Das Stigma des Rassismus

von Dr. Winfried Knörzer

Das Stigma des Rassismus

Der atavistische Rausch, den eigenen, linken Machtwillen auszukosten

Die Stigmatisierung des Gegners als wahlweise Rassist, Faschist, Diskriminierer, Sexist usw. ist die mit Abstand weitverbreitetste Form des politischen Kampfes in der heutigen Zeit.

All diejenigen, die bis dahin noch der Illusion anhingen, in einem liberalen, demokratischen Rechtsstaat zu leben, in einem freien Land, wo jeder frei seine Meinung äußern kann, reagieren außerordentlich verstört, wenn sie erstmals mit solchen Vorwürfen konfrontiert werden, wenn sie sich unversehens in einen Ring geworfen wiederfinden, in dem die Hetzmeute tobt. Sie fragen sich: was habe ich getan? Ja, was haben sie getan? Sie haben vielleicht eine schöne Frau eine schöne Frau genannt, sie haben eventuell geäußert, daß sie manchmal ein mulmiges Gefühl beschleicht, wenn sie durch ein Ausländerviertel gehen, oder sie haben unter Umständen verkündet, daß sie niemanden einstellen würden, der die deutsche Sprache nicht beherrscht. Die erste naheliegende Reaktion mag sein, diese Vorwürfe als unbegründet zurückzuweisen, indem sie betonen, daß mit diesen Aussagen überhaupt keine frauen- oder ausländerfeindliche Intention beabsichtigt gewesen sei, daß sie im Gegenteil Frauen oder Ausländer besonders hoch schätzen. Allein, solchen Versicherungen wird kein Glauben geschenkt.

Der wesentliche Irrtum dieser bedauernswerten Tröpfe besteht darin, die genannten Vorwürfe für bare Münze, wortwörtlich zu nehmen. Sie glauben, Faschist genannt zu werden, verdiene nur derjenige, der über seinem Schreibtisch ein Hitlerbild aufhängt und den Nationalsozialismus gut findet. Den Schmähungen auf der Sachebene begegnen zu wollen, wäre völlig verfehlt. Wollte man sich aus dem Anklagestrudel herauswinden, indem man umständlich begründet, warum man auf gar keinen Fall ein Faschist sein könne, geriete man nur immer tiefer in den Strudel hinein. Denn wortreiche Verteidigungsreden haben es so an sich, daß unweigerlich einige ungeschickte Formulierungen fallen, die bei einigem bösen Willen, der auf der Gegenseite freilich stets vorausgesetzt werden kann, zuungunsten des Angeklagten ausgelegt werden können.

Rechte wissen um die Begrenztheit der Vernunft und kennen die dunklen Seiten der menschlichen Natur

Rechte sind keine Esoteriker, also pure Irrationalisten. Sie begegnen der Aufklärung aber mit Skepsis, sie kennen die dunklen Seiten der menschlichen Natur und wissen um die Begrenztheiten der Vernunft. Es gehört zu den bislang ungelösten Rätseln der Weltgeschichte, daß diese in der Theorie so vernunftkritischen Leute in der Praxis des politischen Diskurses einer geradezu naiv zu nennenden Vernunftgläubigkeit anheimfallen. Sie glauben, mit guten, richtigen Argumenten die Gegenseite überzeugen zu können. Sie bleiben der Sachebene verhaftet und verkennen dadurch die Funktionsweise des Kommunikations-/Handlungszusammenhangs.

Die Bezeichnung einer Person als Faschist zielt überhaupt nicht darauf ab, eine wissenschaftlich-objektive Aussage über die politische Positionierung des Betreffenden zu sein. Es geht nur darum, diese Person zu beleidigen, um nichts anderes. Deshalb sind die einschlägigen Schmähformeln (Rassist, Faschist, Antisemit, Ausländerfeind, etc.) auch genauso untereinander austauschbar wie straßenübliche Beleidigungen (Dummkopf, Drecksack, Sau). Sie unterscheiden sich von diesen nur durch ihre Stellung im semantischen Feld der Politik. Allerdings käme bei gewöhnlichen Beleidigungen niemand auf die Idee, der Verunglimpfung als Dummkopf durch Beweise der eigenen Klugheit zu entgegen. Vielmehr wird man eher zurückschimpfen. Hier tut sich nun aber doch ein wesentlicher Unterschied zwischend der gewöhnlichen und der politischen Invektive auf. In der gewöhnlichen Beleidungssituation sind beide Seiten tendenziell gleich stark, in der politischen nicht. Diese Asymmetrie zeigt sich nicht nur dadurch, daß hier einer gegen viele steht, sondern auch dadurch, daß gar kein Vokabular zum Konterschimpf zur Verfügung steht. Die Antwort „du Bolschewik“ auf den Anwurf „du Faschist“ läuft ins Leere, weil angesichts der Legitimität des linken Spektrums die Bezeichnung „Bolschewik“ keine schmähende Wirkung entfalten kann. Der Angegriffene ist mithin sprachlos und hilflos.

