Revolte gegen die moderne Welt

von Dr. Jens Woitas

Revolte gegen die moderne Welt

Das Buch „Revolte gegen die moderne Welt“ (Rivolta contro il mondo moderno) gilt als das Hauptwerk des italienischen Philosophen Julius Evola (1898-1974) und als eine der maßgebenden Schriften der Denkschule des Traditionalismus. Evola beschreibt in diesem Werk 6000 Jahre menschlicher Kultur- und Religionsgeschichte als Prozess eines stetigen Abstieges und wachsender Entfremdung des Menschen, der vom legendären „Goldenen Zeitalter“ bis in das „Finstere Zeitalter“ (Sanskrit: kali-yuga) unserer Gegenwart führt. Anders, als es der kämpferische Titel suggeriert, fordert Evola als Konsequenz keine Revolution im politischen Sinne, sondern vielmehr (in der rivolta wie auch in späteren Schriften) eine aufrechte Haltung traditionalistisch eingestellter Menschen angesichts des sie umgebenden Verfalls. Dem italienischen Faschismus stand Evola skeptisch gegenüber, obwohl sich eine gewisse Nähe kaum leugnen lässt. Dennoch stehen Autor und Werk bis heute emblematisch für eine „rechte“ Lebenseinstellung.

In diesem Essay soll aufgezeigt werden, dass sich unter der Überschrift „Revolte gegen die moderne Welt“ eine in sich höchst widersprüchliche Vielfalt von Entwicklungen unserer Gegenwart gedanklich zusammenfassen lässt. Daraus wird sich die Frage ergeben, wie sich ein positiv verstandener antimoderner Konservatismus von Strömungen abgrenzen kann, die zwar ebenfalls antimodern, aber gleichzeitig hochgradig destruktiv sind.

Eine solche Strömung ist ohne Zweifel die Klimabewegung. Sie ist im Wortsinne eine „Revolte gegen die moderne Welt“, denn sie sieht praktisch den gesamten technischen Fortschritt des Industriezeitalters als einen zerstörerischen Prozess an, der heute nicht nur die Existenz der menschlichen Spezies, sondern sogar das gesamte Ökosystem unseres Planeten bedroht. In ihren radikalsten Ausprägungen fordert sie letzten Endes die Ausrottung eines großen Teiles der Weltbevölkerung zum Zwecke der Fortsetzung des Lebens auf der Erde. Da dies wahrscheinlich selbst für ihre Protagonist(inn)en eine äußerst unangenehme Perspektive darstellt, tritt an deren Stelle eine quasi-religiöse Erlösungsvision, bekannt unter dem Namen „Große Transformation“ oder englisch Great Reset. Ohne dass diese Pläne wirklich konkretisiert werden, wird hier ein Übergang der zerstörerischen Moderne in ein „Goldenes Zeitalter“ propagiert, in dem dann Frieden, ökologische Nachhaltigkeit und vollkommene soziale Gerechtigkeit herrschen sollen. In der Praxis wird dabei lediglich wirtschaftliches, politisches und gesellschaftliches Chaos erzeugt, wie man es in den letzten Jahren zur Genüge gesehen hat. Die Anhänger des „Great Reset“ sind in einem kindlichen Vertrauen auf den Liberalismus davon überzeugt, dass Marktkräfte von selbst aus diesem Chaos einen neuen, besseren Gleichgewichtszustand erschaffen. Gesunder Menschenverstand führt aber eher zu der Erkenntnis, dass diese Hoffnung vergeblich sein wird, und dass die verwendeten Methoden die Menschheit vielleicht schneller umbringen könnten, als es der „Klimawandel“ jemals vermocht hätte.

