von Hanno Borchert
„Zwischen Bildern und Geschichten“ – Wie die Ausstellung „GLOSSY“ die Welt der Hochglanzmagazine in Hamburg zum Leben erweckt.
An einem kalten Februarabend füllte sich die Fabrik der Künste in Hamburg-Hammerbrook allmählich mit Stimmen und dem leisen Klirren von Sektgläsern. Anlaß war die Ausstellung „GLOSSY – Magazine, Photographien, Geschichten“, eine persönliche Hommage an die Ära der Hochglanz- und Lifestylemagazine, die seit dem 6. Februar 2026 läuft und noch bis zum 1. März zu sehen ist. Am Vorabend hatte der „Stern“-Autor David Baum zur Vernissage geladen, der geschätzt gut 350 Besucher folgten.
Baum, gemeinsam mit Co-Kurator Jan Riephoff Macher der Ausstellung und seit Jahrzehnten eine feste Größe im deutschen Magazinjournalismus, hatte seine ganz persönlichen Höhepunkte aus dreißig Jahren Magazinfotografie zusammengetragen. Hochglanz-Photographien, die kleine Momente wie große Geschichten erzählten. Jedes Bild war mit einem QR-Code versehen, den man mit dem Smartphone einscannen konnte um dann per Kopfhörer Geschichten und Anekdoten aus Redaktionen, von Shootings und persönlichen Begegnungen lauschen zu können, die den jeweiligen Bildern mit dem Informationsgehalt noch größere Authentizität und Tiefe verliehen. So hatte jedes Bild eine Geschichte.
Man wandelte zwischen beeindruckenden Werken umher, unter anderem von Matthias Schweighöfer, Udo Jürgens, Rainer Langhans, Hildegard Knef, Kiss, Luitpold von Bayern, Udo Kier und Georg Prinz von Preußen. Zwischen den ikonischen Aufnahmen von Bryan Adams, Joachim Baldauf, André Rival, Esther Haase, Karl Lagerfeld und vielen anderen blieb man stehen, ließ das Gesehene und Gehörte auf sich wirken, schaute erneut hin und entdeckte immer wieder Details, die zuvor verborgen geblieben waren.
Das Publikum spiegelte in gewisser Weise die bunte Welt der Bilder wider: viele Gäste zwischen vierzig und fünfzig plus, neugierig, mit Lust am Austausch. Dazu einige ältere Semester, dazwischen aber auch junge Menschen in den Zwanzigern, auffallend stilvoll gekleidet, ohne dabei albern und aufgesetzt zu wirken. Hin und wieder traf der Blick auf den einen oder anderen Besucher respektive Besucherin aus der Hamburger Künstlerszene: lässig, eigenwillig, zuweilen ein wenig schräg. Überall entstanden kleine Dialoge zwischen den Bildern, spontane Diskussionen über Lieblingsphotographien, Erinnerungen an Shootings oder schlicht Bewunderung für den Blick, den ein Künstler auf die Welt hatte. Ein wunderbares, lebendiges Mit- und Nebeneinander.
Eingeflochten in die Vernissage war auch ein kurzweilig-anekdotisches Podiumsgespräch mit den Fotographen Joachim Baldauf und Esther Haase unter der Leitung von David Baum.
Witzige Geschichte am Rande: Eine elegant und geschmackvoll gekleidete Dame, vielleicht um die vierzig Jahre, kam mit einem Glas Sekt auf mich zu und meinte: „Exorbitant grandios hier, finden Sie nicht? Aber Sie kommen nicht aus der Szene. Ich würde annehmen, eher so Richtung konservatives Label, nicht wahr?“ Mit einem unwiderstehlich charmanten Lächeln bejahte ich ihre Annahme, worauf sie „Cool! Aber nur wenige trauen sich ja, aus ihrer Blase einmal in die bunte, weite Welt zu schnuppern“ erwiderte. Zu einer passenden Antwort kam ich leider nicht mehr, da sie in diesem Moment von einer anderen Dame mit großem Hallo und Umarmung, und was halt heute so dazugehört, in Beschlag genommen wurde und von dannen ging. Schade, denn ich hätte Ihr da nur zu gerne zugestimmt.