Diese Hilflosmachung des Opfers ist die eigentliche Intention des Kommunikationsaktes. Es soll einsehen, daß es bar jeder Machtmittel, allein, chancenlos und ausgestoßen ist.

Wir haben bisher diesen Vorgang mehr oder weniger ausschließlich von der Warte des Angegriffenen aus betrachtet, was insofern naheliegt, als sowohl der Schreiber als auch die Leser dieser Zeilen potentiell zur Gruppe der Angegriffenen gehören. Interessanter ist freilich die Perspektive der Angreifer. Was veranlaßt diese Menschen so vorzugehen?

Das schützende Dach der Rechtsordnung ist dünn und löchrig

So wenig wie an die alles überwindende Kraft der Vernunft glaubt der Rechte an die natürliche Güte des Menschen. Auch wenn die Frage nach der genauen Qualität der moralischen Natur des Menschen umstritten ist und hier auch nicht erörtert werden kann, so dürfte doch weithin der Konsens bestehen, daß der Mensch unter Umständen zum Bösen geneigt ist. Mit anderen Worten: befreit von den Zwängen der Rechtsordnung ist es sehr wahrscheinlich, daß zumindest einige Menschen ihren Trieben und ihren egoisitischen Interessen freien Lauf lassen. Auch wenn in der BRD Nationalisten und Konservative nicht völlig rechtlos und im mittelalterlichen Sinne wirklich vogelfrei sind, so ist doch bei ihnen das schützende Dach der Rechtsordnung dünn und löchrig. Konkret heißt dies, daß kleinere Angriffe auf sie (auf ihre Ehre und berufliche Stellung) überhaupt nicht und größere (auf Gesundheit und Leben) nur mit vergleichsweise laxen Strafen geahndet werden. Dieses zwar begrenzte, aber doch recht ausgedehnte rechtliche Niemandsland eröffnet einen Spielraum für Handlungen, die anderswo nicht möglich sind.

Anpassungsdruck durch Triebunterdrückung im Zivilisationsprozeß und lizenzierte Freiräume als Ventile im Kampf gegen Rechts

Jede Gesellschaft regelt durch eine Fülle von Verfahren, Verordnungen, impliziten Zwängen und Rücksichtnahmen das Miteinander ihrer Mitglieder. Je moderner eine Gesellschaft ist, desto ausdifferenzierter, komplexer und damit auch fragiler wird der soziale Mechanismus, was auch den Regelungsdruck verschärft. Schon kleinste Abweichungen können das Räderwerk aus dem Takt bringen. Deshalb muß die Gesellschaft ihre Mitglieder zur Anpassung zwingen. Anpassung aber heißt nichts anderes als Triebunterdrückung. Diese ist der Preis, der für ein friedliches und reibungslos funktionierendes Miteinander zu entrichten ist. Aber wie jeder Preis wird auch dieser nur ungern bezahlt. Die Anpassungsleistung, welche der Zivilisationsprozeß verlangt, wird als ständig drückende Last empfunden, weshalb man jede Chance nutzt (Freizeit, Fasching, Urlaub), um diese abzuwerfen und „die Sau rauszulassen“. Die gerade genannten Beispiele sind lizenzierte Freiräume, die als Ventile dienen, um den Anpassungsdruck ablassen zu können. Diese lizenzierten Freiräume sind in ihrer Ventilfunktion integraler Bestandteil des zivilisatorischen Systems. Sie sind zeitlich und örtlich begrenzt und regulieren durchaus auch – wenn auch auf niedriger Triebunterdrückungsstufe – nach den Maßgaben des jeweiligen Feldes das Verhalten.

