Zeitschriftenkritik: casa | blanca

von Werner Olles

Zeitschriftenkritik: casa | blanca

Wenn eine intellektuell und politisch derart heruntergekommene Regierung samt „größter Oppositionspartei“ und mit erzwungenen Steuermilliarden bestochenen ÖRR-Staatsmedien Analyse und Information durch moralische Appelle und repressive beziehungsweise regressive Aktionen (Corona-Maßnahmen, „Kampf gegen rechts“, klima- und energiepolitische Kostenexplosion, Folgen der illegalen Masseneinwanderung, allgemeine Militarisierung etc.) ersetzt, und die Krise zumindest des Geldes das öffentliche Bewußtsein erreicht hat, in welch verquerer Gestalt auch immer, dann ist die Zeit für eine Ideologiekritik, die diesen Namen auch verdient hat, gekommen. Denn es sind die häßlichen Erscheinungsformen der jetzt gern wieder beschworenen westlichen und demokratischen Werte und die Ideale der Aufklärung, die in der Krise, die eher eine Katastrophe ist, kulminieren.

Den Nachweis dieses nun wirklich nicht mehr zu leugnenden Zusammenhangs liefert die jüngst neuerschienene und ca. 140 Seiten umfangreiche politische Halbjahreszeitschrift „casa/blanca“ (1/2024) mit dem vielsagenden Untertitel „Texte zur falschen Zeit“ und dem Schwerpunktthema „Der Westen ist einsam. Von der Aufgabe bürgerlicher Freiheit“.  Könnte man den ersten Teil des Titelthemas noch etwas flapsig mit „Selber schuld, das hat er sich redlich verdient!“ kommentieren, ist jedoch seitdem ganz konkret eine Situation herangereift, in der sich das weitere Schicksal radikaler Gesellschafts- und Ideologiekritik entscheidet. Dabei stößt der Entschluß gerade jetzt in die Offensive zu gehen, Position zu beziehen, publizistisch Einfluß zu gewinnen, internationale Kontakte auszubauen und links wie rechts diskussionsunwilligen, kategorial abgestumpften und abgewirtschafteten Platzhaltern der „Zeitenwende“ noch energischer als bisher Konkurrenz zu machen, geistes-, ideengeschichtliche und kulturtheoretische Probebohrungen auf den Weg zu Selbstbewußtsein und Freiheit zu bringen, zwar naturgemäß auf nur wenig Gegenliebe. Dennoch muß der Versuch unternommen werden „zu begreifen und das heißt: auf den Punkt zu bringen, was gegenwärtig geschieht und wie sich die Wirklichkeit durch das, was geschieht, verändert. Solche „Texte zur falschen Zeit“ werden in „casa/blanca“ künftig erschienen“, liest man dazu  im Editorial der Redaktion.

So befaßt sich der Heftteil „Panoptikum“ mit diversen Kurzbeiträgen über die nur in Deutschland existierende „herzige Gutleut-Courage, deren Alltagsengagement sich durch Vergabe von Kuscheltieren an ukrainische Akademikerinnen“ zeigt, der Übersetzung des „Correctiv“-Textes über das in den politisch korrekten Lücken-Medien sogenannte „Potsdamer Geheimtreffen“ in die berüchtigte „Leichte Sprache für geistig Behinderte, Randständige, Verwirrte, Abgehängte und Unverständige“, die in die inklusive Gesellschaft einzugliedern sind (lat. inclusio: „Einsperrung, Einschließung“), von der jedoch nicht mehr viel übrig ist „als eine Einheitsfront gegen rechts“ bis hin zum Fall einer 16jährigen Schülerin aus Mecklenburg-Vorpommern, die im zeitgenössischen „Kampf gegen rechts“ von drei Polizisten eine „normenverdeutlichende“ Ansprache – quasi eine Gefährderansprache – zu ihrem vorgeblich eigenen Schutz erhielt, nachdem man das Mädchen wie eine Straftäterin mitten aus dem Unterricht gezerrt und vor der gesamten Schule bloßgestellt hatte. Indes war nichts „Rechtsextremistisches“ bei ihr festzustellen, wobei das von der woken Linken geführte Bildungsministerium sich nicht entblödete, diese Art „schwarzer Pädagogik in antiautoritärer Mission und dem Rohrstock der feinen Gesellschaft“ freundlich abzunicken, während die Betroffene von ihren Mitschülern immerhin tröstende Solidarität erfuhr. Es gibt also Hoffnung, „daß zumindest Teile der Jugend trotz allem noch zu Ich-starken Persönlichkeiten heranreifen, die sich dem institutionellen Durchmarsch der „woke generation“ zu widersetzen in der Lage sein könnten“.

