Schlesien heute – Spuren der deutschen Vergangenheit

Zeitschriftenkritik von Werner Olles

Schlesien heute – Spuren der deutschen Vergangenheit

Über deutsche Spuren in Breslau berichtet Marie Baumgarten in ihrem Beitrag „Unter dem Putz das deutsche Breslau – wachsendes Interesse an Spuren der Vergangenheit“ in der aktuellen Ausgabe (Nr. 270, 4/2021) der monatlich im 24. Jahrgang erscheinenden Zeitschrift „Schlesien heute“ (Untertitel „Mit Blick auf die östlichen Nachbarn“).

Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift „Schlesien heute“

War bis zur Wende 1989 in Polen noch alles Deutsche tabu und saßen die Ressentiments gegen den vermeintlich ewigen Feind tief, hat sich dies nun langsam geändert. Inzwischen entdecken junge Polen das deutsche Erbe ihres Landes neu, wie Maciej Wlazlo aus Breslau, ein Jurist, der jedoch im Herzen ein Künstler ist und mit seiner Fotokamera durch die Straßen Breslaus zieht, und sich für die jahrzehntelang tabuisierte Vergangenheit seiner Stadt interessiert. Tatsächlich erzählen die Fassaden der alten Bürgerhäuser noch immer davon, daß die niederschlesische Metropole einmal eine andere Nationalität hatte, eine deutsche. In der Odervorstadt, einem Kultviertel mit Galerien, Cafés und Restaurants findet er einige seiner Lieblingsmotive. Da das Viertel in Zweiten Weltkrieg kaum zerstört wurde, sind noch viele deutsche Aufschriften erhalten. Für Maciej sind sie eine faszinierende Erinnerung daran, wie aus der deutschen die polnische Stadt Breslau wurde und sich bei seiner Suche nach und nach eine andere Stadt, mehr und mehr weiße Flecken, die darauf warteten entdeckt und erzählt zu werden, vor seinen Augen enthüllten. Die Geschichte Breslaus ist über eintausend Jahre alt. Entstanden auf slawischem Gebiet, wird die Stadt bis zum Ende des 2.Weltkriegs von einer mehrheitlich deutschsprachigen Bevölkerung geprägt, ist aber zugleich Schmelztiegel vieler Kulturen und Religionen. Im Jahr 1945 wird Breslau gemäß dem Potsdamer Abkommen unter polnisch-kommunistische Verwaltung gestellt. Dann wird damit begonnen, alles Deutsche auszuradieren. Und in der Folge wird auch fast die gesamte deutsche Bevölkerung der Stadt vertrieben. Der starke Kolonialisierungsdrang nach dem Krieg verfälschte oder verschwieg die Geschichte Breslaus. Das soll sich nun ändern, sagt Maciej: „Wir haben angefangen, uns für diese Geschichte zu interessieren. Wir sollten uns dessen bewußt sein, daß in diesen Gebäuden einst andere Menschen gelebt haben. Wir sind die neuen Eigentümer, wir sollten die Identität dieser Stadt, ihr kulturelles Erbe und vor allem ihre Geschichte pflegen. Heute sind wir dafür verantwortlich“.

Schloss Fürstenstein um 1860, Sammlung Alexander Duncker

Über ein „Juwel im Waldeburger Land“, die alte Burg Fürstenstein, erzählt der Beitrag von Iza Liwacz. Die malerische Burgruine aus dem Ende des 18. Jahrhunderts stellt ein ausgezeichnetes Wanderziel für diejenigen dar, die es bevorzugen, allein wildromantische Landschaft zu erkunden und Stille zu finden. Gebaut von Hans-Heinrich IV. von Hochberg, empfing man auf der schloßartigen Burg illustre Gäste und veranstaltete Spiele. Schon im Jahr 1800 organisierte man auf dem Burggelände ein Turnier des schlesischen Adels zu Ehren des preußischen Königspaares, Friedrich Wilhelm III. und Königin Louise. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts trafen Touristen und Kurgäste aus dem benachbarten Bad Salzbrunn ein. Noch bis zum Zweiten Weltkrieg konnten sie im Erdgeschoß der Burg übernachten oder im Wirtshaus ihren Hunger stillen und die Sammlung der Familie von Hochberg besichtigen. Nach dem Einmarsch der Roten Armee 1945 ging die Burg in Flammen auf. Heute präsentiert sich die Anlage als eine romantische Burgruine, die zum Teil durch einen unter Naturschutz stehenden dunkelgrünen Efeu bewachsen wurde. Es sind stumme Zeugen einer nicht immer einfachen Geschichte des Landes. Dennoch macht die Anlage einen guten, gepflegten Eindruck.

Carl Ernst Morgenstern, Schneegruben und Veilchespitze, 1910
Carl Ernst Morgenstern, Schlingelbaude mit Schneekoppe, Ansichtskarte

Jürgen Karwelat schreibt über das Leben des Landschaftsmalers Karl Ernst Morgenstern, einem der bekanntesten Riesengebirgsmaler. Morgenstern war nicht nur bekannt wegen seiner Landschaftsgemälde, sondern vor allem dafür, daß er ab 1899 die Vorlagen für Ansichtskarten lieferte. Es war die Zeit des beginnenden Massentourismus. Das Riesengebirge und die Schneekoppe gehörten zu den bedeutendsten touristischen Zielen Preußens. Karl Morgenstern war nicht der erste und erst recht nicht der letzte Künstler, der von der eigentümlichen, die Seele berührenden Landschaft im Hirschberger Tal beeindruckt war. Zu den bekanntesten zählte der berühmte Landschaftsmaler der Romantik, der aus Greifswald stammende Caspar David Friedrich. Hunderte von Künstlern hat das Riesengebirge fasziniert und zu vielfältigen Werken inspiriert. Im „Morgenstern-Haus“ in Krummhübel wird die Erinnerung an den Namensgeber wachgehalten. Auf einer Informationstafel hat die Gemeinde hervorgehoben, daß die von Morgenstern gestalteten Postkarten weite Verbreitung erzielten, und er wird als der „König der Postkarten“ bezeichnet.

Kontakt: Senfkorn Verlag Alfred Theisen, Brüderstr. 13, 02826 Görlitz. Das Einzelheft kostet 4 Euro, das Jahrsabo 45 Euro. www.schlesien-heute.de

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Werner Olles

Werner Olles

Werner Olles, Jahrgang 1942, war bis Anfang der 1980er Jahre in verschiedenen Organisationen der Neuen Linken (SDS, Rote Panther, Jusos) politisch aktiv. Nach grundsätzlichen Differenzen mit der Linken Konversion zum Konservativismus und traditionalistischen Katholizismus sowie rege publizistische Tätigkeit in Zeitungen und Zeitschriften dieses Spektrums. Bis zu seiner Pensionierung Angestellter in der Bibliothek einer Fachhochschule, seither freier Publizist.

Autor der Bücher:

Grenzgänger des Geistes. Vergessene, verkannte und verfemte Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.

Feindberührungen – Wider den linken Totalitarismus!

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