Julius Evola (1898-1974)

Auch im heutigen „woken“ Anti-Rassismus und seiner Zuspitzung in gewalttätigen Bewegungen wie Black Lives Matter steckt eine gehörige Portion der „Revolte gegen die moderne Welt“. In dieser Sichtweise verkörpert – wie bei Evola – die westliche Kultur keinen zivilisatorischen und humanen Fortschritt, sondern wird zu einem destruktiven, anti-menschlichen Prozess. Schwarzafrika wäre es in diesem Sinne sehr viel besser gegangen, wenn es niemals mit westlichen Entdeckern und Kolonisatoren in Berührung gekommen wäre und stattdessen im vorzivilisatorischen Zustand der Jahrtausende vor dem Jahr 1500 unserer Zeitrechnung verblieben wäre. Die heutigen selbsternannten Anti-Rassisten gehen soweit, dass sich ihr (Selbst-)Hass gegen alles „Weiße“ wendet, also auch gegen die Überlieferungen und Denkmäler der westlich-europäischen Zivilisation im Westen selbst. Der schwarze Migrant wird zur Erlöserfigur, und die Welt kann erst dann Frieden finden, wenn die „weiße Rasse“ von diesem Planeten verschwunden ist oder sich zumindest durch Vermischung ihres Erbgutes „gebräunt“ hat. Dann mag ein Goldenes Zeitalter wiederkehren, wie es in der Vorstellung der Anti-Rassisten vor dem Beginn der Kulturgeschichte „weißer“ Zivilisationen geherrscht haben mag. In anderen Worten bedeutet dies: Zurück in die Steinzeit!

Trotz des offensichtlich völlig destruktiven Charakters sowohl der Klimabewegung als auch der „Kritischen Rassentheorie“ darf man nicht vergessen, dass die psychologische Wurzel beider Strömungen eine tief empfundene Entfremdung vom eigenen Selbst ist, welche durch den außer Kontrolle geratenen Liberalismus der gegenwärtigen westlichen Gesellschaften hervorgerufen wird. Indem jegliche positive Identifikation mit gewachsenen Bindungen verneint wird – sei es Geschlecht, Familie, Religion, Berufsstand, Heimat, Nation – entsteht ein innerlich völlig entleerter „austauschbarer Mensch“ (Renaud Camus). Dieser seinem Selbst völlig entfremdete Mensch muss – zumindest unterschwellig – einen Hass auf die Gesellschaft entwickeln, die ihn in diesen Zustand versetzt hat. Weil diese Gesellschaft aber seine eigene ist, folgen daraus Selbsthass und die oben geschilderten autoaggressiven Verhaltensweisen. Wir werden auf diesen Punkt noch zurückkommen. Vorher sollen aber noch zwei andere, gleichfalls destruktive Formen der „Revolte gegen die moderne Welt“ beschrieben werden, deren Charakter im Unterschied zu Klimabewegung und Kritischer Rassentheorie offen religiös sind.

Die wohl stärkste Form der Revolte gegen die moderne Welt ist das spirituelle Wiedererwachen des Islams

Die wohl stärkste Form dieser Revolte ist das spirituelle Wiedererwachen des Islams, das – beginnend mit der iranischen Revolution gegen den Schah von Persien (1979) – gleichzeitig den Charakter einer politischen Weltrevolution angenommen hat. Schon ihr initiales Ereignis, die Rückkehr des Ayatollah Chomeini aus dem französischen Exil nach Teheran im Februar 1979, wurde von Beobachtern wie Peter Scholl-Latour als plötzlicher Einbruch einer biblischen Geschichte in die Moderne gesehen. Wie bekannt ist, setzte sich Chomeini mit seiner archaischen Religiosität auf der ganzen Linie durch und demütigte die Supermacht USA in einem bis dahin nicht vorstellbaren Ausmaß. In den seitdem vergangenen Jahrzehnten kam es zu einem religiösen Erwachen von 1,5 Milliarden Moslems, die trotz aller technischen und zivilisatorischen Unterlegenheit zu einer Weltmacht neuen Typs geworden sind. Das Ganze ist Traditionalismus pur im Sinne Evolas: Eine unmittelbare Ableitung weltlicher Herrschaft aus der Religion, patriarchalische Geschlechter- und Familienverhältnisse, Bereitschaft zum gewaltsamen Kampf im Namen des eigenen Gottes („Heiliger Krieg“) und aufgrund dieser Kampf- und Eroberungsbereitschaft ein ungebremstes Bevölkerungswachstum ohne Rücksicht auf die Endlichkeit lokaler – oder gar globaler – Ökosysteme.

