Manuel Neuer, Marko Perković und die Schönheit Kroatiens

von Gerald Haertel

Manuel Neuer, Marko Perković und die Schönheit Kroatiens

Wer die letzten Wochen in die bundesdeutschen Gazetten schaute, ob nun BILD, taz oder Spiegel, der konnte etwas ganz Erschröckliches vernehmen. Manuel Neuer, seines Zeichens Weltklassetorhüter des FC Bayern Münchens und der BRD-(National-) Mannschaft, soll während seines Kroatien-Urlaubes lautstark mit kroatischen Freunden ein Lied einer„rechtsextremen Band“ gegröhlt haben.

Bei genauerem Hinsehen bzw. Hinhören auf You Tube stellte sich allerdings schnell heraus, daß dem Ganzen nicht so war. Das skandalisierte Lied hatte den lieblichen Titel „Wie schön Du bist“ („Li jepa li si“), ist seit Jahren die inoffizielle Hymne Kroatiens und beschreibt in zarten Zeilen die Schönheit des Balkanlandes. Geschrieben und komponiert wurde es, und dies ist der Stein des Anstoßes, von Marko Perković, einst kroatischer Freischärler im Balkankrieg Anfang der 90er Jahre und heutiger Kopf seiner Band „Thompson“, die er nach seiner im Freiheitskampf benutzten Maschinenpistole benannte.

Thompson: Lijepa li si

Marko Perković ist wohl zur Zeit der beliebteste und populärste Volks- und Rocksänger Kroatiens, der erfolgreich den Dreiklang „Gott / Familie / Vaterland“ bespielt und mit seinen Liedern die ganze Nation, egal welcher Generation, ob nun zuhause oder in der Diaspora, begeistert. Unvergessen sind auch mir noch die Bilder, als nach der Fußball-WM 2018 und dem Gewinn der Vizeweltmeisterschaft die kroatische Nationalmannschaft, die im Gegensatz zum BRD-Team diese Bezeichnung auch verdient, mit Marko Perković im offenen Bus durch Zagreb fuhr und vom Volk euphorisch gefeiert wurden. Ivan Rakitić, kroatischer Superstar in Diensten des FC Barcelona, kabelte daraufhin auf Instagram, Perković sei der „einzig wahre König“ seines Landes und Luka Modrić, kroatischer Zauberfuß von Real Madrid und Weltfussballer rühmte sich, mit Perković und seiner Band eng befreundet zu sein. Die bundesdeutsche Presse war natürlich zutiefst „entsetzt“!

Marko Perkovic

Dabei bedient Perković sich eines positiven Befreiungsnationalismus, der zur Versöhnung mit dem serbischen Brudervolk sowie der Achtung ihrer gemeinsamen Religion aufruft.

Wie oben bereits erwähnt, benannte Perković seine Band nach seiner englischen MP, die ihm bei der Verteidigung seines Heimatdorfes Covaglave gegen die jugoslavische Volksarmee gute Dienste geleistet hatte. Dieser, sein Kampf, ist auch Thema seines bekanntesten Liedes „Bajua Covoglave“, das auf keinem seiner Konzerte fehlen darf und das er immer mit der Parole „Za Dom Spremni“ ankündigt. Das Ritual ist immer das gleiche und bereitet auch einem Nichtkroaten wie mir Gänsehautschauer. Perković ruft von der Bühne in Mikro „Za Dom“ („Für die Heimat“) und das meist in die Zehntausende gehende Auditorium antwortet mit „Spremni“ („bereit“). Die bundesdeutsche Presse, die sich bei Themen wie „Patriotismus“und „Identität“ mittlerweile bequem zwischen Halbwahrheit und Unwissenheit eingerichtet hat, machte daraus, wie erwartbar, prompt einen „faschistischen Ustascha-Gruß“! Dabei geht diese Parole auf den Nationalhelden Ban Jelacic aus den Jahren 1848/49 zurück, als im Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn das kroatische Nationalgefühl erwachte. Die Ustascha machte in der Zeit ihrer Regentschaft daraus „Za dom i poglavnika spremni“ („Für Heimat und Führer bereit“). Thompson erinnern aber nicht an das unglückliche kroatische Regime während des 2. Weltkrieges, sondern an die vielen Landsleute, die im letzten Balkankrieg ihre Familien, Dörfer und Städte mit der Waffe in der Hand verteidigten. Übrigens hat ein kroatisches Gericht Perković ausdrücklich gestattet, im Sinne der Kunst – und Meinungsfreiheit seine Konzerte mit „Za Dom Spremni“ zu eröffnen!

