Gotik: Maß und Ziel

von Klaus Kunze

Gotik: Maß und Ziel

Unserer Zeit sind weitgehend das rechte Maß und die rechte Form abhandengekommen. Die Architektur früherer Epochen war menschlich. Sie wies eine geistige Struktur auf. Sie war für ihre Erbauer Maß und Ziel zugleich. Der gotische Pfeiler der St.Lorenz-Kirche in Nürnberg bricht seine gewaltige Baumasse durch filigrane Rippung auf:

St. Lorenz-Kirche in Nürnberg

Was der Bombenkrieg uns gelassen hat, bildet Oasen der geistigen und emotionalen Normalität. Gotische Architektur strahlt stimmungsvolle Ruhe, zugleich aber auch Dynamik aus. Alle Gedanken und Sinne ihrer Erbauer waren himmelwärts gerichtet. Und dorthin lenkt sie unseren Blick.

Magdeburger Dom

In der Gegend des Magdeburger Doms lebten seit unvordenklicher Zeit meine Vorfahren. Wie oft mögen sie bewundernd emporgeblickt haben? Der Dom war optischer Mittelpunkt und Fluchtpunkt für Tausende bei dem entsetzlichen Gemetzel am 20. Mai 1631, als die Stadt im 30jährigen Krieg erobert wurde. Und er überstand den 16. Januar 1945, als die Stadt um ihn herum im Bombenhagel versank.

In Filmen sehen viele Menschen fasziniert romantische Architektur und erfreuen sich an zauberhaften Anblicken wie in „Hogwarts“, der Zauberschule. Mitten in Deutschland gibt es noch viele solche verwunschenen Ecken, oft versteckt zwischen Straßenschluchten und modernen Betonpalästen.

Magdeburger Dom, Chor

Zuerst veröffentlicht auf: http://klauskunze.com/blog/2019/10/21/mass-und-ziel/

Klaus Kunze

Klaus Kunze, seit 1984 selbständiger Rechtsanwalt in Uslar, von 1970-71 Herausgeber eines Science-Fiction-Fanmagazins, von 1977 bis 1979 Korrespondent der Zeitung student in Köln, seit 1978 diverse Beiträge in genealogischen und heimatkundlichen Fachzeitschriften, seit 1989 Beiträge für politische Zeitschriften wie u. a. die Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT

Autor des Buches:

Theodor Lessing

Zahlreiche Aufsätze, die Henning Eichberg unserer Zeitschrift schon vor Jahren zur Verfügung gestellt hatte, sind noch unveröffentlicht. Auf unserer Internetseite möchten wir diese, soweit sie noch von aktueller Bedeutung sind, unseren Lesern vorstellen. Wir erhoffen uns kontroverse Diskussionen.

von Henning Eichberg

Theodor Lessing

Der Philosoph, Psychologe und Kulturkritiker Theodor Lessing (1872-1933) stiftete in der Weimarer Republik als Feuilletonist Unruhe. Mit satirischen Artikeln und Fallstudien machte er auf restaurative Tendenzen seiner Zeit aufmerksam, von den Fememördern über Polizei und Justiz bis zur Gestalt des Reichspräsidenten Hindenburg. Von „rechts“ her versuchte man, seine Vorlesungen an der Universität zu sprengen und zu unterbinden; in ihm traf man „den zersetzenden Juden“. 1933 emi­grierte er in die Tschechoslowakei, wo ihn in Marienbad ein SD-Kommando erschoss; es erhielt dafür 80 000 RM zum Lohn.

Aber auch die „Linke“ konnte mit Theodor Lessing nicht eigentlich etwas anfangen. Das hatte mit dem Kern seiner Kultur- und Gesellschaftskritik zu tun.

In seinem Hauptwerk „Untergang der Erde am Geist“ (Hannover: Wolf Albrecht Adam, 3.Aufl. 1924, Erstfassung „Europa und Asien“ 1916) entwarf Lessing eine fundamentale Kritik der westlichen Lebensweise. Im Namen von Industrie, Machbarkeit und Fortschritt werden die Natur zerstört und die Volkskulturen ausgerottet – die Umwelt vernutzt, der Wald vernichtet, die Natur vergiftet, das Leben entseelt. Es herrscht das Geld. Mit Lessing erreichte das ökologische Bewusstsein einen frühen Höhepunkt, als eine radikale Kulturkritik. Amerika mit Indianerausrottung, Arbeiterunterdrückung und Zerstörung der Völker war ihm ein gesteigerter Ausdruck des Westlertums, hervorgewachsen aus der Logik der europäisch-christlichen Geschichte. Die Naturkrise der Moderne hatte, so zeigte er, ihre Voraussetzungen in der Ausrottung des alteuropäischen Heidentums. Erst wurden die einheimischen Alben und Holden vernichtet, dann ging es den außereuropäischen Völkern, den Beduinen, Eskimos, Indianer, Grönländer, Papuas an die Existenz, und schließlich der natürlichen Umwelt.

Der Geist von Technik, Zivilisation und christlicher Selbsterhöhung des Menschen stößt also in aller Schärfe mit dem Leben zusammen, wie es in den heidnischen Naturgeistern, im Osterei, in der Edda, in Yggdrasil und Odin zum Ausdruck kam, aber auch in der islamischen Sufi-Mystik, im Lachen des Buddha und nicht zuletzt im frühjüdisch-heidnischen Naturmythos. Dort, in der „Volkheit“, seien die Quellen des Widerstands und der Erneuerung zu finden. Nach 1945 fanden die Staatsphilosophien weder in Ost noch in West einen Zugang zu solcher Kritik. In der DDR galt Lessing als „bürgerlicher Intellektueller“, dessen „abstrakt-idealistisches“ Denken letztlich „antikommunistisch“ war. In Westdeutschland hätte die Radikalität, mit der Lessing Kapitalismuskritik, Naturbewusstsein und „Volkheit“ verband, ihn der Verfassungsfeindlichkeit verdächtig gemacht. Wo Lessing vereinzelt erwähnt – auch nachgedruckt – wurde, geschah das meist am Rande intellektueller Diskussionen und verharmlosend oder direkt entstellend. Das ermuntert zur Wiederbegegnung mit dem Original.

„Eine grausam unerbittliche Maschine walzte Kultur dahin […] Längst hinweggewischt und geschwunden ist die gesamte Tierwelt Europas, deren Abbilder wir noch finden in den Höhlen von Perigord und Dordogne in Südfrankreich oder, eingeritzt und in Ocker ausgemalt, in den Felsen der Pyrenäen: die gewaltigste Tierwelt der Erde. – Was ist in Deutschland binnen [einhundert] Jahren vom Erdboden weggeknallt? Auerochs, Tarpan, Wisent, Bär, Lux, Wolf, Elch, Wildkatze, Biber, Otter, Marder, Nerz. – Demnächst auch: Eber, Wiesel, Dachs und Fuchs. Von mehreren tausend Vogelarten blieben wenige hundert übrig […] Zu diesem Frevel am Tier, welch unerhörter Frevel an Aue und Wald! Die Einöden Syriens, Griechenlands, der jonischen Inseln, einst der Erde reichste Gärten; die Abhänge der Provence, heute Felsen- und Murentäler, aber einst geheimnisrauschender Wald; Kleinasiens steinige Kalkwüste, einst voller Blumen ein Gartenland; der leichenhafte, todtraurige Karst, ausgemergelt von der Habgier venetianischer Krämer […]; bald auch unser morgendliches Deutschland, in Haide, Stoppel und Steppe verwandelt, […] alle diese geschändeten Erdstriche zeigen, wie die Natur am wälderverwüstenden Menschen sich rächt, der die blühende Lebenswelt vermarktet, verkrämert, verhandelt. […] Man erschlägt in jedem Jahr 10 Millionen Robben! […] Nein! […] Man erschlägt sie nicht. Das wäre nicht wirtschaftlich. Man zieht den Lebenden das Fell vom Leibe und läßt sie liegen. Sie sterben von selbst.“

Theodor Lessing, „Die verfluchte Kultur“ (1921)

Henning Eichberg

Henning Eichberg (1942 – 2017), Kultursoziologe und Historiker, der seit 1982 in Dänemark lehrte, war bereits seit den ersten Ausgaben der Zeitschrift wir selbst (Gründung im Jahre 1979) der inspirierende Kopf. Sein intellektuelles Fluktuieren zwischen rechten und linken Denkströmungen, seine linksnationale, ethnoplurale Kritik am rechten Etatismus und seine radikale ökologische Orientierung wurden für uns programmatisch wegweisend, jedoch nie zu Dogmen.

Autor der Bücher:

Gedicht: DDR

»In der Menschenveredelungsanstalt«, 1962, Sieghard Pohl, Urfassung vom Staatssicherheitsdienst beschlagnahmt 1963; Quelle: Sieghard Pohl, »extra muros«. Kurzprosa Grafik Malerei Objekte, erschienen im Verlag Siegfried Bublies, Koblenz 1990.

DDR

Gedicht von Siegmar Faust

Was heißt das? Double Data Rate – Ah, ja! Hatte das
irgendwann mal eine Bedeutung? Was steckt dahinter?
Eine Stadt? Ein Staat? Eine besondere Duftnote fürs
Fußvolk im Reich der Überflüssigkeiten?
Man hört gelegentlich: Sie war – ein real existierender Wahn.
Mehr noch: ein Besatzungskahn voller Größenwahn.

Und nun? Ist sie in einer größeren Einheit aufgegangen?
Oder gar untergegangen?
Auf welchem Grund sollte sie grundlos liegen? In welchem
Ozean welcher Geistergeschichte?

Sie liegt. Sie lag. Sie log.
Sie log sich in den Fluss der Geschichte.
Ihr maßgebender Fluss war die Elbe.
Von Süd nach Nord: Ein deutscher Fall.
Lass, Robert, lass sein
Nee, schenk mir kein’ ein!
Abgang ist überall…[2]

Da ging die Post ab – als die DDR noch lebte und bebte.
Da kam nichts an – nichts kam unkontrolliert an deren
Bewohner heran. Da kontrollierte die Kontrolle die Rolle
der Kontrolle. Ein sportlicher Selbstläufer mit Goldmedaille.
Selbst die fiesen Friseure frisierten ihre Gedanken auf
das kürzeste Niveau herab. Wie gesagt: Da ging was ab!

Eine einzige DDR auf der Welt machte die DDR zur einzigen
DDR der Welt. Mehr war nicht drin. Das Leben, welches
das unsere verbarg, mied uns niederträchtig bis auf die Knochen.
Nichts war dran an dieser so roten wie begehrten Witwe.
Aller Bestand an ihr war Sand: in Hülle und Fülle.

Die Wüste wuchs. Wenigstens einer sah es so kommen –
ausgerechnet der Herr Nietzsche, lange vor seinem Delirium.
Doch in aller wüsten Weile wuchs der Sand zum Gebirge auf.
So hätte er wachsen müssen laut Plan.

Aber die Feinde des Konsum-Sozialis-Mus!
Neben den vier Himmelsrichtungen waren es vor allem:
Der Frühling, der Sommer, der Herbst und der Winter.
Besonders feindselig war der Herbst im Frühling, als alle
Blütenträume reifen sollten – und als Schoten platzten.

Es kam zur Ebbe auf allen Ebenen. Sogar der Sand
wurde knapp. Was sollte der Sandmann den Kindern noch
in die Ohren streuen? Juckpulver war ausverkauft.
Aus den Nasen tropfte trotzig der Rotz.
Wer nichts hören wollte musste es sehen, was nicht mit
anzusehen war: Geruchsproben im Einweckglas.
Das Ende vom Lied der klassenlosen Blamage.

Des Staates Nummer Eins war sich alles in allem:
vorne Er, hinten ich: Erich –
ein Leib ohne Seele, aber Vorsteher und Vorsitzender
aller Sitze und ummauerten Besitze.
Süßsauer lächelnd meldete er seine Erfolge, als hätten
wir die DDR dem Meer abgerungen.
Wirklich, es war ein Meer von Trümmern [3]

Wer sich erinnert, der hat mehr von der Vergangenheit,
aber weniger vom flotten Leben.
Es soll doch eine Dee Dee eR gegeben haben – das behaupten
Außenstehende. Ich aber habe sie erlebt, erlitten und habe es
immer wieder bestritten. Ich lasse mich weniger als dreimal
bitten und bringe sie nun zum Ausdruck, wenn mein Drucker mitspielt.