Ähnlich wie mit dem Islam, wenn auch (noch) nicht ganz so radikal, verhält es sich mit dem Wiedererstarken des russisch-orthodoxen Glaubens nach dem Ende der Sowjetunion und dem Aufstieg Russlands unter Wladimir Putin. Der russische Philosoph und Politologe Alexander Dugin, dessen Einfluss auf die russische Staatsführung allerdings unklar ist, beruft sich offen auf die Traditionalistische Philosophie. Er sieht das „Heilige Russland“ im Kampf gegen ein absolut Böses, das für ihn durch den globalistisch-liberalen Westen unserer Tage verkörpert wird. In Putins Russland stehen in der Tat traditionalistische Werte wie Familie, Vaterland und Religion hoch im Kurs und sichern – zumindest in der Ideologie des Regimes – Russland eine haushohe moralische Überlegenheit gegenüber dem „dekadenten Westen“. Zumindest für Alexander Dugin erhält so der Ukraine-Konflikt den Charakter eines Heiligen Krieges, in welchem nicht weniger auf dem Spiel steht als das Überleben der Menschheit. Diese würde laut Dugin im Falle eines westlich-ukrainischen Sieges transhumanistischen Bestrebungen der westlichen Eliten zum Opfer fallen.

Wiedererstarken des russisch-orthodoxen Glaubens nach dem Ende der Sowjetunion: das „Heilige Russland“ im Kampf gegen ein absolut Böses, den globalistisch-liberalen Westen.

Westliche Rechtskonservative werden, zumindest in ihrer großen Mehrheit, alle vier genannten „Revolten gegen die moderne Welt“ ablehnen, wenn nicht sogar verabscheuen. Es darf dabei aber nicht übersehen werden, dass gewisse Parallelen ihres Denkens mit diesen Entwicklungen nicht zu leugnen sind. Auch westliche Rechte sehen im Traditionalismus einen wesentlichen Bestandteil ihrer gedanklichen Grundlagen, und schon der konservative Altmeister Edmund Burke (1727-1797) stellte die These auf, dass sich stabile Gesellschaften um das magische Dreieck „Gott – Familie – Vaterland“ gruppieren müssen, was ganz klar eine traditionalistische Vorstellung ist. Die Forderung nach einer Renaissance eines kämpferischen westlichen Christentums ist ihrem Wesen nach kaum anders zu verstehen, als die Erneuerung von Islam und Orthodoxie auch in Bezug auf Katholizismus und Protestantismus nachzuvollziehen. Dem gesamten „rechten“ Denken unserer Gegenwart liegt darüber hinaus ein tiefes Unbehagen über den Zustand zugrunde, in welchen unserer westlicher Kulturkreis in den letzten Jahrzehnten geraten ist. Dies ist gar nicht so weit entfernt von dem geschilderten Empfinden der Klima-Apokalyptiker und Anti-Rassisten, wie es zunächst scheint. Es schließt auch einen ähnlichen Dekadenz-Vorwurf ein, wie ihn der politische Islam und die russische Orthodoxie gegenüber dem heutigen Westen erheben.

Edmund Burke (ca. 1767–1769): stabile Gesellschaften müssen sich um das magische Dreieck „Gott – Familie – Vaterland“ gruppieren.

