Linksnationalismus – Traumgebilde und historische Realität

von Dr. Winfried Knörzer

Linksnationalismus – Traumgebilde und historische Realität

Seit Gründung der Zeitschrift wir selbst im Jahre 1979 haben sich die Macher der Zeitschrift (die Gründungsmannschaft rekrutierte sich ausschließlich aus rechten politischen Gruppierungen) darum bemüht, die Lagerkonfrontation zwischen links und rechts aufzulockern. Mit dem Aufkommen der GRÜNEN schien ohnehin die alte Gesäßgeographie der Vergangenheit anzugehören. Wertkonservative, Natur- und Heimatschützer, ehemalige Kommunisten, unorthodoxe Sozialisten und Nationalpazifisten fanden zusammen, denn die ökologische Frage (Kampf gegen AKW, die Maßlosigkeiten einer Konsum- und Wegwerfgesellschaft, zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft, Umweltzerstörungen einer profitorientierten Gesellschaft) ließ die alten ideologischen Gegensätze als nebensächlich erscheinen. Auch die NATO-Nachrüstungspolitik zwang zu neuen Allianzen. Die nationale Frage wurde nun auch von Linken als Frage nach der fehlenden staatlichen Souveränität wahrgenommen und die fehlende Einheit der deutschen Nation als „Wunde namens Deutschland“ (Walser) von manchen Linken mit einer patriotischen Sensibilität schmerzhaft empfunden. Im Gegensatz zu vielen anderen Linken war auch für Rudi Dutschke die „Nationale Frage“ ein Thema. Dies wurde spätestens mit seinen Diskussionsbeiträgen in Klaus-Rainer Röhls Zeitschrift „dasda/Avanti“ 1977/78 klar, wo er beispielsweise fragte: „Wer hat Angst vor der Wiedervereinigung?“ oder „Warum denken deutsche Linke nicht national?“ In dieser kurzen Zeitspanne (von 1978 bis zur Wiedervereinigung) gab es ein kleine Chance, linksnationale und rechtspatriotische Positionen miteinander zu versöhnen. Die Autorenliste unserer Zeitschrift gibt darüber beredt Auskunft. Armin Mohler nannte in einer WELT-Besprechung unsere blauäugigen Versuche, die ideologischen Gräben zu überwinden, eine „politische Topographie des Hufeisens“ (das linke und rechte Ende sind sich recht nah, weit entfernt von beiden das verachtete politische Establishment der Mitte). Uns das Etikett „linksnationalistisch“ anzuheften, wie es von medialen Beobachtern der „linken Leute von rechts“ (z. B. Hans-Gerd Jaschke) damals zuweilen geschah, war auch vor 30 Jahren schon fragwürdig, allenfalls eine bescheidene Anerkennung unseres Abschieds aus dem altrechten, erneuerungsunfähigen Milieu.

Wir möchten mit dem Artikel von Dr. Winfried Knörzer die Debatte über die Vereinbarkeit von links und national neu entfachen und bitten um rege Beteiligung! (wir selbst-Redaktion)

Linksnationalismus ist kein theoretisches Konstrukt, sonder ein reales politisches Phänomen. Darum kann man auf diesen Begriff nicht Wunschvorstellungen projizieren, wie idealerweise die Verbindung einer nationalen mit einer solidarischen bzw. sozialen Orientierung aussehen sollte. Man muß sich an das halten, was es in der historischen Wirklichkeit an Bewegungen gegeben hat oder gibt, die nach dem Selbstverständnis ihrer Protagonisten bzw. nach dem Urteil von Fachleuten mit einiger Berechtigung als linksnationalistisch bezeichnet werden können. Wie jedes politische Phänomen antwortet auch der Linksnationalismus auf eine konkrete historische Lage, woraus sich Sinn und Funktion einer politischen Positionsbestimmung ergeben. Nur indem eine politische Bewegung reale und für die Allgemeinheit bedeutsame politische Probleme aufgreift, kann sie wirkmächtig werden; andernfalls verbleibt sie im Abseits sektiererischer Theoriezirkel.

Erstürmung der indischen Stadt Shrirangapattana durch britische Truppen im Jahr 1799. Die Stadt war Hauptstadt des unabhängigen indischen Staates Myosore, der sich gegen die britischen Kolonialbestrebungen wehrte. Im dargestellten vierten „Myosore-Krieg“ verlor der Staat seine Unabhängigkeit, der Herrscher Tipu Sultan wurde getötet. Ausschnitt aus einem Gemälde von Henry Singleton, ca. 1800.