Ansonsten müsste ich mich selber ausdrücken oder
ausdrucken, das gäbe ein Gedruckse, ein wahres Erbrechen –
Wilhelm Dilthey stehe mir bei!

Das Erbrochene oder Versprochene führt
gerade hin zum Un-Sinn des Verstehens und meines Gehens
bis an den Rand, den ich halte, einhalte, zuhalte.

Halt! Grenzgebiet! Innerdeutsche Grenze – auch Zonengrenze,
Eiserner Vorhang, Antifaschistischer Schutz- oder
Schmutzwall geheißen. Ich hab’s vergessen, denn solche
Grenzerfahrung mündet stets in
einem Minenfeld unschuldigster Mienen.

Unsre Heimat, das sind nicht nur die Städte und Dörfer… [4]

Unsre Heimat. Das Unsere. Geliebt will es werden, das
Verfluchte. Es versprach uns… Nein, es verspricht uns
weiterhin Einweisung, Brustnahme, Trostspende. Das Unsere
will uns zukunftsweisend einmauern, einkaufen, einschläfern.

Tja, wo sterben wir denn?
Immer noch in der DDR oder schon wieder in ihr?
Sind wir noch oder wieder für immer und unwiderruflich [5]
mit den Völkern der verbrüsselten Sowjet-Union vernudelt?

Der Schein und die Ewigkeit – doch die namenlose Zeit
inspirierte uns zu mehreren Freunden und Feinden.

Ja, sie gibt es.
Gibt es nicht. Gibt es nicht mehr.
Gibt es nicht mehr auf: dem Meeresgrund, wo die Zukunft
nicht mehr ganz richtig unter den Sanduhren tickt.

Der letzte Singsang auf dem abendländisch-sozialistischen
Luxusdampfer „Titanic“ hieß gewiss:
Brü-hü-der, zur Son-ne, zuuuuur Fr..h..t… [6]

Quellen:

[1] Es wird keine DDR mehr geben. Sie wird nichts sein als eine Fußnote in der Weltgeschichte. (Kommentar von Stefan Heym im Fernsehen zum Wahlergebnis der Volkskammerwahl der DDR am 18.3.1990)

[2] Aus dem Refrain von Wolf Biermanns Lied „Enfant perdu“

[3] Aus Volker Brauns Gedicht „Prolog“ zur Eröffnung der 40. Spielzeit des Berliner Ensembles am 11. Oktober 1989

[4] Beliebtes Kinderlied, gesungen von einem Kinderchor der DDR.

[5] Im Artikel 6 der DDR-Verfassung hieß es: Die Deutsche Demokratische Republik ist für immer und unwiderruflich mit der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken verbündet.

[6] „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit“ – Kampflied aus der Arbeiterbewegung. Text: Leonid P. Radin, 1897, Nachdichtung: Hermann Scherchen, 1918; Musik: russische Volksweise

Siegmar Faust

Siegmar Faust, geboren 1944, studierte Kunsterziehung und Geschichte in Leipzig. Seit Ende der 1980er Jahre ist Faust Mitglied der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), heute als Kuratoriums-Mitglied. Von 1987 bis 1990 war er Chefredakteur der von der IGFM herausgegebenen Zeitschrift „DDR heute“ sowie Mitherausgeber der Zeitschrift des Brüsewitz-Zentrums, „Christen drüben“. Faust war zeitweise Geschäftsführer des Menschenrechtszentrums Cottbus e. V. und arbeitete dort auch als Besucherreferent, ebenso in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Er ist aus dem Vorstand des Menschenrechtszentrums ausgetreten und gehört nur noch der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik und der Wolfgang-Hilbig-Gesellschaft an.

Fast mein halbes Leben …

von Jupp Koschinsky

„Frage: Du liebst dein Vaterland, nicht wahr, mein Sohn? Antwort: Ja, mein Vater; das tu ich. Frage: Warum liebst du es? Antwort: Weil es mein Vaterland ist. Frage: Du meinst, weil Gott es gesegnet hat mit vielen Früchten, weil viele schöne Werke der Kunst es schmücken, weil Helden, Staatsmänner und Weise, deren Namen anzuführen kein Ende ist, es verherrlicht haben? Antwort: Nein, mein Vater; du verführst mich. Frage: Ich verführte dich? Antwort: – Denn Rom und das ägyptische Delta sind, wie du mich gelehrt hast, mit Früchten und schönen Werken der Kunst, und allem, was groß und herrlich sein mag, weit mehr gesegnet, als Deutschland. Gleichwohl, wenn deines Sohnes Schicksal wollte, daß er darin leben sollte, würde er sich traurig fühlen, und es nimmermehr so lieb haben, wie jetzt Deutschland. Frage: Warum also liebst du Deutschland? Antwort: Mein Vater, ich habe es dir schon gesagt! Frage: Du hättest es mir schon gesagt? Antwort: Weil es mein Vaterland ist.“

(aus Heinrich von Kleist, Politische Schriften des Jahres 1809)

Unsre Heimat,
das sind nicht nur die Städte und Dörfer.
Unsre Heimat sind auch all die Bäume im Wald, unsre Heimat
ist das Gras auf der Wiese, das Korn auf dem Feld und die Vögel
in der Luft und die Tiere der Erde.
Und die Fische im Fluß sind die Heimat.
Und wir lieben die Heimat, die schöne.
Und wir schützen sie, weil sie den Banken gehört,
weil sie den Banken gehört.

(eigentlich „weil sie dem Volke„, beziehungsweise „unserem Volke gehört„, Lied der Pionierorganisation „Ernst Thälmann“ in der Freien Deutschen Jugend der DDR, Worte von Herbert Keller, letzte Zeile abgewandelt von Uwe Steimle)

Fast mein halbes Leben …

…war der Todesstreifen zwischen der BRD und der DDR traurige Wirklichkeit. Als ich meine vaterlandslosen Flegeljahre hinter mir gelassen und die blauen Besatzer-Buchsen endgültig ausgezogen hatte, empfand ich mich immer mehr als das, was ich ja war, nämlich als Deutscher. Zur Wiedergeburt meines Landes in mir trugen nicht wenig die Begegnungen mit Angehörigen anderer Völker bei, in deren Gesellschaft ich suchte, was ich nicht benennen konnte, jedenfalls aber bei meinen Landsleuten nicht fand und auch mir selbst schmerzlich abging. Diese Fremden sangen – unabhängig von ihrer politischen Ausrichtung, die ich in den wenigsten Fällen kannte – ganz selbstverständlich das Hohelied ihrer Heimat und heute ahne ich, daß sie etwas hatten, was mir fehlte: Identität!

Meine Eltern verließen mit mir die DDR, als ich ein Jahr alt war. Da mein Vater sich weigerte, der SED beizutreten, waren seine beruflichen und damit wirtschaftlichen Aussichten begrenzt, also ging er. Nie wäre ihm eingefallen, sich als Flüchtling zu bezeichnen, womit er auch auf gewisse finanzielle Vorteile verzichtete, die es damals von amtlicher Seite wohl gab. Er verachtete Leute, die aus den nämlichen Gründen und unter ähnlichen Umständen ihre (mitteldeutsche) Heimat verlassen hatten und sich selbst mit dieser Bezeichnung einen Abenteurermantel umhingen, der ihnen nicht zustand. Flüchtlinge, das waren die, die unter Einsatz ihres Lebens und ihrer Gesundheit Mauer und Stacheldraht überwanden.

In meiner Kindheit war Mitteldeutschland mir ferner als irgendein anderes Land. Die alten Verwandten, die uns besuchen durften, waren Habenichtse aus einer unwirklichen Welt, die vergebens meine Nähe suchten und deren Schauermärchen mich nicht interessierten. Hätte ich nur mehr gefragt und zugehört!

Später, als mir fast die ganze Welt offenstand, sehnte ich mich dagegen immer mehr danach, einmal meine Geburtsstadt in Sachsen zu sehen, an die ich ja nicht die geringsten Erinnerungen hatte. Allein, die Schikanen der Grenzpolizisten bei der Fahrt von West-Berlin nach West-Deutschland auf der sogenannten Transitautobahn reichten mir und das ganze Hickhack eines Besuchs in der „Zone„, das meine Eltern immer wieder einmal auf sich nahmen, wollte ich mir nicht antun. Aber wie oft stand ich vor diesen Grenzanlagen und schaute hinüber, mißtrauisch durch’s Fernglas von DDR-Grenzpolizisten beäugt. Die da drüben, auch die GrePos, das waren doch meine. Wie konnte uns so eine Monstrosität trennen? Ich unterstützte zu der Zeit mit gelegentlichen Spenden den Bundeswehrarzt Reinhard Erös, der auf eigene Faust afghanische Freischärler, die gegen die Sowjets kämpften, medizinisch versorgte und einen Sender namens „Radio freies Afghanistan“ ins Leben rief. Auf meinem Auto hatte ich einen diesbezüglichen Aufkleber. Als ich mich wieder einmal auf Transitautobahn-Grenzübergangs-Schikanen eingestellt hatte, trat ein schon alter DDR-Grenzer ans Fenster und fragte mich danach. Ich dachte nichts zu verlieren und tat ihm unverblümt meine Verachtung für das sowjetische Vorgehen in Afghanistan kund. Damals ahnte ich noch nicht, daß die Sowjets nur in das offene Messer gerannt waren, daß ihnen die Amis aufgestellt hatten. Er hörte sich alles ruhig an, dann lächelte er leicht, deutete einen militärischen Gruß an und wünschte mir ohne weiteres Gute Fahrt.

Und dann kam der 9. November 1989. Ich hatte im Rhein-Main-Gebiet zu tun und hörte abends in den Nachrichten vom Fall der Mauer. Es war ungeheuerlich. Ich kann das Gefühl, das mich durchströmte, kaum begreifen, eine Mischung aus Ergriffenheit, Jubel, Zweifel.

Am nächsten Morgen kaufte ich am ersten „Wasserhäuschen“ (kennen nur die Hessen, oder?) eine Flasche Sekt und schenkte sie meinen Kollegen aus: „Die Mauer ist gefallen!“ Auch sie wollten es nicht glauben. „Eigentlich müßten wir jetzt die National-Hymne singen“ meinte einer, aber wir alle konnten und trauten uns nicht. Da war sie wieder, diese seltsame Verdruckstheit dem eigenen gegenüber!

Aber seit damals feiern wir privat an jedem 9. November den Mauerfall: Aus Packpapier oder Kartons wird eine Mauer errichtet, besprüht, und dann – nach einem Vortrag, einem kleinen Theaterstück oder ähnlichem – gestürmt (besonders für die Kinder ein Spaß) und das Lied der Deutschen gesungen. Einen Schluck Sekt gibt’s auch. Kaum jemand veranstaltet so etwas. Warum? Es kommen Leute vorbei, die fragen „Was war denn am 9. November?“ Dabei ist der doch unser deutscher Schicksalstag.

Dieses Mal nun wird er, weil’s ein runder Jahrestag ist, auch von den Eliten des herrschenden politisch-medialen Komplexes gefeiert. In anderen Jahren steht regelmäßig die viel vergangenere unselige Reichskristallnacht im Vordergrund. Diese Eliten, an deren Wesen nicht nur wir Deutschen, sondern die ganze Welt genesen soll, können den Mitteldeutschen (und den Russen!) bis heute die deutsche Einheit nicht verzeihen. Es ist ihnen anzusehen und -zuhören, wie sie innerlich mit den Zähnen knirschen. Sie alle wollten was auch immer, die Wiedervereinigung jedenfalls keinesfalls, allen Sonntagsreden zum Trotz. Als sie nicht mehr zu verhindern war, waren sie selbstverständlich schon immer alle dafür gewesen, wie billig, und heute haben sie und nicht die aufmüpfigen Mitteldeutschen diese herbeigeführt.

Hätte mir einer damals erzählt, daß in dreißig Jahren Deutschland so aussähe wie heute, hätte ich ihn ausgelacht. Niemals! So verlogen, so heimtückisch konnte keine angeblich demokratische Elite, so schlafmützig kein Volk sein!

