Musk have?

von Rocco Burggraf

Musk have?

Menschen halten sich ja des Öfteren für weltbedeutend. Vier Beispiele aus der westlichen Hemisphäre:

Einer steht früh auf und besprüht mit erhobenem Zeigefinger und einem Feuerlöscher, den er irgendwo geklaut hat einen Weihnachtsbaum mit orangener Farbe. Eine Zweite lässt sich „die Brüste machen“, stellt täglich irgendwo ihr Smartphone aufs Stativ, zerrt sich dann mit halboffenem Mund den Slip unterm Kleid hervor und zählt abends die geldwerten Klicks ihrer Anhänger. Ein Dritter arbeitet sich in einem zu 100% staatlichen Eisenbahnbetrieb durch geschicktes Umgehen von Reibungsverlusten nach oben, gräbt einen herkömmlichen Bahnhof für 11,7 Milliarden Euro Steuergeld in die Erde ein und dann noch eine Quotenfrau für den Vorstand aus, was ihm jährlich sechsstellige Boni zum ohnehin fürstlichen Gehalt einbringt. Ein Vierter schließlich wird mit dem Einbau von Batterien in Autos zum reichsten Mensch der Welt, konstruiert wiederverwendbare Raketen und kündigt an, demnächst mit einer davon zum Mars zu fliegen. Der Grundstückssuche wegen.

Alle vier genießen beachtliche Aufmerksamkeit und gelten als Erfolgsmenschen. Während aber die drei Erstgenannten und unzählige weitere ähnlicher Provenienz nie ihr spießiges, irrelevantes Provinztheater verlassen, verändert der Vierte wirklich die Welt. Schritt für Schritt. Fast im Alleingang. Ein Unterschied, den man sehen lernen sollte.

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Sepp-Kerschbaumer-Gedenkfeier: Würdigung und Anerkennung der verstorbenen und lebenden Tiroler Freiheitskämpfer der 1960er Jahre

Gudrun Kofler (FPÖ-Landtagsabgeordnete in Tirol)

Sepp-Kerschbaumer-Gedenkfeier: Würdigung und Anerkennung der verstorbenen und lebenden Tiroler Freiheitskämpfer der 1960er Jahre

Am Freitag, den 8. Dezember 2023, wurde in St. Pauls (Süd-Tirol) im Rahmen der Sepp-Kerschbaumer-Gedenkfeier in Würdigung und Anerkennung der verstorbenen und lebenden Tiroler Freiheitskämpfer der 1960er Jahre gedacht. Rund 2.000 Marketenderinnen, Schützen und Tiroler Landsleute waren der gemeinsamen Einladung des Südtiroler Heimatbundes und des Südtiroler Schützenbundes gefolgt. Die Gedenkrede hielt Gudrun Kofler, Abgeordnete zum Tiroler Landtag, die eine Enkelin des Freiheitskämpfers Jörg Klotz ist.

Hohe Geistlichkeit, liebe Schützen und Marketenderinnen, Tiroler Landsleute, liebe Freunde Tirols!

„…Und plötzlich waren sie da und haben mich mitgenommen. Die folgenden Tage und Nächte waren grausam. 60 Stunden ohne Essen, Trinken und Schlaf. Die meiste Zeit in Habtachtstellung und zeitweise mit erhobenen Händen. Das Radio wurde auf volle Lautstärke aufgedreht, damit die Schreie der Gefolterten nicht nach draußen drangen. Sie hatten es verstanden, uns körperlich zu quälen, uns durch Verhöhnungen seelisch fertig zu machen und durch schlimmste Methoden unseren Willen zu brechen… Unsere Peiniger hatten keine Ahnung, warum wir das taten. Sie hatten nicht im Geringsten begriffen, worum wir kämpften. Dass wir aufgestanden waren, um unser Volkstum zu verteidigen und für die Freiheit unseres Landes zu kämpfen.“

Das ist ein Auszug eines Erinnerungsberichtes eines Süd-Tiroler Freiheitskämpfers zu den Geschehnissen nach der Feuernacht 1961.

