und Nationales ineinandergreifen. Gebundene Ausgabe, 206 Seiten, Preis: 19,80 Euro ist hier erhältlich: https://lindenbaum-verlag.de/produkt/die-solidarische-nation/

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Klaus Kunze, Identität oder Egalität

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Klaus Kunze, Das ewig Weibliche im Wandel der Epochen

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Die beiden Druckausgaben unserer Zeitschrift sind noch erhältlich:

Einkommensteuer: Wenn der Staat den Leistenden den Krieg erklärt

von Michael Dangel

Einkommensteuer: Wenn der Staat den Leistenden den Krieg erklärt

Einkommensteuer: Der alljährliche Steuerwahnsinn

Alle Jahre wieder ist es soweit: Zur Jahresmitte trudeln dem geplagten Steuerpflichtigen die Erinnerungen zur Abgabe der Steuererklärungen ins Haus – der Einkommensteuererklärungen wohlgemerkt. Wendet sich der Steuergeplagte an einen steuerlichen Berater, so gewinnt er zwar erheblich an Zeit, zur Abgabe der Einkommensteuererklärung bleibt er dennoch verdonnert.

Generell gilt die Einkommensteuer als Königin der direkten Steuern, also der Steuerarten, bei dem der Steuerzahler mit dem Steuerschuldner identisch ist. Die bekannteste indirekte Steuer, die gleichzeitig das höchste Steueraufkommen aufweist, ist die Umsatzsteuer, bei dem im Gegensatz zur Einkommensteuer der Unternehmer, der vom Konsumenten den Kaufpreis vereinnahmt, Steuerschuldner ist, während der Konsument Steuerzahler bleibt und wirtschaftlich mit der Umsatzsteuer belastet wird.

Gleichzeitig gilt der progressive Einkommensteuertarif, also ein ansteigender Steuersatz gekoppelt an die zunehmende Einkommenshöhe als so etwas wie die heilige Kuh der Steuergerechtigkeit. Aber die Zeiten ändern sich, Digitalisierung und gesellschaftlicher Wandel schaffen neue Fakten, was im Folgenden zum Anlass genommen werden soll, die Berechtigung der Einkommensteuer an sich und in Sonderheit des progressiven Steuertarifs kritisch zu hinterfragen.

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General Olbricht, Planer des Unternehmens »Walküre« – zur Geschichte deutschen Widerstands

von Herbert Ammon

General Olbricht, Planer des Unternehmens »Walküre« – zur Geschichte deutschen Widerstands

I.

Kein Begriff als der Marxsche ›Überbau‹ scheint besser geeignet, um zu kennzeichnen, was man in der Bundesrepublik als ›Erinnerungskultur‹ bezeichnet. Von einigen unscharfen Impressionen der DDR, der ›zweiten Diktatur in Deutschland‹, abgesehen, handelt es sich – ungeachtet der faktisch fortschreitenden Entfernung von der NS-Ära – um die Vergegenwärtigung der Nazi-Verbrechen sowie der jubelnden Massen im ›Dritten Reich‹.

Dabei tritt hinter den Schreckensbildern die Erinnerung an den symbolhaft im Scheitern – am 20. Juli 1944 – hervorgetretenen deutschen Widerstand zurück. Keineswegs zufällig: Insofern ›vaterländische Gefühle‹, zu denen sich Peter Graf Yorck von Wartenburg, der Freund und Vertraute Moltkes im »Kreisauer Kreis« bekannte, insbesondere unter deutschen Intellektuellen verpönt und für deutsche Funktionseliten irrelevant geworden sind, entspricht das Verblassen des historisch-realen Horizonts, in dem die Widerständler des 20. Juli den Sturz des Nazi-Regimes aus eigenen Kräften anstrebten und – vergeblich – ihr Leben einsetzten, den ideellen, genauer: ideologischen Erfordernissen der politischen Gegenwart.

Der Befund wird durch Rituale wie die alljährliche Vereidigung von Bundeswehrsoldaten und -soldatinnen im Innenhof des Berliner Bendlerblocks am 20. Juli nicht widerlegt, sondern bestätigt. »Wir haben das Letzte gewagt für Deutschland« – ein solcher Satz wirkte heute, da es für die Bundeswehr weltweit – realiter selektiv – um nichts als Bündnistreue, Demokratie und Menschenrechte geht, wie eine peinliche Entgleisung.