Wie kann man sich dennoch von diesen destruktiven Formen der „Revolte gegen die moderne Welt“ distanzieren und die eigene Modernekritik ins Positive wenden? In Bezug auf die religiösen Konflikte ist die Antwort relativ einfach: Islam und Orthodoxie sind ihrer Natur nach keine Feinde der westlichen Kultur. Sie werden nur zu solchen, weil die Geschichte zu falschen räumlichen Verschränkungen geführt hat. Islam und Westen könnten, wenn nicht als Freunde, so doch als gute Nachbarn koexistieren, wenn sie sich aus dem Bereich des jeweils anderen heraushalten würden. So war es übrigens im größten Teil der fast 1400 Jahre währenden gemeinsamen Geschichte. Ohne westliche Einmischung in die islamische Welt und die (übrigens in weiten Teilen aus dieser Einmischung resultierende) islamische Masseneinwanderung nach Europa müsste es viele Konflikte unserer Gegenwart nicht geben. Genauso müsste im Verhältnis des Westens zur russischen Orthodoxie der Versuch einer gewaltsamen Verwestlichung Russlands genauso aufgegeben werden wie der derzeit in der Ukraine praktizierte russische Imperialismus. Dies alles ist natürlich sehr viel einfacher gesagt als getan. Trotzdem wäre es schon ein großer Schritt zum Weltfrieden, wenn die Idee einer friedlichen Koexistenz der großen Weltzivilisationen sich im Westen gegen die Vorstellung eines Universalismus westlicher Werte durchsetzen würde. Die Frage, ob der politische Islam und die russische Staatsführung dabei mitziehen könnten, muss an dieser Stelle offen bleiben.

Angesichts von Klimabewegung und Kritischer Rassentheorie ist die Abgrenzung schwieriger. Zunächst einmal würden natürlich die meisten Rechten die Idee einer gedanklichen Nähe zu solchen Strömungen mit der Begründung entrüstet zurückweisen, dass sie gegenüber der eigenen Kultur und der eigenen Nation ja keinen Selbsthass empfinden, sondern einen begründeten Stolz. Das ist auch richtig, übersieht aber meiner Meinung nach einen entscheidenden Punkt. Angesichts des elenden Zustandes, in den Deutschland, Europa und der Westen insgesamt geraten sind, kann sich dieser Stolz kaum auf die Gegenwart beziehen. Rechte Traditionalisten können dem Entfremdungszustand des „austauschbaren Menschen“ nur dadurch entkommen, dass sie ihre Identität statt auf die Gegenwart von Kulturkreis und Nation auf ein historisches Bild dieser Dinge stützen. Bei dieser Projektion in die Vergangenheit können aber leider schwere Verzerrungen entstehen. Das Goldene Zeitalter Evolas fand vor 6000 Jahren statt, also lange vor dem Beginn der westlichen Kulturgeschichte. Man kann darin nicht das Bild der bürgerlichen Moral des 19. Jahrhunderts sehen, in der auch viel Heuchelei steckte. Unser heutiger Begriff von „Nation“ ist selbst eine Schöpfung genau jenes aufklärerischen Liberalismus, der in einer konservativen Sichtweise die Wurzel unser heutigen Probleme darstellt. Bei aller Bewunderung kultureller Leistungen unserer Vergangenheit, etwa der Weimarer Klassik oder der Barockmusik Bachs und Händels, muss bedacht werden, dass der Bildungsstand der Gesamtbevölkerung zur Zeit dieser Genies erschreckend niedrig war. Auch gab es zu jenen Zeiten nur in schwachen Ansätzen etwas, das als deutscher Staat bezeichnet werden konnte, geschweige denn eine allgemeine Vorstellung von einer deutschen Nation. Das europäische Mittelalter brachte zwar große Kunst hervor – man denke an die gotischen Kathedralen mit ihren herrlichen Glasfenstern und Ornamenten, aber es war zugleich eine Welt finsteren Aberglaubens und einer kurzen Lebenserwartung der damals lebenden Menschen.

Kölner Dom – vollendet 1900: berechtigter Stolz auf unsere westliche Zivilisation, aber keine Restauration von Vergangenem!

