Von der Kulturrevolution zum Kulturkampf: Linksextremisten an der Macht

von Klaus Kunze

Von der Kulturrevolution zum Kulturkampf: Linksextremisten an der Macht

Nach der linken Machtergreifung

Die Kulturrevolution der 1968er Linksextremisten hat rund 50 Jahre später zu ihrer Machtergreifung geführt. Zahlenmäßig in der Minderheit, zwingen sie der Mehrheitsgesellschaft einen Kulturkampf auf, der alle hergebrachten Werte zerstören und die verwurzelten Einstellungen der Deutschen umkrempeln soll. Er wird mit den Mitteln der Massenmedien, der moralisierenden Einschüchterung und jetzt auch der Regierung und Gesetzgebung geführt.

Vorbild der Kulturkämpfer war Mao Tse Tung:

„Die Große Proletarische Kulturrevolution ist eine Revolution, die die Seelen der Menschen erfaßt hat. Sie trifft die grundsätzliche Position der Menschen, bestimmt ihre Weltanschauung, bestimmt den Weg, den sie bereits gegangen sind oder noch gehen werden und erfaßt die gesamte Revolutiongeschichte Chinas. Dies ist die größte, in der Geschichte der Menschheit noch nie dagewesene, Umwälzung der Gesellschaft. Sie wird eine ganze Generation von standhaften Kommunisten heranbilden.“

Mao Tse Tung, zit nach Changshan Li: Die chinesische Kulturrevolution (1966–1976) im Spiegel der deutschen und chinesischen wissenschaftlichen Literatur (1966–2008). Diss. Bonn 2010, urn:nbn:de:hbz:5-19812. S. 99 (Wikipedia).

In meiner Schülerzeit kursierten kleine, lila „Mao-Bibeln“, von Agitatoren kostenlos verteilt. Sie hetzten die junge Generation gegen die alte und ihre Wertvorstellungen auf. Die Aussaat war fruchtbar. Sie erfaßte „die Seelen“, wie Mao forderte.

Die „Seelen“ verstand der Atheist Mao nicht wörtlich und nicht im religiösen Sinn, sondern als Metapher. Sie steht für die tiefsten, nicht weiter hinterfragten Grundanschauungen der Menschen von gutem und richtigem Zusammenleben. Sie werden überliefert und wie Wahrheiten geglaubt. Traditionell legen Gesellschaften sie ihren Göttern und deren Geboten in den Mund. Wer gegen die heiligsten Tabus oder göttliche Gebote verstößt, verläßt den gesellschaftlich akzeptierten Rahmen.

Dieser Rahmen wird nach Joseph P. Overton (1960-2003) auch als Overton-Rahmen bezeichnet: „Als Overton-Fenster wird der Rahmen an Ideen bezeichnet, die im öffentlichen Diskurs akzeptiert werden, unter dem Gesichtspunkt der öffentlichen Moral. Nach diesem Modell enthält dieses Fenster eine Reihe von Postulaten, die im aktuellen Klima der öffentlichen Meinung als politisch akzeptabel angesehen werden und die ein Politiker empfehlen kann, ohne als zu extrem zu wirken, um ein öffentliches Amt zu erhalten oder zu behalten. Das Konzept wird auf der ganzen Welt angewandt, insbesondere von politischen Analytikern, zum Beispiel zur Evaluation und Einschätzung von Sachverhalten. Ein verwandter Begriff ist der Meinungskorridor“ (Wikipedia).

Die aktuell vieldiskutierte Metapolitik besteht in dem Bestreben, diesen Rahmen zu verschieben, die eigene ideologische Position als einzig sagbare durchzusetzen und die gegnerische außerhalb zu plazieren.

Metapolitik also will das Wertesystem der Gesellschaft verschieben, ausgedrückt im Bild des sogenannten “Overton-Fenster”, das den Bereich der gesellschaftlich etablierten Moral ausdrückt. Erst dadurch wird mit Wahlerfolgen nicht lediglich ein kurzfristiges Bremsen, sondern auch ein Wandel, ein substanzielles Umsteuern möglich.

„Nigromontanus“, Kritik der Metapolitik oder: wieso Rechte immer verlieren. 8.7.2022.

Mao hatte seine Kulturrevolution mit Gewalt und Terror durchgesetzt. Diese Gewalt stand den deutschen 68ern nicht zur Verfügung. Sie wählten darum den Weg des Kulturkampfes und gelangten nach einem langen Marsch durch die Institutionen jetzt an die Hebel der Staatsgewalt.