Ich mag und brauche nicht aufzählen, was alles seitdem schiefgelaufen ist. Wieviel vergifteten Tand haben wir schon von einer boshaften Stiefmutter bekommen und welche vergifteten Äpfel wird sie uns noch andrehen? Wieviele Träume von einem freien (sprich souveränen), fruchtbaren, friedlichen Deutschland inmitten eines Europas von lauter ebensolchen Vaterländern, die einander sein lassen, was sie sind, und einander anregen, sind zerplatzt, wieviele ihrer eigenen Gesetze und Verträge haben die hauptamtlichen, wohlbestallten meineidigen Geßlers unter’m Beifall ihrer ebenso wohlbestallten zahlreichen Mitläufer gebrochen oder zurechtgebogen, wie sehr ist die herrschende Politik zur Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln geworden? Es würde Bände füllen. Beiläufig nur eines: Sind die Nacktbadestrände im Zuge der massenhaften „kulturellen Bereicherung“ nicht rarer, die Paradiese der mitteldeutschen Ostseeküste nicht kleiner geworden?

Die Wochenzeitung „Die Zeit“ titelte vorige Woche „63% der Deutschen glauben, man müsse sehr aufpassen, wenn man seine Meinung öffentlich äußert“ und entblödet sich nicht zu fragen „Wie kann das sein?

Was für ein Hohn!

Ein alter Kommunist (ich meine, ein wirklicher Linker wie zum Beispiel Stephan Steins, also Gegner des Großkapitals und nicht dessen „Knüppel aus dem Sack„), der seine Gesprächspartner nach Sympathie und nicht nach Gesinnung aussucht, erzählte mir einmal, er habe bei der Nachricht vom Fall der Mauer geweint: „Jetzt würde ganz Deutschland amerikanisiert werden!“ und meine Mutter, eine kleine tapfere Frau prophezeite „Jetzt kriegen wir bald Zustände wie in der DDR“. Es ist alles viel schlimmer gekommen. Deutschland und das deutsche Volk sind in ihrer Substanz und ihrem Fortbestand so gefährdet wie nie. Warum also feiern?

Weil es immer noch wunderbar ist, – einfach so! – von West- nach Mitteldeutschland oder umgekehrt zu fahren; weil „in Saggsen“ immer noch „de schönsdn Mädchn waggsen„; weil wir unseren mitteldeutschen Landsleuten Dank und Achtung schulden; weil der Jubel dieses Tages nicht vergessen werden darf; weil die Geschichte Sprünge macht (Henning Eichberg) und nicht immer einfach so weitergehen muß; weil jeder Mensch das Recht hat, bei sich zuhause zu sein und der, der den eigenen Leuten nicht die Heimat gönnt, auch nicht zögern wird, sie anderen zu zerstören; weil wir dieses Land, für das unsere Vorfahren gelitten und gerungen haben (und täusche sich niemand: Jeder trägt seine Ahnen in und mit sich!) nur als Treuhänder bekamen, um es an unsere Kinder weiterzugeben; weil nur freie, selbstbewußte Völker die Planierung der Erde aufhalten können; weil wir selber heile sein müssen, um die Erde heil und heilig halten zu können; weil – wir selbst es uns wert sein sollten.

Jupp Koschinsky

Immer wieder montags

von Klaus Kunze

Immer wieder montags

„Das Land ist ja frei, und der Morgen tagt …!“ Wir füllten den kleinen VW-Polo mit lautem Jubel und mit Theodor Körners Lied von 1813. Wie dessen „wilde, verwegene Jagd“ kamen wir uns fast vor, kurz hinter jener Zonengrenze, die mein Leben lang eine Albtraumgrenze gewesen war. Jetzt, Anfang Januar 1990, durften wir visumfrei einreisen und kurvten über nasse Kopfsteinpflaster der F80 ostwärts.

In Leipzig ereignete sich an jenem Montag Geschichte. Meine Kinder sollten einst sagen können: „… und wir sind dabei gewesen.“ Dabei kannten sie das Land schon, in dem ihr Vater 37 Jahre zuvor geboren worden war. Grenze und Todesstreifen hatten uns nicht abschrecken können, unsere Verwandten zu besuchen.

Der Augustusplatz stand schon halbvoll. Damals hieß er Karl-Marx-Platz. Wir erklommen die Stufen der Oper, damit meine Kleinen über die Köpfe der Menge hinwegsehen konnten. Die Stimmung knisterte wie bereites Flügelrascheln eines Heuschreckenschwarmes, der gleich auffliegen will. Überall gespannte, frohe Mienen. Fahnen wurden über den Köpfen der Menge geschwenkt. „Wir sind das Volk!“ wurde lauter und lauter.

Die bis zu den gegenüber liegenden Häusern wogende Menge brach auf. Wir reihten uns ein. In breiter Front ging es über den Georgiring nordwärts. Weinte ich Freudentränen? Lösten sich uralte Traumata? In meiner Kindheit hatten an einem Abend im Jahr auf den Fensterbrettern jeder Wohnung in der Moltkestaße in Köln Kerzen gebrannt. Sie erinnerten an unsere Brüder und Schwestern in der Ostzone, die dort eingesperrt und nicht frei waren. Meine 1955 geflüchteten Eltern erzählten oft und viel von ihnen. Ihre Erzählungen bildeten den festen Kern meiner kindlichen Vorstellung von der Welt: der Welt wie sie war, aber nicht der Welt, wie sie sein sollte.

Der Demonstrationszug erreichte schnell den Hauptbahnhof und bog nach links ab, wir mitten drin. Das größte Bahnhofsgebäude Deutschlands. Stumm grüßten uns seine steinernen Löwen und hielten das sächsische Wappen, als warteten sie treu darauf, bis die steinerne Wettiner-Krone wieder ergänzt sein würde. Die SED-Herrschaft drohte das ganze Land in eine verfallende, graue Einöde zu verwandeln. Wanderer zwischen beiden Welten waren wir zu lange gewesen. Wir pendelten jahrelang als Westbesucher zwischen dem bunten Westen und einem grauen Osten hin und her, dessen einzige Farbtupfer rote Fahnen und Banner an jeder Ecke waren. Grau war auch das Haus, in das meine Mutter mit mir 1955 hatte einziehen müssen, in jene schimmelige Wohnung mit Pilz an der Decke. Mein Vater, Parteisekretär, war als erster in den Westen abgehauen. So hatte die SED meiner Mutter die Neubauwohnung entzogen, die nur für privilegierte Genossen vorgesehen war.

Unverdrossen und frohgemut ließ unsere Montagsdemo den Bahnhof hinter sich und näherte sich dem Tröndlinring, heutigem Goerdelerring. Wenn eingeschüchterte Menschen ihre Angst verlieren und sich zu einer Menschenmasse zusammenfinden, wächst ihr Mut. Die Menge an Menschen gibt Sicherheit. Zum System des SED-Terrors hatte jahrzehntelang gehört, die Menschen zu vereinzeln. Allein saß man im blendenden Lampenschein den Verhörpersonen gegenüber. Die wußten sowieso meistens schon alles. Der totalitäre Staat säte Mißtrauen unter die Menschen. Jeder konnte nämlich ein Spitzel sein. Viele waren es tatsächlich. Die anderen flüchteten in die innere Einsamkeit.

Heute taten uns die Volkspolizisten am Straßenrand nichts. Am damaligen Friedrich-Engels-Platz bogen wir wieder links ab, um im Karree zum Rückweg einzuschwenken. An der Straßenecke des Neuen Rathauses wurde es leiser. „Da drin sitzt die Stasi!“, munkelte es. Jahre nach ihrer Flucht waren meine Eltern noch schweißgebadet nach Angstträumen aufgewacht. Ich wußte schon als kleiner Junge, wer der Feind war und wo er war. In kindlicher Empathie und Elternliebe hätte ich meine Eltern gern beschützt. Aber das allgegenwärtige Gefühl menschlicher Ohnmacht gegenüber der brutalen Allmacht des roten Systems reichte bis nach Köln und mir bis ins Kinderherz.

Ich atmete tief durch spottete innerlich der von den Stasifenstern auf die Demo gerichteten Fotoapparate. Vorbeiziehende Demonstranten zu fotografieren ist nun einmal das Hobby der Schergen kommunistischer Gewaltherrscher und ihrer geistigen Nachkommen bis heute. Inzwischen hatte ich selbst längst meine eigene Stasi-Akte, das konnte ich mir denken. Lesen durfte ich sie erst viel später. Meine Gedanken schweiften wieder in meine Kindheit. Auf der Straße vom Rudolfplatz zum Neumarkt in Köln hatten über einem Geschäft in roter Farbe die Buchstaben ZPK geprangt. Meine Eltern faßten mich fester und rannten in einem ersten Impuls weg. ZPK hatte aber nicht mit dem ZK zu tun, dem Zentralkomittee „Einheitspartei“ von KPD und SPD, sondern war nur eine harmlose Änderungsschneiderei.

Alles Vergangenheit, vorbei. Sie lagerte unauslöschlich in meinem Gedächtnis. Unter meinen Füßen aber lag jetzt wieder die Gegenwart. Wir näherten uns wieder dem Ausgangspunkt der Demo. Die Zukunft würde die Wiedervereinigung dieser beiden Teile Deutschlands bringen. Das war unabwendbar und stand mir klar vor Augen. Am 28.3.1988 hatte ich in der FAZ geschrieben:

„Man kann niemanden mit Verstandesgründen von der Wichtígkeit operativ betriebener Deutschlandpolitik überzeugen, der nicht bereits in seinem tiefsten Herzen unter der Teilung leidet. Das deutsche Volk jedenfalls will mehrheitlich die Wiedervereinigung, und die Partei, die diese Sehnsucht aufgreifen und ihr einen realistischen Weg weisen, wird, wird noch einmal das Rennen machen.“

Das Opernhaus kam wieder in Sicht. Nach der Straßenecke am Rathaus ging es nur noch geradeaus. Gradlinig hatte ich einst gedacht, als ich 1974 in die CDU eingetreten war. Doch was ich fand, waren nur parteitaktische Winkelzüge. Als Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung lernte ich meinen gleichaltrigen Parteinachwuchs kennen und war entsetzt. Vaterlandsliebe fand ich hier nicht, nur zynisches Karrieredenken. „Wiedervereinigung – wovon träumst du denn? Außerdem ist die westliche Wertgemeinschaft viel wichtiger.“

Ende 1989 sprang die CDU, ein Jahr nach meinem Leserbrief von 1988, im letzten Moment auf den fahrenden Zug auf. Helmut Kohl machte das Rennen. Er war Realpolitiker genug, zu erkennen: Der Zug der Befreiung würde von Ost nach West durchrollen, mit oder ohne die CDU. Also setzte er sich an die Spitze der Wiedervereinigung, für die seine Partei seit Jahren nur noch offizielle Phrasen und entnervtes Seufzen aufbrachte.

Die Spitze unserer Montagsdemo kam wieder vor dem Opernhaus an. Ich badete in der Masse gleich gesinnter, gleich fühlender, begeisterter und aufgekratzter Menschen. Die Menge sang unsere Nationalhymne. Wir sangen ergriffen mit. Der Schalk in meinem Nacken machte sich über mich und meine Gefühle weidlich lustig und neckte mich.

Wenn man im Westen zum kritischen Individualisten erzogen wurde und nach der Devise lebte: „Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom“, und wenn man zeitlebens gegen die ideologischen Anmutungen linken Druckes anschwimmen mußte, verliert man irgendwann seine Massentauglichkeit. Wenn die christlichen oder linksliberalen Schäfer ins Horn blasen, gibt es immer ein paar störrische Schafe, die beiseite traben.

So verlor ich auch im Augenblick des größten Triumphes nicht in trunkener Freude den Verstand. Ich würde ihn noch brauchen. Auf einen Wimpernschlag der Geschichte waren sie zwar wie gelähmt, die Kollektivierer, die Gleichmacher, die Unterdrücker der Freiheit. Sie würden in neuem Gewand wiederkehren, das Gift ihres Neides und Hasses aussäen, sie würden wieder täuschen, tricksen, spitzeln. Der tschekistische Ungeist lauerte nur auf bessere Zeiten. Er war nicht in die Flasche verbannt. In einem liberalen Staat gibt es keinen Korken, der sie dauerhaft verschließen könnte.

Geschenkte Freiheit muß sich jede Generation neu und selbst erkämpfen, sie geht sonst verloren. Verloren wie die Erinnerung an jenen Winter 1989 / 90 bald sein wird, in dem ihr Feuer doch so hoch loderte und kurzfristig einen hellen Schein auf ein unterdrücktes Land warf.

