Freie Medien statt Meinungsuniformierung

von Thor Kunkel

Freie Medien statt Meinungsuniformierung

Eröffnungsrede auf dem Kongress der Freien Medien, Berlin, am 10.10.2020

I.

Guten Morgen meine Damen und Herren, ich freue mich Sie zum 2. Kongress der Freien Medien begrüßen zu dürfen. Wir haben ein straffes Programm, ich komme daher auch gleich zur Sache: Deutschland hat kein Politikproblem, sondern ein Medienproblem.

Damit ist jene auffällige Meinungsuniformierung gemeint, die sich inzwischen nicht mehr unter den Tisch kehren lässt. Während der seit Februar medial bewirtschafteten „Corona-Krise“ wurde uns einmal mehr vor Augen geführt, wie einfach es geworden ist, Andersdenkende und Regierungskritiker verbal zu brandmarken und vom Meinungsdiskurs auszugrenzen. Ohne die freien Medien, die unabhängigen Blogger und Influencer, hätten die wenigsten überhaupt von der Existenz kritischer Stimmen erfahren.

In der gegenwärtigen Zerrüttung der Meinungsfreiheit kommt den freien Medien die Rolle von Whistle blowern und kreativen „Übersetzungsdiensten“ zu. Der Ausdruck Lückenpresse greift inzwischen tatsächlich zu kurz, wo vorsätzlich falsch informiert wird. Wenn die Verwüstungen ganzer Innenstädte durch Randalierer als „neue deutsche Partyszene“ verharmlost werden, andererseits ein paar fahnenschwenkende, friedfertige Demonstranten auf der Treppe des Reichstags als – Zitat – „Sturmtruppen“ und „rechter Mob“ in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt werden, dann zeugt das von der Absicht, uns, die Noch- Mehrheitsgesellschaft, auf eine fast schon kriminelle Art und Weise zu täuschen.

Dass solche Falschdarstellungen der aktuellen Geschehnisse von der breiten Masse immer noch geschluckt werden, liegt am großen antifaschistischen Narrativ der Berliner Republik, dem sich täglich fortschreibenden Framing aller Gesamtereignisse des Landes. Da das Ganze nur funktionieren kann, weil die Mainstream-Medien in perfekter Synchronisation senden, möchte man fast von einem Simulacron – also einer künstlich hergestellten Realität – sprechen, in der viele Zeitgenossen noch immer zuversichtlich in die Zukunft schauen: Hier hat die Regierungschefin noch alles im Griff, hier gibt es keine Zensur, dafür aber eine brandheiße Gefahr namens „Das IV. Reich der alten weißen Männer“ – und Greta Thunberg gilt als Öko-Ausgabe von Harry Potter. Man möchte an dieser Stelle mit Franz Kafka rufen: „Nichts Böses; hast du die Schwelle einmal überschritten, ist alles gut.“ So ist es hier und es ist möglich geworden, da die meisten unserer Mitmenschen einen nicht unbeträchtlichen Teil ihrer Lebenszeit nicht mit – sondern in den Medien zubringen.

William Gibson äußerte dazu kürzlich: „Wir leben heute im Internet, statt es zu nutzen.“ Das ist zweifellos wahr. Und selbst die neuen Medien, die zuerst eine Alternative zu den Alt-Medien boten, haben die Sinndiffusion am Rande dessen, was gut und richtig ist, noch verstärkt. In ihrer Effizienz leisten die gleichgeschalteten Medien heute – im Hinblick auf 2021 – die Arbeit von „Wählertäuschungsanstalten“. Sie verhindern de facto eine objektive Beurteilung der Politik. Es ist ja nicht nur, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht mehr stimmt. Muttis Governance – kurzStaatstechnologie –, also das definierte „Produkt“, für das die Bürger Steuern bezahlen –, schadet dem Land offensichtlich mehr, als es nützt. Die Kosten hat der Bürger zu tragen. Doch da die politische Kaste weder ISO-Zertifizierung noch ein Top Quality Management-Gütesiegel braucht und der unzufriedene Kunde als Wähler alle fünf Jahre wieder legal durch eine neue Koalition ausgetrickst wird, ist der dringend nötige Kehraus in den Mainstream-Medien nicht zu befürchten. Ursache ist möglicherweise auch die von Hans-Hermann Hoppe in Democracy – The God That Failed konstatierte Abkoppelung der Subventionierung des Politikers von der Zufriedenheit seiner steuerzahlenden »Kunden« – der Wähler: Ihre Gehälter bleiben gleich, ob ihr Produkt den Konsumenten zufriedenstellt oder nicht. Das heißt, auch die Arbeit der dienstbeflissenen Manipulatoren geht einfach so weiter.

