von Werner Olles
Zeitschriftenkritik: CATO – das Magazin für neue Sachlichkeit
Eine „fatale moralische Selbsterhöhung“ sieht CATO-Chefredakteur Ingo Langner in den jüngsten westdeutschen „Demonstrationen gegen rechts“ einen Neuaufguß von Schröders peinlichem „Aufstand der Anständigen“, der allerdings schnell zusammenbrach, als sich herausstellte, daß die damaligen Täter Mohammedaner und keine deutschen „Nazis“ waren. Inzwischen scheint es jedoch eine gewisse kognitive Dissonanz zu geben, die es einem nicht unbeträchtlichen Teil der Bürger unmöglich macht, die Wahrheit zu erkennen und ihr ins Auge zu sehen. Man kann dies ruhigen Gewissens als Gehirnwäsche durch die herrschenden Politiker und die ihnen ergebenen Massenmedien bezeichnen, die jedoch wegen ihrer aktuellen politischen Relevanz – mögliches AfD-Verbot, Entzug der bürgerlichen Ehrenrechte für bestimmte unliebsame oppositionelle Politiker, geplante Überwachung der Konten hinsichtlich Spenden an „verdächtige“ Gruppen und Parteien etc. –, in höchstem Maße beunruhigend und gefährlich ist.
Gewiß werden die Bevölkerungsaufmärsche, jener, die klischeehaften Erzählungen auf den Leim gehen, irgendwann abebben, aber das System hat den Höhepunkt seines Amoklaufs gegen „rechts“ längst noch nicht erreicht und scheint überdies das Geheimnis der ewigen Stabilität entdeckt zu haben, denn es ist weit langlebiger und resilienter, als uns Patrioten, Nonkonformisten, Nationalrevolutionären, Reaktionären und Konservativen Revolutionären lieb ist. Allzuviel Hoffnung ist da angesichts eines Bevölkerungskonglomerats, das keinerlei Ahnung von seiner eigenen Geschichte, Kultur und Identität mehr hat und die liberale Demokratie und Gesellschaft nicht als Illusion begreift, die darüber hinaus jederzeit in ein barbarisches Pogrom entarten kann, nicht angebracht. Langner erinnert in seinem Vorwort zur aktuellen Ausgabe (Februar-März 2024) auch an den Berliner Verleger Axel Springer, der bis zu seinem Tod von Personenschützern vor den Angriffen von Linksterroristen bewacht werden mußte. Dessen ungeachtet meinte Günter Grass, Alexander Solschenizyn vor Springer warnen zu müssen und nannte ihn einen „Geistesverwandten Stalins“. Solschenizyns Antwort: „Ich bin fest davon überzeugt, daß Springer nicht 40 Millionen Menschen im Archipel Gulag ermordet hat.“ Auch das „Schwarzbuch des Kommunismus“ des Historikers Stéphane Courtois, das die Ermordung von rund 100 Millionen Menschen dokumentiere, habe bis zum heutigen Tag an der Verehrung des linken Lagers für Massenmörder wie Lenin und Mao nichts geändert. Bereits 1980 habe Golo Mann der Zeit-Mitherausgeberin Marion Gräfin Dönhoff geschrieben, daß er „bei der deutschen Intelligentsia, die ja nun zu neun Zehnteln linksliberal bis ultralinks ist, nur noch als greiser Idiot gelte.“ Tatsächlich würde Karl Marx die vornehmlich aus „Staatskünstlern“ bestehende deutsche Kulturschickeria in seinem ureigensten Jargon wohl als „Lumpenproletariat und Schmarotzeradel der Bourgeoisie“, als „Abfall und Bodensatz aller Klassen mit zweideutigen Substanzmitteln und von zweideutiger Herkunft“ und als „passive Verfaulung der untersten Schichten der Gesellschaft“ bezeichnen. Und das nicht zu Unrecht!
