Wenn der Putzer dreimal klingelt

Thor Kunkel

Wenn der Putzer dreimal klingelt

Die Wahrheit ist ein Monstrum, sobald ihr sie seht, seid ihr allein. Ich hatte mir diesen Gedanken mal vor vielen Jahren notiert. Er beschreibt ganz gut, wie sich ein Schriftsteller fühlt, der seine Berufung nicht erkennt, sondern erleidet. Es muss zutiefst verstörend sein – wegen einem einzigen Tweet seine Identität einzubüßen. Wegen einem Smiley, ein paar Sprüchen, die eher Mut machen sollten. Ich schreibe ganz bewusst vom Verlust der Identität, weil das Schreiben für Matthias Matussek, dem wohl besten Kulturkritiker Deutschlands, immer schon mehr war als nur ein prosaischer Broterwerb. Wäre es nur sein „Job“ gewesen, wie man in Dschermonie sagt, Armageddon, Matusseks neuer Roman wäre nie entstanden und der Autor würde noch immer an seinem Schreibtisch in Der Welt sitzen, – wohlbehalten in ideologische Watte gepackt, gehirntot, aber konform mit dem System, was bekanntlich auch seine Vorteile hat.

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Die Ukraine und das Völkerrecht – Geographie und Geschichte als Schicksal: „What matters are people, not states“.

Von Rechtsanwalt Alexander Heumann

Die Ukraine und das Völkerrecht – Geographie und Geschichte als Schicksal: „What matters are people, not states“.

Richter C. Trindade beim Internationalen Gerichtshof (IGH) in seinem Sondervotum zur Sezession des Kosovo von Serbien: „What matters are people, not states.“(58) Soll heißen: Staaten haben keinen Selbstzweck. Sie sind um der Menschen bzw. der Völker willen da – nicht umgekehrt.

Nach Deutschlands Wiedervereinigung boten der „Fall des eisernen Vorhangs“, die Auflösung des Warschauer Paktes und der Wegfall der sowjetkommunistischen Bedrohung unverhoffte Chancen auf Frieden und Wohlstand in Europa – ohne atomares Damoklesschwert. „Deutschland, wir reichen dir die Hand, wir geh´n zurück ins Vaterland“, sang der Chor der Rotarmisten. (1) Das Feindbild des Kalten Krieges schien zu verschwinden. (2) Aber während man in Kerneuropa das hoffnungsfrohe Lied vom „Wind of Change“ sang, blieben gegenläufige Sicherheitsinteressen zwischen Mittel-/Osteuropa und Russland als Sollbruchstelle des Kontinents bestehen. Eine Annäherung an ein Dilemma.

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Alle gegen einen hat nochmal geklappt — warum die AfD stärker und stärker wird

von Klaus Kelle

Alle gegen einen hat nochmal geklappt — warum die AfD stärker und stärker wird

In Schwerin war gestern Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters. Klar gewonnen hat der Amtsinhaber, der alte und neue Chef im Rathaus ist Rico Badenschier von der SPD, der 67,8 Prozent der Stimmen erhielt. Sein Herausforderer von der AfD, Leif-Erik Holm, erhielt 32,2 Prozent. Alle gegen einen sozusagen, wie immer halt, werden Sie denken.

Keineswegs!

Das Ergebnis aus Schwerin zeigt, wie tief die AfD inzwischen in unserer Gesellschaft verankert ist. Jeder dritte Wähler – wir reden von Stimmabgabe, nicht vor Umfragen – hat Holm angekreuzt in der Wahlkabine, ganz allein, freiwillig. Jeder dritte! AfD zu wählen ist nicht mehr schmuddelig, es ist ein schnelles Kreuz auf dem Zettel, es ist aus Überzeugung, dass es mit der Politik in Deutschland nicht mehr so weitergehen kann.

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17. Juni 1953: Der große Aufstand vor 70 Jahren

von Dieter Stein

17. Juni 1953: Der große Aufstand vor 70 Jahren

Des Aufstands des 17. Juni wird in Deutschland nur halbherzig gedacht. In Selbstverleugnung der eigenen Geschichte wurzelt die neudeutsche Vorstellung, man müsse sich von der Nation als Ordnungsprinzip verabschieden. Ein Kommentar von Dieter Stein, Herausgeber und Chefredakteur der Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT.

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Alain de Benoist: Vom Polytheismus zum Ethnopluralismus – wir fröhlichen Heiden

von Klaus Kunze

Alain de Benoist: Vom Polytheismus zum Ethnopluralismus – wir fröhlichen Heiden

Eine Neuauflage des Altmeisters der französischen Neuen Rechten.