Der Kampf gegen Rechts hat sich in den vergangenen Jahren als ein solcher Freiraum etabliert. Möglicherweise ist dieser neue Freiraum das dialektische Gegenstück zur Verschärfung des Zivilisationsdrucks durch die political correctness, da diese – formal betrachtet – durch die Einführung eines neuen Subsystems auf verstärkte Rücksichtnahme abzielende Verhaltensregeln nichts anderes ist als eine erneute Drehung an der Schraube des Zivilisationsprozesses. Man mag an dieser formalen Betrachtung vielleicht bemängeln, daß sie von den politischen Inhalten abstrahiert. Aber allein schon die Austauschbarkeit der völlig unterschiedlichen Zusammenhängen entstammenden und daher heterogenen Beleidigungsformeln zeigt, daß es auf den konkreten politischen Inhalt überhaupt nicht ankommt. Ausschlaggebend ist vielmehr, daß diese das subsumieren, was der Beleidiger unter keinen Umständen sein will, sie bezeichnen das Verworfene. Der Begriff des Verworfenen hat eine doppelte Bedeutung: zum einen eine psychoanalytische und zum anderen eine moralisch-gesellschaftliche. In psychoanalytischer Hinsicht bezeichnet dieser Begriff die vergegenständlichende Ausstoßung eines in die psychische Struktur nicht integrierbaren Elements, in moralisch-gesellschaftlicher Hinsicht verabscheuungswürdige Individuen, die aus der Gesellschaft ausgestoßen sind. Die Ursache der Verworfenheit ist nicht so wichtig wie ihre soziale Funktion, die darin besteht, den Verworfenen als das perfekte Opfer zu markieren. Das Opfer ist dazu prädestiniert, in einem lizenzierten Freiraum den Machtwillen des Stärkeren in einer sonst nicht mehr möglichen Reinheit ausleben lassen zu können. Es ist ein großartiges, erhebendes Gefühl, den anderen die eigene Macht spüren zu lassen, ihn zu demütigen, ihn wimmernd, um Gnade flehend, im Staube kriechen zu sehen. Das Auskosten eines solchen Triumphes ist dem heutigen Menschen im allgemeinen verwehrt. Auch der Starke darf seine Stärke nicht gegenüber dem Schwächeren (der Chef gegenüber dem Mitarbeiter, die Eltern gegenüber dem Kind) zeigen; hier aber besteht die einmalige Möglichkeit, in einem atavistischen Rausch den eigenen Machtwillen auszukosten. Der Wille zur Macht ist das Primäre; seine Einkleidung in die Sprache der Politik ist allein der Tatsache geschuldet, daß die Politik die bestimmende soziale Verkehrsform ist und man nur in der Sprache der Politik die legitimierende Lizenz erhalten kann. In einer religiösen Epoche sind die Verworfenen Ketzer und Hexen. Die Gesellschaft braucht zur Aufrechterhaltung der Homöostase ein Ventil für die aggressiven Machttriebe und dementsprechend Opfer.

Die Opfermarkierung und Haßmobilisierung: der politisch Andersartige, der Rechte ist der Frevler, der das Heilige beschmutzt

Nicht jede beliebige soziale Gruppe eignet sich zum Opfer. Unabdingbare Voraussetzung ist deren Machtlosigkeit, denn der Aggressor kann das Gefühl seiner Machtvollkommenheit nur genießen, wenn der Andere wehrlos ist. Die Anstrengungen einer längeren Auseinandersetzung würden den Genuß beeinträchtigen. Darum kommen alle sozialen Gruppen, die leidlich groß sind und über relevante Machtmittel (Medien, Geld, Verknüpfung mit großen, etablierten Organisationen) nicht in Betracht. Dennoch gäbe es außer der Rechten noch manch andere Gruppen, die nicht der BRD-Norm entsprechen und in die Opferstruktur passen: Scientologyanhänger, Sekten wie die Zeugen Jehovas, Rocker. Diese tangieren aber nicht das politische Selbstverständnis des BRD-mainstreams. Die von solchen Gruppierungen eventuell ausgelösten Friktionen können problemlos durch Polizei und Justiz beseitigt werden, sie bedürfen nicht einer allgemeinen Haßmobilisierung. Der politische Kontext muß also durchaus beachtet werden. Ich hatte dessen Würdigung deshalb aufgeschoben, um zunächst die Einsicht zu vermitteln, daß es überhaupt nicht um konkrete politische Inhalte geht. Wie bereits erwähnt, zeigt allein schon die Austauschbarkeit der Schmähformeln, daß nicht die Benennung politischer Sachverhalte intendiert ist, sondern die Markierung eines zu verwerfenden Anderen als Opfer. Angesichts des Primats des Politischen kommt dafür nur der politisch Andersartige in Betracht.

