A. Paul Weber – Leben und Werk eines grünen nationalrevolutionären Künstlers

von Werner Olles

A. Paul Weber – Leben und Werk eines grünen nationalrevolutionären Künstlers

Zeitschriftenkritik: Weber Kurier der A. Paul Weber-Gesellschaft e.V.

Die im Oktober 1974 gegründete A. Paul Weber-Gesellschaft e.V. sieht es als ihre Aufgabe an, das künstlerische Lebenswerk des Malers und Graphikers für die Nachwelt zu erhalten, der Allgemeinheit näher zu bringen und die wissenschaftliche Forschung darüber zu fördern. Dreimal jährlich gibt sie für Ihre 600 Mitglieder und für Freunde das sechsseitige aktuelle Nachrichtenblatt „Weber Kurier“ heraus, das über Veranstaltungen, Ausstellungen, Vorträge und Treffen informiert. Andreas Paul Weber entwarf nicht nur das Signet der Gesellschaft, das auch das Nachrichtenblatt schmückt, sondern nahm in seinen letzten Lebensjahren regelmäßig an den Treffen im Frühjahr in Ratzeburg teil. Zu den weiteren Zielen der Gesellschaft zählen zudem auch die Förderung des in Ratzeburg auf der Dominsel geschaffenen A. Paul Weber Museums, des Weber-Archivs, Sammlungen seiner Werke, Illustrationen, Büchern, Zeitschriften, biographischem und kunsthistorischem Schriftgut und Erinnerungsstücken. So werden die Bestände des Archivs durch Ankauf zahlreicher Originale und Dokumente ständig erweitert. Durch Vorträge, Forschungsaufträge, Ausstellungen und die Herausgabe einer Schriftenreihe kam auch die wissenschaftliche Forschung in Gang.

Andreas Paul Weber wurde am 1. November 1893 als Sohn eines Eisenbahnassistenten im thüringischen Arnstadt geboren. Zwischen 1908 bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 war er Mitglied der Wandervogel-Bewegung, die als Reaktion auf die desolaten und ungesunden Lebensverhältnisse vieler junger Menschen in Metropolen wie beispielsweise Berlin entstanden war. Bei ihren Wanderungen und Zeltlagern in ganz Deutschland suchten sie eine naturgemäße Lebensweise und natürlich auch einen neuen Lebensstil. Dies weckte auch Webers Vaterlandsliebe und Naturverbundenheit. Im Krieg wurde er dann als Eisenbahnpionier an der Ostfront eingesetzt und arbeitet ab 1916 als Zeichner und Karikaturist für die „Zeitung der 10.Armee“.

Erste große Erfolge feierte er mit seinen Illustrationen zu Hans Sachs, Till Eulenspiegel, Reineke Fuchs und zu zeitkritischen Werken. 1928 schloß sich Weber dem Widerstandkreis des Nationalbolschewisten und Hitler-Gegners Ernst Niekisch an und war in den Jahren 1931 bis 1936 neben Niekisch Mitherausgeber der nationalrevolutionären Zeitschrift „Widerstand“, für die er auch das Signet entwarf. Ideologischer Hintergrund war die nationalrevolutionäre Bewegung der 1920er Jahre. Webers Zeichnungen erschienen damals im „Vormarsch“ von Werner Laß und anderen Blättern dieser politischen Richtung. Für den Widerstands-Verlag fertigte er zahlreiche Buchausstattungen und politisch-satirische Illustrationen, etwa für Niekischs wegweisendes Buch „Hitler – ein deutsches Verhängnis“. Seine antinationalsozialistische Haltung und seine engen Kontakte zum Widerstandskreis brachte ihm am 2.Juli 1937 die Festnahme durch die Gestapo und bis Mitte Dezember die Inhaftierung in Fuhlsbüttel, Nürnberg und Berlin ein. Die diffamierenden Äußerungen über Weber auf Wikipedia, die ihm „völkische“ und „antisemitische“ Schriften vorwerfen, verkennen, daß in den 1920er Jahren eine „völkische Politik“ und ein zivilisationskritischer Standpunkt gegenüber der Weimarer Republik aufgrund ihrer zu „weichen“ Haltung gegenüber den Versailler Schandverträgen nicht nur bei „Hitlers rechten Gegnern“, sondern bei fast allen Parteien inklusive der KPD völlig normal waren.

Ernst Niekisch: Hitler ein deutsches Verhängnist, Illustrationen von A. Paul Weber (Erscheinungsjahr 1932, Reprint im Bublies Verlag – kann dort bestellt werden)

1944/45 wurde er erneut zum Kriegsdienst eingezogen, zuvor hatte Weber noch an dem Bilderzyklus „Reichtum aus Tränen“, der im Berliner Nibelungen-Verlag erschien, gearbeitet. Auch dies wird ihm von der zu Recht als „umstritten“ bezeichneten Wikipedia-Plattform vorgeworfen. Tatsächlich kritisierte er in dem Bilderzyklus hauptsächlich die britische Kolonialpolitik, ihre ambivalente Haltung zur Sklaverei und die immensen Klassenunterschiede in England. Auch nach 1945 schuf Weber kritische Lithographien zu aktuellen Problemen, wies satirisch auf menschliche Schwächen und Mißstände in Politik, Wirtschaft, Kultur, Justiz, Umwelt und Gesellschaft hin. 1971 erhielt er aus der Hand von Bundespräsident Heinemann, der ihn sehr schätzte, das Große Bundesverdienstkreuz und wurde zum Professor ernannt.

Rückgrat raus!
1951/1960

Bis zu seinem Tod am 9. November 1980 in Schretstaken gab er im Selbstverlag den „Kritischen Kalender“ heraus. Sein Gesamtwerk umfasst rund 3.000 Lithographien, hunderte Holzschnitte, über 200 Ölbilder und einige tausend Handzeichnungen. A. Paul Webers Urne wurde im Garten des Museums, das seinen Namen trägt, beigesetzt. Angesichts der politischen Lage in Deutschland und Europa ist Weber, wie es im neuen „Weber Kurier“ (Nr. 02/2021) heißt, „aktueller denn je“ und „seine Arbeiten passen wieder sehr gut ins Zeitgeschehen“. Für Anfang Dezember 2021 plant die A. Paul Weber-Gesellschaft e.V. in Ratzeburg auf der Insel wieder ein weihnachtliches Wochenende.

Kontakt: A. Paul Weber-Gesellschaft. Weißdornweg 22, 23909 Ratzeburg.

http://www.weber-gesellschaft.de

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Werner Olles

Werner Olles

Werner Olles, Jahrgang 1942, war bis Anfang der 1980er Jahre in verschiedenen Organisationen der Neuen Linken (SDS, Rote Panther, Jusos) politisch aktiv. Nach grundsätzlichen Differenzen mit der Linken Konversion zum Konservativismus und traditionalistischen Katholizismus sowie rege publizistische Tätigkeit in Zeitungen und Zeitschriften dieses Spektrums. Bis zu seiner Pensionierung Angestellter in der Bibliothek einer Fachhochschule, seither freier Publizist.

Autor der Bücher:

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Grenzgänger des Geistes. Vergessene, verkannte und verfemte Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.

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Feindberührungen – Wider den linken Totalitarismus!

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