„Heide sein“ – das neue Buch von Alain de Benoist, dem Altmeister der französischen Neuen Rechten. Das mit Spannung erwartete Werk (eine überarbeitete Neuauflage des paganistischen Grundlagenwerkes) erfüllt alle Wünsche an ein hochpolitisches und zugleich gelehrtes Werk. Benoist zeigt wieder einmal geistesgeschichtliche Zusammenhänge auf, die vieles Altbekannte miteinander sinnvoll verknüpfen.

Der Titel könnte aber auch falsche Erwartungen wecken. Benoist wirbt keine Jünger für altnordische Fruchtbarkeitsriten und ruft auch zu keinem Ragnarök auf.

Man braucht nicht an Jupiter oder Wotan zu ›glauben‹ – was jedenfalls nicht törichter ist, als an Jahwe zu glauben –, um Heide zu sein. Heutzutage besteht das Heidentum nicht darin, Apoll Altäre zu errichten oder den Odin-Kult wiederzuerwecken.

Alain de Benoist, Heide sein, S.23.

Sein Blickwinkel ist religionsgeschichtlich. Europas vorchristliche Religionen haben in unserer kollektiven Psyche tiefe Spuren hinterlassen, wurden aber 2000 Jahre lang überlagert und fast ausgemerzt durch den vorderorientalischen Monotheismus. Auch wo der buchstäbliche Glaube an Gott oder Götter längst der Aufklärung gewichen ist, scheiden sich in den Tiefenstrukturen unseres Denkens „Heiden“ von den Jüngern eines „einen Gottes“.

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Die Unmenschlichkeit der grünen Agenda

von Joel Kotkin

Die Unmenschlichkeit der grünen Agenda

Das „Nachhaltigkeits“-Regime führt zur Verarmung der Welt.

„Der Mensch ist das Maß aller Dinge“, schrieb der griechische Philosoph Protagoras vor über 2.500 Jahren. Leider neigen unsere heutigen Eliten dazu, dies nicht so zu sehen.

In den letzten Jahren hat das überstrapazierte Wort „Nachhaltigkeit“ ein Narrativ gefördert, in dem die menschlichen Bedürfnisse und Bestrebungen gegenüber der grünen Sparsamkeit von Net Zero und „Degrowth“ in den Hintergrund getreten sind. Die herrschenden Klassen des untergehenden Westens sind entschlossen, den Planeten zu retten, indem sie ihre Mitbürger verarmen lassen. Ihre Agenda wird die Welt in den nächsten 30 Jahren voraussichtlich 6 Billionen Dollar pro Jahr kosten. In der Zwischenzeit werden sie massive grüne Subventionen kassieren und wie Potentaten der Renaissance leben.

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Zum 10. Todestag des Schriftstellers Dominique Venner

von Werner Olles

Zum 10. Todestag des Schriftstellers Dominique Venner

* 16.April 1935 Paris, † 21.Mai 2013 Paris

Am 21. Mai 2013, kurz vor 15 Uhr, betrat der französische Schriftsteller Dominique Venner die Kathedrale Notre Dame de Paris, ging zum Altar und schoß sich eine Kugel in den Mund. Venner hinterließ einen Brief, um seine Tat zu erklären: „Da jedoch am Abend meines Lebens mein französisches und europäisches Vaterland in großer Gefahr schwebt, habe ich mich entschlossen zu handeln, solange es meine Kräfte noch zulassen. Während viele Menschen sich zu Sklaven ihres Lebens machen, verkörpert meine Geste eine Ethik des Willens. Ich übergebe mich dem Tod, um die trägen Geister aus ihrem Dämmerschlaf zu wecken. Ich erhebe mich gegen den Fatalismus. Ich erhebe mich gegen die Seelen zerstörenden Gifte und gegen den Angriff individueller Begierden auf die Anker unserer Identität, besonders auf die Familie, die intime Säule unserer Jahrtausende alten Zivilisation. Ebenso wie ich für die Identität aller Völker in ihren Heimatländern eintrete, erhebe ich mich zugleich gegen das vor unseren Augen begangene Verbrechen der Ersetzung unserer Völker durch andere. Ich verzichte auf den Rest Leben, der mir noch bleibt, für einen grundlegenden Akt des Protestes.“

