Autonomie für die Afrikaanse Nation! Ein Superethnos in Südafrika

Der Ethnologe Dr. Christian Böttger im Interview

Autonomie für die Afrikaanse Nation! Ein Superethnos in Südafrika

Im Oktober 2020 erschien das Buch: „Autonomie für die Afrikaanse Nation! Ein Superethnos in Südafrika“. Der Verfasser ist Dr. Christian Böttgers, ein Ethnologe aus Berlin, der im Lindenbaum Verlag bereits 2014 mit „Ethnos“ ein Buch über den Volksbegriff veröffentlicht hat. Im Interview mit unserer Internetzeitschrift erklärt der Autor, was es nun mit seinem neuen Buch auf sich hat.

Wir selbst: Wie sind Sie eigentlich auf die Idee gekommen, ein Buch ausgerechnet über das südliche Afrika zu schreiben? Das ist doch sehr ungewöhnlich, wenn man nicht gerade über familiäre Beziehungen nach Südafrika verfügt.

Tja, auch das ist eine sehr, sehr lange Geschichte. Wer glaubt, ich hätte mit dem hier vorliegenden Werk mal soeben ein Buch über Südafrika zusammengezimmert, der irrt. Inspirationen und Vorarbeiten dazu liegen teilweise Jahrzehnte zurück. Wie ein roter Faden durchzog fast mein ganzes Leben das Interesse am südlichen Afrika. Das erschien mir im Nachhinein manchmal wie geistige Führung.

Den ersten Impuls dazu erhielt ich ca. um 1970. Damals entdeckte ich in den Unterlagen meines Großvaters Aufzeichnungen über das Missionswesen in Deutsch-Südwestafrika, sorgfältig in Sütterlin verfaßt, die wohl noch aus seiner Studentenzeit stammten. Bei meinem Großvater handelte es sich um Kurt Rietzsch (1884 – 1957), jenem legendären evangelisch-lutherischen Pfarrer von Hohenstein-Ernstthal (bei Chemnitz), der sich u. a. nebenberuflich als Mitarbeiter beim Karl-May-Verlag einen Namen gemacht hat. Als Pfarrer der Bekennenden Kirche war er oft Vorladungen der Gestapo ausgesetzt und galt als Antifaschist. Dabei war er durchaus national-liberal orientiert. Ich war drei Jahre als er starb, kann mich aber noch genau an ihn erinnern, auch wenn ich die Details erst durch meine Mutter erfahren habe.

In dieser besagten Schrift meines Großvaters lernte ich zum ersten Mal den Begriff „Heu auf dem Halm“ kennen, denn die dortigen Eingeborenen und Farmer ernten kein Heu für die winterliche Trockenzeit, sondern lassen die Tiere im Winter das vertrocknete „Heu auf dem Halm“ fressen.

Sofort nahm ich einen alten Atlas zur Hand und suchte unsere ehemalige Kolonie Südwestafrika auf. Ich staunte nicht schlecht, hier eine Fülle deutscher Ortsnamen zu finden, wie Lüderitz, Swakopmund, Warmbad, Mariental, Salzbrunn, Seeheim, Hornkranz usw. Ich war ein typischer DDR-Teenager und es handelte sich gerade um jene Zeit, als im „West-Fernsehen“ eine unendliche Zahl von amerikanischen Western lief. Ich stellte mir sofort vor, Südwestafrika muß unser „Wilder Westen“, unser „Wilder Südwesten“, gewesen sein. Südwestafrika wurde damals von Südafrika verwaltet und galt als die 5. Provinz des Burenstaates. Was lag also näher, als über Informationen aus Südafrika an solche aus dem damaligen Südwestafrika heranzukommen. Zuerst interessierte mich nur, was aus den Deutschen geworden war, die in der Kaiserzeit dahin ausgewandert sind.