Der Denker-Club, 1819, deutsche Karikatur auf die Karlsbader Beschlüsse, die die Demagogenverfolgung einleiteten

II.

Damit bin ich beim eigentlichen Thema und ich möchte mit einem Zitat des britischen Kulturkritikers Arnold Toynbee beginnen: Werden wir richtig informiert? Ich übertreibe nicht, wenn ich behaupte, dass von der Antwort auf diese Frage die Zukunft der Gesellschaft abhängen wird.

Auf die Situation in Deutschland gemünzt, hängt von der Antwort auf diese Frage womöglich das Überleben der Noch-Mehrheitsgesellschaft ab, die tagtäglich geframed – d.h. hereingelegt wird. (Als das Wort 2017 im Zusammenhang mit dem BTW erstmals größere Kreise zog, war bemerkenswert, dass kein einziger Journalist auf die negative Bedeutung des Wortes hingewiesen hat.)

»Framing« nennt sich diese erstmals 1974 von Erving Goffman beschriebene Kommunikationsstrategie. Sie »bedeutet in der journalistischen Praxis, bestimmte Aspekte einer allgemein wahrgenommenen Realität auszuwählen und sie in einem Text so hervorzuheben, dass eine bestimmte kausale Interpretation für den beschriebenen Gegenstand gefördert wird«. Dies beschreibt in der Medienwirkungsforschung auch die Einbettung von politischen Ereignissen und/oder Themen in ein vorgegebenes Deutungsraster, sodass die Problemdefinition einer ganz bestimmten moralischen Bewertung und/oder Handlungsempfehlung dient.

Wenn Medien in ihrer Mehrzahl dieses Framing von Nachrichten leisten, dann ist es sicherlich nicht verkehrt,von Wahrnehmungs- oder Perzeptionsfiltern zu sprechen. In einem alten Handbuch der Medienwissenschaften aus den 1970er Jahren fand ich allerdings eine andere, viel interessantere Definition: a) Medien sind unsichtbare Maschinen der gesellschaftlichen Vernetzung. Und b) Sie legen dem Kommunizierten eine Form auf. Besonders schön auch ein Nachsatz: Je selbstverständlicher wir Medien benutzen, desto mehr haben sie die Tendenz zu verschwinden. Mediennutzung geschieht weitgehend unbewusst.

Ja, gute, alte Informationstheorie! Wer weiß heute noch, wer Max Bense war, Norbert Wiener oder Heinz von Förster? Ihre Erkenntnisse wurden und werden von sich progressiv wähnenden Kräften der Gesellschaft genutzt und haben inzwischen ein kontinuierlich laufendes, selbstreferentielles Kommunikationssystem hervorgebracht. Man möchte im sozio-kybernetischen Sinn von einer Taktung des Menschen sprechen, einer Art regelmäßiges Updaten, damit das Individuum mit den laufenden Ereignissen Schritt halten kann. Die Medien helfen ihm, diese Ereignisse schnell einzuordnen und zu evaluieren.

Mir scheint daher, dass der Begriff Denkprothese für ein Medium ganz passend ist. Kein Ersatz, sondern analog zu Apps und Algorithmen – eine Art Gehhilfe des Gehirns. In einer Gesellschaft, die durch das Propagieren von „einfacher Sprache“ bewusst ihr kulturelles Niveau absenkt, dürfte es kaum auffallen, wenn sich auch Journalisten vorgefertigter Sprachbausteine bedienen und diese in einem vorher abgesteckten Rahmen variieren.