Klaus Kunze zum 9.11.2019

Klaus Kunze

Klaus Kunze, seit 1984 selbständiger Rechtsanwalt in Uslar, von 1970-71 Herausgeber eines Science-Fiction-Fanmagazins, von 1977 bis 1979 Korrespondent der Zeitung student in Köln, seit 1978 diverse Beiträge in genealogischen und heimatkundlichen Fachzeitschriften, seit 1989 Beiträge für politische Zeitschriften wie u. a. die Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT

Autor des Buches:

Das ewig Weibliche im Wandel der Epochen. Von der Vormundschaft zum Genderismus.

ISBN: 978-3-938176-71-9

30 Jahre Mauerfall – eine Rückblende

von Werner Olles

30 Jahre Mauerfall – eine Rückblende

In meiner Heimatstadt Frankfurt am Main war der Tag des Mauerfalls für die im Römer herrschende Koalition aus SPD und Grünen ein Tag der Trauer. Genauso wurde er auch zelebriert, man nahm ihn nicht einmal zur Kenntnis. Für die Sozis und die damals noch linksradikalen Grünen war mit dem Fall der Mauer und dem bevorstehenden Ende der DDR ein Traum zu Ende gegangen. Das „bessere“, weil „antifaschistische“ und sozialistische Deutschland verschwand im Orkus der Geschichte, wenngleich die Mauermörder-Partei SED sich flugs in PDS umlog, das von den DDR-Bürgern erpresste und gestohlene Partei-Vermögen in Schweden in Sicherheit brachte und erfolgreich auf liberale, bürgerliche Toleranz vertrauend weiterhin ihr Unwesen trieb. Inzwischen betreibt ein ehemaliger MfS-Spitzel einen privaten „Verfassungsschutz“, obwohl die BRD keine Verfassung hat, und das Grundgesetz 1949 völlig zu Recht von Bayern und der KPD abgelehnt wurde.

Persönlich erlebte ich den Mauerfall vor dem Fernsehapparat nicht ohne ein gewisses Gefühl des Triumphes, denn wir Nationalrevolutionäre hatten es kommen sehen, und die belämmerten Gesichter meiner linken Kollegen entschädigten für so manche saudummen Kommentare bezüglich meiner Überzeugung, daß eine Wiedervereinigung unvermeidbar sei. Ich erinnere mich an eine Kollegin, die weinend an ihrem Schreibtisch saß und es einfach nicht glauben konnte oder wollte, daß ihre jahrelange Lebenslüge so ein jähes Ende genommen hatte. Daß wir es der Linken und den Grünen erlaubten, den politischen Diskurs auch weiter zu bestimmen, war ein großer Fehler. Der Mauerfall und das schmähliche Ende des SED-Unrechtsregimes, aber auch der gesamte „Anschluß“ bzw. Beitritt zum BRD-Grundgesetz, hätte zum Anlaß genommen werden müssen, sich ernsthaft mit dem Gedanken eines neutralen Gesamt-Deutschland auseinanderzusetzen und nachdem das Joch der Sowjetunion abgeschüttelt war, auch den Vasallenstatus eines US-Protektorats in Frage zu stellen und vor allem die erzwungene Mitgliedschaft in der EU strikt abzulehnen. Doch wurde darüber nicht einmal innerhalb der „Rechten“ diskutiert.

Werner Olles

Werner Olles, Jahrgang 1942, war bis Anfang der 1980er Jahre in verschiedenen Organisationen der Neuen Linken (SDS, Rote Panther, Jusos) politisch aktiv. Nach grundsätzlichen Differenzen mit der Linken Konversion zum Konservativismus und traditionalistischen Katholizismus sowie rege publizistische Tätigkeit in Zeitungen und Zeitschriften dieses Spektrums. Bis zu seiner Pensionierung Angestellter in der Bibliothek einer Fachhochschule, seither freier Publizist.

Autor des Buches:

Vorsichtsmaßnahme zum Thema „Mauerfall“

von Herbert Ammon

Vorsichtsmaßnahme zum Thema „Mauerfall“

I.
30 Jahre nach dem Mauerfall, als (fast) alle glaubten, nun habe der Himmel uns Deutschen und Europäern, nicht zuletzt auch den Russen im „gemeinsamen Haus Europa“ (Michail Gorbatschow), endlich Freiheit und Frieden geschenkt, wird die Luft zum Atmen „in diesem Lande“ dünner. Wer sich nicht innerhalb des Meinungskorridors bewegt, wer sich dem Konformismus verweigert, wer sich nicht von aggressiv dummen, totalitären Studenten tyrannisieren lässt, wird ins soziale Abseits gedrängt, muss mit „Sanktionen“, id est mit dem Ausschluss aus der von Minderheiten dominierten guten Gesellschaft der Wohlmeinenden, rechnen.

Verhaltene Kritik an dieser Realität äußerte unlängst der jeglicher „rechter“ Sentiments unverdächtige Jurist und Schriftsteller Bernhard Schlink. Auch Steinmeiers Vorgänger als Bundespräsident Joachim Gauck beklagt die fehlende Toleranz im Umgang mit unliebsamen politischen Positionen. In aller Deutlichkeit umriss zuletzt der einstige DDR-Bürgerrechtler Gunter Weißgerber (SPD-MdB 1990-2009; Globkult-Autor) den geistigen – und politischen – Zustand dieses Landes (siehe https://www.globkult.de/geschichte/zeitgeschichte/1806-30-jahre-friedliche-revolution):

„Wer meint denn hier im Raum, er oder sie könne jederzeit alles sagen, was es zu sagen gilt? Ohne die Befürchtung an den Rand gedrängt oder gar deutschlandweit am Pranger zu landen? Mir fallen da nur existenziell unabhängige Bürger ein.
Wer in Abhängigkeit beschäftigt ist, der oder die überlegt sich das inzwischen gründlich. Es entstand vor allem seit 2015 eine öffentliche Atmosphäre, wie sie mir zwischen 1989 und 2015 unvorstellbar war. Wir leben nicht DDR 2.0, niemand wird für seine Meinung eingesperrt.
Und doch entstand ein Klima der ängstlichen Vorsicht. Daran ist kein Propagandaministerium beteiligt. Es ist ein Gemisch von medialer Selbstzensur und zivilgesellschaftlichen Blockwarten. Gelebte Meinungsfreiheit geht anders. Bei Voltaire ist das nachlesbar.“ 

II. 
Wir leben im Jahre 2019. In den anstehenden Gedenkfeiern zum Mauerfall werden kritisch-selbstkritische Worte über derlei Aspekte deutscher Wirklichkeit anno 2019  nicht zu vernehmen sein. Die – teils berechtigte, teils selbstgerechte – Empörung über Höcke und die AfD nach deren voraussehbarem „Erfolg“ in Thüringen wird alles übertönen.

Darüber rückt selbst die Erinnerung an die geschichtliche Realität „unseres Landes“ vor und nach dem Mauerfall nicht nur zeitlich, sondern auch  „geschichtspolitisch“ in immer unklarere Distanz.

Vor diesem Hintergrund darf ich in Ergänzung zu meinem Kommentar zu den weithin peinlichen Feiern zum „Einheitstag“ am 3. Oktober auf zwei Buchrezensionen verweisen, die auf „Globkult“ erschienen sind:
https://globkult.de/politik/besprechungen/1791-frank-blohm-geh-doch-rueber-revisited-ein-ost-west-lesebuch
https://globkult.de/politik/besprechungen/1809-matthias-bath-hg-mauerfall-25-und-eine-erinnerung

Ich gestatte mir, die – wenngleich als Werbung für das Buch von Frank Blohm gedachte – Reaktion des Lukas Verlags auf meine Besprechung  zu zitieren: „Eine erste und sogleich ausgesprochen gründliche Würdigung des Buches »Geh doch rüber! Revisited« durch Herbert Ammon, also aus berufenem Munde bzw. berufener Feder!“ Eigenlob? Nein, Vorsichtsmaßnahme!

Dieser Text erschien zuerst auf dem persönlichen Blog von Herbert Ammon. Siehe: https://herbert-ammon.blogspot.com/2019/10/vorsichtsmanahme-zum-thema-mauerfall.html?fbclid=IwAR2-yU99c3k5MbhjTgB7oN1Ap8PXyv4-rQe8qcPkS1_KzxOBo31Hg9ulVQA

Herbert Ammon

Herbert Ammon ist Historiker und politischer Publizist. Bis 2003 lehrte er als Dozent für Geschichte und Soziologie am Studienkolleg für ausländische Studierende der Freien Universität Berlin. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen deutsche und amerikanische Geschichte, Ideengeschichte sowie politische Philosophie.

Mitherausgeber des Buches:

Peter Brandt / Herbert Ammon (Hgg.): Die Linke und die nationale Frage. Dokumente zur deutschen Einheit seit 1945.

Gedanken zur Wiedervereinigung

von Generalmajor a. D. Schultze-Rhonhof

Gedanken zur Wiedervereinigung

Fall der Mauer, Wiedervereinigung, Wende: das erfreuliche Ereignis hat je nach Perspektive verschiedene Namen. Im Ergebnis sind wir, egal ob „Ossis“ oder „Wessis“ glücklich, dass es so gekommen ist. Es war die politische Lösung eines 45 Jahre währenden deutschen Schicksals im allerletzten Augenblick dank der Klugheit und nationalen Gesinnung der Herren Gorbatschow, Kohl, Brandt und Genscher. Ein paar Jahre später wäre es zu spät gewesen. Die DDR wäre pleite und ihre Städte und Infrastruktur zerfallend und die BRD durch ihre zunehmende Lösung von der deutschen Identität nicht mehr vereinigungswillig gewesen.

In der DDR versicherte Honecker noch kurz vor der „Wende“, dass die Mauer noch in 40 Jahren stünde, und in der BRD kämpfte die SPD noch kurz vor der „Wiedervereinigung“ um die doppelte Staatsbürgerschaft statt sich für die Einheit Deutschlands in Form der gemeinsamen Staatsbürgerschaft in beiden Teilen Deutschlands einzusetzen. Auf beiden Seiten der Mauer hatten die politischen „Eliten“ ihr Nationalgefühl verloren. Die gegensätzlichen Ideologien waren in Deutschland wirkungsmächtiger geworden als der Wille zur Einheit der Nation; wie vor und im 30jährigen Krieg die religiösen Ideologien.

Es sei dabei an die Kernaussagen der Mehrheit der westdeutschen Politiker in den zwei Jahren vor der Wiedervereinigung erinnert: (Ich habe sie mir damals aufgeschrieben.)

  • Wir wollen keinen Nationalstaat.
  • Die Wiedervereinigung wird Europa destabilisieren.
  • Das außenpolitische Ziel Westdeutschlands ist die politische Einheit Europas.
  • Die Bundesrepublik geht keinen Sonderweg.
  • Wir werden uns nicht wie vor dem Zweiten Weltkrieg zwischen die Stühle setzen.
  • Der Ostblock und die Verbündeten werden keine Wiedervereinigung zulassen.

Und viele, die sich für Intellektuelle hielten, gaben ihren Senf dazu, z. B. Günther Grass: „Die Wiedervereinigung ist ein sinnentleerter Begriff, den wir, wollen wir glaubwürdig werden, streichen müssen.“ Auch mancher, der das gesamtdeutsche Schiff zum Schluss dann doch noch vor dem Untergang gerettet hat, hatte der Wiedervereinigung lange Zeit widersprochen, so Willy Brandt, der sie noch 1988 zur „Lebenslüge“ erklärte und Egon Bahr, der sie im selben Jahr als „Quatsch“ abtat.

Jetzt, 30 Jahre später, sollten wir uns ohne Einschränkungen über die damalige Wiedervereinigung freuen. Wir sollten aber nicht vergessen, dass wir sie neben Herrn Gorbatschow vor allem dem Freiheitswillen und dem ungebrochenen deutsch-sein-Wollen der „Ossis“ verdanken und nicht westdeutschen Impulsen. Statt die Trägheit des damaligen westdeutschen Establishments, zur Wiedervereinigung beizutragen, aus dem Gedächtnis zu verdrängen, sollten wir besser Lehren daraus ziehen.