Irgendwann hörte ich von einem Kurzwellensender, der damals aus Südafrika mit einem deutschsprachigen Programm nach Mitteleuropa ausstrahlte. Und tatsächlich – ich fand ihn. Im 19-Meter-Band sendete Radio RSA, die Stimme Südafrikas aus Johannesburg, mit seinem markanten Bokmakiri-Gezwitscher im Pausenzeichen. Hier fand ich natürlich die Sendungen über Südwestafrika, die ich suchte: Brief aus Windhoek von und mit Kurt Dahlmann, Südwester Leute gestern und heute von Lisa Kunze usw. Unvergessen bleibt die damalige Chef-Sprecherin Elvira Widmann mit ihrer ausdrucksvollen Sprechweise und ihrem leichten österreichischen Akzent. Ich besitze heute noch Tondokumente davon und habe mir schon überlegt, ob ich nicht etwas davon digitalisiere und in YouTube einstellen sollte. Eine Unzahl interessanter Programme informierte über Land und Leute von Süd- und Südwestafrika und auch zwei Afrikaans-Sprachkurse gab es da, die bei dem oft schlechten Empfang schwer zu verstehen waren. Fast jeden Abend von 19. – 20.00 Uhr hing ich also am Radio – eine Brücke zu einer für uns DDR-Bürger damals unerreichbaren westlichen Welt.

Wir selbst: Hatte der auch in Namibia bekannte Sender nicht auch hauptsächlich eine propagandistische Aufgabe, indem er die Politik der Apartheid rechtfertigen sollte?

Natürlich versuchte der Sender auch die damalige Regierungspolitik unter Johannes Balthazar Vorster an den Mann zu bringen. Die Rassenkonflikte wurden aus den Unterschieden der Kulturen und der Unvereinbarkeit ihrer kulturellen Werte erklärt. Als Lösung dieses Problems propagierte der Sender die „Politik der getrennten Entwicklung“ für die verschiedenen Volksgruppen. Eine solche Auffassung nannte man damals bereits „Kulturalismus“ und bald schon wurde eine solche Sichtweise von linken Ideologen als „kultureller Rassismus“ gebrandmarkt. An die Stelle einer kulturpsychologischen Analyse orientierten die sog. „antiimperialistischen Kräfte“ auf eine politische und historische Gesellschaftsanalyse und verwiesen auf die sozialökonomischen Wurzeln des Rassismus.

Daß dieser „Antiimperialismus“ im Ost-West-Konflikt Schlagseite hatte, also einseitig war und nicht die Widerspieglung der Wirklichkeit darstellte, war mir damals bereits völlig klar. Es waren ja keineswegs alle Argumente dieses Kulturalismus aus der Luft gegriffen, wie es linke Ideologen in Ost und West gerne glauben machen wollten. Daß es zwangsläufig zu Konflikten kommen muß, wenn in einem Land Erste und Dritte Welt aufeinanderprallen, leuchtete mir durchaus ein. Diese Fragen begannen mich brennend zu interessieren und ich wollte ihnen auf den Grund gehen. Die Motive für mein Ethnographiestudium ab 1983 haben hier ihre tieferen Wurzeln. Daß ich heute Ethnologe und Volkskundler bin, verdanke ich also zu einem guten Teil auch der Auseinandersetzung mir Radio RSA.

Wir selbst: Ihr Spezialgebiet im Studium war aber Deutsche Volkskunde. Konnten Sie denn diese Kenntnisse für ihr Interesse an Südafrika überhaupt nutzen?

Aber sicher. Obwohl ich mich schon frühzeitig für die ethnographische Fachrichtung Volkskunde entschieden hatte, interessierten mich ganz besonders theoretische Fragen zum Ethnos, auch um entsprechende Erkenntnisse auf Südafrika anwenden zu können. Im Studienfach Ethnographie Afrikas übernahm ich zahlreiche Vorträge zur Geschichte und Kultur der südafrikanischen Völker von denen ich auch bei dem hier vorliegenden Buch profitieren konnte.

Während der friedlichen Revolution in der ehemaligen DDR mußten die Interessen für das südliche Afrika natürlich zurücktreten. Anderes trat jetzt in den Vordergrund. Existenzielle Fragen begannen Gestalt anzunehmen. Der Kampf um die Wiedervereinigung Deutschlands entbrannte. Dennoch nahm ich in dieser Zeit Kontakt zur südafrikanischen Botschaft in Bonn auf, um mir umfangreiches Informationsmaterial über Südafrika schicken zu lassen. Radio RSA spielte keine Rolle mehr und stellte 1992 seine Sendungen ein. Leider habe ich die letzte Sendung nicht mehr mitbekommen.