Die große Stunde des Linksnationalismus schlägt immer dann, wenn eine Konstellation auftritt, in der die Mehrheit eines Volkes gleichermaßen sozialer wie nationaler Benachteiligung/Unterdrückung ausgesetzt ist. Dies ist regelmäßig dann der Fall, wenn die herrschende Schicht sich entweder aus Angehörigen eines fremden Volkes zusammensetzt oder im Dienste eines solchen steht, und die Mehrheit des Volkes wirtschaftlich ausbeutet, sowie bestrebt ist, dessen Widerstandswillen durch Zerstörung der nationalen Eigentümlichkeiten wie Sprache, Kultur, Traditionen zu brechen. Die herrschende Schicht ist darum für die Mehrheit des Volkes sowohl in sozialer wie nationaler Hinsicht der Feind. Typische Beispiele sind hierfür Kolonien, wo die Kolonialherren einem fremden Volk angehören und denen Teile der autochthonen Bourgeoisie zuarbeiten oder Länder mit großen und räumlich konzentrierten nationalen Minderheiten (in Europa: Basken, Korsen, die Iren Nordirlands innerhalb des Vereinigen Königreiches). Der Kampf um nationale Unabhängigkeit geht daher mit dem Kampf gegen wirtschaftliche Ausbeutung Hand in Hand. Man kann daher gleichermaßen sagen, daß der nationale Befreiungskampf eine sozialistische Komponente enthält, wie daß der soziale Klassenkampf eine nationale Färbung besitzt. Ein Linksnationalismus ist darum für alle, die unter der beschriebenen Konstellation leiden, die naheliegendste politische Bewegung.

Baskenland und Freiheit: Abertzale-Linke und Mitglieder der Partei Batasuna demonstrieren 2008 gegen die Internierung von ETA-Gefangenen in Bilbao

Diese Konstellation ist die Ausgangslage. Aber dabei bleibt es nicht – die Lage entwickelt sich weiter. Die weitere Entwicklung kann langfristig im Grunde nur in folgender Alternative münden: der Linksnationalismus ist entweder erfolgreich oder er ist es nicht.

Betrachten wir zunächst den Erfolgsfall: die Kolonialherren wurden vertrieben, die Kollaborateure entmachtet und die nationale Unabhängigkeit wurde erreicht, oder ein Volk hat sich aus dem Zusammenhang eines Vielvölkerstaates gelöst und einen eigenen Staat gegründet. Was passiert dann? Im schlimmsten Fall, der häufig in Afrika und Arabien anzutreffen ist, versteht die siegreiche Befreiungsbewegung unter Sozialismus: Beutemachen für die eigene Clique (Junta, Clan, Volksstamm) und unter Nationalismus: ein Territorium zur freien Verfügung erhalten zu haben, in dem Beute gemacht werden kann. Auch wenn eine solche Entwicklung faktisch am häufigsten eintritt, möchte ich es mir nicht einfach machen und möchte daher die Idee des Linksnationalismus nicht durch den Verweis auf dieses worst case Szenario diskreditieren, sondern gestehe zu, daß auch Besseres möglich ist. Als Beispiel wähle ich Vietnam. Nach der Vertreibung der Besatzer und der Wiedervereinigung des Landes wurde ein kommunistisches Regime errichtet. Auch wenn die Kommunistische Partei eine privilegierte herrschende „neue Klasse“ (Dijalas) darstellt, unterscheidet sich dieses Regime doch grundlegend von den eben erwähnten Tyrannis-Regimes Afrikas und Arabiens. Tyrannis sei hier im klassisch-griechischen Sinne verstanden als Diktatur zum nahezu ausschließlichen Zweck der rein egoistischen Chancenmaximierung (vor allem Bereicherung) des Herrschers. Das kommunistische Regime Vietnams ist ein echter, am Gemeinwohl orientierter Staat – allerdings im Rahmen dessen, was Kommunismus unter Gemeinwohl versteht. Durch den erfolgreichen Abschluß des nationalen Befreiungskampfes hat sich allerdings die nationale Komponente des Linksnationalismus gewissermaßen von selbst erledigt. Sie hat kein Ziel mehr für konkretes, auf bestimmte Punkte bezogenes politisches Handeln. Vom ursprünglichen Linksnationalismus ist nur die sozialistische Komponente übriggeblieben. Die nationalistische Komponente hat ihren kämpferischen, aktivistischen Elan verloren und sich zu einem gewöhnlichen „Normalpatriotismus“ verdünnt, der mittels Symbolpolitik (z.B. durch permanentes Erinnern an die ruhmreiche Vergangenheit) das nationale Selbstbewußtsein stärkt.

An dieser Stelle berühren wir ein grundlegendes Dilemma des Nationalismus. Jede politische Bewegung hat ein bestimmtes, sie charakterisierendes Zentralthema, bzw. zentrales Ziel und einen konkreten Feind. Ich möchte dies schlagwortartig verdeutlichen, wobei ich mir im Klaren bin, daß Schlagworte einen Sachverhalt nur grob umreißen können und nicht den Ansprüchen einer wissenschaftlichen Definition, die hier aus Platzgründen nicht geleistet werden kann, genügen.

Sozialismus: Zentralthema: die wirtschaftliche, soziale und rechtliche Besserstellung der Arbeiterklasse, Feind: die besitzende Klasse

Liberalismus: Zentralthema: Freiheits- und Bürgerrechte, wirtschaftlicher Fortschritt; Feind: die ein Machtmonopol beanspruchende staatliche Obrigkeit

Konservativismus: Bewahrung der überlieferten Sitten, Werte und Gesellschaftsordnung; Feind: alle Akteure, welche die Modernisierung weiter vorantreiben (Beispiele: der bürokratische, ständische Ordnungen beseitigende Zentralstaat, progressive Intellektuelle).

Nationalismus: die machtgestützte Selbständigkeit einer Nation, die es einem Volk ermöglicht, ihrer Eigenart gemäß zu leben und diese weiterzuentwickeln; Feind: Fremdherrschaft (Besatzer), konkurrierende Nationen.