Das Overton-Fenster ist also weniger der Bereich des “Sagbaren” selbst, sondern vielmehr der Bereich von Inhalten, die als Argumente anerkannt und sachlich diskutiert werden. Liegt das Gesagte außerhalb, findet eine emotionale Abwehrreation statt, der Inhalt wird zwar rezipiert, doch kaum mehr wirklich diskutiert, vielmehr angewidert zurückgewiesen. Die Grenzen des Overton-Fensters werden durch die vorherrschende Moral festgelegt, wobei die Moral selbst wiederum — im Gegensatz zu klassisch aufklärerischen Vorstellungen — nicht rational und verstandesmäßig geschaffen wird, sondern in einer tieferen Schicht des Menschseins lebt, zu der es nun hinabzusteigen gilt.

„Nigromontanus“, Kritik der Metapolitik oder: wieso Rechte immer verlieren. 8.7.2022.

Von entscheidender Bedeutung ist dabei die tägliche Berieselung der Menschen mit filmischen Vorbildern und Handlungsmustern, die sich am Bewußtsein vorbei, subkutan gewissermaßen, in die „Seelen“ schmuggeln. Wer einem Staatsfernsehen ständig ausgesetzt ist, verliert nach und nach den Kontakt zu alternativen Zugängen zur Realität. Er interpretiert sie im Lichte der Ideologie, die ihm ständig eingeträufelt wird.

Diese besagt zum Beispiel, Ungleichheit sei ungerecht. Früher galt das Gegenteil: Verschiedene Leistung führt zu ungleichen Lebensverhältnissen, was für Gerechtigkeit bürge.

Der Zeitgeist ist gegen Leistungsträger; er unterstützt, wie in der chinesischen Kulturrevolution, qualifikationsfreie Subjekte – heute sind dies vor allem Wirtschaftsmigranten und qualifikationsfreie Frauen – zum Schaden der Leistungsträger. Dies ist eine brandgefährliche Situation, [..] da keiner mehr seinen Platz kennt. Die Gesellschaft steht auf dem Kopf, sie zerfällt. Und ja, ich greife dabei die Frauen am meisten an, weil sie der Kern der Gesellschaft, der Kitt der sozialen Gemeinschaft sein müßten. Sie sind das Hauptangriffsziel des kommunistischen Neofeudalismus. Frauen bilden sich heute ein, sie könnten alles haben: Familie, Karriere, einen dressierten Mann und Weltfrieden. Das ist zuviel auf einmal und geht vielleicht hintereinander, aber nicht gleichzeitig.

Maria Schneider, Die drei P’s: Putzen, Pflege, Puff, Ansage 9.7.2022,

Dieser Zeitgeist ist allerdings kein transzendentes Wesen. Er wird gemacht, und wir erkennen auch genau, wer ihn entfacht und groß gemacht hat. Er steht metaphorisch für eine komplexe, linksextremisische Ideologie. Sie besagt im Kern, es sei immer ungerecht, wenn jemand etwas habe, das andere nicht haben können. So etwas sei immer das Ergebnis irgendwelcher Ausbeutung, Unterdrückung oder von „Privilegien“. So zählt zu den „Privilegien“ dessen, der sich ein Haus gebaut hat, daß er allein hier zu sagen hat, zu den „Privilegien“ der Deutschen, selbstbestimmt zu entscheiden, wer in Deutschland leben darf und so fort.

Der Fall der Titanen, von Cornelis van Haarlem, 1588

Rom stürzte, weil seine Götter stürzten

Unsere Vorfahren fanden es in Ordnung, daß Eigentum nicht angetastet werden durfte. Die Existenz einer solchen Ordnung empfanden sie als heilig:

Heil’ge Ordnung, segenreiche
Himmelstochter, die das Gleiche
Frei und leicht und freudig bindet,
Die der Städte Bau gegründet,
Die herein von den Gefilden
Rief den ungesell’gen Wilden,
Eintrat in der Menschen Hütten,
Sie gewöhnt zu sanften Sitten,
Und das teuerste der Bande
Wob, den Trieb zum Vaterlande!

Friedrich Schiller, Die Glocke

Schon die alten Germanen schrieben die Existenz einer umfassenden Weltordnung ihren Göttern zu, welche diese dem chaotischen Walten der Frostriesen abgerungen hatten. Für die Römer standen die kapitolinischen Götter für den Inbegriff ihrer sittlichen Ordnung.

