von Dr. Ulrich Vosgerau
Zurück zu den Sternen – eine persönliche Würdigung Erich von Dänikens
Erich von Däniken (geboren am 14.04.1935) ist am 10. Januar 2026 verstorben.
Ich habe Erich von Däniken – „EvD“ unterschrieb er seine Briefe immer nur – geradezu geliebt und durfte diesen wunderbaren und vor allem unvergleichlich unterhaltsamen Mann auch persönlich kennenlernen. Etwa zwischen dem 12. und dem 16. Lebensjahr habe ich seine Bücher intensiv gelesen und empfehle jedermann, dies jungen Menschen nahezulegen! Denn seine Bücher sind pädagogisch enorm wertvoll.
Man beginne einfach der Reihe nach mit den legendären Frühschriften, wie „Erinnerungen an die Zukunft“ (einer der größten Bestseller, die es überhaupt je gegeben hat!), „Zurück zu den Sternen“ oder „Aussaat im Kosmos“. (Was diesen Indianerhäuptling Tatunca Nara angeht, dürfte er allerdings auf einen Hochstapler hereingefallen sein, der möglicherweise, wie Jahrzehnte später herauskam, dort im Dschungel sogar Leute umgebracht hat – EvD ist ihm glücklicherweise entgangen!).
Worin liegt der Wert für junge Menschen? Zum einen fing ich an, systematisch das Alte Testament und überhaupt die Bibel zu lesen, diese braucht man nämlich typischerweise als Begleittext zu den frühen EvD-Büchern, weil er sie dem Leser neu erklärt. (Daß diese Cherubim, die Hesekiel erschienen sind, z.B. ein atomar betriebener Helikopter waren).
Meine Religionslehrer waren bas erstaunt, daß ich die Bibel weithin auswendig zu kennen schien, damals – ja, das hatte ich auch EvD zu verdanken. Hinzu kommt das in jungen Menschen dann auch zuverlässig geweckte Interesse an Archäologie, Naturwissenschaften, Weltraumforschung und v.a. Weltraumfahrt. Daß die universitäre Wissenschaft seinen Ansatz für grob unwissenschaftlich hielt, muß ich wohl kaum erläutern. Es wird dabei aber verkannt, daß die EvD-Bücher quasi wie ein Katapult wirken können, das junge Leute, v.a. wohl Knaben, hinauf in die Welt der „wirklichen“ Wissenschaft schießt, sei es nun Altertumskunde oder Naturwissenschaft oder Theologie oder eben alles zusammen.
Bei mir hat es jedenfalls gut funktioniert! Und, übrigens: Wenn er im Vorwort von „Zurück zu den Sternen“ etwas pathetisch schreibt, daß er das ganze Buch im Gefängnis in Untersuchungshaft geschrieben hat (er war als junger Gastronom in finanzielle Schwierigkeiten geraten, wo dann das eine zum anderen geführt haben mag), ist das doch auch wunderbar: da können junge Leute dann sehen, sieh an, das kann wohl jedem mal passieren. Ich bin im Gefängnis gewesen, und ihr habt mich besucht!, sagte Christus selbst. Es kann also nicht so schlimm sein.
In seinem Buch „Beweise“ faßt er seine wesentlichen Ansichten, also die „Ancient-Astronaut-Theorie“, besonders gut zusammen. (Was dort freilich über die Evolutionstheorie, Fachleute sprechen vom Darwin-Wallace-Mechanismus, steht, mögen auch junge Leute von mir aus überschlagen. Die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl ist eine Tatsache, und damit basta! Aber mit „basta“ konnte man EvD ohnehin nicht kommen…).