Liberalismus und Konservativismus kommen nie zur Ruhe. Da jeder Staat bestrebt ist, seine Macht zuungunsten bürgerlicher Freiheiten auszudehnen, gibt es für Liberale immer etwas zu tun. Ebenso entsteht allein durch die wirtschaftlich-technische Dynamik ein „Fortschrittsdruck“, der in bestimmten Personenkreisen sich in eine entsprechende politische Programmatik umsetzt, gegen den sich der Konservative zur Wehr setzt. Die Problematik, von der das politischen Streben des Konservativismus und Liberalismus seine Berechtigung erhält, entsteht gewissermaßen immer wieder von Neuem. Das heißt nicht zwingend, daß deren Programmatik allgemeines Interesse erweckt. Sobald ein gewisses Maß garantierter Bürgerrechtlichkeit vorhanden ist, wird das Verlangen nach mehr Freiheit gedämpft, vor allem wenn dieses durch Angebote von mehr Wohlstand oder mehr Sicherheit überlagert wird. Wenn sich das Tempo des Fortschritts so weit gesteigert hat, daß alles Bestehende in seinem Lauf mitgerissen wird, wird das auf dem inneren Wert des Überlieferten beruhende Bewahrenwollen zunehmend unverständlich. Nichtsdestotrotz bleiben die Zentralthemen von Liberalismus und Konservativismus relevant, weil die entsprechende Problematik fortexistiert.

Dagegen erlahmt die geschichtliche Kraft von Sozialismus und Nationalismus, wenn sie ihr selbstgestecktes Ziel erreicht haben. Nach dem Sieg der sozialistischen Revolution, wenn die Besitzenden enteignet und alles sozialisiert wurde, gibt es nichts mehr zu sozialisieren. An die Stelle des Kampfes um die Macht im Namen eines politischen Prinzips tritt Verwaltung, die zwar den bestehenden Sozialismus noch sozialistischer machen will, aber das Bestehende nicht mehr grundsätzlich ändern möchte. Auch wenn objektiv immer noch unwürdige Lebens- und Arbeitsverhältnisse und vor allem ungleiche Machtverhältnisse vorhanden sein mögen, ist mit der Überführung der Produktionsmittel in Gemeineigentum das eigentliche Ziel des Sozialismus erreicht. Etwas anderes zu wollen, etwa gar im Sinne individualistischer Freiheits- und Glückschancen, kann sich darum nicht auf die Idee des Sozialismus berufen, sondern gilt als Konterrevolution. Ebenso gelangt das nationalistische Streben an ein (vorläufiges) Ende, wenn die nationale Einheit und Unabhängigkeit hergestellt sind. Entweder gibt man sich mit diesem Erfolg zufrieden, wodurch der Nationalismus, wie am Beispiel Vietnams gezeigt, sich zu einem Normalpatriotismus abmildert, der keine geschichtsbildende Kraft mehr besitzt, oder die nationale Leidenschaft steigert sich zum Chauvinismus, der sich neue Feinde sucht und neue, über die Grenzen der Nation hinausgreifende Ziele setzt. Falls eine solche Entwicklung ihren Ursprung in einem wie auch immer gearteten Linksnationalismus hatte, tritt die soziale Komponente in den Hintergrund, da alle politischen Energien sich im Streben nach nationaler Machtausdehnung konzentrieren. Dies trifft auf die Französische Revolution, den italienischen Faschismus und das heutige China zu.

Kommen wir nun zu den historischen Konstellationen, in denen der Linksnationalismus scheiterte. Diese betreffen vornehmlich die regionalistischen Unabhängigkeitsnationalismen Europas in Nordirland, Korsika, in der Bretagne und im Baskenland. Man kann hier sehr genau den engen Zusammenhang von nationaler und sozialer Problematik beobachten. Wirtschaftliche und nationale Diskriminierung greifen ineinander. Der Engländer, Franzose, Spanier ist nicht nur der (ethnisch-kulturell) Fremde, sondern zugleich auch der Ausbeuter. Ein im Sinne des Sozialismus sans phrase vorgetragene, auf soziale und wirtschaftliche Themen bezogene Politik, kann hier nicht funktionieren, weil die ethnische Kluft zu groß ist, um ein gemeinsames Klassenbewußtsein zu ermöglichen. Der wirtschaftliche Klassengenosse wird primär als ethnischer Volksfeind wahrgenommen. Darum ist die sozialistische Politik der ursprünglichen IRA gescheitert, die in den 50er Jahren begonnen hatte, auf eine Aktionseinheit zwischen irischstämmigen und britischstämmigen Arbeitern zu setzen. Sie wurde bald von der Provisional IRA überflügelt, die einen klaren linksnationalistischen Kurs einschlug. Genauso wenig kann eine rein nationalistische Politik reüssieren, da der mit den Besatzern paktierende Bourgeois, der aus Opportunismus oder des ökonomischen Vorteils wegen mit diesen Handel treibt und für ihn Bütteldienste verrichtet, sich als Volksgenosse disqualifiziert hat.