Wir selbst: In der Zwischenzeit hatte sich auch im südlichen Afrika eine politische Wende vollzogen. Was haben Sie dabei empfunden?

Mir war sofort klar, daß nach dieser politischen Wende in Südafrika die neuen Regierungen von SWAPO und ANC ihre Staaten nach zentralistischen Gesichtspunkten aufbauen würden. Hier wurde eine große Chance vertan. Die Befreiungsbewegungen des südlichen Afrikas waren von ihren kommunistischen Lehrern auf Machterwerb und -erhalt trainiert worden. Das kann nur der zentralistisch geführte Staat leisten. Das kannte ich schon aus der DDR. Aber ausgerechnet von Lenins Nationalitätenpolitik mit ihren Autonomierechten für die einzelnen Volksgruppen hat man nichts übernommen. Man braucht sich da nur die völlig unorganische Gebietseinteilung in Namibia mit ihren künstlichen Regionen ansehen, die sogar das Rehobother Gebiet zerschneiden.

Wir selbst: Und dennoch haben Sie ja irgendwann wieder ein Interesse an Südafrika entdeckt, oder neu entdeckt?

Ja. Der Beschluß der FIFA, die Fußballweltmeisterschaft 2010 nach Südafrika zu vergeben, fiel bereits 2004. Südafrika geriet wieder stärker ins Blickfeld des allgemeinen, aber auch meines Interesses. Im Vorfeld der Fußball-WM erarbeitete ich für einen Interessentenkreis einen Vortrag zur Geschichte Südafrikas, dessen Kern heute das Zweite Kapitel meines Buches bildet. Inzwischen hatte auch ich Internet und konnte mir selbst ein Urteil bilden. Auf YouTube lernte ich den südafrikanischen identitären Sänger Bok van Blerk kennen und versuchte seine Lieder zu übersetzen. Daraus entwickelte sich schließlich ein kleiner afrikaanser Sprachkurs – learning by teaching. Ich besorgte mir dazu einen Sprachführer und aus Südafrika ein großes, dickes Wörterbuch.

Ethnos – Der Nebel um den Volksbegriff

2014 erschien mein Buch Ethnos. Mir war klar, daß das nächste Projekt nur das südafrikanische Thema sein könnte. Vorarbeiten dazu hatte ich ja schon. Aber mir fehlte noch die zündende Idee. Da kam mir wieder der „Zufall“ zu Hilfe. Am 5. Juni 2015 berichtete das afrikaanssprachige Nachrichtenportal Netwerk 24 darüber, daß auf der Webseite des beliebten südafrikanischen Liedermachers Bok van Blerk sein neues Musikvideo mit dem Titel “Sing Afrikaner Sing” veröffentlicht wurde. In diesem neuen Lied wurde der Begriff „Afrikaner“ erstmalig in einer Form präsentiert, wie man das im Land am Hoffnungskap so noch nicht erleben konnte. Der Begriff „Afrikaner“ war eigentlich immer eine Selbstbezeichnung der Buren, wird aber in diesem Video wesentlich umfassender verstanden. Alle knapp 7 Millionen Menschen Südafrikas, die Afrikaans zur Muttersprache haben und die die Mehrheit in den Provinzen Westkap und Nordkap ausmachen, werden mit diesem Lied angesprochen. Die Mehrheit jener Menschen, die Afrikaans als Muttersprache haben, sind aber gar nicht weiß, denn Afrikaans ist nicht einfach die Sprache der Buren, wie man es sooft hört. Die Mehrheit der Afrikaanssprachigen sind heute die Bruinmense, was auf Afrikaans braune Menschen bedeutet und ganz verschiedene Volksgruppen umfaßt. Dieser Terminus beginnt sich gegenüber dem Begriff „Coloured People“ als Selbstbezeichnung der afrikaansen Farbigen immer mehr durchzusetzen.

Wir selbst: Und Sie haben zu diesem Lied jetzt praktisch das dazu passende Buch geschrieben?

