Diabolischer Ökologismus – Die Linke und die Ökologie

von Dr. Winfried Knörzer

Diabolischer Ökologismus – Die Linke und die Ökologie

Den Verlust der Diskurshoheit über die Ökologie zugelassen zu haben, muß als ein schwerer Fehler der Rechten/des Konservativismus bewertet werden. Schlimm ist es zum einen, weil die Ökologie zum originären Kernbestand rechter Weltanschauung gehört: Bewahrung des Eigenen und Ursprünglichen, Einklang mit der natürlichen Wirklichkeit, Skepsis gegenüber Fortschritt und dem Primat des Ökonomischen. Schlimm ist es zum anderen, weil die Ökologie seit Ende 70er Jahre in zunehmenden Maße zu einem zentralen Thema der Politik aufgerückt ist und man sich ohne Not der Mittel begeben hat, um in der diesbezüglichen politischen Auseinandersetzungen mitreden zu können. Man mag nun, was sicherlich großenteils zutrifft, einwenden, daß die Rechte bereits zum damaligen Zeitpunkt zu marginalisiert war, um hierbei überhaupt gestaltend einwirken zu können. Das ändert aber nichts an der Tasache, einen Fehler begangen zu haben. Vergrößert wird dieser Fehler nachträglich noch durch das Versäumnis, darüber nachzudenken, was die Okkupation der Ökologie durch die Linke eigentlich bedeutet.

Ansätze für eine ökologische Neuorientierung der Rechten und Konservativen: Ausstieg aus dem Wettlauf des Immer-Mehr!

Schutz der Umwelt, eine langfristige, auf die Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen gerichtete Zukunftsperspektive, Ausstieg aus dem Wettlauf des Immer-Mehr, statt dessen Bereitschaft zur Askese und Bescheidenheit: welcher wirklich Konservative kann diesen Zielen widersprechen? Was ist daran falsch, wenn die Linke das verwirklicht, was die Rechte unterlassen hat? Ich traue der Linken nichts Gutes zu. Sie ist eine diabolische Macht, die alles verdreht, verfälscht und vergiftet, was sie in die Hände bekommt. Darum ist zu fragen: worin besteht die Falschheit der linken Ökologie?

Beginnen wir mit einem geschichtlichem Rückblick. Die Hoffnungen der rebellierenden Studenten auf eine baldige Revolution hatten sich nicht erfüllt, was Anfang der 70er Jahre allmählich den meisten bewußt wurde. Die Arbeiter hatten dem Werben der akademischen Revolutionäre die kalte Schulter gezeigt. Die Szene war zum kleineren Teil zersplittert in Theoriezirkel und marxistisch-leninistische Sekten, die sich gegenseitig befehdeten. Die Mehrheit freilich begeisterte sich weder für den Kommunismus sowjetischer noch chinesischer Prägung, sondern hing einer etwas nebulösen Mischung von Sozialismus, Anarchismus und Radikaldemokratismus an, die vom Mörtel eines lebensweltlichen Linkssein­gefühls zusammengehalten wurde. Man nannte dies „undogmatisch“. Praktisch lief dies auf das Bestreben hinaus, irgendetwas links von der SPD machen zu wollen. Die Chance zur Umsetzung dieses Projekts bot sich mit der Parteigründung der Grünen an. Auf den ersten Blick erschien diese Partei keineswegs als Kandidat einer Liebesheirat, weil ganz zu Anfang noch echte Konservative wie Herbert Gruhl und Baldur Springmann den Ton angaben. Doch einerseits hatten die Erfahrungen in der Friedens-, Frauen- und Umweltbewegung, die damals rasch zu beträchtlicher Größe angewachsen waren und mit eindrucksvollen Aktionen auf sich aufmerksam machten, gezeigt, welche Vorteile es mit sich bringt, den revolutionären touch ein wenig zurückzunehmen, um dadurch anschlußfähig zu werden für die Welt der „Normalbürger“ außerhalb des linksextremen Ghettos und so endlich die sehnlichst benötigte „Massenbasis“ zu finden. Andererseits wußte man dank der vorangegangen Kaderarbeit um die Vorteile von Organisation. Nur Institutionalisierung kann einer Bewegung Dauer und politische Schlagkraft verleihen. Darum war es sinnvoll, die noch kleine Schaluppe der Grünen zu kapern und sie in ein mächtiges Linienschiff umzubauen, auf dem man selbst das Kommando führt.

Die Konterbande in Form des Themas Ökologie, die den Linken bei diesem Beutezug unversehens in die Hände fiel, entsprach nicht deren Herzensanliegen. Aber genauso wie Piraten, die erbeutete Seidenstoffe und Gewürze nicht selbst gebrauchen können, verstanden sie es, mit diesem Pfund zu wuchern. Sie errangen mit einem Schlag die Meinungs­führerschaft über ein Thema, das immer wichtiger werden sollte, wobei dessen Wichtigkeit durch eigenes propagandistisches Zutun noch gesteigert wurde, und damit auch Macht. Machtbesitz als solcher, gleich worauf er beruht, ist politisch immer wertvoll, weil man vom Brückenkopf einer einmal errungenen Machtposition aus, seine Macht ausdehnen kann. Des weiteren sollte es auch keine Schwierigkeit bereiten, den Kampf gegen Kernkraftwerke und Umweltverschmutzung in den Dienst einer gegen den Kapitalismus und das herrschende System gerichteten Politik zu stellen, indem die ökologische Problematik als Folge rücksichtsloser Kapitalverwertungsinteressen interpretiert wurde.