Warum ist trotz dieser stimmigen Ausgangslage und des Rückhalts einer soliden Massenbasis den regionalistischen Unabhängigkeitsnationalismen nicht das gelungen, was nahezu alle Befreiungsnationalismen der 3. Welt zuwege brachten? Entscheidend ist das quantitative Ausmaß der Differenz zwischen den Kontrahenten. Der Kolonialherr ist gegenüber dem kolonisierten Volk der sich in wirklich jeder Hinsicht unterscheidende, total Andere. Dagegen sehen die Briten und Iren gleich aus, sprechen dieselbe Sprache, teilen eine ähnliche Lebenswelt. Der gemeinsame europäische Hintergrund reduziert die Spannweite des Abstands. Das ist ein Faktor, der konfliktmindernd wirken kann, aber nicht muß. Schon geringe Differenzen können bekanntlich tiefgehende Feindschaften bewirken, wenn der Wille da ist, diese Differenz zu etwas Bedeutsamen zu machen. Dieser Faktor führt aber auf eine Fährte, der es nachzuspüren gilt. Es sind daher weitere abstandsreduzierende Faktoren zu suchen.

1. Mit einiger Verspätung erreichte der Wirtschaftsaufschwung der Nachkriegszeit auch die Randregionen, wodurch sich eine Egalisierung der wirtschaftlichen Verhältnisse einstellte.

2. Der Staat war bereit, Abstriche an seinem Konzept des Zentralismus zu machen und den Regionen eine gewisse Eigenständigkeit zuzugestehen. Im härtesten Konflikt dieser Art, dem nordirischen Bürgerkrieg, verzichtete die britische Regierung wohlweislich auf massive militärische Vergeltung und nahm lieber höhere Opferzahlen unter den britischen Soldaten als unter den IRA-Kämpfern in Kauf, als die irischstämmige Bevölkerung vollends gegen sich aufzubringen.

Diese beiden Faktoren waren noch nicht entscheidend, aber sie verschoben die Waagschale der Bereitschaft zum separatistischen Engagement doch ein Stück weit in Richtung Stillhalten. Gerade weil der separatistische Kampf den vollen Einsatz verlangt, wird er nicht leichtfertig eingegangen. Je geringer der Leidensdruck der nationalen und sozial-ökonomischen Diskriminierung durch politische Zugeständnisse und spürbare Verbesserung der Lebensverhältnisse wird, desto geringer wird auch die Bereitschaft, das eigene Leben aufs Spiel zu setzen. Das Kosten/Nutzenverhältnis zwischen dem – auch persönlichen – Nutzen nationaler Unabhängigkeit und dem Risiko, zu langen Gefängnisstrafen verurteilt oder getötet zu werden, hat sich gegenüber der Ausgangslage verändert, wodurch die Bereitschaft, alles für die nationale Sache zu wagen, zunehmend schwindet.

Am wichtigsten freilich ist ein Faktor, den ich die Globalisierung auf nationaler Ebene nennen möchte. Ein eigenständiger und sich vom übrigen nationalen Umfeld scharf absondernder lebensweltlicher Zusammenhang, der die mentale Basis für eine separatistische Politik bildet, kann sich nur bei langandauernder relativer Abgeschlossenheit herausbilden. Auch in der Tier- und Pflanzenwelt führt räumliche Abgeschlossenheit zur Herausbildung neuer Arten. Diese Abschließung wurde in Spanien und Frankreich durch die natürliche Randlage und in Nordirland durch die unsichtbaren Grenzen zwischen britischen und irischen Wohnvierteln bewirkt. Diese Grenzziehungen wurden durch die sich immer schneller vollziehende Globalisierung auf nationaler Ebene eingeebnet. Hierbei verstärkten sich zwei von verschiedenen Seiten her eingreifende Prozesse gegenseitig. Zum einen rückte die gesamte Nation durch Automobilisierung und vor allem den Medienkonsum in den normalen Erfahrungshorizont hinein. Der Fernsehkrimi, die Quizsendung, die Fußballspiele der nationalen Liga machten die Belange der Gesamtnation ganz zwanglos viel interessanter und attraktiver als dies irgendeine staatliche Propaganda je hätte leisten können. Die separatismusgeneigte Region wird somit immer stärker in den Kommunikationszusammenhang der Gesamtnation integriert, wodurch sich der kulturell-lebensweltliche Abstand der Region zur übrigen Nation reduziert. Des weiteren werden die Region und die übrige Nation gleichermaßen ins Netz der weltumspannenden „Coca-Cola-Kultur“ hineingewoben, wodurch von beiden Seiten her die kulturellen Differenzen abgeschliffen werden. Verstärkt wird dieser Effekt durch die „Verfreizeitlichung“ der heutigen Lebensweise. Man definiert sich nicht primär durch Arbeit oder Herkunft, sondern über den freizeitzentrierten Lebensstil. Die Lebensstile in vergleichbaren sozialen Lagen gleichen sich in allen westlichen Ländern immer weiter an. Die Freizeitaktivitäten werden wiederum in großem Umfang von den Inhalten der globalen Populärkultur (Hollywood, Popmusik) bestimmt, die gegenüber den kulturellen Eigenheiten sowohl der Gesamtnation wie der der Region neutral sind.