Dies alles soll den berechtigten Stolz auf die westliche Zivilisation und unser Land nicht schmälern. Es sollte aber zu der Einsicht führen, dass eine positiv verstandene Kritik an ihrem gegenwärtigen Zustand weniger auf eine Restauration von Vergangenem abzielen sollte als vielmehr auf eine bessere Zukunft, die sich natürlich auch aus dieser Vergangenheit speisen soll. Nur ein positives Zukunftsbild, das sich auf die immer noch starke Kraft der westlichen Tradition gründet, kann uns vor dem Versinken in Selbsthass und Destruktion bewahren, das leider die „Zivilisationskritiker“ des polit-medialen Mainstreams auszeichnet. In einem solchen, nach vorwärts gerichteten Denken könnten unter Umständen heutige Feinde sogar zu zukünftigen Verbündeten werden. Das könnte dann geschehen, wenn Klimabewegung, Anti-Rassisten und sogar Moslems eines Tages zu der Einsicht gelangen, dass reine Destruktion auch für sie selbst keine befriedigende Lösung ist, weil sie schließlich in den von ihnen gehassten Gesellschaft weiterleben müssen. Dann könnten alle Moderne-Kritiker gemeinsam nach Auswegen aus dem Verfallszustand der westlichen Zivilisation suchen. Das westliche Christentum – ob katholisch oder protestantisch – könnte dabei eine große Hilfe sein, wenn wir es bewahren und uns ihm wieder von neuem zuwenden können, ohne damit die Existenz anderer Glaubensrichtungen infrage zu stellen. Auch Julius Evola erwartete keine Überwindung des kali-yuga durch politisches Handeln. Er war allerdings überzeugt davon, dass das, was er „transzendente Mächte“ nannte, dazu in der Lage sein würde, am Ende langer historischer Verfallszyklen das Goldene Zeitalter wiederherzustellen und diejenigen Menschen zu retten, die auch im Finsteren Zeitalter der Tradition treu geblieben sind. Diese Einstellung lässt sich auch auf den Gott der Bibel projizieren. Noch ist nicht alle Hoffnung verloren!

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Dr. Jens Woitas

Jens Woitas, geboren 1968 in Wittingen (Niedersachsen), verheiratet, lebt (mit einigen Unterbrechungen) seit 1970 in Wolfsburg. Abitur 1988, dann Zivildienst und Tätigkeit als Gartenarbeiter. Studium der Physik in Clausthal-Zellerfeld und Tübingen, dann Promotion zum Doktor der Naturwissenschaften in Heidelberg (1999). Wissenschaftlicher Mitarbeiter an astronomischen Forschungsinstituten in Tübingen, Heidelberg und Tautenburg (1995-2005), dann Unternehmensberater. Seit 2011 Erwerbsunfähigkeitsrentner. Von Kindheit an lebhaft an Politik, Geschichte, Literatur und Religion interessiert, Mitglied der evangelisch-lutherischen Kirche und von 2017 bis 2020 Mitglied der Partei DIE LINKE. Neben einer Reihe von Artikeln in astronomischen Fachzeitschriften auch Autor einer autobiographischen Erzählung (Schattenwelten, Mauer Verlag, Rottenburg am Neckar 2009). In den letzten Jahren intensive Beschäftigung mit dem Denken des Neomarxismus und der „Neuen Rechten“ unter Einbeziehung französischer Originaltexte, insbesondere von Alain de Benoist und Jean-Claude Michéa.

Im Lindenbaum Verlag ist unlängst das Buch „Revolutionärer Populismus. Das Erwachen der Völker Europas“ von Dr. Jens Woitas erschienen und kann hier bestellt werden: https://lindenbaum-verlag.de/produkt/revolutionaerer-populismus/

4 Kommentare zu „Revolte gegen die moderne Welt

  1. Nun ja, irgendwie kennt man das aus eigener Erfahrung. Konvertiten neigen ganz gern dazu hochinteressante Denkansätze zu konstruieren, die dann jedoch leicht in Verstiegenheit entarten. Im Übrigen haben bereits der Metaphysiker Réne Guénon und viel später dann Ernst Nolte den Islam als Gegenpol zur (post)modernen Welt erkannt. Alexander Dugin sieht dies ähnlich, leugnet jedoch keineswegs die Möglichkeit eines feindlich-gewaltsamen Zusammenpralls von Christentum und Islam. Grotesk ist hingegen die Behauptung, daß beide „Weltreligionen“ 1400 Jahre sozusagen friedliche nachbarschaftliche Koexistenz gepflegt hätten, solange sie sich nur gegenseitig aus dem Wege gegangen seien. Das ist pures Wunschdenken, das zudem historisch nicht haltbar ist. Zudem kann man sich im „globalen Dorf“ leider überhaupt nicht mehr aus dem Wege gehen – schön wär´s – und zweitens müßten wir dann zunächst einmal rigoros dafür sorgen, daß der Islam aus Europa schnellstmöglich verschwindet und zukünftig auch herausgehalten wird. Wie das geschehen soll, möge uns doch bitte jemand aus den Reihen der „echten“, „intellektuellen“ „Rechten“ erklären. Wir sind schon sehr gespannt!