Nicht geschehen in einem Land, das keine Rechte und Strukturen kennt. Nicht geschehen in Zeiten eines tobenden Krieges, wo nahezu alle Menschenrechte ausgehebelt werden. Nicht geschehen weit, weit weg und vor langer, langer Zeit.

Nein. Genau hier. Auf dem Boden dieses Landes, auf dem wir stehen. Verbrochen von Vertretern eines Staates, der sich selbst so gern als demokratisch und weltoffen bezeichnete.

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Die nationalrevolutionären Wurzeln der 68er – und was davon übrig blieb

von Dr. Florian Sander

Die nationalrevolutionären Wurzeln der 68er – und was davon übrig blieb

Die Kinder fraßen ihre Revolution

Die 68er Studentenbewegung hat dieses Jahr ihr 55-jähriges Jubiläum gefeiert. Das 50. Jubiläum im Jahre 2018 brachte zu jenem Zeitpunkt eine Vielzahl von mal kritischen, mal befürwortenden, mal differenzierteren, mal undifferenzierten Artikeln, Essays und Publikationen zu diesem Anlass hervor. Leider ist, so muss man kritisch konstatieren, längst nicht jede Auseinandersetzung mit den 68ern aus dem rechten Spektrum allzu differenziert: Zumeist gilt die Studentenbewegung und deren Folgen, wie vor allem der vermeintliche „Marsch durch die Institutionen“ seitens der von 1968 geprägten akademischen Eliten, als eine Art Grundübel, welches die heutige Schieflage eines globalistischen, entgrenzenden und multikulturellen Linksliberalismus überhaupt erst derart produziert und vor allem als gesellschaftlichen Konsens etabliert habe.

Doch stimmt diese Diagnose? Bei genauerer Betrachtung, im Rahmen derer man sich sowohl Erkenntnisse der Geschichtswissenschaft und der soziologischen Protest- und Bewegungsforschung als auch Positionierungen der Akteure von damals selbst zu Gemüte führt, wird man feststellen, dass die Sache so einfach nicht ist. Vielmehr lässt sich feststellen, dass der „harte Kern“ der Außerparlamentarischen Opposition (APO) und des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS), welche die 68er Bewegung maßgeblich trugen, in weiten Teilen von einem Denken geprägt war, das mit dem heute grassierenden antinationalen Linksliberalismus nur sehr wenig zu tun hatte, sondern tatsächlich als „nationalrevolutionär“ im weiteren Sinne beschrieben werden kann. Dies traf (bzw. trifft) im Besonderen auf den Studentenführer Rudi Dutschke zu, der 1979 an Spätfolgen des Attentats auf ihn starb, aber auch auf den „zweiten Mann“ der 68er, den späteren Professor am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der FU Berlin, Bernd Rabehl, der heute gar als NPD-naher Hardliner gilt, ebenso wie auf den damaligen Berliner SDS-Landesvorsitzenden und Politologen Tilman Fichter, später Referent für Schulung und Bildung beim SPD-Parteivorstand und eher moderat nationalrevolutionär positioniert.

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Der sechsfache Krieg gegen die Deutschen

von Thor Kunkel

Der sechsfache Krieg gegen die Deutschen

Liest man die offiziellen Reaktionen auf die massive Machtdemonstration der Islamisten in Deutschland, dann beschleicht einen doch der Eindruck, dieses Land ist aufgrund der jahrzehntelangen Ausbeutung und Ausnutzung der einheimischen Deutschen ein „erschöpftes“, ja, des Lebens überdrüssiges Land. Die Leute haben einfach keine Kraft mehr, sich zu empören, zu organisieren und schließlich zu wehren. Der „Staat“ arbeitet ohnehin gegen sie, die Medien sind anti-deutsch eingestellt, der Kontrollverlust über das eigene Land war vorprogrammiert. Die „letzte Generation“ hat sich wahrscheinlich tatsächlich richtig bezeichnet, es sind lebensuntaugliche, psychisch deformierte Kretins, die sich schämen, am Leben zu sein. Jedes Volk, das verdammt dazu war, über ein halbes Jahrhundert Krieg gegen sich selbst zu führen, würde genauso reagieren wie jetzt die Deutschen. Sie sind buchstäblich „kriegsmüde“, und dies sind die Gründe der Zermürbung. 