Zusammenfassend läßt sich feststellen: In dem lebensweltlichen Erfahrungsraum treten immer weniger Elemente hervor, die als Ansatzpunkte zur Manifestation eines nationalen Gegensatzes dienen könnte. Dadurch schwindet die Bedeutung des nationalen Aspekts. So wie ein Angehöriger der Gesamtnation (der typische Franzose) aufgrund des Bedeutungsschwunds des nationalen Faktors keinen Anlaß mehr sieht, auf den seltsamen, rückständigen Randregionenbewohner herabzublicken, so hat auch dieser keinen Anlaß mehr, sich von der der Gesamtnation abzugrenzen. Nachdem die nationalkulturellen Eigentümlichkeiten beider Seiten gleichermaßen abgeschliffen sind, schwimmen nun die einstigen Kontrahenten als friedlich vereinte Bröckchen im Brei der One-World-Kultur.

Man wird nun vielleicht einwenden, daß nach dem Abklingen der „klassischen“ europäischen Unabhängigkeitsnationalismen gegen Ende des 20. Jahrhunderts zwei neue Separatismen beträchtlichen Zulauf erhalten haben – nämlich die Schottlands und Kataloniens. Beiden ist gemeinsam, daß sie es nie wagten, den Rubikon zu überschreiten. Zum Ausgang des schottischen Unabhängigkeitsreferendums hatte ich seinerzeit vermerkt: Das schottische Unabhängigkeitsreferendum war zum Scheitern verurteilt, weil es ein Ding der Unmöglichkeit anstrebte: ein nationalistisches Projekt ganz ohne Nationalismus durchführen zu wollen. Zwar ist in beiden Fällen eine historisch bedingte Animosität gegenüber der Titularnation vorhanden, die sich an der Erinnerung an die frühere Selbständigkeit und an den Kampf um deren Bewahrung festmacht, doch wird dieser Gesichtspunkt in der offiziellen Separatismuspolitik nicht thematisiert. Das hat seinen Grund darin, daß das allzu ostentative Hervorkehren einer dezidiert nationalistischen Politik wegen der nachhaltigen Diskreditierung des Nationalismus als solchem durch die historischen Faschismen kein gangbarer Weg ist. Darum hat man sich aufs Wirtschaftliche verlegt und den nationalen Gegensatz in den unverfänglicheren wirtschaftlichen Gegensatz umgemünzt. Aber eine hauptsächlich an wirtschaftlichen Belangen orientierte Politik muß es sich gefallen lassen, auch ausschließlich nach wirtschaftlichen Kriterien bewertet zu werden. Es wird das rationale Kalkül angestellt: wird sich meine wirtschaftliche Lage durch die Unabhängigkeit gegenüber der jetzigen deutlich verbessern? Denn nur ein deutlicher Unterschied rechtfertigt es, die unwägbaren Risiken nationaler Eigenständigkeit in Kauf zu nehmen. Da sich die wirtschaftliche Entwicklung nicht voraussehen läßt, werden viele ängstlichere Naturen vor einem „Ja“ zur Unabhängigkeit zurückschrecken. Mit dem Taschenrechner läßt sich keine nationale Politik machen. Natürlich spielt unterschwellig das nationale Ressentiment eine gewisse Rolle. Da es sich aber nicht in expliziter Form manifestieren kann, trägt es nicht dazu bei, dem Willen zur Loslösung den zusätzlichen, entscheidenden Impuls zu verleihen. Diesem Wohlstandsseparatismus fehlen die beiden zentralen Komponenten des eigentlichen Linksnationalismus: die echte, spürbare und intentional betriebene Unterdrückung durch eine Fremdherrschaft und die dadurch bewirkte wirtschaftliche Not.

Nach diesem Überblick über die verschiedenen, in der historischen Wirklichkeit realisierten Formen des Linksnationalismus sollen nun die Chancen einer linksnationalistischen Programmatik in der BRD beleuchtet werden. Entscheidend für meine Argumentation ist die Tatsache, daß der Linksnationalismus nicht aus dem Nichts heraus entstanden ist, nicht etwas vollkommen Neues war. Seine Neuheit bestand vielmehr in der neuartigen Kombination bereits vorhandener Strömung: der nationalen Orientierung und des Sozialismus.

Nationale Orientierung: der positive Bezug zur eigenen Nation und der Wille, das Eigene zu verteidigen waren bis vor Kurzem etwas Selbstverständliches. Das eigene Herrschaftsgebiet zu schützen und, wenn möglich, auszudehnen, war lange Zeit über das zentrale Anliegen politischen Handelns. Mit der Durchsetzung des Absolutismus beschränkte sich die Kompetenz zu politischem Handeln auf die Person des Fürsten; das Volk war nicht Subjekt, sondern bloßes Objekt des politischen Handelns. Dies änderte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts, als immer mehr soziale Gruppen mit dem Anspruch auf politische Partizipation auf den Plan traten. Der Nationalismus war gewissermaßen das Vehikel, um diesen Anspruch zu legitimieren, indem die Wortführer der Volksmassen bekundeten, die Idee des Nationalen besser, radikaler und umfassender zu verwirklichen, als es die bislang herrschenden Eliten getan hatten. Aber diese Idee war bereits vorhanden. Dieser neue Nationalismus von unten konnte deshalb im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts zu einer wirkungsmächtigen Bewegung emporwachsen, weil er sich auf ein legitimes, allgemein anerkanntes Prinzip, nämlich das Ziel, Größe, Ruhm, Macht und Stärke der eigenen Nation zu fördern, stützen konnte.

