Die Zerstörung Dresdens durch alliierte Bomberverbände vor 75 Jahren

von Bert Wawrzinek

Zum 13. Februar 2020:

Erinnerung an Gottfried Benndorf (1894-1945)

Am 13. Februar 2020 jährt sich die Zerstörung der sächsischen Landeshauptstadt durch alliierte Bomberverbände zum 75. Mal. Dresden wurde Sinnbild einer europäischen Katastrophe, bei der zehntausende Menschen starben, unersetzliche Kunstschätze und mehr als 12 000 Gebäude zerstört wurden. Während das Leid der Dresdner Zivilbevölkerung nach Jahren der Umdeutung zunehmend in den Hintergrund gerät, wird erbittert um das „richtige“ Gedenken gestritten. Kaum Erwähnung finden dabei jene stillen Helden, die inmitten des Feuersturms ihren Mitmenschen zu Hilfe eilten und dabei selbst den Tod fanden: Feuerwehrleute, Luftschutzmelder, Krankenschwestern; Pflichtmenschen, die das ihnen Anvertraute zu schützen suchten, wie der Bibliothekar Gottfried Benndorf.

Dr. Gottfried Benndorf (1894-1945)

Am 12. April 1894 in Roitzschen bei Meißen geboren, besuchte der Sohn eines Eisenbahnbeamten die 9. Dresdner Bürgerschule und das König-Georg-Gymnasium, wo er 1913 das Abitur ablegte. Anschließend studierte Benndorf an der Leipziger Universität Germanistik, Geschichte und Geographie und promovierte 1918 mit einer Arbeit über den kolonialen Verkehr Deutsch-Ostafrikas zum Dr. phil. Die angestrebte Lehrertätigkeit blieb ihm durch eine Kehlkopferkrankung verwehrt. Als Assistent am Historischen Seminar in Leipzig hatte er eine Affinität zur Bibliotheksarbeit entwickelt und sich an der Sächsischen Landesbibliothek (SLB) in Dresden beworben. Als eine der ältesten deutschen Büchereien war diese wesentlich aus der kurfürstlichen Bibliothek hervorgegangen, welche von 1786 an im Japanischen Palais in Dresdens Innerer Neustadt untergebracht war.

Das Japanische Palais in der Dresdner Innenstadt, Foto: Archiv B. Wawrzinek

Benndorf begann seine Laufbahn 1919 als Volontär, wurde 1924 zum wissenschaftlichen Hilfsarbeiter ernannt und im April 1927 Landesbibliothekar. Bereits im Vorjahr fand er als Vorstand der Kartensammlung Erwähnung, die auch später seine Hauptaufgabe blieb. Unter Benndorfs Leitung kaufte die SLB etwa 250 Karten – meist Saxonica – aus der aufgelösten Sekundogeniturbibliothek des vormaligen Königshauses. Deren Bibliothekarin Helene Richter wurde 1929 Benndorfs Ehefrau. In der Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945 teilt das Japanische Palais das Schicksal der Dresdner Innenstadt. Nachdem der Dachstuhl Feuer gefangen hatte, gehörte Benndorf zu den vier Bibliotheksangehörigen, die bei den Löscharbeiten ums Leben kamen. Erst nach einem Jahr, am 9. Mai 1946, konnten ihre sterblichen Überreste – „Knochen und Knochenkalk“ – gefunden werden. Helene Benndorf hat ihren Mann noch identifizieren können, der in Radebeul seine letzte Ruhe fand.

Bert Wawrzinek

Bert Wawrzinek wurde 1959 in Leipzig geboren und lebt heute im Stolpener Land. Im ersten Leben Rockmusiker, betreibt er im 30. Jahr das Historica Antiquariat im Dresdner Barockviertel und ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen zu Themen sächsischer Geschichte und Kultur.

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