Wir stehen heute wieder in einem Richtungsstreit um den Wert und die Zukunft der eigenen Nation. Unser Volk bekennt sich je nach geistigem und geographischem Standort von positiv über indifferent bis ablehnend zu sich selbst. Die Argumente von heute sind denen von 1990 ähnlich. Sie sind heute wieder betont atlantisch oder europazentriert bis antideutsch, wie es die Anhänger von „schwarz“ über „rot“ bis „grün“ betonen, oder sie sind im Gegensatz dazu wieder auf Selbstbestimmung und Selbsterhalt gerichtet. Die Mehrheit der Deutschen ist, wenn man es nach den Wahlergebnissen beurteilt, im Westen atlantisch-europäisch orientiert bis hin zu antideutschen Auswüchsen („Scheiß-Deutschland“) bei den Grünen. Eine wachsende Menge bei den Ostdeutschen dagegen bekennt sich dazu, wie schon 1990, vor allem deutsch zu sein. Sie will das Selbstbestimmungsrecht im eigenen Lande gegen den „demographischen Wandel“ in Form einer deutlich wachsenden Mischbevölkerung verhindern. Sie wählt die Alternative zu denen, die man in der DDR die Blockparteien nannte. Sie wählt AfD.

Die Begleiterscheinungen sind denen in der alternden DDR vor 30 Jahren ähnlich. Die neuen Blockparteien von CSU bis zu den Linken haben wieder einen Klassenfeind. Diesmal ist er nicht kapitalistisch sondern nationalistisch. Dabei wird „patriotisch“ und „nationalistisch“ zum Synonym gemixt und heißt im Politik- und Mediendeutsch „völkisch-nationalistisch“ oder nur noch verkürzt „radikal“ und „Nazi“. Es muss schon auffallen, dass die Politiker der neuen Blockparteien die Worte „Deutschland“ und „Deutsche“ in ihren Reden und in den Medien vermeiden, als wären sie Tabuworte wie „Zigeuner“ oder „Neger“. Statt Deutschland heißt es „dieses Land“. Und aus den Deutschen sind die „Menschen in unserem Land“ geworden. Auch in der DDR war das Bekenntnis zur Einheit der Nation und zum deutsch-Sein seit Honeckers Machtantritt zugunsten des sozialistischen Internationalismus nicht mehr erwünscht. Viele Bürger in den neuen Bundesländern haben deshalb nicht vergessen, dass sie sich vor 30 Jahren erst unter sehr hohem, persönlichem Risiko mit dem Ruf „Wir sind ein Volk“ ihre deutsche Identität und ihr nationales Selbstbestimmungsrecht erstreiten mussten. Sie wollen nicht in die Fremdbestimmung eines sich abzeichnenden europäischen Zentralstaats geraten. Sie wollen nicht zurück in einen diffusen Internationalismus unter den Etiketten „bunt“ und „Vielfalt“ und mit der Aussicht, ab 2050 zur nationalen Minderheit auf eigenem Territorium zu werden. Sie sehen, wie stark die Tendenzen in den neuen Blockparteien sind, auf Assimilation und deutsche Leitkultur für unsere Zuwanderer zu verzichten. Sie sehen, wie die große Mehrheit der deutschen Medien als Schallverstärker der neuen Blockparteien diese Tendenzen fördern und die negativen Folgen der genannten Entwicklungen kleinreden oder gar verschweigen. Und sie beobachten mit Argwohn, wie unsere Regierungen in Bund und Ländern immer wieder großsprecherisch und dennoch ohnmächtig diesen Tendenzen und negativen Sachverhalten gegenüberstehen. Die „Wessis“ haben diese Erfahrungen selbst nicht mehr erlebt. Sie liegen schon ihr ganzes Leben lang in sicheren und warmen Betten, dass sie getrost weiterschlafen. Dabei hätten sie auch schon längst an Libyen, Syrien und dem Libanon beobachten können, wie „friedlich“ Mischbevölkerungen bisweilen miteinander leben.

Andere Sorgen, wie die um Arbeitsplätze, drohende Altersarmut, Mieten- und Energiepreise, Weltfrieden und Weltklima, sind vermutlich in Ost und West gleich stark oder schwach vertreten. Sie tragen offensichtlich nicht zu einer Spaltung der Deutschen in beiden Hälften Deutschlands bei. Selbst der Unmut der „Ossis“ über ungleiche Löhne in Ost und West und die unausgewogene Repräsentanz der Mitteldeutschen in Großkonzernen und Spitzenämtern regt vermutlich nicht so weit auf, dass er zu einem signifikant anderen Wählerverhalten in Ost und West führt.

Was 30 Jahre nach der Wiedervereinigung die Deutschen in Ost und West zunehmend spaltet, ist der Umgang der „Mächtigen“ mit dem eigenen Volk, seiner Identität, seiner Selbstbestimmung und seiner indigenen Substanz. Wenn ein knappes Viertel der Mitteldeutschen mit steigender Tendenz 30 Jahre nach der Wiedervereinigung alternativ wählt, muss das zu denken geben. Bisher hat die deutsche „Politik“ falsch darauf reagiert. Der Herr Bundespräsident, die Vertreter der Kirchen, Gewerkschaften, Medien und Parteien rufen zu Toleranz, Offenheit, Gesprächen, Transparenz, gegenseitigem Respekt und was nicht alles auf und tun permanent das Gegenteil. Sie beschimpfen AfD-Wähler und Mitglieder. Sie schließen sie von der politischen Mitarbeit, wo das nur geht, aus. Es kommt flächendeckend zu Hetzkommentaren durch Medien und Kirchenvertreter, zu Mobbing, zu Boykottaufrufen, Kontoschließungen, Kündigungen, Laufbahnnachteilen im Öffentlichen Dienst und zur Zensur im Internet durch die linksradikale NGO „Antifa“ und das mit stiller Billigung von Regierungs-und Justizbehörden. Und wenn die Medien das mit ihren Fakten-Checks „widerlegen“, ist das wie der sprichwörtliche Ruf des Diebs „Haltet den Dieb“. Toleranz und Gespräche sehen anders aus.

30 Jahre nach der Wiedervereinigung ist es wieder die „nationale Frage“, die unser Volk in Ost und West spaltet. Das Bekämpfen, Diffamieren und Ausschließen der patriotisch-nationalen Bürger ist da keine Lösung. Und das Bilden von „Resteverwertungskoalitionen“ der Wahlverlierer, wie sie jetzt als Abwehr der AfD auf Landesebene üblich geworden sind, ist auch keine Lösung für die Zukunft. Wer das deutsche Volk in Ost und West zusammenführen will, muss sich erneut der „deutschen Frage“ stellen. Wollen wir ein Mischvolk unter einer EU-Zentralregierung werden oder wollen wir ein deutsches Volk mit dauerhaft indigener deutscher Mehrheit als souveräner Staat in einem EU-Staatenbund bleiben?

Kohäsion oder Diffusion ist hier die Frage.

Generalmajor a.D. Gerd Schultze-Rhonhof

Gerd Schultze-Rhonhof wurde am 26. Mai 1939 in Weimar geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums und Abitur in Bonn trat er 1959 in die Streitkräfte ein und wurde zum Panzeroffizier ausgebildet. 1964 und 1965 unternahm er eine halbjährige Studienreise durch Namibia und Südafrika. Nach dreijähriger Verwendung als Chef einer Panzerkompanie absolvierte er die Generalstabsausbildung. Dem folgten Einsätze als Generalstabsoffizier im NATO-Hauptquartier der Armeegruppe NORTHAG, in der Truppe, im Verteidigungsministerium und eine Verwendung als Kommandeur eines Panzerbataillons. Danach bildete Schultze-Rhonhof selbst vier Jahre lang angehende Generalstabsoffiziere an der Führungsakademie der Bundeswehr aus, ehe er nacheinander Kommandeur einer Panzergrenadierbrigade, der Panzertruppenschule, der 3. und der 1. Panzerdivision und des Wehrbereichs Niedersachsen/Bremen wurde. Als letzte Dienstaufgaben leitete Generalmajor Schultze-Rhonhof die erste „Partnership for Peace“-Übung der NATO in Ungarn und nahm als Beobachter an einem ägyptisch-amerikanischen Manöver in der Libyschen Wüste teil.

Schultze-Rhonhof schied 1996 auf eigenen Antrag aus der Bundeswehr aus, weil er die Mitverantwortung für die Folgen einer unangemessenen Verkürzung der Wehrdienstdauer auf 10 Monate nicht mittragen wollte. Seitdem hat er 1997 das Buch „Wozu noch tapfer sein?“ , 2003 das Buch „1939, Der Krieg, der viele Väter hatte“ und 2008 das Buch „Das tschechisch-deutsche Drama 1918-1939″ und weitere Buch- und Zeitungsbeiträge geschrieben. Als letztes hat er 2013 das amerikanische Buch des Authors J.V. Denson “ A Centrury of War“ ins Deutsche übersetzt und unter dem Titel “ Sie sagten Freiden und meinten Krieg“ herausgegeben.

Er hat außerdem zahlreiche Vortragsreisen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, der Türkei, Italien und Peru unternommen. 1996 wurde Schultze Rhonhof mit dem Freiheitspreis der Stiftung „Demokratie und Marktwirtschaft“-München und dem Couragepreis des „Verbandes der privaten Wohnungswirtschaft“-Hannover, 2012 mit dem Kulturpreis der Landsmannschaft für freie Publizistik ausgezeichnet.

Gerd Schultze-Rhonhof ist verheiratet, hat drei verheiratete Töchter und neun Enkelinnen und Enkel, und er lebt in Haldensleben bei Magdeburg.

Autor des Buches:

Aus dem Osten das Licht

von Rolf Stolz

Aus dem Osten das Licht

9. 11. 1989 – 9. 11. 2019: Dreißig Jahre Mauerfall

Ehe der erste Betonblock für Ulbrichts Gefängnismonument herangekarrt war, waren schon die Vorausmarkierungen für die Fundamente da: Die Repräsentanten der Selbstaufgabe und des Ausverkaufs an die Besatzungsmächte hatten von Osten und von Westen her eine aus Ideologie und Imaginationen zusammengekleisterte Mauer in den Köpfen errichtet. Umgruppiert, reformiert und neu angestrichen hat dieses Ewigkeitsbauwerk bis heute überlebt. Der nüchterne Blick auf diese Schützengräben und Sperrwerke wird allerdings erschwert durch Nebelwerfer, die Traum- und Zerrbilder vom „Nazi-Notstand“ und einem angeblich denkunwilligen „Pegida-Pack“ verbreiten. Sekundiert wird diese Propaganda durch jene, die sich „die demokratischen Parteien“ nennen, und – den Balken fest vor ihren Blick geschraubt – mit der Lupe nach Splittern im Auge angeblicher Verfassungsfeinde suchen.

Aber jenseits der handfesten wie auch der geistlos-geistvergiftenden virtuellen Mauern gab es in ganz Europa immer Freigeister und Wahrheitssucher. Von ihnen sollte die Rede sein – nicht von den Politikastern, die die neue Einheit ebenso für ihre Zwecke verwursten, wie sie einst die Spaltung des Landes profitabel ausbeuteten. In den beiden deutschen Staaten gab es immer schon eine denkende und fühlende Minderheit – auch als kurz nach dem Krieg die Mehrheit um das eigene aktuelle Überleben und das zukünftige Wohlleben kreiste und den Vertriebenen wie den Flüchtlingen aus Mitteldeutschland demonstrierte, wie kalt eine neue Heimat sein kann. Aber, die Dinge haben eben immer mehr als eine Seite – es war zugleich vorteilhaft für die Suche nach Erkenntnis und einem eigenen Standort, zu den Opfern und nicht zu den Tätern zu gehören. Den von den Nazis gequälten Juden und ihren Kindern konnte keine Propaganda den Nationalsozialismus als Lösung aller Probleme nahebringen. Die, die nach 1945 von polnischen, tschechischen und russischen Schindern vergewaltigt und vertrieben wurden, hatten allen Grund, ihre Hoffnungen nicht auf den Sozialismus / Kommunismus zu richten. Auch sie gaben ihre Erfahrung weiter an ihre Kinder. Zu diesen Erfahrungen gehörte auch, daß allzuviele Deutsche der bequemen Versuchung nachgaben, mit geheuchelten Schuldritualen und Haß gegen das eigene Volk das Menschheitsverbrechen der Annexion Ostdeutschlands und der Vertreibungen zu einer gerechten Strafe für die Verbrechen der Nazis und zu einem totgeschwiegenen Tabu zu erklären.