Sozialismus: Ebenso konnte der neue Nationalismus von unten an den bereits existierenden Sozialismus anknüpfen. Eine irgendwie sozialistische Orientierung ist dem Nationalismus inhärent: Wenn das Ziel des Nationalismus in der Herstellung einer Volksgemeinschaft als Träger des politischen Willens der Nation besteht, dann muß auch die Arbeiterklasse in diese Volksgemeinschaft integriert werden. Da angenommen wurde, daß das Bürgertum die egoistischen Interessen wirtschaftlicher Vorteile im Zweifelsfalle dem nationalen Interesse vorziehe und da dessen zögerlicher, phlegmatisch-saturierter Habitus nicht dem schwungvoll-kämpferischen Elan eines echten Patrioten entsprach, gab es keinen Grund, sich mit den herrschenden Schichten zu solidarisieren. In dem Bestreben, alle mit dem herrschenden System Unzufriedenen zu sammeln, mußte man sich zwangsläufig nach links hin öffnen und in gewissem Umfang Programmpunkte des Sozialismus zu übernehmen. Nur so konnte eine über das Segment der national Radikalisierten innerhalb der bürgerlichen Klasse hinausgehende Massenbewegung geschaffen werden. Voraussetzung für den Erfolg einer durch sozialistische Elemente angereicherten nationalistischen Programmatik aber war, daß der Sozialismus bereits sich als allgemein anerkanntes und angestrebtes Prinzip in den anvisierten Zielgruppen etabliert hatte.

Zusammengefaßt: Nationalismus und Sozialismus sind weithin, wenn auch in unterschiedlichen sozialen Segmenten, anerkannt. Sie sind darum nicht eigens begründungsbedürftig. Man muß einen Arbeiter genauso wenig dazu überreden, mehr Lohn, mehr Rechte und mehr Anerkennung gut zu finden, wie einen durchschnittlichen Bürger, die eigene Nation gut zu finden.

Diese Voraussetzungen sind in der heutigen BRD nicht gegeben. Ebenso fehlen eine klar als solche erkennbare Fremdherrschaft und die durch diese bewirkte soziale Not. Wenn es den separatistischen Bewegungen in Katalonien und Schottland nicht opportun erscheint, eine deutlich nationalistische Position zu beziehen, so ist eine derartige Positionsbestimmung in einer historisch „vorbelasteten“ Nation wie Deutschland erst recht problematisch. Alle nationalen Belange, die über reine ökonomische Interesen innerhalb des „Wirtschaftsstandorts“ hinausgehen, gelten als Anathema. Das ist der wesentliche Unterschied zur Lage in der Vergangenheit, wo eine dezidiert nationalistische Bewegung auf der generell positiven Wertschätzung des Nationalen aufsetzen konnte. Das ist bekannt und muß daher nicht weiter erörtert werden.

Interessanter ist die Beziehung zum Komplex Links/Sozialismus. Für die heutige Lage ist charakteristisch, daß die Linke sich weitgehend vom Sozialismus klassischer Prägung verabschiedet hat und sich der sogenannten Identitätspolitik, also der politischen Interessenvertretung nicht ökonomisch, sondern irgendwie biologisch bestimmter Minderheiten, zugewandt hat. Die Adressaten dieser Politik sind nicht mehr die Arbeiter oder allgemeiner: die „kleinen Leute“, sondern Frauen, Homosexuelle, Einwanderer usw. Primär artikuliert wird diese Politik von Angehörigen der akademisch gebildeten Mittel- und Oberschicht. Da auch Großkonzerne in dieser Strömung mitschwimmen, gilt Kapitalismuskritik paradoxerweise mittlerweile als rechts. Ein sich irgendwie links verstehender Nationalismus kann daher nicht mehr an eine breite sozialistische Bewegung anknüpfen, die ihm eine Massenbasis verschaffen könnte. Das, was heute als links firmiert, ist die Kombination des Klassenfeindes mit dem Volksfeind. Diese veränderte Lage kann freilich auch positiv gesehen werden. Durch die Preisgabe einer originär sozialistischen Orientierung von seiten der Linken ist die Interessensvertretung der „kleinen Leute“ verwaist. In diese Lücke sind auch alle nationalen Parteien der BRD hineingestoßen und haben in diesem sozialen Segment auch ihre größten Erfolge erzielt. Sofern Nationalismus aber mehr war als der Stammtischpatriotismus von Honoratioren oder Vehikel zur Gewinnmaximierung der Rüstungsindustrie hat er sich immer als Interessensvertretung der Volksmassen unterhalb der herrschenden Schichten verstanden. Dazu bedurfte er nicht der Anbiederung an die parteiförmig organisierte Linke.

Daher stellt sich für mich die Frage, welchen Zweck die Bezugnahme auf den Komplex Linksnationalismus heutzutage noch haben kann. Die heutige Linke ist nahezu durch und durch antinational. Wo dies nicht der Fall ist, wo sie die kapitalismusförderlichen Konsequenzen der Ideologie des universalistischen Humanismus durchschaut, wo sie erkennt, daß die Identitätspolitik die Verteilungskämpfe von der gegen das Kapital gerichteten Stoßrichtung abzieht und ins Innere der Gesellschaft hineinverlagert, dann beschränkt sich diese Einsicht auf kleine Studierzirkel der letzten aufrechten Marxisten. Mit solchen Leuten zu diskutieren, mag spannend und erkenntnisfördernd sein, bringt beide Seiten aber nicht aus den Hinterzimmern heraus.

