Für die Freiheit der Kunst – von Je t’aime… bis Layla

von Hanno Borchert

Für die Freiheit der Kunst – von Je t’aime… bis Layla

Vor 53 Jahren erschien das (vermeintliche) Skandal-Lied schlechthin, das schnell zum weltberühmten Song avancierte und damals die Hitparaden stürmte: „JE T’AIME … MOI NON PLUS“ von Serge Gainsbourg und Jane Birkin.

Viele Radiosender boykottierten damals das Lied, wie beispielsweise die BBC in England oder „Radio Vatikan“. Man sprach vom „vertonten Orgasmus“ und insbesondere die damals noch gesellschaftsrelevanten bigotten bürgerlichen Konservativen bekamen schon bei der Erwähnung des Songs Schnappatmung und Pickel im Gesicht. Auch viele deutsche Radiostationen weigerten sich, das „Sexgeflüster“ über den Äther zu bringen. Gut, daß es da Radio Luxemburg gab, der bald als „fortschrittlicher“ Sender galt und mit „JE T’AIME“ keine Probleme hatte.

Für uns, die wir noch Kinder waren und etwas später so in die Pubertät rutschten, war der Song natürlich eine Offenbarung und Aufklärung zugleich: So also hörte sich «Liebemachen» an. Und vor dem inneren Auge spielten sich so allerhand wilde Phantasien ab. …

Serge Gainsbourg & Jane Birkin – Je t’aime… moi non plus/Original videoclip (Fontana 1969)



Aber 53 Jahre später sind wir offenbar keinen Deut weiter gekommen bzw. wieder um 53 Jahre zurückgefallen, wenn nun wieder ein großes Bohau um ein tatsächlich zutiefst harmloses Lied wie „Layla“ inzeniert wird und der Song dem Boykott und der Zensur anheim fällt.

Sicherlich, der Song gehört nicht gerade zu den intelligentesten seiner Zunft, aber wer sagt denn, daß ein Liedchen immer höchsten Ansprüchen genügen muß? Und niemand wird gezwungen, dieses Lied zu hören. Aber wer es hören und mitsingen will, der soll es tun können, auch in Bierzelten auf Volksfesten, ohne das sofort irgendwelche staatlichen oder privaten Sittenwächter auf der Matte stehen und zum Boykott und zur Zensur aufrufen. Dabei heißt es doch immer, daß wir in einer pluralistischen Demokratie leben. Aber vielleicht ist das ja auch nur ein Trugschluß?

DJ Robin x Schürze: Layla


Der Unterschied zu damals besteht darin, daß die neuen Sittenwächter heute mehrheitlich dem linksliberal-woken Dunstkreis entstammen und nicht mehr aus dem konservativen. Heute ist es der rechte Konservative, der die Freiheit der Kunst hochhält und verteidigt.

Gefährlich wird es für die Freiheit generell, wenn die Bürger nicht mehr erkennen, wie ihnen diese sanft entgleitet, Stück für Stück. Das beginnt eben im kleinen, bei solchen Dingen wie dem Verbot bzw. dem Boykott von bestimmten Liedern.

Wir alle sind gehalten, noch wachsamer zu sein und uns gegen jede Freiheitsbedrohung zu wappnen und zur Wehr zu setzen, möge der Anlaß auf den ersten Blick auch noch so banal sein.

Und zum Schluß; wer hätte je gedacht, daß ein Ballermann-Song einmal im besten Sinne subversiv werden könnte? Für die Freiheit!

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Hanno Borchert

Hanno Borchert

Hanno Borchert, geb. 1959, Cuxhavener Jung von der Elbmündung. Schon in jungen Jahren wurde durch die Weltenbummelei (Südtirol, Balkan, Skandinavien, Indien, Iran, Indonesien u.a.) die Beigeisterung für die Sache der Völker geweckt.

Ausgebildeter Handwerkergeselle mit abgeschlossenem Studium der Wirtschaftswissenschaften. Bücherwurm seit Kindheitstagen an, musiziert und malt gerne und beschäftigt sich mit der Kunst des Graphik-Designs. Freischaffend.

„Alter Herr“ der schlagenden Studentenverbindung „Landsmannschaft Mecklenburgia-Rostock im CC zu Hamburg“. Parteilos. Ist häufig auf Konzerten quer durch fast alle Genres unterwegs. Hört besonders gerne Bluegrass, Country, Blues und Irish Folk. Großer Fan des leider viel zu früh verstorbenen mitteldeutschen Liedermachers Gerhard Gundermann.

Redakteur der alten wie neuen „wir selbst“, zwischendurch Redakteur der „Volkslust“.

2 Kommentare zu „Für die Freiheit der Kunst – von Je t’aime… bis Layla

  1. In Österrrich ist vor kurzem ein Musiker zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt worden, (Mr Bond) weil
    seine Musik „rechtsradical“ sei. Wie viele Auftrittsverbote gibt es dazu für „rechte“ Musiker! Nein, die Herrschenden nehmen die Musik erstaunlich ernst, wenn sie nun schon ein harmloses Schlagerlied verbieten.

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