Wer einmal versucht hat, mit jüngeren Linken zu diskutieren, wird festgestellt haben, dass die meisten – so sattelfest sie ideologisch sein mögen – eine große zerebrale Ermattung ausstrahlen. Statt eigene Gedanken zu formulieren, reihen sie wie ausgestanzt wirkende Sprachmuster aneinander. Man könnte von einem in sich stimmigen Wahnsystem sprechen und genau das verweist auf einen „Rahmen“, der ins Unterbewusstsein implementiert worden ist und dafür sorgt, dass ein gutes Mitglied dieser Gesellschaft immer nur das sieht, was man es sehen lassen will. Wer die ihm angebotenen Denkprothesen konsequent nutzt, dürfte als menschliches Wesen komplett in den staatlich gelenkten Informationsregelkreisläufen aufgehen und das Wahrnehmungsangebot der freien Medien als Störungen empfinden. Es ist gut möglich, dass es auch schon Personen gibt, bei denen eine nicht-konforme Reportage zur Einwanderung zu physischer Übelkeit führt. In den freien Medien manifestiert sich dagegen die Unwägsamkeit der conditio humana, die von der Norm abweichen will.

Nun könnten prothetische Hilfsmittel durchaus auch positive Effekte haben. Das könnte auch auf die Mainstream-Medien zutreffen, wäre da nicht der inoffizielle, aus den USA stammende Verhaltenskodex namens Political Correctness. Sie bleibt der größte Feind der Meinungsfreiheit.

Insofern sind also die „Medien“ – als technische Erzeuger der allgemein vorherrschenden Verblendungszusammenhänge – gar nicht die Feinde der freien Medien, sondern die selbsternannten autoritären Gedankenbetreuer und journalistischen Bevormunder. Unterstützt werden diese inoffiziellen Aufsichtspersonen von neuen „Zensurunternehmen“, die die ungefilterte Meinungsäußerung in den sozialen Medien bereits empfindlich einschränken konnten.

Auch über Political Correctness wurde schon viel gesagt, ich möchte im Sinne der guten, alten Informationstheorie eine Übersetzung liefern, die nicht nur das Hirn, sondern auch das Herz ansprechen dürfte, und damit sind wir dann auch gleich bei den Freien Medien.

III.

ODE AN DIE POLITICAL CORRECTNESS

Wäre Political Correctness eine Frau, ihre Persönlichkeit wäre eine grässliche Mischung aus Klageweib, Mutter Teresa und Henriette Reker alias »die Frau mit der Armlänge«, wohlgemerkt nach einer Panchakarma-Kur mit Sibylle Berg: Ach, kotz, wie herrlich werden hier die Toxine gelöst … all die kleinen Gifte, die frau so in sich trägt … Wir speien sie dem alten weißen Mann einfach mal ins Gesicht. Take that, you bastard!
Diktatorin eines geistigen Wohnzimmerreiches, hysterisch nervende Klugscheißerin, Vorschreiberin, giftversprühend wie Annetta Kahane, wenn sie auf ihre Vergangenheit beim DDR-Spitzeldienst angesprochen wird. Eine kleine, geile Dreckschleuder, immer bereit zum Kampf gegen die bitterböse rechte Gefahr. Immer das Prisma der Lüge im Anschlag, um die Wahrheit zu brechen. Was wahr sein darf, ist sowieso nur, was ihr nützt. Fakten lösen bei ihr schnell eine posttraumatische Belastungsstörung aus. Das macht sie zur Urenkelin der Inquisition und jener geistigen Grabesnacht, die vor der Aufklärung herrschte, aber auch zur Wegbereiterin des neuen islamischen Mittelalters, das sich noch im Gefältel ihrer Robe verbirgt … Im günstigsten Fall spielt sie sich als Lebensratgeberin auf, die den Deutschen entschieden abrät zu leben! Wie das, wo doch jeder Idiot weiß, dass sich Leben ausbreiten, dass es wachsen will und dass es – Vorsicht, ihr hypersensiblen Seelchen! – auch das Verdrängen von anderem Leben erfordert.