Ich muß es noch einmal betonen: Linksnationalismus ist dort sinnvoll, wo – wie im Falle einer Fremdherrschaft – der Zusammenhang von nationaler und sozialer Problematik für die breite Masse qua tagtäglichen Erlebens unmittelbar evident ist. In einem solchen Fall haben die nationalistische und die sozialistische Bewegung einen gemeinsamen Feind, weshalb es für beide Seiten von Vorteil ist, sich zusammenzutun. Linksnationalismus ist darum der Ausdruck einer Linksbewegung der nationalistischen Bewegung, um in einem Aktionsbündnis auf den sozialistischen Partner zuzugehen. Voraussetzung dafür aber ist, daß beide Seiten gleich stark sind, denn nur so können die Partner voneinander profitieren. Der Linksnationalismus der bundesrepublikanischen „Neuen Rechten“ der 70er und 80er Jahre war deshalb zum Scheitern verurteilt, weil die Linke – nicht zu Unrecht – fürchten mußte, daß diese marginalen Gruppen sich parasitär von der weit überlegenen Stärke der Gesamtlinken nähren wollten. Daher trat genau das ein, was ich in meinem ersten Aufsatz zum Linksnationalismus beschrieben hatte: die einen gaben das Buhlen um die Gunst der Linken wieder auf und kehrten zu einem „reinen“, wenn auch theoretisch modernisierten Nationalismus zurück, während die anderen sich immer weiter nach links bewegten, bis sie selbst Linke geworden waren.

Heute aber gilt es einzusehen, daß es keinen Anknüpfungspunkt für eine Aktionsgemeinschaft mit linken Gruppierungen gibt. Die nationale Bewegung tut das, was sie tun muß: die – auch sozialen und ökonomischen – Sorgen und Nöte der vom herrschenden juste milieu vernachlässigten Schichten des Volkes ansprechen. Das kann man, wenn man will, links oder sozialistisch nennen, ist aber nichts anderes als das, was schon von jeher Anliegen des reinen Nationalismus war. Bei diesem Vorhaben kann aber nichts schädlicher und dem eigentlichem Adressaten, dem Durchschnittsdeutschen, unwillkommener und unverständlicher sein, als sich mit Phrasen aus der Mottenkiste (mehr staatliche Regulierung, Kollektivierung, Konsumaskese, geschlossener Handelsstaat) sich als Gralshüter eines wahrhaft verstandenen Sozialismus zu profilieren. Die Sorgen und Nöte der normalen Deutschen aufzugreifen – das genau ist das dicke Brett, das ein nationaler Politiker zu bohren hat. Mit welchen Namen man dieses Dickbrettbohren bezeichnen will, ist völlig belanglos.

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Dr. Winfried Knörzer

Dr. Winfried Knörzer

Dr. Winfried Knörzer, geboren 1958 in Leipzig, studierte in Tübingen Philosophie, Germanistik, Medienwissenschaften, Japanologie und promovierte über ein Thema aus der Geschichte der Psychoanalyse. Berufliche Tätigkeiten: Verlagslektor, EDV-Fachmann. Seit Anfang der 90er Jahre ist er mit Unterbrechungen publizistisch aktiv.

Die Neuerscheinung im Juni2021: „Farben der Macht“ von Dr. Winfried Knörzer im Lindenbaum Verlag. Sie können dieses Buch direkt beim Verlag versandkostenfrei bestellen.

4 Kommentare zu „Linksnationalismus – Traumgebilde und historische Realität

  1. Klärungsversuche
    Vorausgesetzt wird in diesem Artikel, daß es zwei Bewegungen gäbe, eine nationale und eine links-sozialistische, um dann zu erörtern, ob und unter welchen Conditionen diese cooperieren könnten. Nun kann es aber gar keine
    nationale/nationalistische Option geben, die nicht auch eine Position zur „sozialen Frage“ mitbeinhaltet. Man kann also national- liberal, national-conservativ oder national und sozialistisch sein. Nur eines kann man nicht: nur national sein. Das bedeutet aber auch, daß jede nationale Option auch aus anderen Ideologien Momente herausnimmt, um sich mit ihnen zu synthesieren: die Bindestrichkonzeption: national-liberal, national-conservativ etc. Es wäre also zu erörtern, ob alle drei Ideologien, die liberale, die conservative und die sozialistische gleich gut zum Nationalen passen oder ob es aus dem Begriff des Nationalen heraus eine Präferenz für eine dieser drei ideologischen Konzepte gibt.
    In Deutschland haben wir es nur noch mit einer antinationalen Linken zu tuen. Daraus darf aber nicht geschlußfolgert werden, daß dies in anderen Ländern nicht anders sein kann. So spräche manches dafür, die heutige Politik der Kommunistischen Partei Chinas als nationalkommunistisch zu bezeichnen, wenn man nicht
    den Eindruck hätte, daß Konfuzius jetzt diese Politik mehr bestimme als Mao. Aber für Deutschland gilt, daß Patrioten sehr wohl die Theoriearbeit Linker positiv aufnehmen können und auch sollten, daß es aber in der
    Praxis keine Zusammenarbeit geben kann, da die Linke hier in erster Linie antideutsch ist und auf die traditionelle
    linke Kapitalismuskritik weitestgehend verzichtet, man hat sich versozialdemokratisiert. Es ist also unbedingt die theoretische Arbeit von der praktischen zu distinguieren. Eines muß aber dazu gesagt werden: Solange die Rechte in der Theorie so schwach ist wie jetzt, wird sie auch praktisch nicht erfolgreich sein können: Mut zur theoretischen Arbeit- mit der hat die Linke in Westeuropa auch ihre jetzige Vormachtstellung sich erarbeitet jetzt als Feminismus, Multikulturalismus und Genderismus…
    Uwe Lay