Dominique Venner:
* 16.April 1935 Paris, † 21.Mai 2013 Paris
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Der Bundespräsident – eine staatspolitische Fassadenexistenz

von Winfried Knörzer

Der Bundespräsident – eine staatspolitische Fassadenexistenz

Das Neue Schloß in Stuttgart ist ein schöner Barockbau, harmonisch und gediegen in seiner Gestaltung. Dem Passanten bietet es sich als angenehmer Anblick dar, der den Augen einen wohltuende Erholung bietet, die von der kalten, allein der (kommerziellen) Nützlichkeit unterworfenen Funktionsarchitektur der sonstigen Innenstdt arg strapaziert werden. Eines Tages führte mich ein Anlaß ins Innere des Gebäudes, das eine Ministerialbürokratie beherbergt. Ich war entsetzt. Der Kontrast zur Fassade hätte nicht größer sein können. Das Innere besteht aus einer mechanischen Aneinanderreihung von Büroraumen, das sich von anderen Bürogebäuden nur dadurch unterscheidet, daß es noch trostloser, steriler, betonhafter ist und auf jeden Ansatz einer ästhetischen Differenzierung, Auflockerung, identifikatinsermöglichender Wohnlichkeit verzichtet. Das Neue Schloß ist Schloß nur als Fassade, im Inneren ist es etwas völlig anderes, eben nur ein Behälter für Büros. Daher hat es als Ganzes nichts Schloßhaftes mehr an sich. Daß es durch sein Äußeres suggeriert, dennoch ein Schloß zu sein, macht diesen Anspruch zur Heuchelei.

Das Neue Schloß in Stuttgart vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg. Heute, nach dem Wiederaufbau: im Inneren eine mechanische, trostlose, sterile Aneinanderreihung von Büroraumen einer Ministerialbürokratie.
Neues Schloß in Stuttgart, Hauptgiebel mit Königskrone, 1889

Der Bundespräsident ist das staatspolitische Pendant zur architektonischen Fassadenhaftigkeit des Stuttgarter Schlosses. Formell besitzt er den höchsten Rang im Staat, materiell hat er weniger Macht als ein mittlerer Ministrialbeamter oder der Landesvorsitzende einer Partei. Der Reichspräsident der Weimarer Republik war tatsächlich der mächtigste Mann im Staate, da die Regierung ihm gegenüber verantwortlich war und er – vor allem im Ernstfall – die letztliche Entscheidungsbefugnis über alles politische Handeln besaß. Eine solche mit großer realer Machtbefugnis einhergehende zentrale Rolle im Staatsgefüge hatten die Verfassungsgeber ihm eingeräumt, weil er die für die unverzichtbar gehaltene Funktion des Monarchen ausfüllen sollte. Diese Machtfülle wollte man in der Bundesrepublik angesichts der schlechten Erfahrungen der Jahre 1930 bis 33 dem Präsidenten nicht zu gestehen. Sie wurde so weit beschnitten, daß keine ernstzunehmende Kompetenz zurückblieb. Die Instanz des Präsidenten wurde radikal entkernt, nur die Fassade ließ man stehen.

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Wir ersticken an negativer Moral

von Alain de Benoist

Wir ersticken an negativer Moral

Die neue Moral beschreibt, was die Gesellschaft werden soll

Von allen Mitteln, die zur Einschränkung der Vorrechte des Politischen eingesetzt werden – das Recht, die Moral, die Ökonomie und die Technik –, ist die Moral das wohl gefährlichste. Inzwischen bar jeglicher Transzendenz, ist sie zu »Moralin« (Nietzsche) mutiert und hat zu dem geführt, was Arnold Gehlen zutreffend »die Hypermoral« genannt hat, also eine Hypertrophie der Moral. Das Gemeinwohl ist ein politisches Ziel, das nur mit politischen Mitteln erreicht werden kann. Wird vorgegeben, einzig im Namen von ›Werten‹ und ›moralischen‹ Postulaten zu handeln, dann sollte man nach den politischen Interessen und Zielen suchen, die damit vertuscht werden.

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Die deutsche Minderheit in Slowenien: “Volkstumsarbeit ist nicht chauvinistisch, sondern natürlich”

Interview mit Joachim Paul (AfD, Landtagsabgeordneter in Rheinland-Pfalz)

Die deutsche Minderheit in Slowenien: “Volkstumsarbeit ist nicht chauvinistisch, sondern natürlich”

Die Rolle und Position der slowenischen Minderheit ist in Österreich immer wieder mediales und politisches Thema – zuletzt etwa im Kärntner Wahlkampf. Die Redaktion des Heimatkuriers in Österreich hat vor diesem Hintergrund die Frage gestellt, wie es eigentlich umgekehrt um die Lage der deutschen Minderheit in Slowenien bestellt ist. Dafür haben die Redakteure beim AfD-Landtagsabgeordneten Joachim Paul (Rheinland-Pfalz) nachgefragt, der sich als Burschenschafter bereits seit Jahren für die Belange der deutschen Minderheit im Ausland einsetzt.

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