    Etwas ganz anderes ist ein Bündnis mit der Orthodoxie, denn sie wirkt in der Tat in völligem Gegensatz zu den religionslosen westlichen „Kirchen“ und geistig/geistlich verwirrten Sekten politisch, theologisch, kulturell und spirituell als Katechon, als Aufhalter gegenüber dem offen satanisch agierenden Transhumanismus/Gobalismus. Wir würden inzwischen soweit gehen, die Orthodoxie als unsere letzte Hoffnung zu bezeichnen, da wir „auf die immer noch starke Kraft der westlichen Tradition“ (Woitas) keinen Pfifferling mehr geben. Vom Wesen der christlichen Religion ist im Westen so gut wie nichts mehr bekannt, ein gläubiger Katholik steht heute auf verlorenem Posten, weil er den „hl. Democratius“ nicht anbetet und ihm kein brennendes Kerzlein stiftet. Im Gegensatz zu den bekennenden, aber nichts erkennenden „Christen“ hierzulande ist die Orthodoxie eine wahre Religion, nicht weil sie viele Anhänger hat, sondern weil sie sich als eine wahre von einer unwahren prinzipiell und objektiv unterscheidet. Diese Erkenntnis verpflichtet uns jedoch dazu, gegenüber dem Islam mit allerhöchster Vorsicht zu agieren. Im Übrigen war der Illuminat und Fanatiker Mohammed genau das , was die Hl. Schrift als einen falschen Propheten bezeichnet, der sich sogar gegenüber dem Judentum und dem Christentum eine unfehlbare Lehr- und Entscheidungsbefugnis anmaßte.
    Ziemlich gräßlich wird es, wenn Jens Woitas das Mittelalter „eine Welt finsteren Aberglaubens“ nennt. Tatsächlich wußte damals noch jedes Mütterlein, daß das Christentum weder eine Spielwiese für Kinder oder ein Paradiesgärtlein für fromme Seelchen ist, die von Glückseligkeitsschauern heimgesucht und geschüttelt werden, sondern ein Kampffeld in der Welt, auf dem Schlachten geschlagen, aber sehr wenige gefeiert werden. Auch über die „transzendenten Mächte“ (Woitas), von denen heutzutage unsere „Zelebranten“, „Gemeindevorsteher“ und die allermeisten Kleriker keinen Schimmer einer Ahnung mehr haben sondern eine beängstigende Unwissenheit an den Tag legen, mußte man damals keinen frommen Juden, Christen oder Muslim aufklären.

    Auf angebliche potentielle Verbündete wie BLM oder die Klimabewegung – letztere kann ja man ja noch in ihrem Kinderglauben an eine bessere Welt irgendwie rührend finden, während das Geschwätz der „Critical Race Theory“ kaum noch zu ertragen ist -, möchten wir eigentlich aus ästhetischen Gründen lieber nicht eingehen. Allerdings fallen uns durchaus noch weitere Bündnispartner ein, wie beispielsweise der IS, die Roten Khmer, der Sendero Luminoso, die „Church of Satan“ oder so liebe und nette Mitbürger wie der „Kannibale von Rothenburg“.

    Ein letztes: Als der sowjetische Parteichef Leoinid Breschnew im November 1982 starb, ereignete sich während der vom Militär geprägten Trauerfeier, bei der es weder Gebete, noch Kirchenlieder oder ähnliches gab, etwas Bemerkenswertes. Die Familie Breschnew begleitete den offenen Sarg zur letzten Ruhestätte, Frau Breschnew ging nach vorn, warf einen letzten Blick auf ihren Ehemann und schlug dann ein Kreuz über ihm. In dieser schlichten Handlung war Christus in den Kern des kommunistischen Systems eingebrochen, und es wurde jedem klar, daß in Jahrzehnten, selbst Jahrhunderten harter antitheistischer Herrschaft niemals der religiöse Kern des orthodoxen Christentums in Rußland zerstört werden konnte.