Aus meiner eigenen familiären Konstellation heraus hatte ich – 1949 in Mülheim an der Ruhr zur Welt gekommen als Sohn einer im Zwischenkriegspolen geborenen und 1945 vertriebenen Mutter – von Anfang an bessere Chancen als die eingeborene Stammbevölkerung des Ruhrgebiets, die reale Lage Deutschlands und seine Zukunftsperspektiven zu begreifen. Westextremismus, rheinisch-westfälischer Separatismus, Begeisterung für Spalterpolitik, für den American Way of Lies oder für eine NATO-Nibelungentreue blieben mir so erspart. Im Gegenteil hatte ich schon als junger Mann den über pures Hoffen hinausreichenden festen Glauben, zu meinen Lebzeiten den Bonner und den Pankower Separatstaat verschwinden zu sehen. Ich war vierzig, als eintrat, was sowohl der antideutsche Block aus etablierter Ignoranz und konservierter Bösartigkeit als auch die notorischen Schwarzseher zur Unmöglichkeit erklärt hatten. Auch wenn statt der Vereinigung unter einer tatsächlichen Verfassung 1990 lediglich ein Beitritt zum Grundgesetz erfolgte, auch wenn mit dem Euro das Land bald schon ausgeliefert wurde an die Brüsseler Bürokratie und die globalistischen Finanzhaie – der erste große Schritt auf einem langen Weg war getan, als die Mauer fiel. Wir wußten damals schon, daß der Kampf um Deutschlands Zukunft, um eine souveräne blockfreie Republik weitergehen wird und weitergehen muß.

Rolf Stolz

Der Publizist, Photograph und Diplom-Psychologe Rolf Stolz war seit 1967 im SDS aktiv. Seit 1979 gehörte er zur Bundesprogrammkommission der GRÜNEN und bis 1981 zu deren Bundesvorstand. Er ist weiterhin (dissidentisches) Mitglied dieser Partei. Von 1984 bis 1990 war er Sprecher des Initiativkreises „Linke Deutschlanddiskussion“, von 1990 bis 1998 stellvertretender Vorsitzender des „Friedenskomitees 2000 für Entmilitarisierung, Truppenabzug und Selbstbestimmung“. Rolf Stolz ist heute Autor u.a. der Wochenzeitung „Junge Freiheit“ und der Zeitschrift „COMPACT“.

Autor der Bücher:

Weitere Bücher von Rolf Stolz sind erhältlich im Lindenbaum Verlag.

Freiheit bedingt Verantwortung

Bildquelle: »Genosse was hast du mit der roten Fahne gemacht?« Quelle: Sieghard Pohl, »extra muros«. Kurzprosa Grafik Malerei Objekte, erschienen im Verlag Siegfried Bublies, Koblenz 1990.

von Siegmar Faust

Freiheit bedingt Verantwortung

Dreißig Jahre nach dem Gottesgeschenk des Mauerfalls spitzt sich wieder etwas zu, und das nicht nur in Deutschland. Erleben wir eine Wiederkunft des Totalitären? Und das 30 Jahre nach der ersten Revolution, die zumindest den Mitteldeutschen gelungen war, und das sogar in einer völlig unerwarteten und neuen Qualität, nämlich in einer friedlichen Revolution? Waren wir Deutschen denn nicht am Tag nach dem Mauerfall vom 9. November 1989 „das glücklichste Volk der Welt“, wie es der stets rotbeschalte Regierende SPD-Bürgermeister von Berlin-West, Walter Momper, damals in die Mikrofone rief?

Natürlich war das eine dumme Übertreibung, denn wie sollten die ehemaligen Profiteure und deren Handlanger über den Sturz oder Zusammenbruch ihres „ersten Arbeiter-und-Bauer-Staates auf deutschem Boden“ glücklich sein? Und nicht nur das, denn der ganze Ostblock mit der Hauptstadt Moskau brach in sich zusammen. Die linke „Intelligenzija“ des Westens war entsetzt. Wer wollte denn von denen gar noch die Wiedervereinigung? Herr Momper, Oskar Lafontaine, Nobelpreisträger Günter Grass, Willy Brandt und sein ehemaliger Staatssekretär und persönlicher Freund Egon Bahr wollten sie wie die meisten anderen Sozialdemokraten jedenfalls nicht. Noch im Spätherbst 1988 bezeichnete Bahr die Forderungen nach der Wiedervereinigung als „politische Umweltverschmutzung“. Selbst noch fünf Tage nach dem Fall der Mauer nannte er es eine „Lebenslüge, über Wiedervereinigung zu reden“. Brandt sagte im September 1988 in einem Vortrag der Friedrich-Ebert-Stiftung: „Durch den Kalten Krieg und seine Nachwirkungen ist die Hoffnung auf Wiedervereinigung geradezu zu einer spezifischen Lebenslüge der 2. Republik geworden“. Doch nur sein nachträglicher Satz, als die Einheit nicht mehr zu verhindern war, hat sich ins Gedächtnis der Nation eingebrannt: „Es wächst zusammen, was zusammengehört“. In diesem Stil der verwirrenden Widersprüche stolperten die ideologisch zumeist vernagelten Politiker in die ungewollte, aber von den demonstrierenden Massen vor allem in Leipzig, Dresden und Plauen erzwungene Einheit Deutschlands hinein. Wobei auch nicht vergessen werden darf, dass die meisten durchaus mutigen Bürgerrechtler, die später mit Orden und Ehrenzeichen dekoriert wurden, anfangs weder die Wiedervereinigung noch die Abschaffung des Sozialismus anstrebten, den sie lediglich im Sinne Rudolf Bahros oder Robert Havemanns reformieren wollten. Doch solche Halbheiten bilden in brenzligen Situationen oft eine Brücke zwischen den Extremen und können dadurch eine gewaltsame Eskalation verhindern.

Der „Zeit“-Journalist Theo Sommer sekundierte damals, als schon jeder Sensible das Ende der SED-Diktatur erahnen konnte: „Die Bürger des anderen deutschen Staates bringen ihm (Honecker) fast so etwas wie stille Verehrung entgegen“. Diesem Blödsinn von marxistisch verseuchten, doch großbürgerlich prassenden Gesinnungsjournalisten und den jakobinischen Tugendterroristen im „Kampf gegen rechts“ setzte Axel Springer mit Kurt Schumacher die simple Tatsache entgegen, dass Kommunisten überall, wo sie an die Macht gelangten, sich als „rotlackierte Nazis“ entlarvten. Der SED-Staat war demzufolge nicht nur für den Verleger Springer ein Verbrecherregime, sondern besonders für deren Widerständler und vielen Opfer, denen Springer gern Chancen in seinem Verlag einräumte, darunter Günter Zehm, Ulrich Schacht, Lutz-Peter Naumann oder den Perser Hossein Yazdi, der 16 Jahre als politischer Häftling einsaß und dann 36 Jahre für Springer als Journalist arbeitete. Jeder, der dort als Journalist arbeiten wollte, musste folgende vier Punkte unterschreiben:

  1. Das unbedingte Eintreten für die friedliche Wiederherstellung der Deutschen Einheit in Freiheit.
  2. Das Herbeiführen einer Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen, hierzu gehört auch die Unterstützung der Lebensrechte des israelischen Volkes.
  3. Die Ablehnung jeglicher Art von politischem Totalitarismus.
  4. Die Verteidigung der freien sozialen Marktwirtschaft.

In der Springer-Zeitschrift „Kontinent“, in der vor allem die osteuropäischen Dissidenten zu Wort kamen, veröffentlichte Springer 1977 wie ein Prophet das Folgende:

„Wenn es gelingt, die Völker Osteuropas, einschließlich der Sowjetunion, gegen die Lüge der Gewalthaber immun zu machen, indem wir die Wahrheit als Elixier der Freiheit auf allen Wegen über Mauern und durch Zäune schaffen, dann bereiten wir jene Revolution des Geistes vor, die noch immer die Lüge außer Kraft gesetzt und Diktatoren, Gewaltregime und Unterdrücker gestürzt hat. Das klingt heute wie ein Märchen. Ist es nur ein Märchen? Es gab einmal einen Mann namens Theodor Herzl. In scheinbar aussichtsloser Lage versprach er den Juden einen Staat, auf den sie seit 2000 Jahren tagtäglich – vergeblich – hofften. Herzl hämmerte den Juden ein: ,Wenn ihr es wollt, ist es kein Märchen.‘ Das heißt für uns: Wenn wir nur wollen, wenn wir alles wagen, dann ist die Freiheit kein Märchen. In Deutschland nicht. In Polen nicht. In Ungarn, Rumänien, der Tschechoslowakei und den baltischen Staaten nicht. Und nicht in Russland.“

Schade, dass Axel C. Springer, der 1985 verstarb, das nicht mehr auf Erden erleben durfte, was er vorausgesehen hatte. Auch Matthias Walden und Franz Joseph Strauß hätte ich das sehr gegönnt.

In Osteuropa hat der Marxismus in seinen verschiedenen Auslegungen faktisch ausgedient, denn mit den marxistischen Altkadern, die noch überdurchschnittlich in allen möglichen Verwaltungen unterkamen, sogar in der Stasi-Unterlagen-Behörde, stirbt er nun größtenteils ab, weil diese Funktionäre selber wegsterben. Doch in den westeuropäischen und amerikanischen Hochschulen erfreut sich der Marxismus ansteigender Beliebtheit. Das alles dient dazu, die westliche „Wertegemeinschaft“ noch weiter zu spalten, was den nächsten Weltenbeglückern unter dem Ruf „Allahu Akbar!“ nur recht sein kann. Der westliche „Gutmensch“, vor allem in seiner Extremform als „Bessermensch“ verharmlost nicht nur die islamische Gefahr, sondern wird – bewusst oder unbewusst – zu ihrem Werkzeug. Die Grundlage, die sie verbindet, ist die totalitäre Deutungshoheit mit dem anknüpfenden Herrschaftsanspruch.

Doch ich möchte lieber nah an der mich umgebenden Gegenwart bleiben, denn geist- und gefühlsverwirrte Gefälligkeitskünstler und ebensolche Politiker und Wissenschaftler hatten ausgerechnet den SED-Juristen Gregor Gysi mit zum Festredner des 30. Jahrestages der friedlichen Revolution ausgerechnet in der ehemaligen „Heldenstadt“ Leipzig auserkoren, also jenen Mann, der die totalitäre SED und deren Vermögen gerettet hat, obwohl diese Partei verboten gehört hätte, wie 30 Jahre zu spät Theo Waigel, der ehemalige Spitzenfunktionär und spätere Ehrenvorsitzende der CSU, selbstkritisch zugab. Zum Glück haben sich viele ehemalige Bürgerrechtler und Dissidenten zu einem Protestschreiben aufgerafft, mit dem dieser Skandal gerade noch verhindert werden sollte.

Doch warum konnte niemand der Bundeskanzlerin und ihren Lakaien Einhalt gebieten? Würde man allein die völlig gegensätzlichen Aussagen der ersten deutschen Bundeskanzlerin aneinanderreihen, dann käme eine lange Litanei zustande. Hier nur ein Aspekt: Im Oktober 2000 sagte sie deutlich, dass „die multikulturelle Gesellschaft keine lebensfähige Form des Zusammenlebens ist, und das glaube ich auch.“ 2004 tritt sie entschlossen vorm Bundestag für die „Steuerung und Begrenzung von Zuwanderung“ ein. Noch 2010 beteuert sie, dass der „Ansatz Multikulti … absolut gescheitert“ sei. Fünf Jahre später lässt sie gegen sämtliche Vernunft und alle bestehenden Gesetze, natürlich ohne den Willen des Souveräns einzuholen, 1,5 Millionen illegale Einwanderer, überwiegend junge Männer ohne Pass, aber mit modernen Handys ins Land und in die deutschen Sozialsysteme strömen. Schlepperbanden machen riesige Geschäfte, Hunderte ertrinken im Mittelmeer. Plötzlich werden Milliarden Euros locker gemacht, obwohl für die maroden Schulen, Straßen, Brücken, für die Wohnungsnot und Aufstockung erbärmlicher Renten bisher keine Gelder übrig waren.