Die Alten hatten eine gewisse, dunkle Ahnung von der Lebenskraft, die dem religiösen System innewohnt, und glaubten, daß keine Stadt erobert werden könne, bevor sie nicht von ihren nationalen Göttern verlassen sei. Daraus folgt, daß es in all den Kriegen zwischen Stadt und Stadt, zwischen Volk und Volk, zwischen Rasse und Rasse einen geistigen und religiösen Kampf gibt, der gleichen Schritt hält mit dem materiellen und politischen. [..] Rom stürzte, weil seine Götter stürzten; seine Herrschaft endete, weil seine Theologie ein Ende nahm.

Juan Donoso Cortés, Essay über den Katholizismus, den Liberalis­mus und den Sozia­lis­mus, 1851, Hrg. Günter Maschke, Weinheim 1989, S.10.
Alle menschliche Kultur strebt nach Ordnung und kämpft gegen das Chaotische. Wer ein Volk und Land vernichten will, muß seine innerste Ordnung beseitigen. (Foto: Kulturlandschaft, Sababurg 18.6.2022).

Wer einen Feind besiegen will, sollte ihm als erstes den Glauben an seine „Götter“ nehmen. Das heißt: den Glauben an das komplexe System von Werten und Normen, an die eine Gemeinschaft glaubt und die zum Kern ihrer Identität gehört. So zerstört man mit den „Göttern“ eines Volkes dessen Glauben an sich selbst. Er bildet den Kitt, der die Fugen einer Gesellschaft eigentlich zusammenhält, ganz ähnlich wie der „Sportsgeist“ oder Mannschaftsgeist eine Fußballmannschaft beflügelt. Ohne gemeinsame Vorstellungen wie „Jeder spielt für jeden“ wird sie im Endspiel untergehen.

Schon Heraklit hatte gewußt: Ein Volk solle um seinen „Nomos“ kämpfen wie um seine Mauern. Die geistige Integrität einer Grup­pe ist so wichtig wie seine physi­sche. Dieser

“Begriff umfaßt na­tür­­lich die Traditionen und Über­lieferungen eines Verbandes ebenso wie seine Ehre, und ein Volk ge­walt­sam von seiner Geschichte ab­zu­tren­nen oder zu entehren be­deu­tet dasselbe, wie es zu tö­ten.”

Arnold Gehlen, Moral und Hypermoral, S.185.

In diesem Sinne bemerkte Geh­­len zum Zusammenhang zwischen dem Anspruch einer Nation auf ihre eigene Moral und ihrer Selbst­be­haup­tung:

“Es ist die be­deu­tend­ste geschichtliche Leistung einer Na­tion, sich überhaupt als eine so ver­faßte geschichtliche Einheit zu hal­ten, und den Deutschen ist sie nicht geglückt. Die Selbsterhaltung schließt die geistige Behauptung und das Bekenntnis einer Nation zu sich selbst vor aller Welt ebenso ein, wie die Sicherheit im groß­po­li­ti­schen Sinne, und diese besteht in der Macht eines Volkes, den phy­si­schen wie den morali­schen Angriff auf sich unmöglich zu machen.”

Arnold Gehlen, Moral und Hypermoral, S.103.

Der Kulturkampf der 68er hatte darin bestanden, alle überlieferten Wert- und Moralvorstellungen der Deutschen als „bürgerlich“ zu verhöhnen. Die Drachensaat ging auf: Heute stehen wir vor einem Gemeinwesen, in dem nichts mehr funktioniert: Bahn ohne Pünktlichkeit, Jobber ohne Fleiß, Staatsdiener ohne Staatstreue, Bundeswehr ohne Munition, Innenstädte ohne Sauberkeit, Geldforderungen ohne Anstand, sich selbst bedienende Politiker ohne Scham, Meinungsfreiheit unter Druck, die körperliche Selbstbestimmung am Ende.

Dieser noch anhaltende Kulturkampf ist der zentrale Angriff auf die geistige Behauptung unseres Volkes als geschichtliche Einheit.

Und wem nützt das?

In Religionskriegen, kämpfen keine Götter miteinander, in ideologischen Konflikten greift nicht die eine Weltanschauung die andere an, und in Wertekonflikten sucht nicht eine ethische Norm die andere zu zerstören. Götter, Ideologien, Werte und Normen sind von Menschen ersonnene Vorstellungen. Sie alle besagen: „Du sollst“!