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    1. Winfried Knörzer hatte in diesem Forum vor ein paar Monaten einen Artikel zu einem ähnlichen Thema veröffentlicht. Seine Bedenken gegen die linksnationalen Träumer und Querfrontler, zu denen ich mich zähle, sind auf jeden ernst zu nehmen. Sie enthalten viel sachlich wertvolle Kritik.

      Zutreffend sind allerdings auch die Einwände, die Herr Lay formuliert, zuerst sollten einmal die Begriffe geklärt werden.

      Nationalisten sind niemals Nationalisten an sich. – Nationalliberal bin ich, wenn es um Meinungsfreiheit geht, gegen Denunzianten der „Kontakt-Verfolgung“ usw. Nationalkonservative treten für deutsche Familien und Traditionen, für Werte ein. Auch das ist richtig.

      Ein deutscher Nationalstaat läßt sich allerdings niemals wieder in einer „Volksgemeinschaft“ im Einklang mit der deutschen Bourgeoisie und deren Eigentumsverhältnissen erreichen, und das ist auch gut so. Das deutsche Großbürgertum braucht offene Grenzen für seine vier Freiheiten: freier Verkehr von Kapital, Waren, Dienstleistungen und Arbeitskräften.

      Insofern können zukunftsfeste Nationalisten nur Sozialrevolutionäre sein, oder sie verraten die deutsche Nation in gewünschter Zusammenarbeit mit denjenigen, die für Globalisierung, Kapitalexport, Einwanderung, Niedriglohnsektor usw. stehen.

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  2. Knörzer:

    „Falls eine solche Entwicklung ihren Ursprung in einem wie auch immer gearteten Linksnationalismus hatte, tritt die soziale Komponente in den Hintergrund, da alle politischen Energien sich im Streben nach nationaler Machtausdehnung konzentrieren. Dies trifft auf die Französische Revolution, den italienischen Faschismus und das heutige China zu.“

    Bedingt gilt dies auch für den deutschen „Nationalsozialismus“. Sicherlich war Hitler keine Linker, der sich nach rechts wandte, aber er ließ – taktisch bedingt – den Strasser-Flügel eine Zeit lang in der NSADAP gewähren, der mit der Harzburger Front und später bei der Niederschlagung 1934 des sogenannten Röhmputsch aussortiert wurde.

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  3. Knörzer:

    „Durch die Preisgabe einer originär sozialistischen Orientierung von seiten der Linken ist die Interessensvertretung der „kleinen Leute“ verwaist. In diese Lücke sind auch alle nationalen Parteien der BRD hineingestoßen und haben in diesem sozialen Segment auch ihre größten Erfolge erzielt. Sofern Nationalismus aber mehr war als der Stammtischpatriotismus von Honoratioren oder Vehikel zur Gewinnmaximierung der Rüstungsindustrie hat er sich immer als Interessensvertretung der Volksmassen unterhalb der herrschenden Schichten verstanden. Dazu bedurfte er nicht der Anbiederung an die parteiförmig organisierte Linke. “

    Dies trifft nur zum Teil zu. „Die dümmsten Bauern ernten die größten Kartoffeln“. Fällt mir da ein. Richtig ist, daß weite Teile der „Lifestyle-Linken“ (Wagenknecht) den Arbeiter-Klassenstandpunkt schon längst aufgegeben haben, aber ist deshalb die soziale Frage auf der deutschen Rechten unumstritten? Oder haben die rechten Parteien einfach nur vom Vakuum, das die Linken hinterlassen haben, ohne viel Zutun profitiert?

    Ja, die AfD hat einen sozialen Flügel um Höcke, der aber das soziale Programm, das Benedikt Kaiser in „Solidarischer Patriotismus“ ausbreitet, in dem auch moderat die Eigentumsfrage gestellt wird, nicht berücksichtigt. Forderung nach Vermögensteuer – Fehlanzeige, Erbschaftsteuer will die AfD abschaffen.

    Dem sozialen Flügel steht in der AfD ein neoliberaler um Meuthen gegenüber, und selbst der soziale Flügel gönnt sich eine Doppelspitze Czupalla und Weidel, wobei die letztere genauso neoliberal ist wie Meuthen, womit ja einer dezidiert sozialstaatlichen Ausrichtung gleich wieder die Spitze gebrochen wird. Eine sozialrevolutionäre Ausrichtung ist in der AfD völlig utopisch.

    Auch in der NPD halten sich sozialstaatliche Positionen mit konterrevolutionären im Stile der Freikorps die Waage.

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