Werner Olles zum 80. Geburtstag: ein sozialpatriotischer, ein sanfter Reaktionär

von Siegfried Bublies

Werner Olles zum 80. Geburtstag: ein sozialpatriotischer, ein sanfter Reaktionär

Lebenswege sind oft nicht geradlinig, sie kennen Höhen und Tiefen, zu überwindende Hindernisse, Abbiegungen, Kreuzungen, Ruhepausen und auch die Unrast des stetigen Voran, immer hin zu neuen Horizonten.

Als Werner Olles vor genau 40 Jahren 1982 den Kontakt zu unserer „wir selbst“-Redaktion aufnahm, lag bereits eine Wegstrecke hinter ihm, die ihn durch die Untiefen des links-militanten, revolutionären Lagers geführt hatte: 1968 Eintritt in den SDS, nach dessen Auflösung Mitglied der „Roten Panther“, einer Vorfeld-Organisation der terroristischen „Revolutionären Zellen“, 1969 Libanonaufenthalt mit einer SDS-Delegation in einem Ausbildungslager der Fatah und anschließende Flucht mit Hilfe christlicher Falange-Milizen zurück in die Bundesrepublik, 1972 Bruch mit der radikalen Linken und von 1973 bis 1977 Mitglied der SPD.

Die „wir selbst“-Gründungsmannschaft hingegen kam aus dem entgegengesetzten politischen Lager, aus der extremen Rechten: enttäuschte Nationalisten, die die Rückwärtsgewandtheit und intellektuelle Dürftigkeit der Alten Rechten anwiderte, die nach Alternativen suchte. Das ist die immer wieder recht spannende Geschichte von den „linken Leuten von rechts“ und den „rechten Leuten von links“, die sich treffen und feststellen, daß die Gemeinsamkeiten das Trennende überwiegen. Nun könnte man sich auf die interessante Suche begeben, worin denn das Gemeinsame zu finden wäre. Naheliegend sind natürlich politisch-programmatische Schnittstellen, die es zwischen echten Linken und echten Rechten tatsächlich gibt: eine etwas diffuse antikapitalistische Sehnsucht, ein Unbehagen an der Moderne mit ihren deutlichen Dekadenzerscheinungen und eine Schuldzuweisung an den liberalistischen Zeitgeist, der keine Traditionen und überzeitlichen Werte kennt, sondern nur den Markt, den Menschen als Konsumenten und den gewollten und geförderten Hedonismus einer Gesellschaft in Auflösung. Das erklärt aber nur teilweise die Topographie des Hufeisens (Armin Mohler), wo sich das linke und rechte Ende des Hufeisens recht nahe sind und das Establishment, die verachtete Mitte jeweils gleich weit entfernt ist. Es muß immer auch etwas Individuelles hinzukommen, etwas, was die unterschiedlichen Lebenserfahrung in dissonanten politischen Milieus auf fast magische Weise harmonisiert. So war es, als uns Werner zum ersten Mal (wohl 1982) besuchte und als Ex-Linker den Ex-Rechten unkompliziert und offenherzig die Hand reichte: ein homo politicus und grundanständiger Charakter, der Stigmatisierungen aufgrund einer anderen politischen Sozialisation ablehnte und trotz unterschiedlicher Auffassungen in Einzelfragen unseren rebellischen Idealismus zu goutieren verstand.

Werner Olles hatte und hat eine jugendlich wirkende, ansteckende Fröhlichkeit, die nur leichte spöttische Anklänge zuläßt, manchmal aber, wenn sich die Gespräche ins Zeitdiagnostische entwickeln, auch galgenhumorische Grundierungen zeigt. Dieser außerordentlich belesene, gebildete Mann hatte uns Jüngeren einiges an Wissen und sehr viel an Lebenserfahrung voraus. Er wurde von 1982 an zum ständigen Autor unserer Zeitschrift und auch zum freundschaftlichen Weggefährten und Ratgeber. Die sanfte und konziliante Art, seine liebenswerte Bescheidenheit und seine menschliche Zugewandtheit dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, daß Werner Olles in den existentiellen politischen Fragen eine ganz ungewöhnliche Unnachgiebigkeit, Härte und Grundsatztreue kennt. Ein ausgeprägter Antiliberalismus, der sich in engster Freundschaft und im intellektuellen Austausch mit Günter Maschke, dem sicherlich besten Kenner Carl Schmitts, über Jahrzehnte geschärft hat, muß als Lebenskonstante des politischen Menschen und Publizisten Werner Olles gesehen werden. Damit niemand es in den falschen Hals bekommt: Werner Olles ist ein Freiheitsliebender, ein Verächter der Einengung des freien Wortes, ein Gegner von Denkverboten, staatlichen Gängelungen und ideologisch begründeten Sprachvorgaben. Und gerade deshalb ist er einer der markantesten deutschen Publizisten, die ihre Feindschaft zum Liberalismus – unter dessen Deckmantel sich Globalismus, kulturzerstörender Universalismus, kapitalistische Ausbeuterei, Konsumismus und Hedonismus verbergen – offen bekennen.

Vor diesem Hintergrund wird verständlich, daß sich Werner Olles in den beiden zurückliegenden Jahrzehnten immer mehr auch Fragen von überzeitlicher Bedeutung gewidmet und wieder Zugang zum christlichen Glauben erzkatholischer Prägung gefunden hat. In einer Welt der Auflösung, in der Ordnungen, Traditionen und Werte zerbröseln, Völker und selbst menschliche Geschlechter als soziale Konstruktionen verunglimpft werden, sucht und findet Olles einen Halt im Religiösen, in der Gewißheit einer göttlichen Allmacht. Da dies von der katholischen Amtskirche nicht mehr vermittelt wird, hat sich Werner Olles kirchenkritischen, sedisvakantistischen Strömungen als Publizist zur Verfügung gestellt und findet dort zunehmend Gehör.