Wer das fordert und im realen Leben miteinander kämpft, sind immer reale Menschen und nicht Götter oder Ideologien. Nicht Kulturen kämpfen einen Kulturkampf aus, sondern Menschen bedienen sich der Mittel eines Kulturkampfes, um andere Menschen zu beherrschen. Es geht immer um Dominanz realer Menschen und Menschengruppen, die eine ihrem Fortkommen förderliche Ideologie zu verbreiten suchen. Sie treten in deren Namen auf, geben vor, ihr zu dienen und stützen darauf ihre Autorität. „Gott will es!“ hieß schon immer im Subtext: „Alles hört auf mein Kommando, denn nur ich weiß, was Gott will“.

Die sich aufdrängende soziologische Frage lautet: Wer sind denn die menschlichen Akteure unseres Kulturkampfes? Die marxistischen 68er und ihre Epigonen in der heutigen Bundesregierung hätten es nicht weit gebracht, wenn ihre Botschaften nicht massenhaften Widerhall gefunden hätten. Wer ist anfällig für sie?

Eine Schlüsselbehauptung der alten 68er hatte gelautet: „Die Gesellschaft ist schuld.“ Jeder Versager hörte das gern. Gewiß fand er „unterprivilegierte“ Eltern oder doch zumindest eine rigide Leisungsgesellschaft vor, die nachprüfbarem Wissen den Vorzug gab vor echter Kreativität. Wer nicht gern acht Stunden oder länger arbeitete, suchte Zuflucht beim Reizwort „Ausbeutung“, wer lieber soff oder kiffte, störte sich am „repressiven Polizeistaat BRD.“ Lautstarke Eltern maulten in Lehrersprechzimmern über das Schulsystem und seine Ungerechtigkeiten, weil ihr Sprößling ja hochbegabt sei. Leider brachte er nur Fünfen nach hause. Die Gesellschaft war an allem schuld!

Also mußte man sie verändern. Die Ideologie der Gleichheit ist den Minderleistern auf den Leib geschnitten. Überall suchen sie Verbündete, die sich auch „unterprivilegiert“ vorkommen: Zu kurz gekommene Minderheiten aller Welt, vereinigt Euch!

Für sozialen Auf- und Abstieg war früher die persönliche Leistung maßgeblich. Natürlich hatten es Kinder aus weniger begabten Familien dabei schwerer als Nachkommen hochbegabter Eltern. Um den auf der Hand liegenden genetischen Zusammenhang zu verschleiern, glaubten zu kurz gekommene Linke gern an die heute verstaubte Milieutheorie: Die Gesellschaft war mal wieder schuld!

In einer nach Leistungsprinzipien funktionierenden Gesellschaft gibt es immer ein soziales Gefälle. Es verurteilt zum Untenbleiben alle, die zur Leistung unfähig waren oder schlicht zu faul. Genau darin fanden sie die Schuld der Gesellschaft. Inbrünstig glaubten sie, alle Menschen seien gleich, also „Hoch die Revolution!“, und zum Teufel mit der Gesellschaft. Heute installieren sie gerade eine aus ihrer Sicht gerechte Gesellschaft. Wie gerecht diese ist, sehen wir zum Beispiel an Spitzenpolitikern ohne Abschluß oder mit gefälschten oder erschwindelten Doktorarbeiten. Eine Gesellschaft der Gleichheit in allen Lebensbereichen ist die einzige Chance für intellektuellen Bodensatz, sozial über ihre viel fleißigeren oder klügeren Mitschüler aufzusteigen.

Um diesen sozialen Auf- oder Abstieg geht es immer. Maria Schneider schildert anschaulich:

Daher werden ihre Töchter, die dumm wie Brot sind, schon als Kind – gerne auch mal durch Bestechung und Terrorisierung der Lehrerschaft – durchs Gymnasium geschleppt, obwohl sie eigentlich für die Hauptschule geeigneter wären. Und wer ist hier die Haupttriebfeder? Die statusbewußte, narzißtische Mutter. Und nach dem Abitur soll die „hochbegabte“ Tochter natürlich studieren. Es reicht aber nur für ein geisteswissenschaftliches Fach – Kunstgeschichte, Marketing, „Gender Studies” -, bei dem sie ganz easy herumlungern kann und nebenher vielleicht auch den künftigem Versorger trifft, auf den sie insgeheim hofft. Leider ist die Tochter aber durch den eingepflanzten Größenwahn ihrer Mutter dann intellektuell und geistig so sehr verdorben, daß es für sie keinen Weg mehr zurück zu einer adäquaten, ihr Befähigung entsprechenden einfachen Arbeit gibt –  wie etwa durchaus auch den Job einer Kassiererin oder Bedienung an der Fleischtheke (O Graus!).