Besonders reizvoll war von Anfang an, daß seine Bücher nicht einfach seine Theorien darlegen, sondern zumeist zugleich farbige Reiseberichte über seine zahlreichen Weltreisen sind. Dabei ist die Tendenz seines literarischen Schaffen stets von Idealismus, unverstellter Menschenliebe und einer unprätentiösen Frömmigkeit geprägt. Daß eines seiner Bücher „Ich liebe die ganze Welt“ heißt, brachte seine Grundeinstellung wunderbar zum Ausdruck. EvD war ein gläubiger Mann und betete jeden Tag; seine Lehre von einer Einwirkung außerirdischer Intelligenzen in die menschliche Evolutionsgeschichte war nie als eine Art Ersatz für den christlichen Glauben gemeint.
Mein EvD-Lieblingsbuch ist eher untypisch, nämlich „Reise nach Kiribati“ (1981). Dort geht es nämlich gar nicht um Außerirdische in prähistorischen Zeiten, sondern er berichtet einfach unglaublich kurzweilig von seinen Weltreisen – ein moderner Karl May! Daß er ein großer literarischer Unterhalter war, wurde auch von den Etablierten schließlich anerkannt. Aber Vorsicht, – „Obacht“ hätte er gesagt! – das hörte er gar nicht gern! Denn EvD ging es um die Sache, um seine Theorie.

Ich habe ihn immer nur mit einem blauen Sakko gesehen und nie ohne seine auffällige Armbanduhr, die „Omega Speedmaster“ (das ist die Uhr, mit der die amerikanischen Astronauten damals zum Mond geflogen sind!). Politik war nie sein Thema, aber er war klar konservativ orientiert. Zu seinem freilich teils exzentrischen Wesen gehörte der Umstand, daß seine Auskünfte darüber, ob er eigentlich selbst je Kontakt zu außerirdischen Intelligenzen hatte – nun ja, variierten. Ich persönlich halte sein Tomy-Buch, das er vielleicht besser nicht veröffentlich hätte, einfach für einen Ausdruck seines auch skurrilen Humors bzw. für ein literarisches Kunstwerk, das freilich nicht jedem zugänglich ist. Jedenfalls hat er lebenslänglich daran festgehalten, persönlich nie ein Ufo gesehen zu haben, auf allen seinen Weltreisen nicht! (Was ihn dann doch ein wenig zu enttäuschen schien). Ein kleines grünes Mäniken erschien vor Herrn von Däniken? Nein, tat es nicht. Außer Tomy, aber das lassen wir jetzt.
Erich von Däniken war, ich sagte es schon, ein unvergleichlich unterhaltsamer, kurzweiliger und zugewandter Mensch. Er konnte unglaublich viel Coca-Cola trinken – und Rotwein erst Recht! (Bordeaux). Er war lange starker Raucher und zeitweilig unglaublich dick. Und dennoch ist er bei guter Gesundheit und in völliger geistiger Klarheit 90 Jahre alt geworden.
Er hat mein Leben schöner und interessanter gemacht. Die frühe Lektüre seiner kurzweiligen Bücher hat wohl Folgen bis heute. Ich danke diesem wunderbaren Mann von Herzen! Und wo er jetzt sein mag? Wo wird er schon hin sein – zurück zu den Sternen natürlich!
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In unserem Titelbild wurde ein Foto Erich von Dänikens eingefügt, das bei Wikipedia unter Creative-Commons-Lizenz zu finden ist und Sven Teschke als Urheber ausweist.

Studium der Rechtswissenschaft in Passau und in Freiburg i.Br., Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes. Referendariat beim KG Berlin und an der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer. Seit 2004 Rechtsanwalt in Berlin; Promotion 2006 (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br.). Seit 2006 Wissenschaftlicher Mitarbeiter, 2007-2015 Akademischer Rat an der Universität zu Köln. Habilitation 2012, Lehrbefugnis für die Fächer Öffentliches Recht, Völker- und Europarecht, Allgemeine Staatslehre und Rechtsphilosophie. Lehrstuhlvertretungen an der LMU München, der Leibniz Universität Hannover, der Universität Passau und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.
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