Ja sozusagen. Aber es geht im Kern doch um die Frage, was die Gesamtheit der afrikaanssprachigen Völker eigentlich darstellt. Schließlich gliedern sich die Afrikaanssprecher in verschiedene Ethnien bzw. Subethnien auf. Handelt es sich dabei um eine Nation? Dazu fehlt noch ein ausgeprägtes gemeinsames Nationalbewußtsein, das dem ethnischen Selbstbewußtsein dieser verschiedenen Ethnien und Subethnien übergeordnet sein müßte. Diese durch verschiedene Faktoren behinderte Nationsbildung beruht auch nicht auf einer gemeinsamen einheitlichen Abstammung, die ja häufig mit dem Nationalbewußtsein einhergeht. Um den Prozeßcharakter der Nationsbildung deutlich zu machen, mußte ein anderer Begriff für die Afrikaanssprecher gefunden werden. Im Buch wird von mir dazu der Begriff „Superethnos“ zur Diskussion gestellt.

Wir selbst: Wie kommen Sie denn auf so einen eigenartigen Begriff? Das erweckt Assoziationen zu „Superman“ und hört sich deshalb etwas ulkig an.

Der Begriff stammt aus der Ethnos-Theorie des 1992 verstorbenen russischen Ethnologen Lew Gumiljow. Damit beschreibt dieser eine mehrere Ethnien übergreifende Ganzheit, die rein äußerlich betrachtet als „Kulturgemeinschaft“ in Erscheinung tritt, tatsächlich aber durch ein gemeinsames Verhaltensstereotyp gekennzeichnet ist. Das Frankenreich Karls des Großen ist für ihn eine solche Einheit, überhaupt das christliche Abendland des Mittelalters, oder die islamische Welt.

Die Ethnogeneselehre Gumiljows dabei mit einzubeziehen ergab sich schon allein aus der Tatsache, daß in Südafrika die Bedeutung der von ihm hervorgehobenen geographischen Faktoren geradezu ins Auge springt. Ein Blick auf die verschiedenen thematischen Karten Südafrikas läßt das deutlich werden. Es war die 400-mm-Niederschlagsgrenze, die im vorkolonialen Südafrika auch die Grenze zwischen Bantu- und Khoisanvölkern gezogen hat. Sie hat Südafrika in eine südwestliche und eine nordöstliche Landeshälfte geteilt. Während die alteingesessenen Stämme der Khoi (Hottentotten) in der südwestlichen Landeshälfte lediglich Viehzucht betrieben, pflegten die eingewanderten Bantu-Stämme in der nordöstlichen Landeshälfte den Anbau von Hirse und Mais. Dieser erfordert aber mindestens 400 mm reine Sommerniederschläge. Treten die Niederschläge ganzjährig auf, wie etwa an der Südküste, funktioniert ein solcher Feldbau nicht. Die Niederschlagsgrenze bildete so eine natürliche Barriere für die Viehzucht und Feldbau (Hirse, Mais) treibenden Bantu. Heute gibt es aber fast keine reinen Khoi in unvermischter Form mehr in Südafrika. Es sind jetzt die Afrikaanssprecher, die den Bantuvölkern gegenüberstehen. Doch allein das Vorhandensein einer Sprachgemeinschaft sagt noch nicht viel aus. Die Volksgruppen, die heute mehr oder weniger zufällig Afrikaans sprechen, bilden keine bloße Addition. Da muß also mehr sein, was sie verbindet und eine Autonomieforderung für diese Völker begründet.

Die vorherrschenden Sprachen Südafrikas

Wir selbst: Und was begründet nun diese von Ihnen aufgestellte Autonomieforderung? Wie würden Sie den Kerngedanken Ihres Buches zusammenfassen, welchen Erkenntnisse kann der Leser daraus gewinnen?

