Was liebe ich doch den Leerlauf zwischen den Jahren…

von Thor Kunkel

Was liebe ich doch den Leerlauf zwischen den Jahren…

Was liebe ich doch den Leerlauf zwischen den Jahren… dieses Ausrattern und -schlackern der alten Jahresfilmspule: Film ist gelaufen, alle Szenen im Kasten. Fortsetzung folgt? Ich freue mich für die Leute, die glauben, sie hätten wirklich etwas gesehen, und bedauere all jene, die denken, es gäbe nichts Wichtiges als ihr Image, ihre Arbeit oder ihre ideologische Ausrichtung.

Tatsächlich entstand das Leben auf Erden nicht, um an der nächsten Wahlurne zu enden, die ein paar clevere Säugetierkameraden aufgestellt haben. Die Kettenmoleküle begannen sich in der Ursuppe nicht zu drehen, damit wir uns ein Leben lang für die leicht durchschaubaren Machtspiele von politischen Zirkusparteien hergeben. Der innere Mensch, der in jedem von uns wohnt, weiss intuitiv, dass es etwas anderes gibt, etwas, das mein Freund, der verstorbene Regisseur Werner Nekes einmal anhand seines Mediums einzukreisen versuchte: „Die Bilder (im Film) bewegen sich ja nur scheinbar. Unser Gehirn ist von der Geschwindigkeit der Projektion  überfordert und füllt den schwarzen Balken, der die Bilder voneinander trennt, mit produktiver Vorstellungskraft aus.“ De facto ist es die in uns wohnende „produktive Vorstellungskraft“, die die statischen – man könnte auch sagen – „toten“ Filmbilder 24mal in der Sekunde (!) „belebt“.

Dass dieses Energieaggregat tatsächlich existiert, dass es in jedem Menschen wirkt, ist für mich bis heute der stärkste Gottesbeweis. Wir alle sind Teil jener Kraft. Gut möglich, dass es auch Parallelkräfte sind und unsere indogermanischen Vorfahren recht hatten. Ihr leider nur schwer übersetzbarer, etwas umständlich klingender Gottesbegriff lautet: „Vieleinige, vielspältige Vielheit“. Und sie war weiblich konnotiert. (Die Magna Mater der alten Römer mag hier als schwacher Nachklang gesehen werden.)


Viele Menschen erkennen die Existenz einer Schöpfungskraft allerdings erst auf dem Sterbebett, wenn sich die äusseren Dinge wie von selbst von ihnen lösen und alles plötzlich seinen natürlichen Stellenwert hat: Wir sind  zurückgeworfen auf unsere nackte Existenz, Auge in Auge mit jener Schöpfungskraft, der wir unser Dasein verdanken. Nun ist es genug, kleiner Mensch, – es ist Zeit für die Rückkehr zum Ursprung des Seins, oder um es mit Nekes zu sagen, zur Rückkehr in jenen rätselhaften, schwarzen Balken zwischen den Bildern, wo die produktive Vorstellungskraft wohnt. Die einzige wirklich ernstzunehmende Reise, die dann hinter uns liegt, ist die Reise durch unser Fleisch. Alles andere war Illusion, ein bisschen Geflimmer auf der Netzhaut, ein paar Verdauungsgeräusche, ein paar schläfrige Orgasmen, an die man sich kaum noch erinnert.  Hier ist Endstation. Für jeden von uns. Und mancher dürfte dann sogar aufatmen. Warum man diesen Prozess bis heute „Altern“ nennt, ist mir übrigens schleierhaft, denn eigentlich entspricht er ja einer energetischen Vorwärtsbewegung auf ein klar definiertes Ziel: Die Nicht-Existenz. 


Zu dieser Jahreszeit sollten wir diese Reise vergegenwärtigen, und daran denken, dass es tatsächlich eine Schöpfungskraft gibt, die keinen von uns jemals vergisst.

Thor Kunkel

Thor Kunkel, geboren 1963 in Frankfurt am Main, studierte bildende Kunst und arbeitete von 1985 bis 1992 für Werbung und Film. Für seinen ersten Roman „Das Schwarzlicht-Terrarium“ wurde er beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb mit dem Ernst-Willner-Preis ausgezeichnet. Sein nächster Roman „Endstufe“ über die Pornofilmindustrie im Dritten Reich löste eine heftige Debatte in den Feuilletons aus. Thor Kunkel hat außerdem mehrere Hörspiele geschrieben.