Im Interview mit dem ehemaligen „Bild“-Chefredakteur Dieckmann erklärt dieser seine Sicht der Lage nach dem Hamas-Attentat am 7.Oktober. Kann man den Thesen hinsichtlich der immensen deutschen Zahlungen an die im Westjordanland und in Gaza herrschenden hochkorrupten Behörden und Funktionäre samt der ihnen willfährig dienenden NGOs noch uneingeschränkt zustimmen, so ist seine Reaktion auf die 2015 von Bild initiierte unsägliche „Refugees Welcome“-Kampagne mit der folgenden Aufnahme von hunderttausenden Asylanten völlig unbefriedigend. Ganz vom üblichen „Bild“-Sozialkitsch kann sich Dieckmann auch hier nicht lösen, angesichts der „Flüchtlinge“ in Griechenland, die sich ja dort immerhin in einem sicheren Drittland befanden, und dessen eigene Bevölkerung genug damit zu tun hat, um ihr eigenes Auskommen und Überleben zu kämpfen. Locker übersehen wird dabei auch die Welle von multikultureller Gewalt, Drogenkriminalität, Unsicherheit auf Straßen und Plätzen und die ethnische Zersplitterung der Gesellschaft, die dadurch in ihrer Existenz und in ihren kulturellen Werten bedroht ist. Weitaus überzeugender ist Artur Abramovychs Essay „Haß auf das Eigene“, in dem der Autor darlegt, daß man angesichts ihrer Überrepräsentation auf dem deutschen Buchmarkt zu dem Fehlschluß kommen könne, es gäbe nur linke Schriftsteller in Israel. Tatsächlich werden jedoch rechte Autoren hierzulande erst gar nicht übersetzt, während Israels linke Kulturelite mit deutschen Literaturpreisen überhäuft werde, erhalte sie hingegen im Ausland mehr Anerkennung als in Israel, da sie keine Gelegenheit auslasse, gegen das eigene Land den Vorwurf des „Extremismus“ und der „Apartheid“ zu erheben, während der Gegner systematisch verharmlost werde.
In seinem „Brief aus Warschau“ analysiert David Engels den linksliberalen Umbau der polnischen Gesellschaft seit dem Machtantritt von Donald Tusk: Entchristlichung von Schulen, Inhaftierung von ehemaligen Ministern, präsidiale Amnestien, Besetzung und Abschaltung der öffentlich-rechtlichen Medien, Löschung mißliebiger Dokus, Legalisierung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften inklusive der überaus freundschaftlichen Annäherung an die LGTBIQ-Community und des Gender-Kauderwelschs, Verstärkung des Zugriffsrechts der ohnehin übergriffigen EU und nicht zuletzt die Unterzeichnung des europäischen „Asylkompromiß“, der Böses ahnen läßt. Faktisch bleibe kein Stein auf dem anderen, alles Konservative und Nationale werde aus Kultur, Kunst und Literatur verbannt. Sogar die recht kriegerischen Töne gegen Rußland, auf die allerdings bereits die PIS-Regierung nicht verzichtete, würden noch einmal verschärft und die ewige Treue zum Nato-Hegemon USA betont. Aus deutscher Sicht sei allein die Wiederaufnahme des deutschen Sprachunterrichts zu begrüßen. Aus Berlin und Brüssel habe es für den EU-liebedienerischen Linksruck hämisches Lob gegeben, denn wenn die die Gesellschaft nach links rücke, sei dies ideologisch höchst erwünscht, während die Gegenrichtung grundsätzlich als Angriff auf Demokratie, Liberalismus und Menschenwürde gelte. David Engels sieht hier mit vollem Recht „eine einzigartige politische Gleichschaltung.“ Das „Noch ist Polen nicht verloren!“ rücke damit in weite Ferne.
Weitere Beiträge befassen sich mit der „fälligen Aufarbeitung der palästinensischen Vergangenheit“ (Siegfried Gerlich), der „Anatomie des Terrors“ (Alex Baur) und dem „Ewigen Zankapfel historischer Rekonstruktionsprojekte“ (Jonathan Danubio).
Kontakt: CATO Verlag. Fasanenstr. 4, 10623 Berlin. Einzelheft 17 Euro, Jahresabo 90 Euro.

Werner Olles
Werner Olles, Jahrgang 1942, war bis Anfang der 1980er Jahre in verschiedenen Organisationen der Neuen Linken (SDS, Rote Panther, Jusos) politisch aktiv. Nach grundsätzlichen Differenzen mit der Linken Konversion zum Konservativismus und traditionalistischen Katholizismus sowie rege publizistische Tätigkeit in Zeitungen und Zeitschriften dieses Spektrums. Bis zu seiner Pensionierung Angestellter in der Bibliothek einer Fachhochschule, seither freier Publizist.
Autor der Bücher:
Bestellungen: Grenzgänger des Geistes. Vergessene, verkannte und verfemte Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.
Bestellungen: Feindberührungen – Wider den linken Totalitarismus!

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