Nicht anders hat es die eine oder andere Gattung an die Spitze der Nahrungskette geschafft. Das Ganze heißt Überleben. Der Deutsche dagegen unterlebt, wie es ihm nach ‘45 beigebracht wurde (wenn dieses Vor-sich-hin-Vegetieren als schuldbeladener Schrumpfgermane in einer landesweiten Besserungsanstalt überhaupt noch etwas mit Leben zu tun hat). Der Gutdeutsche folgt lieber dem Rat einer blutleeren, von amerikanischen Marxisten ausgebrüteten »Spinne«:

Man muß nur etwas sagen, das ihr nicht passt. Zupf den Klingeldraht und siehe da, aus der Tiefe des Raums dampft ein verhärmtes Etwas heran, eine Weltgeist-Schimäre, die nichts weiß und doch andauernd Lehrreiches auszuspucken versteht. Stinklangweilig, sozial inkompetent, frustriert und unglücklich darüber, dass die Welt so ist, wie sie ist, predigt diese mit geistiger Syphilis parfümierte Kokotte den totalen Verzicht auf das Leben. Vom Standpunkt eines Lebewesens aus zwar nicht zu verstehen … es sei denn, man hat Selbstmordabsichten. Was P. C. aber nicht irritiert, sie kann und weiß nada, wie die norwegische Gender-Trine »Kati« Egeland, und gleicht somit einmal mehr einer gescheiterten Existenz, die es nicht verkraftet, dass kein Aas etwas mit ihr anfangen kann. Sie ist etwas, dass einem Stock im Allerwertesten verdächtig gleicht, freilich einem, der dauernd den Takt vorgeben will … was der Grund ist, warum diese Schreckgeschraubte auch keine Freunde außer anderen Arschlöchern hat! Ein Urteil ohne Vorurteil wird selten in ihrem Namen verhängt. Wird sie kritisiert, reagiert sie wie eine verzogene, daueradoleszente Prinzessin, der nichts gut genug ist und die den Dolch, den sie bei sich trägt, auch ohne Bedenken gegen die besten Freunde gebraucht. Bekommt sie nicht, was sie will, wird sie psychisch labil, packt die Jakobiner-Hass-Kappe aus, trommelt ihre Antifa-Kumpels zusammen, rennt los, schreit Zetermordio – während sie Häuser abfackelt und auf Leute eindrischt, die ihr nicht passen.

Sie versteht sich – und das ist das Absurde – als Ordnungshüterin, als Vertreterin des Bürgerlichen Gesetzbuchs, das sie selbst nie gelesen hat, geschweige denn respektiert. Im Grunde ist Political Correctness die neidischste und tollwütigste Megäre, die diesen Namen auch voll verdient; sie ist die größte Schande für den denkenden Teil der menschlichen Rasse und hätte es zigfach verdient, auf einem der von ihr angerichteten Scheiterhaufen zu brennen!

IV.

Damit sind wir dann auch beim denkenden Teil der menschlichen Rasse und dem Bereich, in den sich die Vernunft des Menschen zurückgezogen hat – in die Sphäre der freien Medien, die in der Informationstheorie dem Verhältnis von Materie zu Antimaterie entsprechen: Explosive Auseinandersetzungen sind vorprogrammiert, denn Deutschlands Medienproblem kann und wird nur durch neue, entgegengesetzte und bessere Medien gelöst werden. Nun möchte man altersmilde darauf spekulieren, dass sich hier eine sukzessive Ablösung, ein allmähliches gegenseitiges Durchdringen durchsetzen wird, doch angesichts der sich selbst schützenden Propagandamaschine, die nicht einmal mehr davor zurückschreckt, verdiente Mitstreiter wie den treuen Clas Relotius über die Klinge springen zu lassen, sollte man eher davon ausgehen, dass ein Diffundieren nicht stattfinden wird: Stattdessen dürfte den neuen Medien nur die Flucht nach vorn und der Angriff auf die etablierte Themenindustrie bleiben. Dabei steht ihnen nicht nur eine technologische Übermacht gegenüber, sondern ein regelrechtes „Medienregime“, dessen Zerschlagung eben auch das Ende der Mediendemokratie bedeutet. Das ist auch den Medienfürsten bewusst.