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Der Ehrenhain auf dem Dresdner Nordfriedhof

Bert Wawrzinek

Der Ehrenhain auf dem Dresdner Nordfriedhof

Mag der Staub gefallner Helden modern
Die dem großen Tode sich geweiht
Ihres Ruhmes Flammenzüge lodern
In dem Tempel der Unsterblichkeit

Theodor Körner (1812), Umschrift auf dem Ehrenhain der Weltkriegsregimenter

Am Rande der einst für die sächsische Armee errichteten Soldatenstadt, die den Namen des populären Königs Albert (1828-1902) trägt, liegt, am nördlichen Ende der Marienallee, eine der wohl interessantesten Friedhofsanlagen der Landeshauptstadt, ja Sachsens, der heutige Nordfriedhof.  1901 für die Verstorbenen der Garnison Dresden errichtet, war das erweiterte Friedhofsareal bereits während des Ersten Weltkrieges als Ort für ein Ehrenmal gefallener Angehöriger Dresdner Regimenter vorgesehen. Nach Plänen des Regierungsbaurats Emil Hartmann wurde 1917-1920 östlich der ursprünglichen Friedhofsmauern eine weiträumige Anlage errichtet. Während im Mittelteil 9 hochformatige galvanoplastische Erinnerungstafeln (der bereits im Frieden aktiven Regimenter) dominieren, ergänzen jeweils 6 querformatige (für die Reserve- und Ersatztruppenteile) an beiden Seitenflügeln die Anordnung. 7 steinerne und  3 eiserne Tafeln wurden zusätzlich an den Außenseiten bzw. Aufgängen des Bauwerks angebracht. 

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„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft“

von Imad Karim

„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft“

Meine bescheidenen Gedanken zum bereits ausgebrochenen Bürgerkrieg in Frankreich. Ich habe mir im Laufe des Tages über 30 Videos auf arabisch angeschaut. Für die Mehrheit der algerischstämmigen Franzosen und ihre Landsleute in Algerien und in der islamischen Welt hat die „Befreiung Frankreich“ begonnen, und es sei eine Frage von wenigen Jahren, bis die Eroberung abgeschlossen sein werde. Ich habe mir sogar eine Rede des algerischen Staatspräsidenten angehört, in der er seine Landsleute ermutigt, „weiterzukämpfen“.

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Wenn der Putzer dreimal klingelt

Thor Kunkel

Wenn der Putzer dreimal klingelt

Die Wahrheit ist ein Monstrum, sobald ihr sie seht, seid ihr allein. Ich hatte mir diesen Gedanken mal vor vielen Jahren notiert. Er beschreibt ganz gut, wie sich ein Schriftsteller fühlt, der seine Berufung nicht erkennt, sondern erleidet. Es muss zutiefst verstörend sein – wegen einem einzigen Tweet seine Identität einzubüßen. Wegen einem Smiley, ein paar Sprüchen, die eher Mut machen sollten. Ich schreibe ganz bewusst vom Verlust der Identität, weil das Schreiben für Matthias Matussek, dem wohl besten Kulturkritiker Deutschlands, immer schon mehr war als nur ein prosaischer Broterwerb. Wäre es nur sein „Job“ gewesen, wie man in Dschermonie sagt, Armageddon, Matusseks neuer Roman wäre nie entstanden und der Autor würde noch immer an seinem Schreibtisch in Der Welt sitzen, – wohlbehalten in ideologische Watte gepackt, gehirntot, aber konform mit dem System, was bekanntlich auch seine Vorteile hat.

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Die Ukraine und das Völkerrecht – Geographie und Geschichte als Schicksal: „What matters are people, not states“.

Von Rechtsanwalt Alexander Heumann

Die Ukraine und das Völkerrecht – Geographie und Geschichte als Schicksal: „What matters are people, not states“.

Richter C. Trindade beim Internationalen Gerichtshof (IGH) in seinem Sondervotum zur Sezession des Kosovo von Serbien: „What matters are people, not states.“(58) Soll heißen: Staaten haben keinen Selbstzweck. Sie sind um der Menschen bzw. der Völker willen da – nicht umgekehrt.