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Die Auflösung des deutschen Volkes

von Klaus Kunze

Die Auflösung des deutschen Volkes

Das ethnische deutsche Volk befindet sich in amtlicher Auflösung. Diese Auflösung wurde von langer Hand geplant und wird jetzt quasi generalstabsmäßig durchexerziert. Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern das nüchterne Resultat eines Blickes auf die Fakten und auf die politischen Absichten der maßgeblichen Akteure.

Das deutsche Volk ist ein mehrdeutiger Begriff. Ursprünglich hatte es sich nicht zwingend mit Verwandtschaft zu tun. Zum folc gehörte in althochdeutscher Zeit, wer dem Kriegsvolk „folgte“. Einem wandernden Volk schlossen sich in der Völkerwanderungszeit vielerlei Leute an. Im Laufe der Jahrhunderte verband sich das Wort Volk aber fest mit dem Begriff des deutschen Volkes. Zu ihm zählte man alle Menschen deutscher Muttersprache.

Die harten Fakten und ihre Gründe

Bekanntlich lebten niemals alle Deutschen in einem Staat zusammen. Den verschiedenen deutschen Staaten haben immer auch Menschen angehört, die nicht deutsch sprachen. Volkszugehörigkeit ist ein faktischer Zustand, Staatsangehörigkeit ein rechtlicher. Daß die Staatsangehörigen der Bundesrepublik weniger würden, läßt sich nicht feststellen. Es können ausreichend Pässe nachgedruckt werden.

Der Unterschied war früher auch gesetzlich völlig klar:

“Deutscher Volks­zu­ge­hö­­riger im Sinne die­ses Gesetzes ist, wer sich in seiner Heimat zum deut­schen Volks­­tum bekannt hat, so­fern dieses Bekenntnis durch be­stimmte Merkmale wie Abstammung, Sprache, Erzie­hung, Kultur bestätigt wird” 

§ 6 BUNDESGE­SETZ ÜBER DIE VER­­TRIEBENEN UND FLÜCHT­LINGE (BGBL. I 1971, 1563 FF., UND DIE NEU­FAS­SUNG VOM 2.JUNI 1993, BGBL.1993, 829 FF. SOWIE ANDERE GE­SET­ZE.

Die Deutschen als Volk halbieren sich aber von Generation zu Generation. Das hat strukturelle Gründe und wird von einem mächtigen ideologischen Druck flankiert. Daß dieser spezifische Druck nicht die alleinige Ursache ist, zeigt uns ein Vergleich mit Nachbarländern, in denen der weltanschauliche Rückblick auf die Jahre vor 1945 zu einem positiven Verständnis der nationalen Identität führte und die trotzdem nicht dem Phänomen des anhaltenden Geburtenschwundes entgangen sind.

Die historische Demographie und die Genealogie weisen übereinstimmend auf, daß es seit Beginn schriflicher Aufzeichnungen über Geburten einen Sog vom Land in die Städte gab. Nie haben Städte ihre Einwohnerschaft aus sich selbst heraus reproduziert. Sie empfingen immer Zuzug vom Land. Bevölkerungsüberschuß auf dem Land, aber Bevölkerungsschwund in den Städten, das ist eine Gesetzmäßigkeit, deren Gründe gut erforscht sind. Stadtbürgern brachte Kinderreichtum häufig Armut, dem Landvolk fleißige Hände und eine Art Altersvorsorge.

Eine industrielle Massengesellschaft ist städtisch. Sie benötigt zu ihrem Bestandserhalt fortwährenden Zuzug. Heute leben die wesentlichen Teile der deutschen Bevölkerung in solchen Verhältnissen. Kinderreichtum wird wirtschaftlich nicht belohnt, sondern durch Absinken des Sozialstatus bestraft.