Die so genannte Coronakrise, in der jeder, der sich nicht zur größten Panikmache bekennt, als Covidiot oder Aluhutträger abgestempelt wird, könnte ein lohnendes Feld sein, um der tönenden und aufgeblasenen Medienrhetorik die Luft rauszulassen. Ein anderes ist die schon fast wieder versandete Debatte um Cancel Culture – die Unsitte, Personen, denen man eine bestimmte Haltung zuordnen kann, negativ zu etikettieren und in eine existentiell bedrohliche Lage zu bringen. Die offensichtlichste Rolle der freien Medien entspricht heute schon der Funktion, die es beim Spiegel oder der Süddeutschen schon lange nicht mehr gibt – die des Op-Ed-Kommentators (der redaktionellen Meinung entgegengesetzt).

Eine weitere Rolle sehe ich im Gleichnis von dem Mann, der lange Zeit keinen Mund hatte, um zu sprechen, und der sich nun freut, dass er ihn wiedergefunden hat und diese erfreuliche Tatsache nutzt. Es geht ihm um das ungebremste Benennen der Auswirkungen des ›Weltumfahrungsmodells‹, dem sich Deutschland nicht erst seit der jüngeren Geschichte anvertraut hat. Deutlich wird: Die fremdgesteuerte und aufwendig produzierte Simulation von Welt und Geschichte – im Detail für den Einzelnen über die eigene Sinneswahrnehmung nicht oder nur in den seltensten Fällen verifizierbar –, hat heute ihre Grenzen erreicht. Und auch das muss einmal gesagt werden: Die „Abständigkeit“ von der Wirklichkeit lässt sich nicht weiter biegen. Fakten wurden und werden nur noch durch „Geglaubtheiten“ ersetzt. Die Gesichtsfelddefekte im programmierten Bewusstsein der Öffentlichkeit lassen sich aber nicht länger kaschieren. Die Projektion, die bislang wie eine Dunstglocke über Deutschland lastete, ist nicht mehr willfährig-gefällig, untertänig-verformbar – sie ist brüchig geworden und deutlich begrenzt. Auf dem Präsentierteller des Simulakrums findet sich die Faktizität der Ereignisse nur noch in kleinsten Partikeln wieder – clues (engl. Hinweise), die gewisse Ereignisse ausschließen und andere wahrscheinlicher machen. Dieses Wissen hat viele von uns zu wahren „Kombinationsmaschinen“ des Alltags und subversiven Winkelzüglern gemacht. Aus Wahrscheinlichkeiten und Unschärferelationen konstruieren wir das Sinn-Gestänge, an dem wir uns – mühsam am Rande der Informationsautobahn des Systems vorbei – zu unseren Erkenntnissen über die eigene Lebenswirklichkeit hangeln. Selbst wenn wir wissen, dass diese Ergebnisse fragwürdig sind, ziehen wir sie den Wahrnehmungsangeboten der Medienkonzerne eindeutig vor. In Deutschland befinden wir uns daher in einer neuen anthropologischen Situation, die einem Angsttraum von Elias Canetti entspricht: »Ohne es zu merken, hätte die Menschheit die Wirklichkeit plötzlich verlassen; alles was seither geschehen sei, wäre gar nicht wahr; wir könnten es aber nicht merken. Unsere Aufgabe sei es nun, diesen Punkt zu finden, und so lange wir ihn nicht hätten, müssten wir in der jetzigen Zerstörung verharren.« (Elias Canetti: Die Blendung, Wien, 1936).

Ich glaube, mit diesem Satz ist die immens wichtige Aufgabe der freien Medien für die nächsten Jahre klar definiert, und man kann allen nur viel Glück wünschen, denn Sie werden es brauchen.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Wir bedanken uns bei Thor Kunkel für die Veröffentlichungsgenehmigung.