Merkels politische Linie besteht lediglich darin, sich opportunistisch jedem anzubiedern, möglichst wenig zu ändern, denn eigene Ziele oder Entscheidungen zu vertreten, dazu hat sie kein Talent. Ihr Leitmotiv ist unter Politikern nur allzu bekannt: „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern.“ Aber eins beherrscht sie bestens: in fast jede Aussage eine Einschränkung einzubauen, die es möglich macht, bei Bedarf genau die gegenseitige Position vertreten zu können. Katastrophal wird es, wenn grundsätzliche Entscheidungen verlangt werden, die nicht mit einer pro-forma-Konzession an Gegner in der Koalition zu bewältigen sind. Und für diese katastrophale Politik „verdient“ diese gewählte Frau täglich über 1.100 Euro, die immer weniger Rentner im Monat bekommen.

Zunehmend verstärkt sich bei vielen verantwortlich denkenden Menschen der Eindruck, in Absurdistan zu leben oder gar in einem Irrenhaus, dessen Ärzte sich zudem noch anschicken, sich einem neuen Totalitarismus zu ergeben, der als Religion daherkommt und eine brutale Welteroberungspolitik betreibt, sobald er sein Lehrbuch, den Koran, auch nur halbwegs ernst nimmt. Damit das nicht so auffällt, wird ein CO2-Gespenst aufgeblasen, welches die Welt retten soll und natürlich die Zukunft unserer Kinder, die sich dafür mit einem abnormen Schulmädchen an der Spitze den Freitag zum Schulstreiktag „erkämpft“ haben.

Freilich, diesem Jetztzustand gehen immer unkorrigierte Fehler und fehlgeleitete Ideologien voraus.

Diese alle aufzuzählen übersteigt die Kraft und Zeit eines Einzelnen. Doch es bleibt, um es noch ganz allgemein zu sagen, folgende Beobachtung im Raum: Wenn Menschen, die sich dem Allgemeinwohl verpflichtet fühlen und politische Ämter anstreben, nicht mehr prinzipiell denken und damit auch keinen Überblick über allgemeine Zusammenhänge erlangen können, dann ist es kein Wunder, dass sie Wesentliches nicht mehr von Unwesentlichem unterscheiden können. Sie wollen populär sein, um die mildeste Variante anzunehmen, stempeln zugleich selber jeden Kritiker als Populisten ab.

Unter solchen konturlos-unberechenbaren Regenten bildet sich immer auch eine konturlose Mehrheit von verschiedensten Mitläufern, die sich wie in jeder Diktatur rasch und billig auf Schlag-Worte einigen, mit denen nicht nur drohend herumgefuchtelt, sondern auch durch die Antifa-SA kräftig zugeschlagen wird. Das erhöht das Selbstwertgefühl minderwertiger Kreaturen, die nun im Herdengefühl unter jeder dummen Kuh den Kampf ausrufen, in allererster Linie natürlich „gegen Rechts“, deren Vertreter dadurch wiederum zum Gegenterror aufgerufen werden:

„Gegen Rechts hilft kein Sexismus, unsere Antwort: Feminismus“,

„Ob friedlich oder militant – wichtig ist der Widerstand!“, „Ob Ost, Ob West – nieder mit der Nazipest!“,

„Nazis gibts in jeder Stadt – bildet Banden macht sie platt!“,

„Grenzen von der Karte streichen – Staaten müssen Menschen weichen!“,

„Kein Mensch ist illegal – Bleiberecht überall!“,

„Was kotzt uns so richtig an? Einteilung in ›Frau‹ und ›Mann‹!“,

„Die Bullen üben fleißig für ein neues dreiunddreißig!“,

„Gegen das Konstrukt aus Rasse und Nation – Für die soziale Revolution!“,

„Lasst es krachen, lasst es knallen, Deutschland in den Rücken fallen!“,

„Kapitalismus, scheiße wie noch nie! Für den Kommunismus und die Anarchie!“,

„Alles für alle und zwar umsonst!“,

„Kein Gott, kein Staat, kein Vaterland – Schwarz, Rot, Gold wird abgebrannt!“,

„Ich war, ich bin, ich werde sein – Die Revolution wird die Menschheit befreien!“,

„Erst kommt das Essen, dann kommt die Moral – Wohlstand für alle – Kampf dem Kapital!“…

Nach der Auflösung der Roten Armee Fraktion (RAF) verschob sich die Aufmerksamkeit auf das Gefahrenpotenzial des braunen (NSU-Morde, Politikermord, antisemitischer Anschlagsversuch mit Schusswaffenmorden) und des islamischen Terrors. Brandanschläge auf die Stromversorgung, zerstörte Bahngleise, krankenhausreif geprügelte Politiker, Angriffe auf Polizisten und Rettungskräfte, Ehrenmorde, Messerattacken, Vergewaltigungen, Erpressungen, Sprengungen von Geldautomaten und dergleichen mehr überlasten nicht nur die Polizei sowie das gesamte Justizsystem, während die zunehmenden Übergriffe aus dem linksextremen Spektrum verharmlost werden und demzufolge kaum erforscht sind. Von den sich immer weiter ausbreitenden arabischen und kurdischen Gangster-Clans will ich gar nicht erst zu berichten beginnen.

Immerhin, Prof. Klaus Schroeder, der an FU Berlin über Linksextremismus forscht, weist nach, dass sich im Jahr 2017 1200 Gewalttaten von rechts fast doppelt so vielen Ausschreitungen von links gegenüberstehen. Doch in unseren Erziehungsmedien wird das genau andersherum dargestellt. Eine riesige Lobby-Gruppe mit der ehemaligen Stasi-Mitarbeiterin Anetta Kahane an der Spitze verdient sich dumm und dämlich im bewusst einseitigen und damit totalitären „Kampf gegen rechts“. In einem demokratischen Staat, für den ich mich wie jeder andere Konservative auch einsetze, müsste ein erbarmungsloser Kampf gegen alle Extremisten geführt werden, die kriminell, also revolutionär mit Terror und Gewalt den vernünftigen Ordnungsrahmen unseres Grundgesetzes bewusst zerstören oder außer Kraft setzen wollen.

Natürlich bin ich mir bewusst, dass die Demokratie immer nur eine zum Durchschnitt neigende Diktatur der Mehrheit ist, wenn… Ja, wenn es keinen Verfassungsrahmen gäbe, der den Ordnungsrahmen aller Freiheiten bildet, damit keine Willkür oder Anarchie, also das primitive Recht des Stärkeren herrschen kann. Freiheit ohne Disziplin und Verantwortung führt ins Chaos und bereitet Terror vor. Es lässt sich auch verkürzt sagen: Chaos neigt dem weiblichen Wesen zu, Ordnung dem männlichen. Das provoziert und soll es auch. Es besteht durchaus die berechtigte Frage, ob vielleicht erst das Chaos das Denken nährt.

Wer sich als gemäßigter Linker nicht vom Kulturmarxismus abgrenzt, will die Grundlagen der westlichen Welt, die sich sowohl durch Freiheit als auch durch Wohlstand charakterisiert, unterminieren. Linke Utopisten laufen gegen jedes machbare System an, das irgendetwas mit Kapitalismus oder Marktwirtschaft zu tun hat. Was bleibt davon übrig, wenn die soziale Marktwirtschaft abgeschafft würde? Planwirtschaft, Diktatur der Bürokratie und ideologischer Machtterror. Das heißt Armut, Zerstörung der Umwelt, der Kultur und Tradition. Was blüht stattdessen auf? Angst, Misstrauen, Ideologie und Verlogenheit. Viele in Mitteldeutschland dachten, das hätten sie endlich hinter sich. Die Diktatur der Bürokratie hat hier und heute schon jede Dimension einer Diktatur überflügelt. Der freie Meinungsstreit wird besonders in den Medien, die sich von unseren Zwangsgebühren mästen, so eingeschränkt, dass der Weg zum Meinungsterror schon geebnet ist. Was folgt? Ein Bankencrash? Stromausfälle, überbordende Kriminalität? Das Abrutschen in die 3. Welt? Dorthin, wo unser Bildungssystem im Großen und Ganzen fast schon gelandet ist? Marxismus ist alternativlos. Da hat Frau Dr. Merkel völlig recht. Opportunisten haben immer recht.

Schon jahrelang erlaubte es sich Deutschlands erste Kanzlerin zu machen, was sie will. Doch das Schönste ist ja, sie weiß gar nicht, was sie will. Ideen? Prinzipien? Visionen? Lehren aus der Geschichte? Sie merkelt nur, dass ihr die Basis unter den Füßen wegschmilzt. Da weiß sie plötzlich wieder, was sie will: Macht haben, Recht haben, Ruhm haben. Nicht nur Verfassungsrechtlern der CDU stehen zu diesem Weiberregiment die Haare zu Berge. So dominiert (oder regiert?) heute vor allem eine Walküre-Willkür. Doch wenn sie gar noch wegen der ihr verhassten deutschen Nationalhymne auf- und stillstehen muss und sich nicht selber mit ihrer heiligen Raute präsentieren darf, bekommt sie das große Zittern. Doch fortschrittliche Professoren und Journalisten applaudieren. Der Beamten-Unwirtschaft unter Olaf, dem Steuereintreiber, kann es nur recht sein, den privilegierten Lakaien ohnehin, denn sie müssen ja nicht viel leisten, hauptsächlich zustimmen, abnicken, dann sieht man bald aus wie Peter Altm… Ach, und der süße Heiko Maa…Maa…. passt gut in die Handtasche unserer großen Vorsitzenden und hält deren Lippenstift frisch. Und der kleine verbiesterte Wolfgang Schäu… – schäumt er wieder? Der wird mitleidig in seinem Kinderwagen hin und her geschoben. Schlauheit bleibt dreist im Lande, Intelligenz wandert aus.

Keine Diktatur mit Planwirtschaft konnte bisher wirtschaftlich überleben. Nur die Despotie blüht in verschiedenen Größen wie Unkraut in solchen Ländern, sodass sich dieses sogar an den Klassenfeind exportieren lässt. Doch Individualismus ist jedem Kollektivismus haushoch überlegen. Ausnahmen waren Pinochets Diktatur und neuerdings diejenige Chinas oder die der feudalistischen Ölscheichmilliardäre, die sich mithilfe der besten Ingenieure, Architekten, Künstler und Wissenschaftler aus dem Westen Huxleys „Schöne neue Welt“ in die Wüste bauen lassen. Wer schon einmal Dubai besucht hat, der sieht, wie uns heute undemokratische, totalitär strukturierte Feudalsysteme mit unseren eigenen Waffen schlagen und zeigen, wie wir mit unserer verkommenen Bürokraten-Demokratien immer weiter zurückfallen, gewissermaßen abgehängt werden. Überall wollen bei uns demokratisch gewählte Politiker mit hineinreden, obwohl sie zumeist nur von einem viel verstehen – von nichts! So entstehen in jahrelanger Verspätung die teuersten Philharmonien oder Flugplätze der Welt auf niedrigem Niveau. Die Bundeswehr ist zur Lachnummer verkommen, regiert von einer eingeadelten Frau, die durchaus zur Familienministerin taugen würde. Doch selbst Blödsinn zu befehlen ist einfacher als den neuen „Goldstücken“ aus fremden Kulturkreisen Deutsch beizubringen. Nicht vergessen! Denn es war der ebenfalls wahrnehmungsgestörte SPD-Schulz, der 2016 gesagt hatte: „Was die Flüchtlinge uns bringen, ist wertvoller als Gold. Es ist der unbeirrte Glaube an den Traum von Europa.“ Glaube und Traum sind für mich zwei verschiedene Schuhe. Und was uns die Flüchtlinge bringen? Was könnte denn wertvoller als Gold sein? Platin?

Seit dem Zusammenbruch des Ostblocks vor 30 Jahren kriechen immer mehr Neomarxisten aus ihren universitären Brutstätten und bedrohen mit „political correctness“ die größte Errungenschaft der westlichen Zivilisation: die Gedanken- und Redefreiheit. Sie wollen nicht nur den Studenten ihre marxistischen Geschichtsgesetze beibringen, nein, sie der ganzen Gesellschaft aufdrängen. Ist es schon völlig aus der Mode gekommen, auch Zeitgenossen von Marx/Engels zu lesen?