Eine der erstaunlichsten Eigenheiten der aktuellen politischen Lage in der BRD ist deren Homogenität. In allen grundsätzlichen Fragen herrscht von Die Linke bis zur CDU Konsens. Das war nicht immer so. Bis in die 80er Jahre hinein gab es über Grundsatzfragen wie Wiederbewaffnung, Ostverträge, erweiterte Mitbestimmung, Raketennachrüstung leidenschaftliche Debatten zwischen zwei klar gegensätzlichen Lagern. Die „Verbürgerlichung“ der Arbeiterklasse durch steigenden Wohlstand und die diese Entwicklung nachvollziehende Preisgabe der marxistischen Grundhaltung der SPD durch das Godesberger Programm hat das sozialdemokratische Milieu nach rechts verschoben. Im kleineren Maßstab hat sich eine solche Entwicklung auch bei den sogenannten „Neuen Sozialen Bewegungen“ vollzogen. Die Einsicht in die Aussichtslosigkeit eines wie auch immer gearteten revolutionären Kampfes und die Etablierung in bürgerlichen Berufswelten haben auch die 68er verbürgerlicht, wobei sie allerdings eine nunmehr freilich diffus gewordene linke Grundhaltung bewahrten. Auf der anderen Seite hat die Erosion traditoneller Milieus (Bauern, praktizierende Katholiken, Honoratioren usw.) die CDU nach links verschoben und zur Anpassung an moderne, „großstädtische“ Lebenswelten gezwungen. So ist also von beiden Seiten eine kompakte Masse zusammengewachsen, die aufgrund lebensweltlicher Homogenität auch entsprechend ähnliche Mentalitäten und politische Dispositionen herausgebildet hat. Sobald diese Masse eine bestimmte kritische Größe erreicht hat, entwickelt sie einen Sog, der auch Widerstrebende hineinzieht, da niemand, der Wert auf eine Anerkennung als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft legt, sich diesem entgegenstellen kann. Außerhalb des mainstreams gibt es keine legitime Alternative mehr.

Fassen wir die Ergebnisse der Untersuchung zusammen:

1. Jede Gesellschaft braucht als Ventil für den nicht dauerhaft ertragbaren Zivilisationsdruck einen legitimen Freiraum. Dieser ermöglicht es, die ansonsten verpönten primitiven Triebregungen, insbesondere aggressiver Art, auszuagieren.

2. Diese Triebregungen richten sich auf ein machtloses, marginalisiertes Objekt. Nur ein solches eignet sich, um den Rausch der eigenen Übermacht zu genießen.

3. Die meisten modernen Gesellschaften definieren sich politisch, also nicht etwa religiös oder ethnisch. Deshalb wird auch die Opfergruppe politisch codiert, wodurch sich auch die Eignung der machtlosen und marginalisierten Rechten als Opferobjekt erklärt. Bemerkenswerterweise korreliert auch die Verschärfung des Kampfes gegen Rechts mit dem fortschreitenden Machtverlust der Rechten.