Thor Kunkel

Thor Kunkel, geboren 1963 in Frankfurt am Main, studierte bildende Kunst und arbeitete von 1985 bis 1992 für Werbung und Film. Für seinen ersten Roman „Das Schwarzlicht-Terrarium“ wurde er beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb mit dem Ernst-Willner-Preis ausgezeichnet. Sein nächster Roman „Endstufe“ über die Pornofilmindustrie im Dritten Reich löste eine heftige Debatte in den Feuilletons aus. Thor Kunkel hat außerdem mehrere Hörspiele geschrieben.

Biographisches auf der Thor Kunkels Internetseite (www.thor-kunkel.com)

Ich bin ein Mensch des Gleichgewichts. Ich lehne mich instinktiv nach links, wenn der Kahn rechts zu kentern droht – und umgekehrt. (THOMAS MANN, 1934, in einem  Brief an Karl Kerényi)

Naturphilosophie und Biologie, Andy Warhol und Stanley Kubrick, Pulp-Fiction und die Utopie des III. Reiches, Cargocult und gesellschaftskritische Dystopien  – sie bilden den intellektuellen Hintergrund Thor Kunkels, einer Ausnahmeerscheinung unter den Repräsentanten der neuen „rebellischen“ , von den Mainstream Medien ausgeblendeten deutschen Gegenkultur, die sich dem Konsens eines ideologisch manipulierten Weltbilds verweigert.

Der Schriftsteller galt Volker Weidermann, Feuilleton-Chef der FAS, bis 2004 als ein Hoffnungsträger der deutschen Gegenwartsliteratur.

Der Ernst-Willner-Preisträger wurde jahrelang von den Medien hofiert und vom Literaturbetrieb mit Stipendien gefördert. Das alles ändert sich schlagartig nach einer vom Spiegel lancierten Rufmord-Kampagne, die dem Autor – anhand eines von Kunkel verfassten Werkstattberichts „Revisionismus“ unterstellte. Was folgte war einer der heftigsten Literaturskandale der Gegenwart. Nie zuvor wurde ein Autor von den Medien dermaßen „hart, unerbittlich, um nicht zu sagen, gnadenlos“ (Volltext, 9/08) gejagt und beschimpft.

Dem 2004 von den Medien formulierten Kulturvorbehalt folgte die intellektuelle Ausbürgerung des Schriftstellers. Seine Romane werden demonstrativ von den Feuilletons, die sich als verlängerten Arm der Political Correctness verstehen, ignoriert oder nur schubweise rezensiert –, damit Kunkels erzählerisches Werk allmählich in Vergessenheit gerät. Die Vernichtung des Künstlers soll wie im Stalinismus durch gezieltes Verschweigen geschehen.

Schaut man sich Kunkels Bibliografie genauer an, stellt man allerdings fest, dass das Thema „III. Reich“ nur eines von vielen ist: Auch utopisch-technische Romane („Schaumschwester“), mit Herzblut geschriebene Noir-Krimis (“Kuhls Kosmos“) und eine beißende Gesellschaftskritik wie „Subs“ (verfilmt 2018 als HERRliche Zeiten von Oskar Roehler) belegen die Bandbreite dieses Autors, den manche Kritiker zu den besten Schriftstellern der jüngeren, deutschen Gegenwart zählen.

Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit arbeitet Thor Kunkel heute als Kreativ-Direktor einer Schweizer Werbe-Agentur, – eine „Industrietätigkeit“, wie er meint. Berufliche Stationen waren u. a. führende Agenturen wie Young & Rubicam, GGK London, Team BBDO, Scholz & Friends, Wunderman Cato Johnson und McCann-Erickson Amsterdam, wo er einige preisgekrönte Kampagnen entwarf. Nebenbei engagierte sich Kunkel immer wieder für humanitäre Hilfsorganisationen wie Mensen in Nood, die Stiftung „S.A.N.E. – A National Emergency“ und die niederländische SIRE – Stichting Ideele Reclame.

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