Die weichen Fakten und ihre Gründe

Wollen die Deutschen überhaupt noch ein Volk sein? In politischer Hinsicht ist das ihre Existenzfrage.

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Israel-Solidarität als deutsche Staatsräson? Unsere nationalen Interessen und das Selbstbestimmungsrecht der Völker

von Dr. Florian Sander

Israel-Solidarität als deutsche Staatsräson? Unsere nationalen Interessen und das Selbstbestimmungsrecht der Völker

Der Nahost-Konflikt als politischer Prüfstein

Wenn eine politische Streitfrage geeignet ist, reaktionäre Haltungen als solche zu entlarven, so ist es zweifelsfrei der Nahost-Konflikt. So begreifen sich nicht nur in den etablierten Parteien, sondern auch in der AfD manche Neokonservative, in diesem Punkt im Konsens mit der antideutschen Antifa, dezidiert als „zionistisch“ oder „radikal pro-israelisch“, weil man in Israel einen Vorposten „des Westens“ gegen den gemeinsamen Feind, sprich „den“ Islam, sieht. Vergessen ist in diesem Fall das Postulat vom Selbstbestimmungsrecht der Völker: Plötzlich ist Israel „Staatsräson“ und „westliches“ Blockdenken verdrängt das Primat des nationalen Interesses. Abseits solcher ideologischen NeoCon-Hardliner trifft man zudem auch auf viel undifferenzierte „Bauchgefühlsargumentation“: Palästinenser werden im Rahmen dieser assoziiert mit persönlichen Negativ-Erfahrungen mit arabischen Jugendlichen in Deutschland und innenpolitische Schauplätze werden affektiv auf die internationale Sphäre projiziert. Die Tatsache jedoch, dass die Palästinenser dort, wo sie leben, eben keine Einwanderer, sondern beheimatet sind und sich daraus im Gegensatz zur Migration in deutsche Sozialsysteme auch aus rechter Sicht viel legitimere Ansprüche ableiten lassen, gerät bei diesen Affekten regelmäßig aus dem Blick.

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Krautzone: Deutschlands libertärstes, reaktionärstes und heterofamilienfreundlichstes Meinungsmagazin

Zeitschriftenkritik von Werner Olles

Krautzone: Deutschlands libertärstes, reaktionärstes und heterofamilienfreundlichstes Meinungsmagazin

Die aktuelle Ausgabe (Nr. 35, Okt./Nov. 2023) der zweimonatlich erscheinenden „Krautzone“ befaßt sich in ihrem Schwerpunktthema mit dem „Höhenflug der AfD“. Die Angriffe der Altparteien würden wirkungsloser und vorhersehbarer, konstatieren die beiden Chefredakteure Florian Müller und Hannes Plenge in ihrem Vorwort. Programmatisch könne man die Partei in vielen Bereichen gar nicht mehr stellen, die sie als einzige lösungsorientierte und ideologiefreie Ansätze biete: Sichere Energieversorgung, konsequente Einwanderungspolitik statt unkontrollierter Zuwanderung, Familie statt KITA, Bildung statt Indoktrination, Schluß mit der Propagierung der unsinnigen LGTBIQ- und Gender-Projekte. Hinzufügen könnte man noch die Rücknahme der allein die deutschen Bürger und den Mittelstand schädigenden Sanktionen gegen die Russische Föderation und die Waffenlieferungen an die „lupenrein demokratische Ukraine“.

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Zum 100. Geburtstag von Otfried Preußler – sein „wir selbst“-Interview vor 25 Jahren

Zum 100. Geburtstag von Otfried Preußler – sein „wir selbst“-Interview vor 25 Jahren

Die in der Kindheit angesponnenen Geschichten erzählt er zu Ende. Interview zum 75. Geburtstag des Schriftstellers und Kinderbuchautors Otfried Preußler (er verstarb am 18. Februar 2013) in der Zeitschrift wir selbst (Nr. 2/1998)

Herr Prof. Preußler, Ihre Geschichten kennt buchstäblich jedes Kind. Aber Ihre eigene (Lebens-) Geschichte dürfte nicht ganz so bekannt sein. Erzählen Sie sie uns?