Während Karl Lagerfeld 2017 die Flüchtlingspolitik Merkels in einer französischen Talkshow mit den ebenso lakonischen wie deutlichen und vor allem wahren Worten kommentierte: „Man kann nicht, selbst wenn Jahrzehnte dazwischen liegen, Millionen Juden töten, um danach Millionen ihrer schlimmsten Feinde ins Land zu holen“, und das bestialische, antisemitische Massaker vom 7. Oktober von Neuköllner Berufspalästinensern mitsamt ihren so geschichtsvergessenen, linksextremen deutschen Judenhassern in exhibitionistischer Widerwärtigkeit frenetisch bejubelt wurde, hatte Robert Habeck einmal mehr eine gute Idee, indem er ausgerechnet islamistische Verbände wie DITIB und Milli Görus aufforderte sich vom Antisemitismus zu distanzieren, was zwar deren Selbstauflösung gleichgekommen wäre, Habeck, den Meister aller Leerformeln, aber keineswegs irritierte, schließlich geht es ja um das grüne Jahrhundertprojekt einer multikulturellen Gesellschaft. Tatsächlich handelt es sich jedoch beim „Schutz jüdischen Lebens“ (BP Steinmeier) zuallererst um eine Staatsaufgabe und nicht um irgendwelchen Multi-Kulti-Blödsinn, wie Steinmeier, Oberlehrer des Hypermoralismus statt diplomatischer Repräsentation, gern zu sagen pflegt, nachdem er bei anderen Gelegenheiten Blumen am Grab des Terrorpaten Yassir Arafat abgelegt hatte, aber von der islamisch-antisemitischen Front, die sich von Gaza bis nach Neukölln und Malmö gebildet hat, und der sich eine postnormale, konformistische neue Linke solidarisch bis zur Verblödung angeschlossen hat, lieber schweigt.

 Die schrillen Töne, in denen die Aufklärung von den Herrschenden neuerdings wieder beschworen wird, verweisen allerdings darauf, daß hinter der in 300 Jahren reichlich verschlissenen Fassade der „westlichen Werte“ unübersehbar die nackte Angst hervorlugt. Vorbei ist die Zeit, in der es schien, als könne man sich mit dem nötigen Maß an Realitätsverweigerung, das die bundesdeutsche Ampelregierung und ihre medialen Vasallen bis ins „Eff-Eff“ beherrschen, in den Gewinnersegmenten des Weltmarkts ganz bequem einrichten, obwohl ein Teil der Welt in Hunger, Krieg und Zerstörung versinkt und ein weiterer Teil die bundesrepublikanischen von After- und Doppelmoral triefenden Belehrungen bis oben hin endgültig satt hat. Besonders ekelhaft ist, wie ungeniert und dümmlich nun erneut die „antirassistischen“ Töne anklingen, vor allem angesichts eines immer fanatischer werdenden Islams, dem die wunderbaren Segnungen der Aufklärung offenbar nie zuteil wurden, der aber im Zuge der Globalisierung wie ein Schmarotzer in dessen Gewebe hängt, und dies, ohne irgendwie zumindest quarantänisiert zu werden, da man ja sonst den Wirt, also die Globalisierung, beschädigen könnte.

„Über die neue Soziologie der Anpassung“ und gegen die deutschen „Philosophen, Halbphilosophen und Schöngeister“ polemisierte bereits Marx, weil sie ebenso verlogen agitierten wie unsere heutigen Nachhaltigkeitsaktivisten, deren affirmative Anpassungslehre uns jetzt als „Ordnungswissenschaft“ verkauft wird, schreibt David Schneider. Eine ungewollt parodistische anmutende regressive Überlebensstrategie mit der Klimabewegung, die ehrfürchtig als „Hort des Widerstands“ dargestellt wird, verbrüderte sich nach dem Hamas-Massaker mit dem sogenannten „Palästinensischen Widerstand“ und gebar eine Kleinbürgerideologie des Grauens, des Verbot und Verzichts, die jedoch letztlich nutzlos ist. Wie im Iran warten auch hier auf die woken, linksliberalen LGTB-Fans und ihren pädophilen Anhang die Laternenpfähle und Baukräne. Das lassen sich die Islamisten nun mal nicht nehmen. Der Politologe Lepenies beklagt daher auch die „übertriebene Freiheitsliebe und den Mangel an Affektkontrolle“ in der Bevölkerung am Beispiel der „Gelbwesten“, deren Militanz ihn äußerst besorgt. Ihr Kampf zeige die anmaßende Haltung jener, die glaubten ein Recht zu haben auf Traditionen und kulturelle Identität ebenso wie auf Konsum und tradierte Gewohnheiten. Ähnlich wie Lepenies möchte die herrschende politiko-mediale Klasse die wachsende soziale, materielle und gesellschaftliche Desintegration mittels moralischer Erpressung kompensieren beziehungsweise letztlich erzwingen. Im akademischen Milieu betrifft dies heute vor allem den weltanschaulichen Konsenszwang, der totalitäre Fürsorgestaat belohnt die „disziplinarische Wut des Safe Space“ an den zu „Gesinnungsirrenanstalten“ (Michael Klonovsky) verkommenen Hochschulen mit der Freigabe des Rauschs und einer gehörigen Prise des im Alltag angekommenen transhumanistischem Cyber-Sex, die beide als postmoderne Formen der Alltags-Esoterik beziehungsweise -erotik auch dem Banalsten und Trivialsten noch irgendeinen Tiefsinn verleihen sollen.