Seit über 30 Jahren arbeitet Werner Olles als freier Mitarbeiter für die konservative Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT. Seine Buch-, Zeitschriften- und Filmbesprechungen sind außerordentlich populär und bereits eine nicht mehr wegzudenkende Institution dieses intellektuellen Leitmediums der deutschen Konservativen.

Im Lindenbaum Verlag sind seit 2019 bereits drei Bücher von Werner Olles erschienen: „Grenzgänger des Geistes. Vergessene, verkannte und verfemte Schriftsteller des 20. Jahrhunderts“ (2019), „Feindberührungen. Wider den linken Totalitarismus“ (2020) und „Widerstand oder Innere Emigration. Warum wir kämpfen“ (2022).

Wir gratulieren Dir, lieber Werner, von ganzem Herzen zu Deinem 80. Geburtstag und wünschen Dir weiterhin Gesundheit, Schaffenskraft und ein segensreiches Wirken zum Wohle unseres Volkes. Wir sind stolz, Dich an unserer Seite zu haben.

Werner Olles – ein Lebenslauf

Jahrgang 1942, geboren in Bensberg (Bergisch-Gladbach) als Jüngster von zwei älteren Geschwistern. Der Vater ist Reichsbahn-Beam-ter, die Mutter Lehrerin. Nach mehreren Ausbombungen und Versetzungen des Vaters zeitweilig im Sudetenland (Reichsstadt) und Wilhelmshorst bei Berlin. Von dort Flucht in einer Nacht- und Nebelaktion durch den Harz in den Westen. Einschulung in Mechernich (Eifel). Nach erneuter Versetzung des Vaters seit 1950 in Frankfurt am Main. Nach dem Besuch der Volksschule, vier Jahre auf dem Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, anschließend kaufmännische Handelsschule. Ausbildung zum Versicherungskaufmann und Traumberuf Glas-und Gebäudereiniger. 1963 bis Mitte 1964 Wehrdienst in Homberg/Efze und Fritzlar. Anschließend wieder als Glas- und Gebäudereiniger tätig. 1968 Eintritt in den SDS, nach dessen Auflösung Mitglied der „Roten Panther“, einer Vorfeld-Organisation der terroristischen „Revolutionären Zellen“. 1972, nach dem Attentat auf die Olympiade, Abkehr von der militanten, revolutionären Linken.
1973 Eintritt in die SPD. Austritt 1976 wegen politischer Meinungsverschiedenheiten. Seit 1975 in der Bibliothek einer Fachhochschule tätig. Ende der 1970er Jahre Austritt aus der Gewerkschaft wegen der Weigerung des zuständigen Sekretärs „aus Rücksicht auf die DKP-Kollegen“ eine Solidaritätsresolution für die polnische Gewerkschaft Solidarnosc zu verfassen. Dies führt zur Distanzierung von der politischen Linken und ihren schamlosen Lügen von „internationaler Solidarität“.
Anfang der 1980er Jahre endgültiger Bruch mit der Linken. Kontakte zu national-revolutionären Zirkeln und Tätigkeit als Redakteur und Autor in Zeitschriften der Nationalrevolutionäre und Neuen Rechten. („Wir Selbst“, „Aufbruch“, „Neue Zeit“). Mitte der 1980er-Jahre Entwicklung nach „rechts“, bis Anfang der 1990er Jahre Mitarbeit bei „Nation Europa“. Seit 1993 zunächst gelegentliche Mitarbeit in „Junge Freiheit“, bis heute freier Mitarbeiter. Aufsätze, Rezensionen und Interviews in „Criticón“, „Eckartbote“, „Europa“, „Aula“, „Zur Zeit“, „Neue Ordnung“, „Catholica“, „éléments“, „Gegengift“, „Sezession“, der Literaturzeitschrift „Rabenflug“, den Film-Magazinen „Morgengrauen“, „X-Tro“ und „XUN“ sowie regelmäßige Beiträge in der sedisvakantistisch-römisch-katholischen Zeitschrift „Einsicht“. Buchbeiträge in „Bye-bye ´68“ (Graz,1998), „Sobre la konservative Revolution“ (Barcelona, 2000), „Ein Leben für Deutschland. Denkschrift für Wolfgang Venohr“ (Berlin, 2005), außerdem zahlreiche Beiträge in der „Enzyklopädie des Phantastischen Films“ (Meitingen). In den 1990er-Jahren Vorträge bei Burschen- und Landsmannschaften. Nach der Konversion zum Konservativismus Wiederannäherung an den traditionalistischen bzw. sedisvakantistischen Katholizismus in seinem vorkonziliaren Ritus.

2 Kommentare zu „Werner Olles zum 80. Geburtstag: ein sozialpatriotischer, ein sanfter Reaktionär

  1. Na, da will ich nicht lange hinten anstehen:

    Lieber Werner Olles, alles Gute zum Geburtstag: Kraft, Gesundheit, Freude, Glück und Zuversicht, auf daß wir den Morgen eines friedlichen, freien, blühenden Deutschland in einem ebensolchen Europa noch erleben!

    Herzlich
    Jupp Koschinsky

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    1. Lieber Jupp Koschinsky,

      ganz herzlichen Dank für die guten Wünsche zu meinem 80. Wiegenfest.

      In hoffnungsschwacher, doch heiterer Verbundenheit
      Werner Olles

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