Ich bin ein Deutscher aus Böhmen, präzise aus Nordböhmen, bin am 20. Oktober 1923 geboren in der damals noch deutschen Stadt Reichenberg in Böhmen. Aufgewachsen bin ich in einem eher bescheidenen Elternhaus, wenn man von den materiellen Verhältnissen ausgeht. Aber: Es war ein Elternhaus voller Bücher und voller Geschichten.

Mein Vater war Hilfsschullehrer, wie es damals hieß, heute sagt man dazu Sonderschullehrer. Als Volkskundler und als Kunsthistoriker hat er sich eine große Bibliothek von einigen 6000 Bänden geschaffen. Mein erster Satz soll gewesen sein „Dorten oben Bücher“. Mein verstorbener jüngerer Bruder und ich hatten von klein auf unbegrenzten Zugriff auf Vaters Bibliothek, und wir haben regen Gebrauch gemacht davon. Ich glaube, von dort her, von Vaters Bücherei stammt meine Liebe zu Büchern.

Vater hat auch zahlreiche Dichter und Künstler als Freunde gehabt – Hans Watzlik zum Beispiel, den grandiosen Jugendstilillustrator Ernst Kutzer, Robert Hohlbaum – Dichter „zum Anfassen“, die schon frühzeitig den Wunsch in mir erweckt haben, auch einmal Geschichten zu schreiben.

Die Buchwelt, in die ich hineingewachsen bin, war das eine. Das andere waren die lebendig erzählten Geschichten, für die meine Großmutter eine Hauptquelle war, Vaters Mutter. Sie war eine einfache Frau vom Dorf, die in der Nähe der Sprachgrenze aufgewachsen ist. Der Urgroßvater hatte dort eine Fuhrmannsherberge. Und am Abend, wenn die Fuhrleute ausgespannt hatten, sind dann Geschichten erzählt worden. Und wenngleich nicht alle diese Geschichten für ein kleines Mädchen bestimmt waren, hat meine Großmutter eben zugehört und sie sich gemerkt. Als sie dann unsere Großmutter war, hat sie abendelang Geschichten erzählt.

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Kein Leben in Abkürzungen. Zum Tode von Martin Walser

von Dr. Florian Sander

Kein Leben in Abkürzungen. Zum Tode von Martin Walser

(Martin Walser verstarb am 26. Juli 2023).

Es muß etwa 2003 gewesen sein, kurz vorm Abitur: Im Deutsch-Leistungskurs hatten wir das Buch „Ein springender Brunnen“ von Martin Walser zu lesen und später in Form eines Referates vorzustellen. Ich: Damals noch überzeugter Juso, nicht nur – wie wohl noch heute – sozial- und wirtschaftspolitisch links, sondern auch gesellschaftspolitisch. Nicht flammend antifaschistisch, aber Internationalist. Ein Gespür für Walsers subtilen Erinnerungsansatz und seine Begabung, Vergangenheit erzählerisch als Gegenwart begreiflich zu machen, ging mir völlig ab. Als Schüler war die Lektüre für mich eher zähes Pflichtprogramm. Nun habe ich aber bis heute die (für Regale zuweilen im wahrsten Sinne des Wortes belastende) Angewohnheit, Bücher nicht wegzuwerfen. Ich konnte es nie, kann und will es bis heute nicht. Immer sagte ich mir: Jedes Buch hat seinen Wert, auch wenn du ihn (noch?) nicht siehst. Ich bin ein Bücher-Messie.

Vergangenheit als Gegenwart

Eine gute Einstellung, wie sich herausstellte. Eines Tages, viele Jahre und einige persönliche politische Entwicklungen später, sah ich wieder dieses alte Buch aus dem Deutsch-LK im Regal, auf den einzelnen Seiten die kritzeligen Bleistift-Anmerkungen eines ungeduldig-genervten Abiturienten, den damals ganz andere Dinge plagten als deutsche Erinnerungspolitik. Mittlerweile jedoch ausgestattet mit einem tieferen Bewußtsein über die Person Martin Walsers und seine Rolle als Intellektueller, seine Diskurse, Debatten und politischen Publikationen, auch über das Rückgrat, das er in diesen bewiesen hatte, schlug ich es wieder auf und las. Und las. Und las.

