Cowboys und Indianer… Chinesen auch. Über Empörungsakrobaten, Dauerbeleidigte und „rassistischen“ Sprachgebrauch

von Hans Wulsten

Cowboys und Indianer… Chinesen auch. Über Empörungsakrobaten, Dauerbeleidigte und „rassistischen“ Sprachgebrauch.

Meine Eltern waren ja so was von ungerecht, also ich meine verständnislos, also bar jeden Gefühls, was ein Cowboy wirklich braucht. Einen Meuchelpuffer nämlich, ein Schießeisen. Vermutlich waren sie frühe Gutmenschen, jedenfalls bekam ich zwar eine Cowboyausrüstung, so mit allem drum und dran, Hut, Weste, Stulpen, Gürtel, Holster, aber eben ohne Schießeisen.

Mein Vater hatte Lehren aus dem Krieg gezogen… es sollte NIE WIEDER geschossen werden, von seinem Erstgeborenen schon gar nicht. Aber, so fragte ich mich, was ist ein Cowboy ohne Knarre? Ein Nichts.

Also nahm ich Stöckchen, sägte mir dann mit der Laubsäge eine Knarre, alles ungenügender Ersatz, und tauschte meine Murmeln mit gleichaltrigen Kollegen, die ein Schießeisen hatte. Dann ging die Ballerei los. NEIN, ich bin nicht traumatisiert, ich habe meinen Eltern verziehen.

Mein jüngerer Bruder hatte eine Patentante, die kam aus den USA zurück und brachte was mit? Richtig, „echte“ Colts. 2 Stück. Mit Knallplätzchen. Und so ballerte mein Bruder rum und niemand sagte etwas, es war ja ein Geschenk der Patentante.

Dafür hatte ich dann eine Echtfeder-Indianerhaube, Ausgabe großer Häuptling, die Federn gingen bis zum Po. Na jedenfalls kämpften wir wie die Wahnsinnigen und schlachteten bevorzugt die Rothäute ab. Unsere Nachbarn wateten in Blut. Ich schwöre.

Hugh! Ich habe gesprochen.

Also waren wir ständig irgendwie verkleidet. Nicht nur zum Fasching, den man in Berlin sowieso nicht so feiert. Später übrigens auch als Chinesen, sogar mit Zopf. Und als wir uns begannen, für die Römer zu interessieren, lief ich tagelang in einer Toga umher. Ich wurde zu einem freien römischen Bürger. Leider ließ meine Lateinnote zu wünschen übrig. Aber das gehört nicht hierher.

Wir benutzten das ganze abfällige Vokabular für die verschiedenen Ethnien, ich wiederhole das jetzt nicht, sonst sperrt mich Mark Zuckerwatte. Als Erwachsener habe ich dann richtige Indianer besucht, und in Kanada hatten wir Nachbarn, die waren Mi’kmaq.

Und in unserer Zeit in Kentucky hatten wir Knarren, aber so richtig tolle, die pusteten einem Truthahn den Trut aus der Birne auf eine Distanz von 300 Metern.

Aber worauf ich hinaus will: Mit meiner humanistischen Grundhaltung kam ich nie auf die Idee, in meinem/unseren Sprachgebrauch Rassismus zu sehen. Und in unserer Verkleidung auch nicht. Im Gegenteil: Gerade mit einer ethnopluralistischen Einstellung ist man neugierig auf andere Kulturen. Was aber nicht heißt, daß meine Tochter einen Indianer, pardon Native, heiraten muß und eine Squaw werden soll.

Es bleibt den Empörungsakrobaten, gelangweilten Dauerbeleidigten und Laberfächerstudierten vorbehalten, in allem und jedem Rassismus zu sehen. Wir jedenfalls haben uns zum Beispiel bei den „Schlitzaugen“ 5 Monate lang sauwohl gefühlt. Und trotzdem rotzen wir nicht auf die Straße.

Nun ist das Cowboy- und Indianerspiel momentan leider out. Geballert wird am PC oder an der Spielekonsole. Die Luft ist da nicht ganz so frisch und man bekommt auch wesentlich weniger Bewegung. Auch habe ich nur Enkeltöchter und die haben es mit der Ballerei nicht so.

Ich würde ja gerne nochmal meine Toga anziehen. Leider bin ich rausgewachsen… in der Breite. Aber selbst wenn, sollte sich ein Italiener empören, sage ich ihm glatt:

Ihr heutigen Spaghettifres… ähm Italiener habt mit den Römern so wenig gemein, wie ein friesischer Ackergaul mit einem römischen Streitroß. (Doch – ich liebe Italien)

So, nun habe ich passende Fotos gesucht und auf die Eile nix gefunden. Nur meine Brüder, der eine als Chinese, der andere als Cowboy.

Hugh!

Zum ersten Mal erschienen am 19. März 2021 auf der FB-Seite von Hans Friedrich, https://www.facebook.com/hans.friedrich.12532

Wir danken Hans Wulsten für die Veröffentlichungsgenehmigung.

„Hans Wulsten stammt aus Berlin, war Unternehmer, hat die halbe Welt bereist, schöpft aus Erfahrungen, sieht sich als radikal-paläolibertär und in der Tradition der Österreichischen Schule. Wulsten ist seit 25 Jahren glücklich mit der Russin Svetlana verheiratet und hat mir ihr zwei Kinder. „

Unser Titelbild ist ein Gemälde von Frederic Remington (1861-1909)

Ein Kommentar zu “Cowboys und Indianer… Chinesen auch. Über Empörungsakrobaten, Dauerbeleidigte und „rassistischen“ Sprachgebrauch

  1. Ich denke, ein Autor wie Karl May hat mehr für die Völkerverständigung getan, als jede heutige Raffnase, die sich Politiker nennt .. Das Wort „Regieren“ enthält ja schon die „Gier“ ..

    Übrigens schöne Polemik. Bald verbieten sie uns noch den „schwarzen“ Humor .. LG Sven 😉

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