Die Homogenisierung des politischen Feldes bedeutet auch, daß die Rechte aus dem Bereich legitimer politischer Diskussion ausgeschlossen wird. Es gibt kein Kontinuum politischer Haltungen von ganz links bis ganz rechts, vielmehr tut sich knapp rechts der Mitte ein Abgrund auf, jenseits dessen die Gefilde des unsagbaren Schreckens liegen. Es gibt darum auch keine politische Auseinandersetzung, die immer auch ein Mindestmaß an Rationalität besitzt. Ist erst einmal erkannt, daß eine bestimmte politische Haltung Anzeichen des Rechten aufweist, setzt die Abstoßung oder Verwerfung ein. Man schaut nicht mehr genau hin, um zu prüfen, was der Betreffende gemeint haben könnte, sondern man spult nur noch das Repertoire der Bannflüche ab, was insofern verständlich ist, als man nur mit magischen Formeln dem Ungeheuer begegnen kann. Wer einmal das Entsetzen in den Gesichtern der Wohlmeinenden gesehen hat, wenn man sich als Rechter outet, wird diesen Hinweis auf archaisch-magische Zusammenhänge nicht für ironisch überzeichnete Metaphorik halten. Derjenige, der bisher gedacht hatte, Rechte seien irgendwelche grölenden Glatzen in fernen sächsischen Kleinstädten und nun feststellen muß, daß ein solcher Unmensch, den man jahrelang für einen Freund gehalten hat, direkt neben einem sitzt, wird von einem Gefühl des Unheimlichen ergriffen, denn unheimlich ist es, wenn das Vertraute unvertraut wird, wenn unter der harmlosen Gestalt die Fratze des Abscheulichen sichtbar wird.

Diese Einsicht in den Atavismus solcher Verhaltensweisen muß vertieft werden. In Schimpansenhorden werden manifeste „Abweichler“, Humpler, sonstwie Verkrüppelte und Mißgestaltete entweder komplett ausgestoßen oder nur eben so als randständige, verachtete Mitläufer geduldet. So grausam ein solches Verhalten auch sein mag, so nachvollziehbar ist es auch, da die Rücksichtnahme auf einen solchen Minderleister den Fortbestand der Gruppe gefährden würde. Es ist, als würde ein solches Wesen eine Infektion in die Gruppe hineintragen. Die Ausstoßung des Unkonformen ist darum für den Zusammenhalt der Gruppe unerläßlich.

Die zumeist ohne weiteres Nachdenken gebrauchte Formel der Stigmatiserung ist insofern unscharf, als sie Ursache und Wirkung verwechselt. Der Rechte wird nicht sigmatisiert, sondern er trägt durch sein Rechtssein bereits das Stigma an sich. Indem er an den politischen Glaubensgrundlagen (Gleichheit aller Menschen, Nutzen der Einwanderung, Schädlichkeit des Nationalen), die aus der Summe von Individuen ein politisches Kollektiv machen, rührt, bricht er ein Tabu und macht sich unrein. Er ist der Frevler, der das Heilige beschmutzt.

Dr. Winfried Knörzer

Dr. Winfried Knörzer, geboren 1958 in Leipzig, studierte in Tübingen Philosophie, Germanistik, Medienwissenschaften, Japanologie und promovierte über ein Thema aus der Geschichte der Psychoanalyse. Berufliche Tätigkeiten: Verlagslektor, EDV-Fachmann. Seit Anfang der 90er Jahre ist er mit Unterbrechungen publizistisch aktiv.

Ein Kommentar zu “Das Stigma des Rassismus

  1. Eine Sprachrevolution?
    Früher enthielt die Aussage: „Du bist ein Rassist“, die Vorstellung, daß da es jemanden gäbe, der
    Rassist sei, daß diese Aussage getätigt wurde, weil der, der dies aussagt, davon überzeugt ist,
    daß diese Aussage wahr sei und daß der so Quaifizierte sich befragen müsse: „Bin ich das?“
    In unseren Zeiten der Postmoderne hat sich das radical verändert, denn das, was man naiv als
    die Wirklichkeit annimmt, ist jetzt ein soziales Konstrukt der Medien. Sie bilden keine Wirklichkeit mehr
    ab sondern produzieren sie erst. Die Medien machen erst Menschen zu Rassisten, Rechtsradicalen…
    Ein aktuelles Beispiel: Die Querrdenkerbeweguung ist eine klar linksliberale Bewegung mit ihrer
    Betonung des Vorranges der individuelln Freiheiten gegenüber dem Wohlergehen des Ganzen,
    der Volksgesundheit und des Vorranges der Wirtschaftsfreiheit, daß der Staat die unternehmerische
    Freiheit nicht limitieren dürfe für ein vermeintliches Allgemeinwohl.
    Um diese Regierungskritik zu diffamieren, wird sie als rechte Bewegung perhorresziert. Jetzt entsteht
    der Glaube, daß diese Bewegung rechts sei und Rechte engagieren sich in ihr. So wird sie zu etwas,
    was sie traditionell gedacht nicht ist, sondern erst durch die Medien wurde.
    Uwe Lay

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