Biographisches auf der Thor Kunkels Internetseite (www.thor-kunkel.com)

Ich bin ein Mensch des Gleichgewichts. Ich lehne mich instinktiv nach links, wenn der Kahn rechts zu kentern droht – und umgekehrt. (THOMAS MANN, 1934, in einem  Brief an Karl Kerényi)

Naturphilosophie und Biologie, Andy Warhol und Stanley Kubrick, Pulp-Fiction und die Utopie des III. Reiches, Cargocult und gesellschaftskritische Dystopien  – sie bilden den intellektuellen Hintergrund Thor Kunkels, einer Ausnahmeerscheinung unter den Repräsentanten der neuen „rebellischen“ , von den Mainstream Medien ausgeblendeten deutschen Gegenkultur, die sich dem Konsens eines ideologisch manipulierten Weltbilds verweigert.

Der Schriftsteller galt Volker Weidermann, Feuilleton-Chef der FAS, bis 2004 als ein Hoffnungsträger der deutschen Gegenwartsliteratur.

Der Ernst-Willner-Preisträger wurde jahrelang von den Medien hofiert und vom Literaturbetrieb mit Stipendien gefördert. Das alles ändert sich schlagartig nach einer vom Spiegel lancierten Rufmord-Kampagne, die dem Autor – anhand eines von Kunkel verfassten Werkstattberichts „Revisionismus“ unterstellte. Was folgte war einer der heftigsten Literaturskandale der Gegenwart. Nie zuvor wurde ein Autor von den Medien dermaßen „hart, unerbittlich, um nicht zu sagen, gnadenlos“ (Volltext, 9/08) gejagt und beschimpft.

Dem 2004 von den Medien formulierten Kulturvorbehalt folgte die intellektuelle Ausbürgerung des Schriftstellers. Seine Romane werden demonstrativ von den Feuilletons, die sich als verlängerten Arm der Political Correctness verstehen, ignoriert oder nur schubweise rezensiert –, damit Kunkels erzählerisches Werk allmählich in Vergessenheit gerät. Die Vernichtung des Künstlers soll wie im Stalinismus durch gezieltes Verschweigen geschehen.

Schaut man sich Kunkels Bibliografie genauer an, stellt man allerdings fest, dass das Thema „III. Reich“ nur eines von vielen ist: Auch utopisch-technische Romane („Schaumschwester“), mit Herzblut geschriebene Noir-Krimis (“Kuhls Kosmos“) und eine beißende Gesellschaftskritik wie „Subs“ (verfilmt 2018 als HERRliche Zeiten von Oskar Roehler) belegen die Bandbreite dieses Autors, den manche Kritiker zu den besten Schriftstellern der jüngeren, deutschen Gegenwart zählen.

Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit arbeitet Thor Kunkel heute als Kreativ-Direktor einer Schweizer Werbe-Agentur, – eine „Industrietätigkeit“, wie er meint. Berufliche Stationen waren u. a. führende Agenturen wie Young & Rubicam, GGK London, Team BBDO, Scholz & Friends, Wunderman Cato Johnson und McCann-Erickson Amsterdam, wo er einige preisgekrönte Kampagnen entwarf. Nebenbei engagierte sich Kunkel immer wieder für humanitäre Hilfsorganisationen wie Mensen in Nood, die Stiftung „S.A.N.E. – A National Emergency“ und die niederländische SIRE – Stichting Ideele Reclame.

Die beiden Druckausgaben des Jahres 2022 unserer Zeitschrift sind auch noch erhältlich:

Nachfolgend sehen Sie die aktuelle Druckausgabe unserer Zeitschrift „wir selbst“ mit einer Bestellmöglichkeit:

Hier kann man die neue Ausgabe (wir selbst. Zeitschrift für nationale Identität, Nr. 55/1-2024) bestellen: https://lindenbaum-verlag.de/produkt/wir-selbst-zeitschrift-fuer-nationale-identitaet-nr-55-1-2024-globales-denken-als-lokaler-ruin-globalisierung/

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