Der Kerngedanke dieses Buches ist der südafrikanische Dualismus. Dieser „Dualismus“ ist eben nicht mit dem Gegensatz von Schwarz und Weiß zu verwechseln, sondern viel komplexerer Natur. Heute stellt sich diese Zweigliedrigkeit als Dualismus zweier historisch entstandener überethnischer Ganzheitssysteme dar. Ganz grob betrachtet ist der ganze Subkontinent nämlich zweigeteilt und das hinsichtlich des Klimas, der Landschaft, der Vegetationstopographie, der Geschichte, der Sprache und Kultur, des Verhaltensstereotyps und schließlich der politischen Präferenz. Und da haben wir auch schon fast alle Elemente der Systeme, denn bei diesem Dualismus handelt es sich nicht nur um eine Zweigliedrigkeit, sondern um komplexe Systeme, deren jeweilige Elemente sich wechselseitig bedingen. Diese Systeme erschließen sich vielleicht noch am ehesten dem kartenkundigen Geographen, der über einen gewissen Überblick über den ganz verschiedenen Stoff verfügt. Sie sind zu vergleichen mit zwei verschiedenen Mosaikbildern, deren Konturen sich erst aus einem gewissen Abstand offenbaren. Die dem Buch beigefügten Karten werden das verdeutlichen. Und da haben wir bei diesen Systemen genau das, was Gumiljow mit dem Begriff der Superethnien beschreibt. Doch diese Überethnien sind u. a. aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte einen speziellen Weg gegangen. Sie haben keine Großkulturen mehr herausgebildet, sondern sich über komplizierte Ethnogeneseprozesse im 18. Und 19. Jh. getrennt auf den Weg zur Nationsbildung begeben.

Wir selbst: Genau das wird jetzt interessant, denn im Klappentext zum Buch kann man lesen, daß sich Ihr Buch als Kampfansage gegen die konstruktivistische Ideologie versteht, die keine Völker und Nationen mehr kennt. Ist das nicht etwas dick aufgetragen?

Nein durchaus nicht. Anstelle einer Ethnogeneseforschung hat sich nämlich in der gesamten westlichen Welt und zwar nur dort, der sog. Konstruktivismus durchgesetzt. Der Konstruktivismus geht davon aus, daß die Völker nicht einfach vorgefunden werden, sondern das Ergebnis eines Erfindens sind. Gerade aber anhand er südafrikanischen Völker, deren Ethnogenese sich erst recht spät und für uns heute gut nachprüfbar vollzogen hat, läßt sich ziemlich erfolgreich belegen, daß diese Auffassung von Völkern als „Erfindungen“ unwissenschaftlicher Nonsens ist. Der Konstruktivismus arbeitet hier subjektivistisch und damit selektiv. Er erfaßt nie das gesamte Phänomen. Er sieht den Volksbegriff nur ideologiekritisch unter dem Aspekt seiner Instrumentalisierung. Damit wird die objektive Seite völlig ausgeklammert. Forschungen zur Ethnogenese finden demzufolge nicht mehr statt. Das habe ich geändert.

Wir selbst: Könnte nicht auch die Gefahr bestehen, daß Sie mit Ihrem Buch die territoriale Integrität Namibias infrage stellen, denn Sie ordnen Teile der Bevölkerung Namibias der afrikaansen Nation zu?

Nein, dieser Zug ist spätestens 1990 abgefahren. Es gibt einen grundsätzlichen Unterschied zwischen Südafrika und Namibia und der besteht in ihren jeweiligen Verfassungen. In Südafrika gibt es einen Verfassungsartikel, ich glaube es ist 235, der jeder Gemeinschaft mit einem gemeinsamen sprachlichen und kulturellen Erbe das Recht auf Selbstbestimmung in einer bestimmten Region zubilligt. So etwas gibt es in Namibia nicht. In Namibia muß es darum gehen, die Stellung von Afrikaans in der Gesamtgesellschaft zu festigen und die unsinnige Aufteilung des Rehobother Gebietes auf zwei Regionen rückgängig zu machen. Internationaler Druck ist allerdings auch nötig, um die Rückgabe des enteigneten Kommunaleigentums zu erwirken. Es war grundbuchlich auf die frühere Rehobother Homelandregierung eingetragen und wurde aus ideologischen Gründen 1990 enteignet und verstaatlicht.

Wir selbst: Herr Dr. Böttger, wie bedanken uns für das Gespräch!

Titelbild: Charles Davidson Bell, Jan van Riebeecks Ankunft am Kap.

Bücher von Dr. Christian Böttger:

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