Der „Spiegel“, bei dem man immer noch den Eindruck hat, Relotius führe die Chefredaktion, fabuliert im Rahmen der „Causa Neuer“, man hätte in Kroatien gegen Marko Perković wegen „Volksverhetzung“ ermittelt, vergisst aber im Nachsatz zu erwähnen, dass es nicht mal zu einer Anklage kam. Weiter behauptet das „Hamburger Presseflaggschiff“, Konzerte von Thompson würden in West-Europa regelmäßig verboten. Dabei unterschlagen die Autoren das übliche Antifa-Spielchen aus Lüge, Denunziation und Bedrohung, das immer nach der gleichen Regie abläuft. Thompson kündigen ein Konzert an, Linke, Antifa und manchmal auch instrumentalisierte, chauvinistische Serben schließen sich zu einem „bunten Bündnis“ zusammen, dieses fordert medienwirksam ein Verbot des „Nazikonzerts“. Wie in den meisten Fällen knicken Veranstalter und Hallenbesitzer ein und sagen, weil sie die Sache nicht einschätzen und durchschauen können, den Auftritt ab. Wenn das Thompson-Management und ihr Rechtsbeistand dann klagen, gewinnen sie meist und ihre Landsleute in der Diaspora danken es ihnen, indem sie zu Tausenden zu den Auftritten strömen. Beim letzten Stuttgart-Konzert in der Schleyer-Halle zählte man 13.000 Besucher! Der vollmundige Pöbel der Antifa lässt sich natürlich nicht blicken, da dieser genau einzuschätzen weiß, dass der kroatische Mann im Gegensatz zu seinem bundesdeutschen Pendant noch ein Mann ist und sich nicht ohne Konsequenzen beleidigen oder bespucken lässt.

Thompson-CD-Box

Nichtsdestotrotz, an einer objektiven und korrekten Bewertung des kroatischen Phänomens „Thompson“ scheint der BRD-Presse nicht gelegen zu sein. Zu lieb geworden sind die Klischees des rechten Buhmannes und das Konstruieren eines faschistischen Popanzes. Nicht nur die „Böhsen Onkelz“, die musikalisch durchaus vergleichbar mit dem kroatischen Pendant sind, können Lieder davon singen, auch die patriotischen Musiker des benachbarten Auslandes sind vor dem antifaschistischen Furor bundesdeutscher Bessermenschen nicht sicher. Bleibt zum Schluß nur noch die Frage, wann sich Manuel Neuer von seinen kroatischen Freunden distanzieren und den von ihm erwarteten Kniefall machen wird. Allerdings kann er sich dann bei Luka Modrić und Ivan Rakitić nicht mehr blicken lassen!

Gerald Haertel

Gerald Haertel ist 62 Jahre alt, gelernter Verlagsbuchhändler, war 33 Jahre in der Musikbranche tätig, u.a. bei Firmen Ariola und Virgin-Records. Lebt in Süddeutschland.

2 Kommentare zu „Manuel Neuer, Marko Perković und die Schönheit Kroatiens

  1. Guter Text!
    Unsere sog. „Leitmedien“ sind durchgängig auf die linke Mainstream-Linie eingeschwungen. 4. Gewalt – Fehlanzeige. Wo der Souverän schwächelt, bahnt sich der Defätismus seinen Weg.

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  2. Abgesehen von den winzigen Fehlern („Freischärler“, „Balkankrieg“) voll getroffen.
    Vielen Dank, Herr Haertel!
    Dieser Beitrag hätte in einer großen Zeitung erscheinen müssen.

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