Nach Deutschlands Wiedervereinigung boten der „Fall des eisernen Vorhangs“, die Auflösung des Warschauer Paktes und der Wegfall der sowjetkommunistischen Bedrohung unverhoffte Chancen auf Frieden und Wohlstand in Europa – ohne atomares Damoklesschwert. „Deutschland, wir reichen dir die Hand, wir geh´n zurück ins Vaterland“, sang der Chor der Rotarmisten. (1) Das Feindbild des Kalten Krieges schien zu verschwinden. (2) Aber während man in Kerneuropa das hoffnungsfrohe Lied vom „Wind of Change“ sang, blieben gegenläufige Sicherheitsinteressen zwischen Mittel-/Osteuropa und Russland als Sollbruchstelle des Kontinents bestehen. Eine Annäherung an ein Dilemma.

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Alle gegen einen hat nochmal geklappt — warum die AfD stärker und stärker wird

von Klaus Kelle

Alle gegen einen hat nochmal geklappt — warum die AfD stärker und stärker wird

In Schwerin war gestern Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters. Klar gewonnen hat der Amtsinhaber, der alte und neue Chef im Rathaus ist Rico Badenschier von der SPD, der 67,8 Prozent der Stimmen erhielt. Sein Herausforderer von der AfD, Leif-Erik Holm, erhielt 32,2 Prozent. Alle gegen einen sozusagen, wie immer halt, werden Sie denken.

Keineswegs!

Das Ergebnis aus Schwerin zeigt, wie tief die AfD inzwischen in unserer Gesellschaft verankert ist. Jeder dritte Wähler – wir reden von Stimmabgabe, nicht vor Umfragen – hat Holm angekreuzt in der Wahlkabine, ganz allein, freiwillig. Jeder dritte! AfD zu wählen ist nicht mehr schmuddelig, es ist ein schnelles Kreuz auf dem Zettel, es ist aus Überzeugung, dass es mit der Politik in Deutschland nicht mehr so weitergehen kann.

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17. Juni 1953: Der große Aufstand vor 70 Jahren

von Dieter Stein

17. Juni 1953: Der große Aufstand vor 70 Jahren

Des Aufstands des 17. Juni wird in Deutschland nur halbherzig gedacht. In Selbstverleugnung der eigenen Geschichte wurzelt die neudeutsche Vorstellung, man müsse sich von der Nation als Ordnungsprinzip verabschieden. Ein Kommentar von Dieter Stein, Herausgeber und Chefredakteur der Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT.

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Alain de Benoist: Vom Polytheismus zum Ethnopluralismus – wir fröhlichen Heiden

von Klaus Kunze

Alain de Benoist: Vom Polytheismus zum Ethnopluralismus – wir fröhlichen Heiden

Eine Neuauflage des Altmeisters der französischen Neuen Rechten.

„Heide sein“ – das neue Buch von Alain de Benoist, dem Altmeister der französischen Neuen Rechten. Das mit Spannung erwartete Werk (eine überarbeitete Neuauflage des paganistischen Grundlagenwerkes) erfüllt alle Wünsche an ein hochpolitisches und zugleich gelehrtes Werk. Benoist zeigt wieder einmal geistesgeschichtliche Zusammenhänge auf, die vieles Altbekannte miteinander sinnvoll verknüpfen.

Der Titel könnte aber auch falsche Erwartungen wecken. Benoist wirbt keine Jünger für altnordische Fruchtbarkeitsriten und ruft auch zu keinem Ragnarök auf.

Man braucht nicht an Jupiter oder Wotan zu ›glauben‹ – was jedenfalls nicht törichter ist, als an Jahwe zu glauben –, um Heide zu sein. Heutzutage besteht das Heidentum nicht darin, Apoll Altäre zu errichten oder den Odin-Kult wiederzuerwecken.

Alain de Benoist, Heide sein, S.23.

Sein Blickwinkel ist religionsgeschichtlich. Europas vorchristliche Religionen haben in unserer kollektiven Psyche tiefe Spuren hinterlassen, wurden aber 2000 Jahre lang überlagert und fast ausgemerzt durch den vorderorientalischen Monotheismus. Auch wo der buchstäbliche Glaube an Gott oder Götter längst der Aufklärung gewichen ist, scheiden sich in den Tiefenstrukturen unseres Denkens „Heiden“ von den Jüngern eines „einen Gottes“.

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