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  2. Ich bitte um Entschuldigung! Im vorvorletzten Absatz muß es natürlich heißen …“sondern ein Kampffeld in der Welt, auf dem Schlachten geschlagen, aber sehr wenige Siege gefeiert werden.“

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  3. Der Beitrag von Werner Olles zu Dr. Jens Woitas zu „Revolte gegen die moderne Welt“ ist eine brillante Klarstellung. Sie ist notwendig, weil Woitas die historischen Unterschiede und Konflikte der christlichen und islamischen Welt verklärt und wie richtig gesagt, dabei einem Wunschdenken nachhängt.
    Eine friedliche nachbarschaftliche Koexistenz hat es nie gegeben, auch nicht dort wo die regionalen Grenzlinien (Spanien) eng beieinander lagen. Der angeblich weltoffene Islam im Süden Spaniens ist ein Mythos. Das Gegenteil ist richtig, wer sich islamischer Missionierung widersetzte wurde religiös und politisch unterworfen und musste ein Leben in Sklaverei fristen.
    Seit den islamischen Eroberungskriegen (7-9.Jahrh.) war die abendländische, christliche Kultur in Nordafrika, Spanien und Teilen Westeuropas einem ungeheuren ständigen ideologischen und vor allem militärischen Druck ausgesetzt. Das geistige Fundament findet sich in der „einigen Umma“.
    In ihr definieren Moslems ihre Gemeinschaft, die sich von allen anderen Menschen unterscheidet und sie zum gemeinsamen Kampf gegen die verpflichtet, die sie „Ungläubige“ nennen. Die Geschichte ist voll von Beispielen, von Angriffen von größter Gefährlichkeit aus der islamisch beherrschten Welt auf benachbarte Gemeinschaften. Immer waren diese mit grausamen Konsequenzen für die Eroberten verbunden. Der traditionelle Westen und die islamische Welt waren, sind und bleiben Gegensätze, weil sie jeweils in gänzlich anderen Paradigmen aufgebaut sind. Deshalb ist der Islam auch kein Bündnispartner gegen die Moderne. Wer einen Blick auf die Lebenswelten islamischer Länder in der Golfregion wirft wird schwerlich Widersprüche zur Moderne finden, im Gegenteil findet dort ein alltäglicher Schulterschluss zu allen Übeln des Westens statt.
    Anders sieht es in der Tat mit der Bewertung der Orthodoxie aus. Sie ist in meinen Augen die einzige, der vier von Woitas genannten potentiellen Bündnispartnern, die wirkungsvoll dem Fortschreiten des menschenverachtenden Transhumanismus/Globalismus etwas entgegenstellen kann. Dies gilt auch in Beziehungen der Verbrüderung von Islam mit den Wortführen der christlichen Amtskirchen. Einzig die Orthodoxie warnt davor diese Irrwege weiter zu gehen.
    Die anderen von Woitas genannten möglichen Verbündeten, BLM-Klima und“ Critical Race Theory“, sind eher Kampftruppen der herrschenden Eliten und scheiden für alle Formen möglicher Kooperationen aus. Der in diesen Gruppen herrschende Selbsthass verschließt Ihnen jeglichen Zugang zur Kulturgeschichte Europas und Werte wie Nation, Familie und Heimat.

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  4. Auweia, Herr Dr. Woitas, jetzt haben Sie dank einer sehr weitherzigen Umfassung möglicher Bündnispartnerschaften auch noch den „Kannibalen von Rotenburg“ am Hals 😎
    Schießen Sie bitte nicht aufeinander! Denn ich möchte gerne mit Ihnen beiden (im Rahmen einer Studie zum Thema „Politisierung“) Interviews führen. Würde zu gegebener Zeit auf Sie zukommen.
    Beste Grüße nach Frankfurt und Wolfsburg
    W.S.

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