Friedrich Nietzsche wies nämlich schon 1878 unter der Überschrift „Der Sozialismus in Hinsicht auf seine Mittel“ darauf hin, dass der Sozialismus der jüngere Bruder des fast abgelebten Despotismus sei, den er beerben wolle. Er brauche eine Fülle an Staatsgewalt und strebe die Vernichtung des Individuums an. Der erwünschte Gewaltstaat brauche die untertänigste Niederwerfung aller Bürger und könne sich nur durch äußersten Terrorismus Hoffnung auf Existenz machen. Er bereite sich im Stillen auf eine Schreckensherrschaft vor und verwende missbräuchlich den Begriff der Gerechtigkeit. Der Sozialismus lehre lediglich die Gefahr der Anhäufung von Staatsgewalt und werde den Ruf nach so wenig Staat wie möglich provozieren.

Karl Poppers „offene Gesellschaft“ steht bekanntlich in der Tradition des Liberalismus und ist für Marxisten reaktionär, weil sie die kritischen Fähigkeiten der Bürger freisetzen will. Dazu soll auch noch die Gewalt des Staates geteilt werden, um Machtmissbrauch vorzubeugen. Wo käme man denn da hin, wenn man doch mit den Geschichtsgesetzen von Marx immer weiß, wo es langgeht? Da die Marxisten es zu wissen vorgeben, sollten wir ihre Ersatzreligion durchaus ernst nehmen, aber zugleich wissen, dass die Marx-Exegese und die Fundamentalkritik der „bürgerlicher Wissenschaft“ begleitet war von einem gesellschaftlichen Bedeutungsverlust der Geisteswissenschaften. Gleichheit, Gleichheit über alles, über alles in der Welt. Immer wieder soll am nichtdeutschen Wesen die Welt genesen. Wer kann das so ausdauernd genießen?

Natürlich die deutschen Politiker der sogenannten Altparteien, die in der Regel einfach zu arrogant, ungebildet und ideologisch verblendet, aber auch total überfordert werden, um zur Wiedererweckung der einst vorbildlich funktionierenden Demokratie unter Adenauer und dem Wirtschaftsminister Ludwig Erhard fähig zu sein. Als letzte Hoffnung bleibt nur die neue Oppositionspartei, deren Namen ich, so warnen mich gute Freunde, am liebsten nie wieder in den Mund nehmen sollte, um nicht noch weitere Einschränkungen meines ohnehin bescheidenen Lebensstils hinnehmen zu müssen. Doch wie heißt es im Psalm 18? Auf die heutige Zeit übertragen würde ich es so aussprechen:

„Es ist besser, Gott zu vertrauen als sich auf Menschen zu verlassen. Es ist besser Gott zu trauen als sich auf Politiker zu verlassen. Viele Parteien hatten mich umringt. Im Namen Gottes – ja, ich wehrte sie ab. Sie hatte mich umringt, ja, mich eingeschlossen. Im Namen Gottes – ja, ich wehrte sie ab. Die Stasi-Knechte hatten mich umringt wie Bienen. Sie sind erloschen wie Dornenfeuer. Im Namen Gottes – ja, ich wehrte sie ab. Hart hat man mich gestoßen, um mich zu Fall zu bringen.“

Und? Ich lebe noch – gesund und flexibel. Selbst mein Dreivierteljahrhundert sehen mir nur wenige an. Dass ich selber kein Parteien-Mensch bin, erfuhr ich erst, nachdem ich zweimal in den 80er und 90er Jahren der Berliner FDP beigetreten war, in deren Parteinamen mich vor allem das Attribut „frei“ faszinierte, aber vor allem, um den nationalliberalen Flügel um Alexander von Stahl, Hermann Oxfort, Heiner Kappel, Rainer Zitelmann und Klaus Rainer Röhl zu stärken. Ja, Röhl, der ehemalige linke Journalist und „konkret“-Herausgeber hatte sich ebenfalls gewandelt und publiziert nun selbst als hochbetagter Mann noch in so genannten „rechten“ Zeitungen, um über die „tiefgreifenden, zum Teil verheerenden Folgen der kommunistischen und links-utopischen Aktivitäten“, an denen er selber einst „als Herausgeber und Kommentator beteiligt gewesen war“, aufzuklären.

Ansonsten interessiert mich Macht- und Parteienpolitik kaum. Mir geht es vor allem um Erkenntnisse, die nicht immer leicht zu verdauen sind. Dazu muss der Mut aufgebracht werden, auch mit Menschen, die einem unsympathisch sind, oder mit politischen Gegnern oder sogar Feinden zu diskutieren. Vor dem Entscheiden kommt das Verstehenwollen, das Infragestellen eigener Klischees und Gewohnheiten, das Abwägen gegensätzlicher Auffassungen. Das kann durchaus zu neuen Kompromissen führen, auf alle Fälle zu einer begründeten Positionierung.

Doch Menschen, die unter dem Schild der guten Moral und des überheblichen Bewusstseins, etwas für die Zukunft der Menschheit zu leisten, sich totalitären Systemen und ihren Methoden zur Verfügung stellen, sind es der kurzen, wertvollen Lebenszeit nicht wert, sich mit ihnen einzulassen, bevor sie sich nicht selber ihren Irrtum eingestanden haben. Jeder kennt den August H. H. von Fallersleben zugeschriebenen Spruch „Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant!“ Zu diesen Lumpen gehören auch die Relotius-Decker-Journalisten, die massenhaft herangezüchtet wurden, nachdem Matthias Walden, Heimo Schwilk, Günter Zehm, Ulrich Schacht und andere hervorragende Journalisten mit Charakter, Talent und Scharfsinn das Feld verlassen hatten. Sie konnten Wesentliches mit ihrem Erfahrungswissen durchschauen und wussten deshalb noch, welche Gefahren von der Verharmlosung des Marxismus-Leninismus und den verschiedenen Sozialismus/Kommunismus-Varianten ausgingen. Mit ihnen verband mich auch eine persönliche Freundschaft.

Matthias Walden (1927-1984, eigentlich Otto Baron von Saß) floh als junger Redakteur 1950 aus Dresden in den Westen, nachdem er als Gerichtsreporter mitbekam, wie brutal gegen Oppositionelle in der SBZ/DDR vorgegangen wurde und wie ihn schließlich selber FDJ-Kampfgruppen bedrohten. Sein Lebensziel war die Wiedervereinigung Deutschlands, die er selber nicht mehr erlebte. Ab 1980 war er Mitherausgeber der „Welt“ und war als Nachfolger in der Konzernleitung Springers vorgesehen, doch er starb noch ein Jahr vor Springer.

Günter Zehm (*1933) war Lieblingsschüler des Utopie-Philosophen Ernst Bloch in Leipzig, saß dann drei Jahre in Zuchthäusern, folgte Bloch in den Westen und wurde nach seiner Promotion über Sartre Feuilleton-Redakteur der „Welt“ und stieg bis zum stellvertretenden Chefredakteur auf. Nach dem Zusammenbruch der „DDR“ wurde er Honorarprofessor in Jena und schrieb viele Philosophiebücher und Kolumnen.

Ulrich Schacht (1951-2018) wurde sogar im Frauenzuchthaus Hoheneck geboren. Sein Vater war ein russischer Offizier. Schacht wurde selber wegen „staatsfeindlicher Hetze“ zu sieben Jahren verurteilt, kam 1976 als Freigekaufter in den Westen und wurde Feuilleton-Redakteur und Chefreporter für Kultur der Zeitungen „Die Welt“ und „Welt am Sonntag“; trat auch als erfolgreicher Dichter und Schriftsteller hervor.

Heimo Schwilk (*1952) ist ein waschechter Schwabe und war bis Oktober 2015 Leitender Redakteur der „Welt am Sonntag“. Er lebt heute bei Berlin und schreibt Biografien. 2014 wurde ihm in Treviso/Italien der Premio Comisso für die beste Biografie verliehen. 2019 unterzeichnete er einen Aufruf zur Unterstützung der AfD.

Alle hier aufgezählten Journalisten und Autoren wurden von den ach so fortschrittlichen Linken im Westen diffamiert und zum Teil auch bedroht, jedoch vergebens.

Die Kommunisten, die während der Nazi-Zeit im Moskauer Hotel „Lux“ Quartier nahmen, mussten ihre Genossen, Freunde und Verwandten denunzieren, um selber überleben zu können. Völlig im Gegensatz zu den christlich geprägten Widerständlern der Weißen Rose in München. Solche vom Marxismus geprägten Denunzianten durften dann im Auftrag des Massenmörders Stalin, der mehr führende Kommunisten umbringen ließ als Hitler, die sowjetische Besatzungszone regieren, die sich dann dummfrech Deutsche Demokratische Republik nannte, wo kein Begriff der Wahrheit entsprach. Der Ex-Kommunist Prof. Hermann Weber fasste es exakt zusammen: „Mehr als sechzig Prozent der KPD-Funktionäre, die vor dem Zugriff der Gestapo in die Sowjetunion geflüchtet waren, sind von Stalins Schergen ermordet worden oder im Gulag umgekommen. Von den Mitgliedern des Politbüros der KPD hat Stalin mehr ermorden lassen als Hitler (…) Fünf Namen stehen auf dem Blutkonto der Gestapo, sieben auf dem des Tscheka-Nachfolgers GPU. Von den Familienangehörigen der Ermordeten sind mindestens 31 in der Sowjetunion gewaltsam umgekommen.“

Nur die Springer-Zeitungen setzten im Westen noch dieses stalinistische Gebilde „DDR“ wenigstens in Anführungszeichen, während die SPD sich soweit von ihrem ersten und mutigen SPD-Vorsitzenden nach dem Krieg, Kurt Schumacher, entfernt hatte, dass sie diese „DDR“ 1987 in dem SPD-SED-Papier gar auf Augenhöhe mit der Demokratie zu heben versuchte und Honecker für einen ehrenwerten Mann hielt. Diese Diktatur bestimmte sogar die Politik der Bundesrepublik mehr als es sich viele vorstellen konnten.

1972 wäre der CDU-Politiker Rainer Barzel beinahe Bundeskanzler geworden, nachdem Brandts SPD-FDP-Koalition Abgeordnete an die CDU/CSU-Fraktion verloren hatte. Doch beim entscheidenden Misstrauensvotum fehlten ihm plötzlich zwei Stimmen. Später kam heraus, dass zwei Abgeordnete von der Stasi bestochen worden waren. So blieb der von der SED bevorzugte Willy Brandt an der Macht, der den Zustrom von Jungmarxisten in die SPD zuließ. Auch der Bundespräsident Lübke wurde durch Stasi-Fälschungen zum Rücktritt veranlasst. Oder denken wir an den Ehrenpräsidenten der FDP, William Born, dessen Antrittsrede im neugewählten Deutschen Bundestag direkt aus der Feder des stellvertretenden Stasi-Ministers Markus Wolf stammte! Und wer erinnert sich noch an den „Krefelder Appell“, mitinitiiert von dem mit der Carl-von-Ossietzky-Medaille ausgezeichneten General Gert Bastian, der dann auch mit anderen Generälen die Vereinigung „Generäle für den Frieden“ begründete? Auch dieses Projekt wurde von der Stasi angeregt und mitfinanziert. Dieser Verräter im Generalsrang, der sich 1992 und gleichzeitig seine Lebensgefährtin Petra Kelly erschoss, war von 1983 bis 1987 grünes Mitglied des Bundestages. Man stelle sich nur solch eine Gestalt in der heute einzigen Oppositionspartei vor. Da kämen die Medien überhaupt nicht mehr zur Ruhe.

Siegmar Faust

Siegmar Faust, geboren 1944, studierte Kunsterziehung und Geschichte in Leipzig. Seit Ende der 1980er Jahre ist Faust Mitglied der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), heute als Kuratoriums-Mitglied. Von 1987 bis 1990 war er Chefredakteur der von der IGFM herausgegebenen Zeitschrift „DDR heute“ sowie Mitherausgeber der Zeitschrift des Brüsewitz-Zentrums, „Christen drüben“. Faust war zeitweise Geschäftsführer des Menschenrechtszentrums Cottbus e. V. und arbeitete dort auch als Besucherreferent, ebenso in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Er ist aus dem Vorstand des Menschenrechtszentrums ausgetreten und gehört nur noch der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik und der Wolfgang-Hilbig-Gesellschaft an.

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