Maria Schneider, Die drei P’s: Putzen, Pflege, Puff, Ansage 9.7.2022,

So haben wir denn heute unzählige Lehrstühle über „Genderismus“, Legionen an „Beauftragten“ für alles mögliche, Massen an Quotenfrauen – aber nicht genug Arbeitende aus der beruflichen Mittelschicht, die früher mit mittlerer Reife ins Berufsleben gingen.

Die Folgen solcher Biographien sind unter anderem, daß Frauen mit Werten, Frauen mit entsprechendem Intellekt und Frauen mit abgeschlossener Ausbildung auf Grund des herrschenden neokommunistischen Zeitgeists ins Abseits geschoben werden. Statt dessen besetzen Frauen, die eigentlich einen einfachen Job verrichten sollten, wichtige Stellen – mit extrem negativen Folgen für die Gesellschaft.

Maria Schneider, Die drei P’s: Putzen, Pflege, Puff, Ansage 9.7.2022,

In Berlin bilden die Wähler aus dem Milieu staatlicher Alimentierung bereits eine strukturelle Mehrheit für die linken Parteien, die ihnen noch höhere und bessere Versorgung versprechen. Leistung lohnt sich immer weniger und wird darum immer weniger erbracht. Das neue System der Gleichheit wird beherrscht von denen, die im Namen der Gleichheit auftreten und regieren. Sie stabilisieren es, indem sie die Anzahl der potentiell zu versorgenden Klientel weiter steigern. Jeder Einwanderer, jede Minderheit kommt ihnen gerade recht, bis sich an dem einmal etablierten System durch Abstimmung nichts mehr ändern läßt.

Die Macht der Verkörperung

Im Kulturkampf um die Etablierung der neuen Gesellschaft anstelle des deutschen Volkes gewinnt die angreifende Seite an Boden, indem sie die Gesellschaft durch Einwanderung substanziell verändert und die tradierten Werte und das Eigenbewußtsein der verbliebenen Deutschen weiter untergräbt. Umgekehrt besteht die Abwehr in jeder Stärkung unseres Identitätsgefühls als Deutsche und in der Bekräftigung unserer hergebrachten Werte und Normen: Fleiß, Ehrlichkeit, Pünktlichkeit, Tüchtigkeit, Treue, Vaterlandsliebe, Rechtschaffenheit, Zuverlässigkeit und Redlichkeit.

Als Joschka Fischer als Abgeordneter einst in Turnschuhen erschien, war das ein subversiver Akt. Heute ist es vielleicht subversiv, seine Kinder ordentlich bekleidet zur Schule zu schicken und keiner „unterprivilegierten Minderheit“ angehören zu wollen. Wo wir auf den Ungeist der kulturellen Zersetzung stoßen, sollten wir widersprechen und nicht schweigen. Jeder für sich kann verkörpern, wofür er steht. Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom. Für lebende aber gilt:

Was sie also jenseits des formellen Unterschieds von fiktiver und historischer Realität in ihrer Wirksamkeit eint, ist, daß sie ihre Prinzipien, das, was sie als Ethos in die Welt tragen wollen, nicht als Theorie vortragen, sondern mittels Personen und Ereignissen als gelebtes Dasein verkörpern. Wobei diese Konkretion wiederum nur Sinnbild ist für ein höheres Prinzip, das durch die individuelle Erscheinung hindurch und über sie hinausreichend ausgedrückt wird. John Lennon (oder Dagny Taggart, die kapitalistische Hauptfigur bei “Atlas Shrugged”) wird an dem Punkt zu Metapolitik, wo ihr Leben eine Art symbolhafter Durchsichtigkeit, eine Metarealität erhält. Sie sind nicht mehr nur das, was sie sind, in ihnen drückt sich ein Prinzip, ein Lebensentwurf, die Verkörperung eines Allgemeinen aus. Sie stehen nicht nur an einem bestimmten Ort, sie stehen für eine Idee, ihr Dasein erhält eine überzeitliche, transzendente Dimension. In dieser symbolischen Verkörperung wohnt These und Beweis in einem, es ist Vorbild in dem Sinn, den in archaischeren Zeiten der Mythos, das Ritual, der Helden und Götterkult hatte.