Nun wurde er mir zugänglich, dieser ganz besondere Ansatz der Erinnerungspolitik, den Marcel Reich-Ranicki so sehr attackiert hatte. Das Eintauchen in das Subjektive, in die, wie man in der Soziologie sagen würde, Mikro-Ebene, in die qualitative Dimension einer literarischen Sozialforschung verschaffte mir Einsichten in das Erleben der NS-Zeit, die man in dieser real existierenden Bundesrepublik nur noch selten zu lesen bekam. Aber Walser – irgendwie konnte er es sich erlauben. Und in der Gesamtsicht gesehen hat er sich ganz schön viel erlaubt. So viel, daß es aus meiner Sicht stärkere Beachtung unsererseits finden sollte.

Mindestens in den 60er und 70er Jahren galt Walser, wie sie viele seiner neuen westdeutschen Intellektuellen-Kollegen, als links: Trotz NSDAP-Mitgliedschaft ab 1944 setzte er sich später für Willy Brandt ein, stand gegen den Vietnam-Krieg, legte sich in einem Schriftwechsel mit der Deutschen Bank an, bereiste Moskau und zählte u. a. Ernst Bloch zu seinen Freunden. Wie falsch es jedoch wäre, sein Schaffen auf diesen doch eher klischeehaften biografischen Abschnitt zu verkürzen, zeigt der Blick auf sein späteres Wirken.

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Palästina: Warum sind die Teufel so teuflisch? Carl Schmitt hatte doch Recht

von Klaus Kunze

Palästina: Warum sind die Teufel so teuflisch? Carl Schmitt hatte doch Recht

Eine heile Traumwelt liegt in Scherben

Ach was muß man oft von bösen Buben hören oder lesen! Als einen der bösesten Buben des vergangenen Jahrhunderts beschimpfte der linksdrallige Moralistenchor jahrzehntelang den scharfsinnigsten Juristen seiner Zeit, Professor Carl Schmitt.

Was immer er geschrieben hatte: linksliberale Geisteszwerge behaupteten jetzt das genaue Gegenteil und hängten sich dafür gegenseitig alberne Orden und Ehrenpreise um. Wie viele andere Hirngespinste auch scheitert in unseren Tagen auch ihre Lieblingsutopie einer heilen Welt ohne Feindschaft. Generationen junger Deutscher wurde auf eine Kindergartenwelt voller hübscher bunter Luftballons, ewigen Frieden und freundlicher Menschengleichheit vorbereitet. Jetzt stehen sie fassungslos und orientierungslos dumm da, die Generation der Baerbocks, Habecks und Co.

Für die kleine intellektuelle Minderheit, die noch Carl Schmitt gelesen hat, gibt es dagegen nichts politisch Unerklärliches, weder in der Ukraine noch in Palästina. Alles Land, das heute vom Staat Israel beansprucht wird, hieß 1900 noch Palästina. Dort lebten zu 70% Araber und zu 17% Juden (Der Große Herder, 4.Aufl., Freiburg 1934).

Ernst Debes Neuer Handatlas Leipzig 1900.

Die Geschichte der weiteren Ansiedlung von Juden in Palästina ist die Geschichte fortlaufender militärischer und später struktureller Gewalt. Arabische Palästinenser wurden enteignet und vertrieben. Unter welchen Lebensbedingungen zwei Millionen ihrer Nachkommen im Gaza-Streifen gehalten werden, ist allgemein bekannt. Ihr jüngster und bisher größter Aufstand unter Hamas-Flaggen wurde vorige Woche von einem israelischen Minister mit den Worten kommentiert, die Hölle habe sich geöffnet. Das stimmt. Von Palästinensern in jüdischen Siedlungen begangene Greueltaten sind so abscheulich, daß allenfalls das Adjektiv teuflisch noch der Grausamkeit an persönlich Unschuldigen gerecht wird.

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