Es gehört für mich zum Selbstverständlichen, andere Welten zu betreten, den Dialog zu suchen und Neues zu entdecken. Doch allzu viele verharren in ihren eigenen Blasen, statt einmal Fenster und Türen aufzustoßen, frische Luft hereinzulassen und den Blick zu weiten. Dabei ginge es nicht nur um neue Perspektiven, sondern auch um die ehrliche Reflexion des Eigenen, und das längst nicht nur in der Kunstszene.
Am Ende des Abends blieb jenes besondere Nachhallen in der Luft, das nur große Ausstellungen zu hinterlassen vermögen: Man geht im Herzen ein wenig reicher nach Hause, an Eindrücken, Geschichten und dem guten, nachklingenden Gefühl, Zeuge einer wahrhaft gelungenen Veranstaltung gewesen zu sein. Und mein Weg wird mich die Tage bestimmt noch einmal in diese spannende Ausstellung führen.
Ach so, ja, den 19.02.26 sollten sich alle im Kalender anstreichen, die sich nochmal oder zum ersten Mal von den wunderbaren Photographien faszinieren lassen möchten und zugleich dem „Glossy Talk“ mit David Baum als Moderator lauschen möchten. Angekündigt sind Marietta Andreae (Andreae PR) Wie Karl Lagerfeld zum Fotografen wurde, Oliver Wurm (Verleger von u.a. „Das Grundgesetz als Magazin“, „dreizehnplus13.de„) Wie man das Neue Testament, das Grundgesetz und einen Koalitionsvertrag als Magazin umsetzt, sowie Christian Krug (Hrsg. GOODLIFE, zuvor Chefredakteur von Stern, MAX und Gala) Zwischen Zeitgeist und Zeitgeschehen: Magazinkultur und Journalismus. Der Talk startet um 19 Uhr.
Das eine oder andere Foto der Ausstellung finden Sie auf der Instagram-Seite des Veranstalters David Baum: https://www.instagram.com/baum_david/
Des Weiteren: https://www.instagram.com/glossy.exhibition/
Glossy – Magazine, Photographien, Geschichten
Ausstellung: 06. Februar bis zum 01. März 2026
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag von 14 bis 18 Uhr
Samstag und Sonntag von 12 bis 18 Uhr
Fabrik der Künste
Kreuzbrook 12
20537 Hamburg
http://www.fabrikderkuenste.de

Hanno Borchert
Hanno Borchert, geb. 1959, Cuxhavener Jung von der Elbmündung. Schon in jungen Jahren wurde durch die Weltenbummelei (Südtirol, Balkan, Skandinavien, Indien, Iran, Indonesien u.a.) die Beigeisterung für die Sache der Völker geweckt.
Ausgebildeter Handwerkergeselle mit abgeschlossenem Studium der Wirtschaftswissenschaften. Bücherwurm seit Kindheitstagen an, musiziert und malt gerne und beschäftigt sich mit der Kunst des Graphik-Designs.
„Alter Herr“ der schlagenden Studentenverbindung „Landsmannschaft Mecklenburgia-Rostock im CC zu Hamburg“. Parteilos. Ist häufig auf Konzerten quer durch fast alle Genres unterwegs. Hört besonders gerne Bluegrass, Country, Blues und Irish Folk. Großer Fan des leider viel zu früh verstorbenen mitteldeutschen Liedermachers Gerhard Gundermann.
Redakteur der alten wie neuen „wir selbst“, zwischendurch Redakteur der „Volkslust“.
Hier finden Sie die Druckausgabe der Zeitschrift wir selbst, Nr. 56/November 2025:
Hier finden Sie die Druckausgaben der Zeitschrift wir selbst, Nr. 55/1-2024 und 54/1-2023:
Die beiden Druckausgaben des Jahres 2022 unserer Zeitschrift sind auch noch erhältlich:
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