Man hatte kein originäres Interesse an der Ökologie, auch wenn man sich allmählich damit identifizierte, wie dies auch jeder Amtsinhaber tut, wenn er mit einer ihn eigentlich nicht interessierenden Aufgabe betraut wird. Man verstand aber die Ökologie als Mittel zu gebrauchen, um den eigentlich interessierenden politischen Zweck zu befördern. Mit dieser Instrumentalisierung des Ökologischen haben wir den ersten markanten Unterschied zur originären Naturverbundenheit des Konservativismus herausgefunden.

Nähern wir uns nun der Gegenwart. Worin besteht linke ökologische Politik? Sie besteht aus Verordnungen, Grenzwerten, Verboten, Warnungen, Verzichtsappellen. Sie ist rein negativ ausgerichtet. Man soll auf Autos, Flugreisen, Fleisch und sonstige Annehmlichkeiten verzichten, weil ein Weitermachen wie bisher zur großen Katastrophe, zum Untergang der Menschheit führen wird. Warum soll man all das preisgeben, nur weil fragwürdige Hochrechnungen eine solche Zukunft, die aber immer ungewiß sein wird, voraussagen? Es wird kein positives, erstrebenswertes Zukunftsbild eines mit der Natur versöhnten Daseins angeboten. Dazu bedürfte es im Grunde nicht viel: die Waldwanderung, der Ausritt, die Arbeit im Garten, die Kirschblüte, das Flattern eines Schmetterlings. Aber das ist zu kitschig, zu spießig oder mit einer Floskel aus jüngster Vergangenheit: zu affirmativ. Es wird immer nur die Hölle in den düstersten Farben ausgemalt, aber nie das Paradies gezeigt. Was sollte einen daran hindern, das Leben jetzt zu genießen und nach uns die Sintflut kommen zu lassen, wenn die Zukunft eh nur ein durchrationiertes Minimalleben in grauer, freudloser Ödnis bereithält? Die Unfähigkeit, ein positives Zukunftsbild zu entwerfen, hat zwei Gründe. Der erste Grund besteht in Vorherrschaft abstrakten Denkens, das nicht in der Lage ist, etwas konkret Bildhaftes sich vorzustellen. Die linken Ökologen entstammen urbanen Milieus. Sie kennen die Natur nicht und können sie daher auch nicht lieben. Was sie mit der Natur verwechseln, sind Tabellen mit Zahlenangaben zur Umwelt. Dieser technizistisch-intellektualistische Zugriff führt auch zur maßlosen Überschätzung des Faktors Kohlendioxid und damit auch zur fernen und abstrakten Gefahr der Klimaerwärmung, weil diese rational faßbar ist. Dagegen wird die ganz reale, unmittelbar sinnfällige Natur­zer­störung übersehen: Das Artensterben, die Zersiedelung, Asphaltierung, Vernutzung der Landschaft, eine gerade auch widersinnigerweise ökologisch motivierte Vernutzung in Form von fatalen Bioenergiemonokulturen und Windrädern, die nicht nur häßlich sind, sondern auch Insekten und Vögel töten. Der zweite Grund ist ein politisch-(pseudo)re­ligiöser. Man haßt und verachtet die Welt, so wie sie ist. Weltekel kann sowohl in ein passives, weltabgewandtes Eremitentum münden, als auch in eine aktivistische eschatologische Aufstandsbewegung. Da Ökologie politisch codiert ist, kommt nur die zweite Möglichkeit in Betracht. Man ist weder in der Lage, die ökologische Problematik in ihrer Komplexität zu begreifen, noch willens, an konstruktiven Lösungen mitzuwirken, die ein Minimum an Verzicht und ein Maximum naturnaher Lebensgestaltung beinhalten, aber man hat die Macht, andere zu drangsalieren, ihnen den eigenen Willen aufzuzwingen und mit der Zerstörung des Bestehenden zu drohen. Welch Triumph des Machtgefühls ist es, die ach so stolze Autoindustrie auf ihrem Canossagang vor einem auf den Knien rutschend zu sehen, demütig um Gnade flehend!

Dr. Winfried Knörzer

Dr. Winfried Knörzer, geboren 1958 in Leipzig, studierte in Tübingen Philosophie, Germanistik, Medienwissenschaften, Japanologie und promovierte über ein Thema aus der Geschichte der Psychoanalyse. Berufliche Tätigkeiten: Verlagslektor, EDV-Fachmann. Seit Anfang der 90er Jahre ist er mit Unterbrechungen publizistisch aktiv.

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