Während Magnus Klaue über eine „Kritische Reflexion der Medizin“ („Unreine Wissenschaft“ nachdenkt, schreibt Philippe Witzmann über „Moralismus und Krise“ und entwirft eine „Pathogenese der postbürgerlichen Welt“, in der die Gretchenfrage der Zukunft sein wird, wer noch ein Mindestmaß an individuellem Stolz besitzt, um sich einen wirklichen Nonkonformismus zu gönnen, also ein verläßlicher hater zu sein, „denn daß man es mit einer wachsenden pathologisch gesunden Mehrheit von Debilen zu tun hat, denen der Tod über alles geht, dürfte inzwischen außer Frage stehen“.

Weitere Beiträge beschäftigen sich mit Themen wie „Keine Zeit ohne Smartphone. Wie der Transhumanismus im Alltag angekommen ist“ (Leo Krovich), „Kriegswirtschaft als Glücksversprechen. Die klima- und energiepolitische Transformation der Gesellschaft“ (Elena Louisa Lange & Thomas Maul), „Ewige Antisemiten? Über die Illusion der Zweistaatenlösung“ (Thomas Maul), „Ungleiche Tode. Judith Butlers Trauerkritik und die Gewalt des 7. Oktober“ (Lukas Sarvari), „Transzendentale Souveränität. Zionismus als messianische Utopie und bürgerliche Wirklichkeit“ (Magnus Klaue), „Schiffbruch mit Zuschauer, der alte weiße Mann als Zivilisationswrack“ (Magnus Klaue), „Der verlorene Schauspieler. Zum 60.Todestag und 120. Geburtstag von Peter Lorre“ (Thomas Maul), „Die Rettung Winnetous durch Ernst Bloch und Theodor W. Adorno. Zur vergessenen Aktualität der Kritischen Theorie“ (Gunther Nickel) und „Das Ende des Tresens. Wie die Politisierung der Kneipe den Zerfall ihrer kommunikativen Funktion befördert“ (Magnus Klaue & Lukas Sarvari).

Wer der Kritischen Theorie, der Dialektik der Aufklärung, der Kraft zur Reflexion und des Nicht-Mitmachens dennoch die Treue halten will, und dies trotz des allseits herrschenden Wohlfühlantifaschismus, des unbedingten Dazugehörens, des kollektivistischen Narzissmus der Halbgebildeten und Sich-besser-Fühlenden und der nun wirklich nicht mehr zu übersehenden Landnahme durch vorzivilisatorische Kulturen, der ist bei „casa/blanca“ gut aufgehoben.

Kontakt: Freunde der Zeitschrift casa/blanca e.V., c/o Gunther Nickel, Liebfrauenstr. 69, 64289 Darmstadt. Einzelpreis 12,50 Euro, Jahresabo 24 Euro. http://www.textezurfalschenzeit.de   

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Werner Olles

Werner Olles

Werner Olles, Jahrgang 1942, war bis Anfang der 1980er Jahre in verschiedenen Organisationen der Neuen Linken (SDS, Rote Panther, Jusos) politisch aktiv. Nach grundsätzlichen Differenzen mit der Linken Konversion zum Konservativismus und traditionalistischen Katholizismus sowie rege publizistische Tätigkeit in Zeitungen und Zeitschriften dieses Spektrums. Bis zu seiner Pensionierung Angestellter in der Bibliothek einer Fachhochschule, seither freier Publizist.

Autor der Bücher:

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Bestellungen: Grenzgänger des Geistes. Vergessene, verkannte und verfemte Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.

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Bestellungen: Feindberührungen – Wider den linken Totalitarismus!

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