„Nigromontanus“, Kritik der Metapolitik oder: wieso Rechte immer verlieren. 8.7.2022.

So kann jeder Einzelne den Kulturkampf durchzufechten helfen. Es liegt an jedem selbst. Aber es liegt nicht an jedem allein. Es liegt an unser aller gemeinschaftlichem Handeln.

Dieser Beitrag erschien auch auf der stets lesenswerten Internetseite Klaus Kunzes: http://klauskunze.com/blog/2022/07/10/von-der-kulturrevolution-zum-kulturkampf/

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Klaus Kunze

Klaus Kunze, seit 1984 selbständiger Rechtsanwalt in Uslar, von 1970-71 Herausgeber eines Science-Fiction-Fanmagazins, von 1977 bis 1979 Korrespondent der Zeitung student in Köln, seit 1978 diverse Beiträge in genealogischen und heimatkundlichen Fachzeitschriften, seit 1989 Beiträge für politische Zeitschriften wie u. a. die Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT

Autor der Bücher:

Klaus Kunze: Die solidarische Nation. Wie Soziales und Nationales ineinandergreifen. Gebundene Ausgabe, 206 Seiten, Preis: 19,80 Euro ist hier erhältlich: https://lindenbaum-verlag.de/produkt/die-solidarische-nation/

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2 Kommentare zu „Von der Kulturrevolution zum Kulturkampf: Linksextremisten an der Macht

  1. Ein Beitrag, der mir außerordentlich gefallen hat, weil ich das Gesagte mit eigenen Lebenserfahrungen bestätigen kann. Als Jahrgang 54, also zu Zeiten der Kulturrevolution 22 Jahre alt, kann ich bestätigen, dass grenzenlose Begeisterung bei den Studenten und selbsternannten „ Strassenkämpfer“ für Maos rote Garden herrschte. Die Rolling Stones Hymne „Street fighting Man“ war in aller Munde. Man hatte aber früh erkannt, dass der Systemchange nicht durch einen Aufstand der angeblich unterdrückten Massen geschehen kann. Die hätten da nicht mitgemacht, deshalb die Losung „Marsch durch die Institutionen“, diese hatte anfangs durchaus nicht die volle Zustimmung aller kämpfenden Genossen. Befürchtungen vom Klassenfeind vereinnahmt und kaltgestellt zu werden, waren verbreitet. Dennoch gelang es gerade den Wortführern, ihre Linie durchzusetzen. Das galt besonders auch für die, die nun ihre Mao-Poster von den Wänden abhingen, die die Mao-Bibel in den Keller verfrachteten. Man brauchte Mao nicht mehr als Heiligen. Im Gegenteil, kritische Distanz zu seiner Person kam durchweg besser an. Man konnte jetzt sogar für den Dalai Lama sein. Maos ideologische Grundsätze, strategischen Ziele und auch seine Methoden blieben im Arsenal. Zwar wurden Gegner nicht mehr in Gulags vernichtet, Vernichtung, diesen Begriff kann man durchaus verwenden, geschieht heute anders. Das Ausschalten aus dem gesellschaftlichen Diskurs und beruflichen Entwicklungen für diejenigen, die nicht mitmachen, bekamen gesellschaftliche Akzeptanz. Behinderung politischer Opposition erleben wir heute täglich.

    Auch der Teil des Textes, der die Frage von Gleichheit und Ungleichheit behandelt, kann ich aufgrund eigener beruflicher Erfahrungen bestätigen. Als Referent in der Sozialwirtschaft im Bereich „Berufsbildung für Benachteiligte“ kann ich bestätigen, dass es gang und gebe war, den mit staatlicher Förderung alimentierten Teilnehmern hohe Bildungsabschlüsse zu verschaffen, dies aber nicht dadurch, dass man sie zu weiterführendem Lernen anhielt. Im Gegenteil, je weniger intellektuelle Kompetenzen vorhanden waren, um so mehr wurde getrickst und geschoben. Der größte Erfolg war erreicht, wenn am Ende die jungen Leute ein Zertifikat in Händen hielten. Den Anforderungen eines Berufslebens waren sie aber damit nicht gewachsen. Mit der Zuwanderung völlig Bildungsferner und ihres Anhangs hat sich diese Praxis noch verstärkt.

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